Thomas Kotulla: Die Begründung der Welt

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Foto: Thomas Christian Kotulla

Werbung und Vorankündigungen für dieses Buch haben viel versprochen, aber auch gehalten. Bislang habe ich Bücher solchen Formates nur von englischen oder amerikanischen Autoren zu lesen bekommen.

Kotulla kann eigentlich nichts für seine „Begründung der Welt“. Allein durch seine Biografie wurde er dazu getrieben. Wie er in seinem Buch selbst schreibt kommt er aus einem atheistischen Umfeld und durch seine schwere Krankheit hat er einen Zugang zu Gott gefunden. Glücklicherweise folgt dann aber keine Emotionsschnulze, sondern der Wissenschaftler Thomas Christian Kotulla schreibt sich fragend und mit Tiefgang durch sein Buch.

Neben des Autors Fragen nach Entstehung von Mensch und Welt, hat mich besonders sein Reden über sein Gottesbild fasziniert. Das fiese an Kotulla ist, er quält mich mit Fragen und ich muss mir selbst Gedanken über Gott und die Welt machen.

Die Beurteilung dieses Buches wird vom Glaubensstandpunkt des jeweiligen Lesers abhängig sein. Als Christ habe ich des Autors wissenschaftliche Aspekte und Erläuterungen mit Interesse gelesen und war erfreut darüber, wenn der Autor nicht alles mit seinem Fachwissen und Menschenverstand erklären kann. Doch viel Zeit zum genießen der spannenden Lektüre wird dem christlichen Leser nicht bleiben. Gelegentlich provoziert und fordert der Autor heraus.

Wer sich auf dieses Buch einlässt, sollte vorher genau überlegen ob er bereit ist über sein eigenes Gottesbild neu nachzudenken. Thomas Kotulla legt hier ein echtes Arbeitsbuch für Christen und Atheisten zugleich vor!

Brunnen Basel, ISBN 978-3-7655-2012-9, Preis 12,99 Euro

Thomas Kotulla hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Thomas, bevor wir direkt zu Deinem Buch kommen, eine sehr persönliche Frage: Du schreibst, dass Du ursprünglich aus einem atheistischen Umfeld kommst. Weiter schreibst Du von Deinen Zweifeln gegenüber dem Christentum. Bis dahin ist mir alles verständlich. Aber dann erzählst Du von Deinen „Abneigungen gegen bestimmte Glaubensgemeinschaften“. Woher kamen diese Abneigungen genau?

Hallo Christian. Meine Abneigungen resultierten aus negativen Erfahrungen, die ich als Nicht-Christ mit einer evangelischen Freikirche gemacht hatte. Damals hatte ich das Gefühl, meinen Verstand an der Gemeindetür abgeben zu müssen. Und ich hatte den Eindruck, dass in der Gemeinde Verbitterung und Zwanghaftigkeit herrschen. Heute weiß ich, dass das nichts mit Freikirchen oder dem christlichen Glauben im Allgemeinen zu tun hat, sondern mit den Menschen, die in bestimmten Gemeinden die Verantwortung tragen.

Durch Deine schwere Krankheit hast Du einen Zugang zu Gott gefunden. Ich selbst komme aus einem christlich geprägten Elternhaus und habe selbst so eine Wendung nie erlebt. Was geht da in einem Menschen vor, wenn er sich plötzlich darauf einlässt, in einer ganz neuen Qualität über Gott nachzudenken?

Bei mir war es so, dass ich durch meine Krankheit plötzlich ganz real mit meinem Tod konfrontiert wurde. Die Tatsache, dass ich – wie jeder Mensch – früher oder später sterben muss, konnte ich nicht länger verdrängen. Ich fiel ins Bodenlose. Ich hoffte plötzlich, dass es einen Gott gibt, der mich retten könnte. Doch ich konnte nicht daran glauben. Es war mir zu irrational. Meine Zweifel waren zu groß und verlangten nach vernünftigen Antworten.

Für wen genau hast Du Dein Buch geschrieben?

Für Menschen, die nach Antworten auf die existenziellen Lebensfragen suchen. Und die bereit sind, sich dabei auch mit der Gottes-Frage zu beschäftigen – ergebnisoffen. Im Laufe meiner eigenen Suche habe ich erstaunliche Dinge herausgefunden. Diese Dinge möchte ich nun mit anderen Menschen teilen. Ohne ihnen vorzuschreiben, woran sie zu glauben haben. Letztlich kann ich mit meinem Buch nur Perspektiven aufzeigen. Überzeugungen lassen sich nicht erzwingen.

Du greifst wichtige Fragen und Themen auf, die selbst unter Christen heiße Eisen sind. Ich denke da nur an die Frage nach dem strafenden oder doch eher liebenden Gott. Sollte jeder glauben, was er will, oder sollten wir weiter um ein möglichst einheitliches Gottesbild streiten?

Prinzipiell darf natürlich jeder Mensch glauben, was er will. Doch wenn man davon ausgeht, dass es so etwas wie eine „höhere Wahrheit“ gibt, dann ist die entscheidende Frage doch nicht, was man glauben will oder wie man den kleinsten gemeinsamen Nenner findet. Stattdessen geht es darum, wahrheitssuchend die Realität zu prüfen. Was den christlichen Glauben betrifft, muss am Ende dann jeder selbst entscheiden, ob er die Bibel als realitätsnah und glaubwürdig betrachtet oder nicht.

Dein Buch ist soeben in einem christlichen Verlag erschienen. Ich gehe davon aus, dass viele Christen es lesen werden. Warum kann es gerade für Christen gewinnbringend sein, immer wieder neu über die Existenz Gottes nachzudenken?

Ich finde, es ist für jeden Menschen wichtig, kritisch zu reflektieren und sich mit Gegenargumenten auseinanderzusetzen, um den Bezug zur Realität nicht zu verlieren. Das gilt natürlich auch für Christen. Wir leben in einer Zeit, in der der Glaube an einen persönlichen Gott zum Teil belächelt wird oder sogar verpönt ist. Die christliche Reaktion darauf darf nicht sein, dass man sich in sein christliches Ghetto zurückzieht, sondern dass man den konstruktiven Dialog mit Nicht-Christen sucht. Hierzu sollte man die Existenz Gottes nicht einfach hinnehmen, sondern auch darüber nachdenken und sie hinterfragen.

Würdest Du mir zustimmen, wenn ich behaupte: Dein Buch ist eine Einladung an Zweifler aller Fraktionen, neu über Gott und uns Menschen nachzudenken, um dem Verstand einen ebenbürtigen Bruder an die Seite zu stellen, der Glaube heißt?

Zunächst einmal glaubt jeder Mensch. Auch der Atheismus ist ein Glaube, nämlich der Glaube an die Nicht-Existenz Gottes. Was den Glauben an die Existenz Gottes betrifft, bin ich davon überzeugt, dass dieser den Verstand mit einschließt. Denn der Verstand ist ein wichtiger Teil des Menschseins. Glaube geht zwar über den Verstand hinaus. Aber Glaube steht nicht im Widerspruch zum Verstand.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Noch mehr Infos zu Autor & Buch:

http://www.diebegruendungderwelt.com/

Der Brunnen Verlag in Basel hält zwei Verlosungsexemplare für euch bereit. Wer seinen Kommentar bis Mittwoch 20 Uhr unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil.

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22 Kommentare

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22 Antworten zu “Thomas Kotulla: Die Begründung der Welt

  1. .waldy

    klingt interessant, bin dabei

  2. Margrit

    Ich hatte bereits von dieser Neuerscheinung gelesen … vielleicht bekomme ich ja ein Buch und kann es meinem Mann schenken …

    • Thomas Christian Kotulla

      Hallo Margit, gute Idee. Aber mein Buch eignet sich auch für Frauen. 🙂

      • Margrit

        Hallo Thomas,
        das ist mir natürlich schon klar, dass sich das Buch auch für Frauen eignet. Aber es wäre doch auch schön, wenn ich es meinem Mann weiter verschenken kann …

      • Thomas Christian Kotulla

        Das stimmt natürlich! 🙂

  3. Auch der Atheismus ist ein Glaube, nämlich der Glaube an die Nicht-Existenz Gottes.

    Nicht zwangsläufig. Man kann auch einfach nur nicht an die Existenz eines Gottes glauben.

    • Thomas Christian Kotulla

      Hallo Muriel, ganz so ist es meiner Meinung nach nicht. In Kapitel 1 meines Buches erkläre ich warum… 🙂

      • Das ist ja nun keine Meinungsfrage. Man kann weder das eine noch das andere glauben. Ob deine Definition von „Atheist“ einen dann noch erfasst, ist deine Entscheidung. Wenn für dich ein Atheist nur jemand ist, der positiv von der Nichtexistenz von Göttern überzeugt ist, dann ist das in Ordnung, solange dir klar ist, dass manch andere Menschen den Begriff anders verwenden. Alle Atheisten, die ich kenne, zum Beispiel.

      • Thomas Christian Kotulla

        Ich glaube, wir haben aneinander vorbeigeredet.

        Natürlich muss ein Atheist nicht zwangsläufig positiv bzw. aktiv von der Nicht-Existenz eines Gottes überzeugt sein, sondern er kann auch einfach passiv nicht an die Existenz eines Gottes glauben.

        Wenn jemand weder an die Existenz eines Gottes noch an die Nicht-Existenz eines Gottes glaubt, dann kann man ihn wohl am ehesten als „Agnostiker“ bezeichnen. Das Interessante ist aber, dass selbst der Agnostizismus ein Glaube ist. Das zu erklären, würde hier aber zu weit führen…

      • Kann letzten Endes auch dahin stehen, weil es im Ergebnis wieder egal ist.
        Ich wollte nur darauf hinweisen, dass man als Atheist nicht glauben muss, dass keine Götter existieren.

      • Thomas Christian Kotulla

        Alles klar, dann sind wir uns ja einig. 🙂

        Alles Gute und einen schönen Abend.

  4. Esther M.

    Ich bin auch fasziniert und gern bei der Verlosung dabei! 🙂

  5. Maria Lahnstein

    Da, der Autor auch mitliest. Nachdem ich das Interview gelesen habe, denke ich, das wäre ein gutes Buch für eine Leserunde. Ich organisiere christliche Leserunden, zuerst nur Romane, jetzt aber immer mehr auch Sachbücher. Ich würde das Buch auch sehr gerne lesen, habe es heute morgen auf der Homepage des Brunnen Verlages gesehen. Bei Interesse, Christian hat meine Kontakdaten .

    • Thomas Christian Kotulla

      Liebe Maria, Christian hat mir Deine Kontaktdaten soeben gegeben. Ich werde mich gleich mal bei Dir melden!

  6. Irene

    Das Buch muss ich umbedingt lesen!

  7. Nadine

    Ich habe es bereits gelesen, danke für dieses herausragende Buch. Auch für mich war es bereichernd und hat mich in meinem Glauben bestätigt. Phänomenal finde ich, dass es aus wissenschaftlicher Sicht beleuchtet ist und „Fakten“ jede These untermauern und alle „Behauptungen“ in sich schlüssig erklärt und belegt werden. All meine Zweifel wurden ausgelöscht, viele Fragen beantwortet. Eine für mich wesentliche und existenzielle Frage ist jedoch leider offen geblieben.

    • Thomas Christian Kotulla

      Hallo Nadine. Es freut mich sehr, dass Dir mein Buch gefallen hat! Darf ich fragen, welche Frage das ist, die für Dich offen geblieben ist? Falls das eine zu private Frage ist, musst Du darauf natürlich nicht (hier) antworten…

      • Nadine

        Ja, die würde ich Dir gerne stellen! Das wäre toll. Aber öffentlich möchte ich das nicht so gerne diskutieren 😉

      • Thomas Christian Kotulla

        Ich habe gesehen, dass Du auch bei Facebook bist. Du kanst mir dort gerne eine private Nachricht schicken, wenn Du möchtest.

  8. Nadine

    Danke! Das mache ich!

  9. Bei den vielen Meinungen und Äußerungen,-glaub ich- wäre dies meine nächste Leselektüre. Hört sich vielversprechend an.

  10. Christoph-Benedikt Poschen

    Schade, bin selber chronisch krank und mit solchen Gedanken beschäftigt.
    Jetzt ist mir Herr Kotulla zuvor gekommen. Aber es ist sicherlich gut so, nehme einfach mal an, er konnte das sowieso besser. Hätte nur gern meinen Kindern/Enkeln ein eigenes Werk vorgelegt und bin keiner, der plagiiert. Stattdessen werde ich Herrn Kotullas Werk wohl zur selbstgerichteten Lektüre verwenden dürfen. Bin schon gespannt,
    wie weit das (mich) führen wird.
    Ch.-B. Poschen
    Lektüre

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