Uwe Birnstein: Väter in der Bibel

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Foto: Uwe Birnstein

Es ist noch gar nicht lange her, da ging es auf diesem Blog um das Thema „Körperliche Züchtigung heute?“. Zu meiner Verwunderung traf ich Väter die körperliche Züchtigung noch heute mit biblischen Quellen rechtfertigen. Da kam mir das soeben erschienene Buch „Väter in der Bibel“ gerade zur rechten Zeit in die Hände.

Der evangelische Theologe Uwe Birnstein entwirft in seinem Buch genau 20 Porträts biblischer Väterfiguren. Zugegeben, anfangs war ich etwas skeptisch. Was können mir diese alten Herren aus grauer Vorzeit heute noch in meine Pädagogik hereinreden?

Beim Lesen der einzelnen Porträts rückten mir die einzelnen biblischen Gestalten dann aber immer mehr auf die Pelle. Der Autor lässt seine Helden zwar in der Bibel stehen und beschreibt auch sehr gut ihre Situation unter den damaligen Gegebenheiten, aber dennoch gelingt es ihm einen sehr direkten Bezug in meine Gegenwart herzustellen.

Sehr eindrücklich ist da sein Beispiel Abraham. Abraham hört auf Gott und wird nichts anderes als ein Wirtschaftsflüchtling. Abraham verlässt seine Heimat und geht in das fruchtbare Kanaan. Birnstein schreibt: „… in unserer Zeit würden ihm die Asylbehörden den Stempel „Wirtschaftsnomade“ verpassen.“ Plötzlich schupst Birnstein mich mit aller Gewalt in die Gegenwart.

Während der Reise stirbt Abrahams Vater. Plötzlich ist Abraham selbst der Vater, der Verantwortliche. Der kinderlose Abraham, dessen Frau keine Kinder bekommen konnte, empfängt von Gott die Zusage: „Ich will dich zum großen Volk machen …“

Das klingt zunächst verrückt, aber wir alle wissen, Abraham wird später Vater. Allerdings hat er zwei Frauen für seine Kinder. Ist Abraham also ein Patchwork – Veteran? Spannend ist die Erzählweise Birnsteins, einiges würde ich gern hinterfragen, vieles erscheint mir logisch an seiner Auslegung.

Uwe Birnstein erweckt biblische Väterfiguren zu neuem Leben, mit deren Nähe zu meinem Alltag überrascht er mich sehr!

Herder Verlag, ISBN 978-3-451-30657-0, Preis 12,90 Euro

Uwe Birnstein hat uns folgende Fragen beantwortet:

Lieber Herr Birnstein, soeben ist Ihr Buch “Väter in der Bibel” erschienen. Ist das eine Erwiderung auf die “Mütter der Bibel” und warum war diese notwendig?

Erwiderung? Ergänzung würde ich eher sagen. Bei ihren Lesungen ihrer „Mütter der Bibel“ hörte Margot Käßmann oft den Wunsch, es möge doch auch ein Buch über die biblischen Väter geben. Das müsse aber ein Mann schreiben, sagte sie. Diese Idee habe ich aufgenommen. Seit vielen Jahren beschäftige ich mich journalistisch mit biblischen Geschichten. Die Väter in den Mittelpunkt zu stellen, fand ich besonders reizvoll. Denn in ihren Lebensgeschichten spiegeln sich die wesentlichen Lebensfragen auch heutiger Männer.

Sie haben 20 Väter – Figuren der Bibel porträtiert, taugt Ihr Buch heute zum Vaterratgeber?

Ratgeber geben Tipps und Anweisungen, á la „So werden Sie ein guter Vater“, dazu möglichst noch einen Psycho-Test zum Ankreuzen. Das war nicht mein Ziel. Dennoch: Wer Rat sucht für seine Situation – sei es als Kind im Verhältnis zum Vater oder als Vater -, der findet am ehesten Hilfe in den Lebensgeschichten anderer Menschen, egal wann sie gelebt haben. Insofern bietet das Buch Rat – aber unaufdringlich. Die 20 Väterschicksale regen eher dazu an, sich zuzuordnen: Wie hätte ich in deren Situation gehandelt? Wie gehe ich mit Schuld und Vergebung, mit Freundschaft und Treue, mit Geschwisterneid und Patchworkkonflikten um? Wie finde ich die Balance zwischen Rückzugssehnucht und Vaterpflichten?

Ihr Buch habe ich selbst als Vater gelesen. Bei aller zeitlichen Entfernung war ich doch sehr überrascht über die vielen Themen die heute auch die meinen sind. War Ihnen dies bereits so bewusst als sie begannen Ihr Buch zu schreiben?

Ja, das ging mir beim Schreiben auch so. Ehrlich gesagt ist es mir wider Erwarten so nahe gegangen, dass ich viel länger als geplant zum Schreiben brauchte. Plötzlich war ich als Sohn – und als Vater – mitten drin in meinen eigenen Geschichten. Der zeitliche Graben zwischen damals und heute war überwunden und die damaligen Väter wurden mir zu Vertrauten.

Die Bibel fordert die körperliche Züchtigung der Kinder, ist dies heute nicht mehr aktuell?

Gott sei Dank nicht. Die Bibel enthält ja viele zeitgebundene Gebote, entstanden in einem Nomadenvolk mit rüden, oft rabiaten Sitten. Natürlich wurden da Kinder auch geschlagen. Heute steht Respekt vor der Persönlichkeit eines Menschen im Vordergrund, auch vor Kindern. Die verbietet es Eltern, erst recht gläubigen, ihre Kinder mit Gewalt zu erziehen. Leider gibt es christlich-fundamentalistische Gruppen, in denen trotzdem mit Berufung auf die Bibel Kinder mit Zucht und mit der Rute misshandelt werden.

Warum sollte der moderne Vater von heute unbedingt Ihr Buch lesen?

Weil jeder Vater mit der Frage zurecht kommen will: Werde ich meinen Ansprüchen an mich gerecht? Um das herauszubekommen, ist der Blick auf unsere Vorfahren wichtig und hilfreich. Sie sind wie Lehrer, mal gut, mal weniger gut – aber stets wir können an ihren Erfahrungen teilhaben. Die biblischen Väter sind besonders spannend, weil sie ihr Vatersein mit ihrem Glauben zusammenbringen. Vatersein hat eine spirituelle Dimension, unabhängig von der Religion oder Konfession. Als Vater ist man dicht dran am Wunder des Lebens, fromm gesprochen: Man nimmt Teil an der Schöpfung. Auch ein „moderner“ Vater spürt: Er ist nur ein Glied in einer Jahrtausende zurückreichenden und hoffentlich Jahrtausende weiter bestehenden Menschheit. Diese Einsicht kann die nötige Gelassenheit und gleichzeitig die gebotene Gewissenhaftigkeit bringen, die für die Erziehung von Kindern wichtig ist.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Uwe Birnstein schenkt einem glücklichen Gewinner ein signiertes Buch. Wer also bis Donnerstag seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Uwe Birnstein: Väter in der Bibel

  1. Irene

    Das Thema ist sehr aktuel. Die jungen Männer brauchen mehr den je die vorbilder der biblischen Väter.

  2. Esther M.

    Oh, spannend! Und cool, diese Väter mal so gebündelt in einem Buch zu haben. Gerade die alten „Patriarchen“ geben mir oft Rätsel auf, was ihre Vaterschaft angeht. Ich mache daher auch gern mit bei der Verlosung.

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