Ulrich Eggers: Ehrlich glauben

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Foto: Ulrich Eggers

Wie ein Christ zu sein hat, weiß man ja. Nichtchristen und Christen wissen aber auch um die Doppelmoral im Leben überhaupt. Ein wenig naiv klingt der Autor in meinen Ohren schon, wenn er in seiner Einleitung schreibt: „Erwachsene, zumal Christen, lügen nicht. Über so was sind wir erhaben, das haben wir verlernt.“

Ich bin mir gar nicht so sicher, ob wir Christen uns im Punkt lügen überhaupt von anderen Menschen unterscheiden. Unser Anspruch an uns selbst, allein vom Gebot her, verbietet uns das Lügen vielleicht eindringlicher als anderen, aber ob dieser Druck uns vor dem Lügen bewahrt, wage ich zu bezweifeln.

Auch Ulrich Eggers weiß, dass Christen ebenso wie alle anderen Menschen mal mehr und mal weniger lügen. Im weiteren Verlauf des Buches macht er deutlich, warum gerade wir Christen das Lügen nicht nötig haben. Welch eine Freiheit es für uns bringen würde, dass Lügen sein zu lassen klingt bei Eggers sehr gut an. Es wäre jedoch zugleich ein radikaler, lebensverändernder Einschnitt in unser Leben. Ulrich Eggers macht Mut dazu!

Wie sehr wir bei diesem Thema auf Gottes Hilfe angewiesen sind, wird bei Eggers deutlich, aber er zeigt auch Möglichkeiten, um aus dem Doppelleben mit der Doppelmoral herauszukommen. Besonders im zweiten Teil des Buches geht’s dann zur Sache.

Wie er jedoch ausgerechnet auf das Beispiel des Schriftstellerehepaares Strittmatter kommt, ist mir sehr fraglich. Natürlich hat Eva Strittmatter besonders in ihren Nachwendejahren viel von den Leiden im real existierenden Sozialismus erzählt und geschrieben, aber eine ganze Zeit lang hat sie sich als Kulturpolitikerin der DDR hervorgetan durch Linientreue zum sozialistischen Staat und hat anderen Menschen dadurch geschadet. Für ein Beispiel eines Doppellebens mit Doppelmoral sind die Strittmatters in meinen Augen völlig ungeeignet. In einem christlichen Buch halte ich dieses Beispiel für geschmacklos.

Aber zurück zum eigentlichen Thema. Für gelungen halte ich die 50 Impulse, die Ulrich Eggert gibt. Es wird sehr deutlich was alles möglich ist, wenn wir uns auf ein Leben ohne Lüge besinnen. Es könnte nicht nur ein Leben in der Wahrheit, sondern auch ein viel intimeres Leben mit Gott daraus werden!

Packen wir’s an, auch wenn ein Leben ohne die Lüge nicht möglich ist!

SCM R.Brockhaus, ISBN 978-3-417-26551-4, Preis 14,95 Euro

Ulrich Eggers beantwortet buecheraendernleben nun folgende Fragen:

Lieber Ulrich Eggers, soeben ist „Ehrlich glauben“ erschienen. Wie kamen Sie ausgerechnet auf dieses Thema?

Ich glaube, dass Ehrlichkeit – ein Leben in meiner Wahrheit und Wirklichkeit – eine der größten Lebenshilfen für Menschen ist. Aber wir übersehen das oft und lügen – unbewusst oder bewusst – aus irgendwelchen Gründen, weil das scheinbar bequemer oder gerade nützlich ist. Oder wir gestehen uns Wahrheit über uns selbst nicht ein oder umgehen ständig unsere Wirklichkeit: Was nicht sein darf, soll dann auch nicht so sein. Aber wer so lebt, der wird auf Dauer krank – oder aber er wird in seinem Glauben krank. Weil das Revolutionäre am Glauben ja gerade das ist, dass wir vor Gott total ehrlich sein können, dass uns komplette Annahme entgegen kommt, dass wir so sein dürfen, wie wir sind. Wir sind von Gott so sehr geliebt, dass wir eigentlich ehrlich leben könnten. Und wir hören in der Bibel auch diesen starken Satz, dass die Wahrheit uns frei macht. Aber wir trauen uns oft doch nicht oder haben uns so sehr verstrickt in einer glänzenden Fassade, dass wir unsere Wirklichkeit nicht mehr zeigen mögen. Da will das Buch Mut machen, frei zu werden – und zeigt in ganz vielen selbst erlebten Beispielen, wie das gehen kann.

Wann haben Sie das letzte Mal bewusst gelogen?

Weiß ich nicht, mir fällt da nichts ein – es ist wirklich mein Ziel, nicht zu lügen und da auch bewusst, kleine Notlügen oder Unwahrheiten zu verlernen oder nicht zuzulassen. Ich merke einfach, wie wohl mir das auf Dauer tut: Es gibt keine doppelte Wirklichkeit. Ich muss nicht überlegen: „Was sag ich jetzt? Sag ich die Wahrheit?“ Sondern da gibt es einfach immer grünes Licht für „Was anderes als die Wahrheit geht gar nicht …“. Das ist nicht immer leicht. Aber ich mache super gute Erfahrungen damit. Lüge ich trotzdem irgendwo noch mal? Vermutlich ja – ich mache ja genau so Fehler wie jeder andere. Aber ich will es nicht. Und: Es ist klüger und heiler und wohltuender, darauf zu verzichten …

In Ihrem Buch geht es neben dem lügen, sehr oft auch um Doppelmoral. Sie schauen sehr genau auf die Christen. Kann man dieses Thema wirklich getrennt vom Christsein und Nichtchristsein sehen und warum?

Doppelmoral gibt es überall. Aber das Buch ist – siehe Titel – vor allem für Christen geschrieben. Sie stellen an sich selbst einen hohen Anspruch – an sie wird auch ein hoher Anspruch gestellt und viele suchen geradezu nach Heuchelei. Auch Jesus war da sehr empfindlich für frommes Heucheln. Warum? Vor allem wohl, weil wir es als Christen nicht nötig haben – wir nehmen uns damit unglaublich viel Lebensfreude und Echtheit. Es ist unglaublich befreiend, der zu sein, der man ist – und dazu zu stehen. Darum geht es mir. Aber natürlich gilt das auch für Menschen so, die sich nicht als engagierte Christen sehen – eben deswegen zeige ich ja auch auf, wie leicht in Parteien, ideologischen Systemen oder bei all denen gelogen wird, die einen hohen Anspruch verfolgen und eben selbst auch nur Mensch sind … So gesehen gilt das Buch sicher für alle.

Insgesamt gefällt mir ihr Buch sehr gut. Nur Ihr Beispiel mit dem Ehepaar Strittmatter verübel ich Ihnen sehr. Warum haben Sie gerade dieses Ehepaar als Beispiel für Doppelmoral ausgewählt? Wäre da nicht ein christliches Beispiel für den Leser eindringlicher gewesen?

Ich weiß nicht genau, was Sie mir da verübeln: Dass ich ehrlich zitiert habe, was sie selbst sehr ehrlich über sich preisgegeben haben? Oder dass ich die selbstkritische Haltung ehemals sehr überzeugter Sozialisten deutlich gemacht habe? Wie auch immer: Sie scheinen mir ein super Beispiel für die Tatsache, wie leicht man ins Lügen kommt, wenn man hohe Ziele verfolgt: Mann will so viel Gutes – aber die Menschen sind nun mal so, wie sie sind. Ich selbst auch. Und da beginnt dann oft die Spaltung: Man verteidigt das Gute – und versteckt das Abweichen vom Ziel. Nach außen bleiben steile Forderungen oder eine glänzende Fassade mit hohen Zielen – nach innen wird man dem selbst nicht gerecht. Das haben die beiden über ihr Leben gut erkannt. Und das ist eben auch oft so in Parteien oder idealistischen Vereinen – oder eben bei Christen. Und es ist gut, wenn wir uns das eingestehen – und Wege aus dieser Falle finden.

Was wünschen Sie sich von Ihrem Buch. Was soll es mit seinen Lesern anstellen?

Ich wünsche mir sehr viele, die sich befreien lassen zu einem Leben mit mehr Leichtigkeit und Freue. Wir sind bei Gott vollkommen geliebt und akzeptiert – er kennt unsere gesamte Wirklichkeit, wir brauchen nichts zu verbergen. Und deswegen lohnt es sich so sehr, das Lügen wieder zu verlernen – und gerade auch Fassade und Wirklichkeit stärker in Übereinstimmung zu bringen. Das ist ein Weg – und auf den lade ich ein mit vielen praktischen Beispielen. Ein ehrliches Leben ist eine supergute Alternative – das können wir ganz neu entdecken. Und mir geht es da nicht zuerst um Moral, sondern um Befreiung für mich selbst …

Vielen Dank für dieses Gespräch!

Ulrich Eggers stellt unserem Blog ein von ihm signiertes Buch „Ehrlich glauben“ zur Verfügung. Wer also seinen Kommentar bis Sonntag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet und uns vielleicht sogar wissen lässt, wie er es mit dem Lügen hält, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Ulrich Eggers: Ehrlich glauben

  1. Esther

    Vor Jahren habe ich ein Buch von Ulrich Eggers gelesen, das mir richtig gut getan hat – und dieses hier klingt so, als enthielte es genau die richtige Mischung zwischen „herausfordernd“ und „mutmachend“. Wie ich es mit dem Lügen halte? Ich glaube, am häufigsten passiert mir das bei der Frage „Und, wie geht´s?“, besonders wenn ich merke, dass es meinen Gegenüber eigentlich gar nicht interessiert. Dann sage ich nur, was er hören will – „Gut, und dir?“.

  2. Margrit

    Als ich den Kommentar von Esther gelesen habe, dachte ich: Das ist ein gutes Beispiel! Diese Frage ist sicherlich oft gut und auch ehrlich gemeint, aber leider oft doch nur eine Floskel ….
    Jemand antwortete uns mal darauf: „Am liebsten gut!“.
    Ich antworte gerne: „Kommt darauf an, woran ich denke, resp. wohin ich schaue …!“

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