Dorothee Dziewas: Die Gräfin und das Haus am Meer

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Foto: Dorothee Dziewas

Mit acht Geschichten gelingt es Dorothee Dziewas mir Adeline Gräfin Schimmelmann vorzustellen. Ich muss gestehen, bislang kannte ich die Gräfin aus dem hohen Norden nicht.

Zu Zeiten Kaiser Wilhelms I. kam Adeline an den königlichen Hof und wurde Hofdame bei Kaiserin Augusta. Mit 18 Jahren befand sich Adeline zum ersten Mal in einer so großen Stadt. Sie sah jedoch nicht nur Glanz und Gloria, sie hatte auch ein Auge für die Armen in dieser Stadt. Sie besuchte sogar Gefängnisse und verstieß damit gegen gesellschaftliche Normen. Eine Frau hatte sich nicht in politische Dinge einzumischen und schon gar nicht Initiative zu ergreifen.

Unbeirrt ging Adeline ihren Weg. Dabei brachte sie sehr große persönliche Opfer, wusste sich aber in ihrem Engagement für die Armen von Gott gerufen und bestätigt. Dziewas arbeitet in ihrem Buch gerade auch diesen Konflikt sehr fein heraus. Damit holt die Autorin, die auch als Übersetzerin arbeitet, ihr Geschichte mitten in unsere Gegenwart. Zugespitzt läuft alles auf die Frage heraus: Was ist für mich wohl besser, Gott zu gefallen oder auf gesellschaftliche Schablonen zu achten?

Gräfin Schimmelmann geht ihren ganz persönlichen Weg der Nachfolge weiter. Er führt sie auf die Insel Rügen. Mit ererbtem Geld baut sie dort ein erstes Obdach für in Not geratene Fischer.

Ich liebe Bücher in denen Geschichte zu Taten in der Gegenwart inspirieren, genau dies tut Dorothee Dziewas mit ihrer Gräfin!

Brunnen, ISBN 978-3-765-51586-6, Preis 12,99 Euro

Dorothee Dziewas hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Dorothee Dziewas, soeben ist Ihr neues Buch „Die Gräfin und das Haus am Meer“ erschienen. Wie bereits in Ihrem Buch „Eine kleine Lady“ sind Sie auch diesmal einer historischen Persönlichkeit auf der Spur. Wie finden Sie Ihre Helden?

Eigentlich finden meine Heldinnen mich. Jedenfalls war es bei der Gräfin so. Meine Lektorin vom Brunnen-Verlag war auf Gräfin Schimmelmann und ihr ereignisreiches Leben gestoßen und fand, dass es sich lohnen würde, ihre Geschichte zu erzählen. Und sie hatte Recht. Wie Harriet Beecher-Stowe, meine „kleine Lady“, die damals mit ihrem Buch Onkel Toms Hütte einen wichtigen Impuls zur Überwindung der Sklaverei in den USA gegeben hat, war auch die Gräfin eine mutige Frau, die sich auf ihrem Weg nicht beirren ließ.

Mit der Gräfin Schimmelmann, führen Sie Ihre Leser zurück an den Preußischen Hof. Die Gräfin hat sich als Hofdame der Kaiserin vielen Erwartungen unterzuordnen und stößt dabei immer wieder an Grenzen. Warum ist es wichtig heute über so etwas zu schreiben?

Zum einen hat es mir persönlich einfach Spaß gemacht, mich gedanklich in diese ganz andere Welt zu begeben, aber ich glaube, es war auch wichtig zu zeigen, was für ein Leben Adeline Schimmelmann in der damaligen High Society führte, denn es macht deutlich, wie sich ihr soziales Gewissen entwickelt hat – von den Wohltätigkeiten, die von einer Adligen erwartet wurden, bis hin zu dem radikalen Einsatz für gesellschaftliche Randgruppen.

Beim Lesen und Kennenlernen der Gräfin musste ich hin und wieder an Teenager der Gegenwart denken. Auch sie geraten an gesellschaftliche Grenzen, tun Sachen die wir als „Normalbürger“ nicht tun würden. Ist das vergleichbar?

Hm, was heißt „Normalbürger“? Klar war Adeline im ausgehenden 19. Jahrhundert keine Durchschnittsfrau – und ich wage zu behaupten, dass sie es auch heute nicht wäre. Wer nimmt schon Unannehmlichkeiten und Zerwürfnisse mit der eigenen Familie in Kauf, um benachteiligten Menschen ein Stück Hoffnung zu bringen? Was Teenager betrifft, so ist meine Erfahrung, dass sie sich noch leidenschaftlich für eine Sache engagieren können, egal, was andere sagen, und dass junge Menschen oft ein besonderes Gespür für Ungerechtigkeiten haben. Insofern hat die Gräfin schon etwas mit einem rebellischen Teenie gemein.

Die Gräfin weiß sich von Gott berufen, armen Menschen in ihrer Not zu helfen. Für diesen Dienst bringt sie große persönliche Opfer, eignet sie sich heute als Vorbild?

Jeder, der selbstlos etwas für andere Menschen tut, kann für uns ein Vorbild sein, finde ich. Und jemand, der sich über Konventionen hinwegsetzt und sich angreifbar macht, um sich für (soziale) Gerechtigkeit einzusetzen, um Menschen miteinander und mit Gott zu versöhnen und damit ein Stück von Gottes ursprünglicher Schöpfung Wirklichkeit werden zu lassen, ist erst recht ein Vorbild für mich – egal, in welchem Jahrhundert er oder sie gelebt hat.

Auf der Insel Rügen findet die Gräfin ihre Erfüllung. Sie baut mit ererbtem Geld ein Armenhaus. Hat es dieses Haus tatsächlich gegeben?

Ja, die „Fischerstube“, wie die Gräfin ihre Anlaufstelle für Seeleute oft nannte, gab es wirklich. Mit diesem Haus begründete sie sozusagen die erste Seemannsmission in Deutschland. Und sie spendete nicht nur Geld dafür, sondern lebte in einem kleinen Häuschen direkt neben den Fischern und packte tatkräftig mit an. Heute steht das Haus leider nicht mehr, aber in Göhren auf Rügen erinnert das Heimatmuseum an die Gräfin und ihre Arbeit.

Gibt es bereits in Ihrem PC ein nächstes Manuskript über das Sie uns etwas verraten wollen?

Im PC noch nicht, aber die eine oder andere Idee habe ich schon. Da ich meine Brötchen nicht allein mit der Schreiberei verdiene, sondern auch damit, das zu übersetzen, was andere geschrieben haben, wird es noch ein bisschen dauern, bis die nächste Geschichte konkretere Formen annimmt. Aber die Chancen stehen gut, dass es wieder eine historische Erzählung wird …

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Autorin hält für einen Gewinner ein signiertes Verlosungsexemplar ihres neuen Buches bereit. Wer seinen Kommentar bis Mittwoch 20 Uhr unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Dorothee Dziewas: Die Gräfin und das Haus am Meer

  1. Esther

    Oh toll, das Buch ist mir schon in einer Vorschau aufgefallen – gern bewerbe ich mich um ein Exemplar! 🙂

  2. Adeline

    Oh ja, das Buch hört sich toll an. Will es unbedingt lesen und die Gräfin hat sogar den gleichen Namen wie ich 😀 Das kommt ja nicht oft vor.

  3. Jürgen Tibusek

    Das klingt ja spannend und interessant – eben nach einem Buch, das nicht nur eine spannende Lektüre ist, sondern auch herausfordert, sich für Menschen zu engagieren.

  4. Margrit

    … und ich möchte die Gräfin auch gerne kennenlernen resp. auch von ihr lernen …

  5. Maria

    Das hört sich gut an. Ich würde die Gräfin auch gerne kennenlernen.

  6. Edelgard

    Das Buch würde ich gerne unbedingt lesen wollen. Eine kleine Lady gefiel mir schon ganz gut 🙂 !

  7. Theresa

    Klingt gut 🙂

  8. Elisabeth Th.

    Zu gerne würde ich dieses Buch einmal lesen!
    Im Buchladen habe ich es schon gesehen und muss sagen,
    der Inhalt interessiert mich sehr! 🙂

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