Leo G. Linder: Jesus, Paulus und Co.

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Foto: Leo G. Linder (Quelle: Privat)

Man hat so gut wie keine Chance sich dem Inhalt dieses Buches zu entziehen. Da ist die Vielzahl der Fotos biblischer Stätten, aber auch Landschaftsbilder und da sind die spannenden Texte mit denen der Autor versucht der Wahrheit biblischer Erzählungen auf die Spur zu kommen.

Was Linder schreibt ist für einen Laien gut nachvollziehbar und er macht, anhand der Evangelien klar, dass vieles sehr dicht an der Wirklichkeit erzählt und aufgeschrieben wurde. Was mir aber ebenso wichtig beim Lesen war; Leo G. Linder bemüht sich darum zunächst die Menschen jener Zeit anzuschauen und sich dann mit den biblischen Texten näher zu beschäftigen.

Faszinierend wie der Autor viele Puzzleteile zusammenbringt und damit eine neue Sichtweise ermöglicht. Wer beginnt sich mit diesem Buch zu beschäftigen, wird hinterher ganz neu auf biblische Inhalte schauen können!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06598-4, Preis 22,99 Euro

Leo G. Linder hat buecheraendernleben jetzt folgende Fragen beantwortet:

Lieber Herr Lindner, soeben ist Ihr Buch „Jesus, Paulus und Co.“ erschienen. Sie sind der Frage nach der Wahrheit realer Begebenheiten, die uns in der Bibel geschildert werden, auf der Spur. Was war für Sie das größte Aha – Erlebnis bei der Arbeit an Ihrem Buch?

Ich habe mich nach dem Wirklichkeitsgehalt der Evangelien gefragt. Bei den Vorbereitungen auf dieses Buch hatte ich in der Tat einige Aha-Erlebnisse, auf zwei davon will ich kurz eingehen.
Das eine betrifft den Charakter der Zeit, in der die Evangelien spielen, in der Paulus und die Apostel wirken: Sie ist unserer Zeit verblüffend ähnlich. Es ist nämlich ein Zeitalter der Globalisierung, der Kommunikation, der Auflösung und Vermischung von Kulturen, ein Informationszeitalter, würden wir heute sagen. Auch die Menschen selbst empfanden sich damals als Bewohner einer globalisierten Welt – das war mir bis dahin nicht klar gewesen.
Und das zweite Aha-Erlebnis: dass die Evangelien ganz anders rüberkommen, wenn man jedes am Stück liest, hintereinander weg, also nicht in Sinneinheiten zerstückelt, nicht in Häppchen zerteilt. Man bekommt dann nämlich ein viel deutlicheres Gespür für die erlebte Wirklichkeit, die in diese Texte eingeflossen ist.

Warum ist es uns Menschen, die wir uns ja so gern als Gläubige bezeichnen oder bezeichnen lassen, so wichtig herauszufinden ob hinter den biblischen Erzählungen nicht doch auch historisch belegbare Fakten stehen?

Das ist wichtig, weil der Glaube andernfalls ein Phantom, eine Erfindung überhitzter Gemüter und mithin Unsinn wäre. Alle Autoren des Neuen Testaments legen deshalb größten Wert auf die Feststellung, dass Fakten die Grundlage und das Ausgangsmaterial dieses Glaubens bilden. Aus demselben Grund haben die Evangelien auch diesen Reportage- oder Berichtcharakter – eine ganz ungewöhnliche Form. Welches andere ‚heilige Buch’ lässt sich historisch einordnen und nimmt auf historische Tatsachen Bezug?
Natürlich muss man immer den Doppelcharakter dieser Texte berücksichtigen: Das Ewige zeigt sich im Zeitlichen. Aber beide Ebenen sind nicht so miteinander verschmolzen, dass man die zeitliche, historische Ebene nicht herauslösen könnte.

Sie nennen die Evangelien „Meistererzählungen“. Viele Schilderungen halten Sie für historische Wahrheiten. Ändert dies etwas für das Christentum?

Es ändert nichts. Die Evangelien sind ja 1800 Jahre lang als historische Bücher gelesen worden, allerdings auf eine naive, wundergläubige Art. Erst wen wir hergehen und die historische Substanz der Evangelien leugnen, hätte das Folgen für das Christentum. Fatale Folgen. Im übrigen halte ich nicht bestimmte Schilderungen für die Wiedergabe von historischer Wirklichkeit, ich bin vielmehr überzeugt, dass die Evangelisten Jesus in jeder Hinsicht gerecht werden wollten, auch was seine Vita angeht.

Zu historischen Stätten sind Sie gereist. Vieles haben Sie gesehen und sicher auch gelesen. Hat Ihre Arbeit etwas zu einer veränderten Einschätzung des Christentums geführt?

Mir hat sich durch meine Reisen im Nahen Osten erstmals das syrische, das armenische, also das (von uns aus gesehen) südöstliche Christentum erschlossen. Als Rheinländer glaubt man ja, das Christentum hätte sich schnurstracks von Jerusalem nach Köln ausgebreitet. Das in den ersten Jahrhunderten Syrien, Kleinasien, ja alle Landstriche bis hin nach Persien christlich waren, war mir nicht bewusst. An der Substanz meines Glaubens haben diese Reisen allerdings nichts geändert.

Jetzt ganz sicher die schwerste Frage an Sie: Beschreiben Sie bitte in vier Sätzen wer Jesus nach all Ihren Forschungen für Sie heute ist und warum er bis zum heutigen Tag solch eine enorme Ausstrahlungskraft besitzt.

Die Frage lässt sich in einem Satz beantworten: Jesus war ein Urknall. Sein Reden und Denken war explosiv – und die Erschütterungen sind bis heute zu spüren. Weil er den einzelnen Menschen zum Gegenüber Gottes gemacht hat, und Gott zum Gegenüber des Einzelnen. Und weil er diese Beziehung als eine Liebesbeziehung gedeutet hat.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

Das Gütersloher Verlagshaus stellt uns von diesem Titel ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis Montag unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Leo G. Linder: Jesus, Paulus und Co.

  1. Maria Lahnstein

    Das hört sich wahnsinnig interessant an ! Nach dem „ungezähmten Messias“ finde ich solche vertiefende Lektüre sehr wichtig.

  2. Esther M.

    Das Buch finde ich spannend – bin bei der Verlosung dabei 🙂

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