Monatsarchiv: August 2013

Elisabeth Büchle: Sturmwolken am Horizont

sturmwolken am horizontelisabeth büchle

Foto: Elisabeth Büchle

Im Juli 1914 beginnt dieser zweite Teil der groß angelegten Meindorff-Saga. Demy und all die anderen mir lieb gewordenen Protagonisten aus dem I. Teil werden schnell wieder zu lebendigen Personen beim Lesen.

Eine Widergabe des Inhalts erspare ich mir an dieser Stelle. Ich will lediglich versuchen zu erläutern, warum ich für „Sturmwolken am Horizont“ schwärme. Die Arbeitsweise der Autorin kenne ich nicht, doch wer die ersten beiden Bücher dieser Reihe gelesen hat, dem werden all die vielen Szenen mit Politikern, Militärs und anderen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte einfallen. Wie viel an Recherchearbeit muss notwendig gewesen sein um diese fiktiven Szenen schreiben zu können, denn letztlich kann selbst Elisabeth Büchle nicht die Zeitgeschichte neu schreiben.

Ohne Brüche in ihre Story zu fabrizieren, schildert die Autorin im fliegenden Wechsel Szenen aus der großen Politik mit Szenen der dem Leser gut vertrauten Protagonisten. Da bleibt nach dem Lesen die Erkenntnis, eine solide durchdachte Romanhandlung miterlebt zu haben, aber auch die versteckt mitgeteilte und bis in die Gegenwart hineinreichende Botschaft der Autorin; ein sich raus halten aus der Politik gibt es nicht, weder zu Zeiten des I. Weltkrieges noch heute!

Ein weiterer Grund warum ich ins Schwärmen gerate: Bücher aus christlichen Verlagen sehen oft etwas altbacken aus. Bei „Sturmwolken am Horizont“ stimmen Cover und Inhalt des Buches jedoch überein. Vor diesem Cover muss kein Mann mehr weglaufen und befürchten, hinterher ein kitschiges Rosa am Finger kleben zu haben.

Im Februar hatte ich geschrieben „Himmel über fremdem Land“ halte ich für das Beste, was die Autorin bislang vorgelegt hat. Heute nehme ich alles zurück und behaupte: Elisabeth Büchle wird es in Zukunft sehr schwer haben, besseres als die Meindorff-Saga zu schreiben.

Spätestens mit der Meindorff -Saga hat sich Elisabeth Büchle auch in der Top-Titel-Liste männlicher Leser einen soliden Platz erarbeitet!

Gerth Medien, ISBN 978-3-865-91921-2, Preis 16,99 Euro

Elisabeth Büchle schenkt einem unserer Blogleser ein von ihr signiertes Verlosungsexemplar. Wer also seinen Kommentar bis Montag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Übrigens, wer noch eine Frage an die Autorin hat, kann diese gern hier stellen, ganz sicher liest die Autorin hier mit und wird keine Antwort schuldig bleiben 🙂

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Uwe Wolff: Martin Luther – Ein Brevier

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Foto: Uwe Wolff

Große Feste wie das 500. Reformationsjubiläum 2017 werfen bereits erste Schatten. Das vorliegende Buch konfrontiert den Leser mit täglichen Lutherhäppchen. Für jeden Tag des Kalenderjahres hat der Herausgeber ein Zitat des Reformators ausgesucht und dazu steht auch eine Erinnerung an ein historisches Ereignis.

Viele Zitate von Martin Luther sind bis heute in unseren Sprachgebrauch eingegangen, einige haben es sogar zu alltäglichen Redewendungen geschafft. Beim Lesen der Zitate fällt auf, wie aktuell und deutlich auch in unsere Gegenwart passend Luther ist. Er kommt mir plötzlich viel näher, weil klar wird, wir stehen mit ihm zusammen in gleicher Ausgangsstellung. Auch für ihn war klar, es kann nicht mehr so weitergehen wie bisher. Er war bemüht neue Wege zu suchen und zu finden, wie wir heute.

Wer sich von Luther begleiten lässt, wird erkennen wie nah der Reformator uns noch immer ist und wie viel er in unsere Gegenwart hinein noch zu sagen hat!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-06596-0, Preis 19,99 Euro

Uwe Wolff hat buecheraendernleben folgende Fragen beantwortet:

Lieber Uwe Wolff, soeben ist Ihr Lutherbuch erschienen. Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Buch?

Luther, so denkt man, ist etwas für evangelische Christen. Als ich den Auftrag bekam, die Biographie des katholischen Luther-Forschers Erwin Iserloh (1915-1996) zu schreiben, wurde mir bewußt, wie stark Luther auch von Katholiken verehrt wird. So kam mir die Idee, ein leicht lesbares Buch mit Luthers schönsten Aussprüchen zu schreiben, das für alle LeserInnen – egal, ob evangelisch, katholisch oder nicht christlich – geeignet ist. Ein Luther für alle, die die deutsche Sprache lieben.

Auf den ersten Blick war ich ein wenig enttäuscht, weil die tägliche Dosis Lutherzitate ganz allein dastehen und niemand seine Gedanken dazugeschrieben hat. Als ich mich dann länger mit den nackten Zitaten beschäftigt habe, begannen die lebendig zu werden. War das Ihr Plan?

Luther spricht für sich selbst: das war meine Idee bei der Zitat-Auswahl. Wenn man täglich in meinem Lutherbuch blättert, dann entsteht durch das Lesen ein klares eigenes Bild von Luther. Darauf kommt es an.

Luther war ein sprachgewaltiger Typ und das wird in Ihrer Zitatensammlung auch deutlich. Aber zwischen ihm und uns heute gibt es interessanter Weise noch mehr Parallelen. Verraten Sie uns bitte einige!

Luther erlebte, wie sich die Welt, in der er aufgewachsen ist, plötzlich und grundlegend veränderte. Auch wir erfahren jeden Tag die großen Veränderungen in Politik, Familie, Religion, Schule und Wirtschaft. Auch wir fragen uns: Was ist wirklich wichtig? Worauf kommt es an? Was dürfen wir glauben? Worauf ist Verlass?

Luther ist durch eigene Erfahrungen zu einem echten Seelsorger und Vorbild gereift. Er verschweigt nicht die Ängste und Dunkelheiten des Lebens, aber er zeigt, worauf es wirklich ankommt: Dass wir glauben dürfen, dass die Welt und unser Leben sinnvoll sind und dass jeder Mensch sich von Gott geliebt wissen darf.

Was soll Ihr Buch mit den Lesern anstellen?

Ein Brevier ist Begleiter in die Stille des Herzens, ein roter Faden durch das Labyrinth des Lebens. Ein Brevier liest man nicht wie ein normales Buch. Es will meditiert werden. Dann spricht plötzlich ein Wort direkt von Herz zu Herz. In diesem Moment ist Martin Luther gegenwärtig. Jeder Leser/jede Leserin kennt die Erfahrung: Aus der fernsten Vergangenheit tritt ein Mensch hervor und spricht zu einem
wie ein guter Freund. Das ist das Wunder des Lebens, des Lesens und Liebens.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Wer mehr über den Autor erfahren möchte, kann kern dessen HP besuchen

http://www.engelforscher.de

Das Gütersloher Verlagshaus stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Buches zur Verfügung. Wer also bis Sonntag 20 Uhr seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet nimmt an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Hast du ein Luther-Lieblings-Zitat ? Dann lass es uns bitte wissen:

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John Williams: Stoner

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Ich bin mir sicher, die Leser werden William Stoner in zwei Schubladen stecken. Die Einen werden ihn ablehnen, weil zu wenig geschieht, weil Action einfach fehl am Platze ist. Die Anderen werden ihn lieben, weil er eine grandiose Entwicklung mitmacht.

Anfangs dachte ich: „Na ja, dieser Bauernlümmel, was will der an der Uni?“, aber spätestens als er vom Agrarstudium zur Literatur umschwenkt, da beginnt Stoner noch interessanter zu werden. Der erste Weltkrieg verlangt nach amerikanischen Soldaten, aber Stoner sagt: „Nein.“ Nicht einfach so, drei Tage lang geht er mit sich allein in Klausur und kommt erst dann zu seiner Entscheidung.

John Williams übt sich beim Erzählen seiner Story in leisem vor sich Hinplätschern, aufgeregte Aktionen gibt es hier nicht, sie würden die Geschichte zerstören. Bernhard Robben hat es einmal mehr geschafft, die Handschrift des Autors unbeschädigt in die nächste Sprache zu transportieren.

Erst zum Schluss konnte ich mich endgültig entscheiden, wie ich Stoners Leben nun einschätze. Er kommt aus ärmlichsten Verhältnissen, er entdeckt die Literatur für sich, er findet seine Edith und die Ehe wird ein Fiasko, aber Stoner hat eine Tochter, an der er sich zumindest anfangs aufrichtet und er hat die Literatur und seine Studenten, die er begeistern kann.

Wenn das Romanende auch nicht nach meinem Geschmack ist und Stoner sicher ein komischer Kautz, ich habe ihn lieb gewonnen und beneide ihn!

DTV, ISBN 978-3-423-28015-0, Preis 19,90 Euro

Der Verlag DTV stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Titels zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis Donnerstag unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Christoph Zehendner (Hrsg.): Als Malchus sein Ohr verlor

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Foto: Christoph Zehendner

Ich kannte Malchus bislang nicht. Der Untertitel des Buches „und andere Geschichten, die (so) nicht in der Bibel stehen“ machte mich dann aber doch neugierig.

Was mich dann erwartete war eine sehr positive Überraschung. Zehn Autoren haben biblische Randfiguren zu Helden ihrer Geschichten gemacht. Einer dieser Helden ist eben jener Malchus. Jesus persönlich heilt Malchus, indem er das soeben abgeschlagene Ohr wieder an dessen Kopf befestigt. Das faszinierende an diesen Geschichten ist, dass biblische Geschichten hier neu und aus bisher nicht dagewesenem Blickwinkel erzählt werden.

Oft ist unsere Herangehensweise an biblische Texte ja etwas förmlich oder gar verkrampft, hier ist sie witzig – locker und vor allem trifft sie den Leser direkt und unvorbereitet. Die Helden der Geschichten sind so klein und unbedeutend wie Du und ich, aber in der Begegnung mit Gott oder Jesus beginnt etwas Neues.

Gelesen habe ich dieses Büchlein für mich ganz allein. Gut vorstellen kann ich mir aber auch, dass einzelne Geschichten Ausgangspunkt einer Andacht oder Bibelarbeit sein können.

Clever und gewinnbringend ist die Idee, in unserer schnelllebigen Zeit auf Randfiguren zu schauen. Manchmal stehen uns diese unbekannten Typen näher als wir denken – ich habe es beim Lesen erfahren!

Brunnen, ISBN 978-3-7655-4198-8, Preis 7,99 Euro

Christoph Zehendner hat buecheraendernleben folgende Fragen beantwortet:

Lieber Herr Zehendner, soeben ist „Als Malchus sein Ohr verlor“ erschienen. Sie sind der Herausgeber dieses Buches. Wie wird man Herausgeber?

In diesem Fall war es ganz einfach: Ich habe den Kontakt zwischen den Autoren (alle Mitglieder in der Vereinigung christlicher Künstler, das RAD) und dem Brunnen-Verlag hergestellt. Der Verlag sah sich die Manuskripte erst einmal grob durch, fing dann immer mehr Feuer und teilte mir mit: „Wir machen das Buch. Und Du gibst es heraus!“ Tja, da blieb mir dann nicht viel anderes übrig, als zuzusagen.
Ich habe es gerne getan und dann erst mitbekommen, was genau die Aufgaben des Herausgebers sind.

Gerade gestern meldete sich die Lektorin aus dem Verlag und gratulierte mir sehr herzlich zu dem Buch – das hat mich dann doch sehr gefreut und ich werde das gleich auch noch an die anderen weiterleiten.

Zehn Autoren schreiben in diesem Buch über biblische Randfiguren. Alle Autoren gehören zur christlichen Künstlervereinigung http://www.dasrad.org ,was ist das für ein Verein?

Im RAD treffen sich Künstler aus ganz unterschiedlichen Sparten – Schauspiel, bildende Kunst, Architektur, Musik, Tanz usw. Wir haben viel Zeit zum Austausch, für Impulse von oft herausfordernden Referenten, für geistliche Zurüstung und gegenseitige Begleitung. Für mich ist das RAD eins der wichtigsten Kraftzentren meines Lebens als Christ und Künstler. Ganz nebenbei habe ich hier durch den Kontakt mit Autoren wie Albrecht Gralle, Manfred Siebald, Fabian Vogt und anderen Mut gefasst, auch Kurzgeschichten zu schreiben und Bücher zu veröffentlichen. Und ich freue mich darüber, das ich so zusätzlich zum Texten meiner Lieder (weiterhin mein Schwerpunkt) auch diese kreative Ausdrucksmöglichkeit entdeckt habe.

In den Geschichten des Buches werden biblische Randfiguren zu Hauptpersonen. Ich als Leser sehe die Welt plötzlich aus ihrer Perspektive. Wer kam auf die Idee so ein Buch zu schreiben und warum ist es wichtig in unserer schnelllebigen Zeit auf solche scheinbar unbedeutenden Typen zu schauen?

Die Grundidee ist vor einigen Jahren aus einer „Schreibübung“ in der Autorengruppe des RADs entstanden. Dann gab’s ein paar gute Geschichten, aber das Projekt döste etwas vor sich hin. Im zweiten Anlauf dann entwickelten erst wir Autorinnen und Autoren eine steigende Begeisterung – und steckten dann auch den Verlag an. Und jetzt hoffentlich auch viele Leserinnen und Leser.

Ich gebe es gerne zu, zu Anfang konnte ich mit dem Namen Malchus nichts mehr anfangen. Nach Ihrer Geschichte wurde mir auf neue Art bewusst, wie Jesus gerade an uns Unscheinbaren wirkt. Kann es sein, dass Sie zusammen mit Ihren Autorenkollegen uns Lesern, über den Umweg biblische Randfiguren, die Liebe Jesus aufs Neue zeigen?

Treffer! Im Buch geht es allerdings nicht nur in Jesus, in den Geschichten sind ja auch Randfiguren aus dem Alten Testament vertreten. Aber wenn ein Leser über unsere Geschichten einen neuen Zugang zu bestimmten Abschnitten der Bibel bekommt, wenn er sich hineinversetzen und eine biblische Szene fast miterleben kann – dann kann und soll das auch seine Sicht auf Gott vertiefen und erweitern. Schön, dass Sie das so erlebt haben.

Was wünschen Sie sich für dieses Buch?

Zum Literaturnobelpreis wird es vermutlich nicht reichen (lacht), aber eine weite Verbreitung wünsche ich ihm schon. Ich wünsche mir, dass die Leserinnen und Leser unser Buch ernst nehmen, es gerne lesen und dann von dort aus direkt in der Bibel weiterlesen und Entdeckungen machen! Am schönsten wäre es mitzubekommen: Diese Geschichte wurde in einem Hauskreis gelesen und besprochen, jene in einem Gottesdienst, und bei einer dritten haben Menschen empfunden: Jetzt verstehe ich viel besser, wie diese oder jene Bibelstelle gemeint ist.

Vielen Dank für das Gespräch!

Drei signierte Verlosungsexemplare hält Christoph Zehendner für uns bereit. Wer bis Dienstag 20 Uhr seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an der Verlosung teil. Viel Glück!

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Heidrun Hurst: Die Kinder des Bergmanns

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Foto: Heidrun Hurst

In den Winter 1606 entführt uns die Autorin Heidrun Hurst. Johann Selzer hat mit seiner Ehefrau Anna das heimatliche Rheintal verlassen. Der kleine väterliche Hof hätte nie und nimmer ihm und seinem Bruder ein Auskommen sichern können.

So blieb Johann nichts anderes übrig als in der Fremde sein Glück zu versuchen. Der Bergbau verspricht Arbeit und Geld und so gehen die Selzers nach Freiburg. Johann arbeitet schwer, aber für seine schwangere Anna tut er alles. Doch noch vor der Geburt stirbt die Mutter. Aus ihrem toten Leib wird Jakob geholt. Johann Selzer heiratet noch einmal und Bärbel wird geboren.

Während des Lesens wird schnell klar, hier beginnt eine groß angelegte Geschwistergeschichte. Die Autorin erzählt viel vom Leben der Bergleute im frühen 17. Jahrhundert. Sie muss gut recherchiert haben, denn sie kann den Lebens – und Berufsalltag sehr glaubhaft beschreiben. Glaube und Aberglaube spielen eine Rolle, aber sehr konsequent verfolgt Heidrun Hurst die Lebenswege der Bergmannskinder Jakob und Bärbel Selzer. Immer mehr richtet sie ihren Fokus auf die im Wechsel erzählten Lebenswege der beiden Kinder und baut damit sehr gut ihren Spannungsbogen auf.

Nachdem beide Eltern tot sind und die Geschwister den Katen im Bergmannsdorf verlassen müssen, beschließt Jakob mit seiner zwei Jahre jüngeren Schwester in das ihm unbekannte Dorf im Rheintal zu wandern. Er hofft dort Verwandte zu finden die sie beide aufnehmen.

Als ich die Geschichte zu Ende gelesen hatte, war ich ein wenig säuerlich, weil mir Jakob und Bärbel zu vertrauten Personen geworden waren und die Autorin gerade in sehr spannenden Momenten der beiden Lebensläufe ihren ersten Band beendet. Aber sie verspricht im Buch einen zweiten Band und auf den bin ich sehr neugierig!

mediaKern, ISBN 978-3-8429-2305-8, Preis 14,95 Euro

Die Autorin Heidrun Hurst hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Heidrun, Deine „Kinder des Bergmanns“ sind soeben erschienen. Wie lange hast Du an diesem Buch gearbeitet? Du hast sicher sehr viel an Recherchearbeit leisten müssen?

Für das Buch habe ich von der Idee bis zur Fertigstellung etwa zwei Jahre gebraucht. Die Recherche ist zwar aufwändig aber sehr wichtig, da meine historischen Romane in den zeitlichen Rahmen passen sollten, in dem sie spielen. Die Arbeit, aber auch Lebensweise, Weltanschauung und Bräuche haben sich seither grundlegend geändert. Deshalb ist es nötig, sich mit den damaligen Gegebenheiten vertraut zu machen. Wenn es geht, schaue ich mir die örtlichen Begebenheiten erst mal an, bevor ich beginne. Und dies kann durchaus auch Spaß machen. Für die Recherche über das Leben der Bergarbeiter waren mein Mann und ich mehrere Male auf dem Schauinsland bei Freiburg. Im dortigen Museumsbergwerk haben wir eine 2,5 stündige Führung mitgemacht, bei der man sich sehr lebhaft vorstellen konnte, was es hieß, für mehrere Stunden ohne ausreichende Beleuchtung unter Tage zu sein. An diesem Tag ist auch die Idee für das Kapitel „Der Erzkasten“ entstanden. Die Mitarbeiter des Museumsbergwerks wiederum haben mir weiterführende Fachliteratur über diese Zeit empfohlen, sodass ich mir alles andere anlesen konnte.

Wie bist Du eigentlich auf das Thema gekommen?

Nachdem ich zwei Romane über die Wikinger in Norwegen geschrieben hatte, wollte ich einmal etwas über meine Heimat schreiben. Ich selbst stamme aus dem kleinen Dörfchen, das im Laufe des Romans eine große Rolle spielen wird. Straßburg liegt quasi vor unserer Haustür. Und da es so nah ist, konnte ich viele Stunden in der schönen Altstadt verbringen, Straßen abgehen, mit Karten vergleichen und unsere örtliche Historiker löchern. Der Schauinsland kam dann als etwas entferntere Variante noch hinzu.

Du verwendest Fachbegriffe aus der Bergmannswelt die Du auch erklärst, bist Du etwa selbst eine Bergmannstochter oder hast Du Dir Dein Wissen extra für Dein Buch angelesen?

Nein, das habe ich mir angelesen. Ich kenne mich mehr mit der bäuerlichen Arbeit im Rheintal aus, obwohl sich diese in der Zwischenzeit ja auch grundlegend geändert hat. Aber auch hier gibt es zahlreiche Museen und Bücher die dieses alte Wissen für nachfolgende Generationen bewahren.

Die Bergmannskinder Jakob und Bärbel erhoffen sich in der Heimat des toten Vaters Aufnahme und Sicherheit für den Lebensalltag. So glatt geht das alles nicht. Du beschreibst beide Lebensläufe und im spannendsten Moment hört das Buch einfach auf. Wann kommt der zweite Teil und auf wie viele Teile ist Deine Geschwistersaga angelegt?

Die Saga ist auf zwei Teile angelegt. Wann dieser zweite Teil herauskommt, kann ich nicht sagen. Ich hoffe so schnell wie möglich – obwohl ich noch ein bisschen Zeit brauche, um ihn fertigzustellen. Doch im Großen und Ganzen ist dies die Sache des Verlages.

Vielen Dank für das Gespräch!

Heidrun Hurst schenkt einem Gewinner ein von ihr signiertes Exemplar ihres Romans. Wer also bis kommenden Montag seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Weitere Infos zu Heidrun Hurst gibt es auf Ihrer Homepage. Dort werden in den nächsten Tagen bereits einige Originalschauplätze per Foto zu sehen sein:

http://www.heidrun-hurst.de/company.html

Übrigens, wer noch eine Frage hat, kann die hier gern posten. Die Autorin liest mit . . .

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Annelie Spring: Der Friseurladen meiner Mutter

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Foto: Annelie Spring

Johannes ist ein Schuljunge der morgens in der Schule sitzt und anschließend nicht den Friseursalon seiner Mutter verlässt. Die Story spielt in den 50er Jahren in Westdeutschland.

Mutter und Sohn sind ein Team, der Junge zeichnet, scheinbar ist er talentiert, aber niemand nimmt ihn für voll. Plötzlich taucht ein Mann auf der sich um die Mutter von Johannes bemüht. Das alte Team bricht auseinander …

Bewegung kommt in den Roman als Johannes zur Kur fährt. Er reißt aus und nimmt endlich sein Leben in die eigenen Hände. Er macht etwas aus sich und findet sich dabei selbst.

Wunderbar zu lesen wie Annelie Spring mit ihrer Geschichte die Nachkriegszeit beschreibt. Sie lässt ihre temporeich erzählte Story auf die Geschichte der 50er und 60er Jahre prallen und daraus entwickelt sich ein wunderschönes Leseerlebnis.

Annelie Spring legt ihren Lesern die Biografie des jungen Malers Johannes Seefeld vor und hat mich damit stark beeindruckt!

über Amazon, 12,00 Euro

Annelie Spring hat buecheraendernleben jetzt folgende Fragen beantwortet:

Hallo Annelie, mit Deinem Roman führst Du uns zurück in die 50er Jahre Westdeutschlands. Wie kam es, dass Du Deine Geschichte ausgerechnet in dieser Zeit spielen lässt?

Diese Jahre sind im Moment sehr aktuell. Menschen, die damals Kinder oder Jugendliche waren kommen nun zur Ruhe und erinnern sich wieder an die 50iger und 60iger Jahre. Traumatische Erlebnisse kommen ebenso ans Licht, wie Erinnerungen an glückliche Zeiten. Redewendungen wie; ´Was sollen denn die Nachbarn denken´ sind heute noch sehr lebendig.

Johannes lebt allein mit seiner Mutter. Du beschreibst seine Situation sehr schön, ist alles erdacht oder gab es den Maler Johannes wirklich, vielleicht unter einem anderen Namen, in einer anderen Person?

Die Story ist fiktiv. Orte der Handlung, wie das Dorf am Teutoburger Wald oder die Insel Juist sind real.

Du hast entweder sehr gut recherchiert oder die Zeit selbst erlebt?

Da ich Anfang der 60iger Jahre geboren bin, habe ich Weniges selbst erlebt und Vieles über die Zeit recherchiert.:-)

Spannend war für mich beim Lesen mitzuentdecken, wie sich das Nachkriegsdeutschland und Johannes gemeinsam freischwimmen. Beide müssen erst ihren Weg finden und erste Schritte tun. Interpretiere ich dies alles in Deine Geschichte hinein oder hast Du beim Schreiben auch an solche Parallelen gedacht?

Ja, diese Parallelen sind durchaus gewollt. Der Fokus der Story liegt auf Vergebung.

Warum ist es wichtig Geschichten zu lesen, die vor einem halben Jahrhundert gespielt haben?

Diese Zeit hat viele Menschen geprägt. Geschichten aus dieser Epoche können Erinnerungen wieder aufleben lassen, heilen und amüsieren.

Wird es einen nächsten Roman von Dir geben und magst Du bereits etwas verraten?

Ja, im Moment schreibe ich an einem Familiendrama.

Vielen Dank für das Gespräch!

Annelie Spring hält für einen Gewinner ein signiertes Verlosungsexemplar bereit. Wer seinen Kommentar bis Freitag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Sehr interessant wäre es für uns mal zu erfahren in welchem Jahrzehnt und in welchem Bundesland Du aufgewachsen bist. Vielleicht hast Du Lust uns das zu schreiben?

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Uwe Birnstein: Väter in der Bibel

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Foto: Uwe Birnstein

Es ist noch gar nicht lange her, da ging es auf diesem Blog um das Thema „Körperliche Züchtigung heute?“. Zu meiner Verwunderung traf ich Väter die körperliche Züchtigung noch heute mit biblischen Quellen rechtfertigen. Da kam mir das soeben erschienene Buch „Väter in der Bibel“ gerade zur rechten Zeit in die Hände.

Der evangelische Theologe Uwe Birnstein entwirft in seinem Buch genau 20 Porträts biblischer Väterfiguren. Zugegeben, anfangs war ich etwas skeptisch. Was können mir diese alten Herren aus grauer Vorzeit heute noch in meine Pädagogik hereinreden?

Beim Lesen der einzelnen Porträts rückten mir die einzelnen biblischen Gestalten dann aber immer mehr auf die Pelle. Der Autor lässt seine Helden zwar in der Bibel stehen und beschreibt auch sehr gut ihre Situation unter den damaligen Gegebenheiten, aber dennoch gelingt es ihm einen sehr direkten Bezug in meine Gegenwart herzustellen.

Sehr eindrücklich ist da sein Beispiel Abraham. Abraham hört auf Gott und wird nichts anderes als ein Wirtschaftsflüchtling. Abraham verlässt seine Heimat und geht in das fruchtbare Kanaan. Birnstein schreibt: „… in unserer Zeit würden ihm die Asylbehörden den Stempel „Wirtschaftsnomade“ verpassen.“ Plötzlich schupst Birnstein mich mit aller Gewalt in die Gegenwart.

Während der Reise stirbt Abrahams Vater. Plötzlich ist Abraham selbst der Vater, der Verantwortliche. Der kinderlose Abraham, dessen Frau keine Kinder bekommen konnte, empfängt von Gott die Zusage: „Ich will dich zum großen Volk machen …“

Das klingt zunächst verrückt, aber wir alle wissen, Abraham wird später Vater. Allerdings hat er zwei Frauen für seine Kinder. Ist Abraham also ein Patchwork – Veteran? Spannend ist die Erzählweise Birnsteins, einiges würde ich gern hinterfragen, vieles erscheint mir logisch an seiner Auslegung.

Uwe Birnstein erweckt biblische Väterfiguren zu neuem Leben, mit deren Nähe zu meinem Alltag überrascht er mich sehr!

Herder Verlag, ISBN 978-3-451-30657-0, Preis 12,90 Euro

Uwe Birnstein hat uns folgende Fragen beantwortet:

Lieber Herr Birnstein, soeben ist Ihr Buch “Väter in der Bibel” erschienen. Ist das eine Erwiderung auf die “Mütter der Bibel” und warum war diese notwendig?

Erwiderung? Ergänzung würde ich eher sagen. Bei ihren Lesungen ihrer „Mütter der Bibel“ hörte Margot Käßmann oft den Wunsch, es möge doch auch ein Buch über die biblischen Väter geben. Das müsse aber ein Mann schreiben, sagte sie. Diese Idee habe ich aufgenommen. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich journalistisch mit biblischen Geschichten. Die Väter in den Mittelpunkt zu stellen, fand ich besonders reizvoll. Denn in ihren Lebensgeschichten spiegeln sich die wesentlichen Lebensfragen auch heutiger Männer.

Sie haben 20 Väter – Figuren der Bibel porträtiert, taugt Ihr Buch heute zum Vaterratgeber?

Ratgeber geben Tipps und Anweisungen, á la „So werden Sie ein guter Vater“, dazu möglichst noch einen Psycho-Test zum Ankreuzen. Das war nicht mein Ziel. Dennoch: Wer Rat sucht für seine Situation – sei es als Kind im Verhältnis zum Vater oder als Vater -, der findet am ehesten Hilfe in den Lebensgeschichten anderer Menschen, egal wann sie gelebt haben. Insofern bietet das Buch Rat – aber unaufdringlich. Die 20 Väterschicksale regen eher dazu an, sich zuzuordnen: Wie hätte ich in deren Situation gehandelt? Wie gehe ich mit Schuld und Vergebung, mit Freundschaft und Treue, mit Geschwisterneid und Patchworkkonflikten um? Wie finde ich die Balance zwischen Rückzugssehnucht und Vaterpflichten?

Ihr Buch habe ich selbst als Vater gelesen. Bei aller zeitlichen Entfernung war ich doch sehr überrascht über die vielen Themen die heute auch die meinen sind. War Ihnen dies bereits so bewusst als sie begannen Ihr Buch zu schreiben?

Ja, das ging mir beim Schreiben auch so. Ehrlich gesagt ist es mir wider Erwarten so nahe gegangen, dass ich viel länger als geplant zum Schreiben brauchte. Plötzlich war ich als Sohn – und als Vater – mitten drin in meinen eigenen Geschichten. Der zeitliche Graben zwischen damals und heute war überwunden und die damaligen Väter wurden mir zu Vertrauten.

Die Bibel fordert die körperliche Züchtigung der Kinder, ist dies heute nicht mehr aktuell?

Gott sei Dank nicht. Die Bibel enthält ja viele zeitgebundene Gebote, entstanden in einem Nomadenvolk mit rüden, oft rabiaten Sitten. Natürlich wurden da Kinder auch geschlagen. Heute steht Respekt vor der Persönlichkeit eines Menschen im Vordergrund, auch vor Kindern. Die verbietet es Eltern, erst recht gläubigen, ihre Kinder mit Gewalt zu erziehen. Leider gibt es christlich-fundamentalistische Gruppen, in denen trotzdem mit Berufung auf die Bibel Kinder mit Zucht und mit der Rute misshandelt werden.

Warum sollte der moderne Vater von heute unbedingt Ihr Buch lesen?

Weil jeder Vater mit der Frage zurecht kommen will: Werde ich meinen Ansprüchen an mich gerecht? Um das herauszubekommen, ist der Blick auf unsere Vorfahren wichtig und hilfreich. Sie sind wie Lehrer, mal gut, mal weniger gut – aber stets wir können an ihren Erfahrungen teilhaben. Die biblischen Väter sind besonders spannend, weil sie ihr Vatersein mit ihrem Glauben zusammenbringen. Vatersein hat eine spirituelle Dimension, unabhängig von der Religion oder Konfession. Als Vater ist man dicht dran am Wunder des Lebens, fromm gesprochen: Man nimmt Teil an der Schöpfung. Auch ein „moderner“ Vater spürt: Er ist nur ein Glied in einer Jahrtausende zurückreichenden und hoffentlich Jahrtausende weiter bestehenden Menschheit. Diese Einsicht kann die nötige Gelassenheit und gleichzeitig die gebotene Gewissenhaftigkeit bringen, die für die Erziehung von Kindern wichtig ist.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Uwe Birnstein schenkt einem glücklichen Gewinner ein signiertes Buch. Wer also bis Donnerstag seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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