Bernhard Albrecht: Patient meines Lebens

patient meines lebens

Der studierte Mediziner Bernhard Albrecht schaut in seinem Buch auf den Beruf des Arztes. Aus eigener Erfahrung schildert er, wie es bei Medizinstudenten darum geht, möglichst viele Informationen und Wissen zu konsumieren, um dann das Studium möglichst gut abzuschließen. Ist er dann zugelassener Arzt, bewegt er sich in einem beinah nicht zu überschauenden Geflecht von Vorschriften, Gesetzen und auch Werbefallen, die die Pharmaindustrie ganz bewusst stellt.

Was bei dieser Entwicklung ganz auf der Strecke geblieben zu sein scheint, ist der Arzt, der die ärztliche Kunst in seinem täglichen Handeln aufgegeben hat. Ärztliche Kunst setzt voraus, dass sich der Arzt gemeinsam mit seinem Patienten mit allen möglichen humanen Mitteln um Leben und Gesundheit kämpfen. Dies geht allerdings sehr schlecht, wenn der Arzt wie in unserem Gesundheitswesen immer mehr zum Roboter verkommt, der lediglich den Rezeptschein ausfüllt.

Der Mediziner Albrecht ist heute Sternredakteur und hat eine ganze Reihe von Beispielen zusammengetragen, in denen Ärzten beinah unmögliches gelungen ist. Da sind die Zwillinge, die in der 21. Woche geboren wurden nur eine Episode, bei der ich als Leser noch im Nachhinein mitgefiebert habe. Fälle werden geschildert, die durch ihre jeweiligen Ärzte positiv ausgegangen sind, weil niemand Angst hatte Neuland zu betreten. In einer Zeit, wo Patienten gern mal einen Arzt verklagen, wird es sich ein Arzt jedoch sehr gründlich überlegen, ob er eine Vorschrift mal umgeht oder sich darüber hinweghebt. Ärztliche Kunst allerdings braucht diese verlorengegangene Freiheit eines Arztes.

Was mir ein wenig zu kurz kommt, ist Albrechts klarer Forderungskatalog an die Gesetzgeber. Dieses Buch hätte genutzt werden können, um eine genaue Ansage zu machen, was die Ärzteschaft der Gegenwart von der Politik und der mächtigen Pharmaindustrie heute erwartet.

Eine Vielzahl von Vorschriften sowie das durch fehlende Finanzen zeitlich streng reglementierte Arzt-Patient-Verhältnis sind dafür verantwortlich, dass die ärztliche Kunst auf der Strecke bleibt.

Bernhard Albrecht zeigt wie es sein könnte!

Droemer, ISBN 978-3-426-27594-8, Preis 19,99 Euro

Ein sehr interessantes Interview mit dem Autor Bernhard Albrecht gibt es hier zu lesen:

http://www.droemer-knaur.de/leselounge/7948221/interview-mit-bernhard-albrecht

Droemer stellt uns von diesem Titel ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer bis Freitag 20 Uhr seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Bernhard Albrecht: Patient meines Lebens

  1. Lea

    Klingt sehr interessant, zu schauen, zu was Ärzte alles fähig sind. Auch, was in der Politik geändert werden müsste ist sicher interessant zu lesen, auch wenn es deprimierend sein könnte, weil nicht sicher ist, wie schnell sich etwas ändern wird…

  2. Maria Lahnstein

    Als ehemalige Krankenschwester ist das ein Thema, was mich sehr interessiert. War das doch schon vor über 25 Jahren ein großes Problem. Ist der Arzt noch Arzt aus Berufung oder geht es nur um Geld und Ansehen ? Auch die Grenzen des Arztes habe ich oft miterlebt, wobei damals noch nicht die Gefahr eines Prozesses so hoch war wie heute. Eher eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber dem Patienten, der nur als Fall oder Nummer gesehen wurde. Auch ein allgemeines Zeitproblem hat mit dazu beigetragen und heute ist das nicht besser geworden.

  3. Ruth Ebeling

    Arzt zu sein ist heute kein Vergnügen, aber ist es das jemals gewesen? Glücklich der Patient, der einen verständnisvollen Arzt findet. Das Buch würde ich gerne lesen.

  4. Gundula

    Sehr interessantes Thema, würde das Buch gerne lesen.

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