Monatsarchiv: Oktober 2013

Reformationstag: Ist das denn alles so wichtig?

das haus der geschichtenthomas franke

Foto: Thomas Franke

Bestsellerautor Thomas Franke hat seine Gedanken zum Reformationstag für die Leser von buecheraendernleben aufgeschrieben:

Ist das denn alles so wichtig?

Am Donnerstag, dem 31. Oktober ist Reformationstag. Die Assoziationen dazu sind sehr unterschiedlich. Wir Berliner zum Beispiel schielen ein wenig neidisch auf die neuen Bundesländer, weil dieser Tag dort offizieller Feiertag ist. Das sollte man aber inhaltlich nicht überbewerten. Wir Berliner schielen auch neidisch aufs katholische Bayern, weil die so viele Feiertage haben.

Was fällt uns noch so ein zur Reformation?

Es hat irgendetwas mit Reformen zu tun. Reformiert werden soll momentan eine ganze Menge, z.B. der europäische Datenschutz oder die Nato. Reformen haben in jedem Fall mit einer Menge Papier zu tun, und oftmals riechen sie schon leicht angestaubt, bevor die ganze Sache abgeschlossen ist. Selbst im Reformhaus riecht es irgendwie staubig, finde ich – aber vielleicht geht es nur mir so.
In jedem Fall ist der Begriff Reformation kein großer Aufreger mehr. Es ist lange her, dass Martin Luther seine 95 Thesen an eine Kirchentür nagelte. Die Probleme von damals interessieren uns nicht mehr. Der Markt für Ablassbriefe hat jedenfalls in den letzten fünfhundert Jahren erheblich an Schwung verloren.

Ist das nicht auch gut so?

Ist nicht unendlich viel Leid geschehen durch die darauffolgenden jahrhundertelangen Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen? Können wir nicht sehr zufrieden damit sein, dass wir heutzutage viel toleranter geworden sind?

Ich bin mir nicht sicher. Martin Luther ging es darum zu verstehen, wie Gott uns Menschen begegnet, und dabei wurde deutlich, dass die Kirche im Laufe der Jahre immer mehr dazu beigetragen hatte, genau diese Begegnung zu verhindern. Nicht der Wunsch zu entdecken, wie Gott uns in der Bibel entgegen tritt, löste später den Dreißigjährigen Krieg aus, sondern die unselige Neigung des Menschen, sich über andere zu erheben und nach Macht zu streben. Ersteres ist in unseren Breitengraden aus vielen Köpfen verschwunden, aber letzteres?

Sind uns heute wirklich die wichtigeren Dinge wichtig?

Beschäftigen uns die Kernfragen Luthers nicht mehr, weil wir klüger geworden sind oder weil wir einfach aufgehört haben, uns diese Fragen zu stellen? Überzeugungen können gefährlich sein, aber ist es die richtige Alternative, gar keine Überzeugungen mehr zu haben?
Ist unsere religiöse Toleranz, möglicherweise nicht mehr als eine kultivierte Form von Gleichgültigkeit? Es ist nicht einfach, einen anderen Menschen wertzuschätzen und gleichberechtigt gegenüberzutreten, wenn wir glauben, dass er im Unrecht ist. Möglicherweise ist es leichter, einfach zu behaupten: „Im Grunde haben wir doch alle Recht“?

Auch hier darf man fragen, ist das denn so wichtig?

Kommt es nicht vor allem darauf an, dass die Menschen sich nicht mehr wegen irgendwelcher religiösen Fragen die Köpfe einschlagen?
Vielleicht wäre es gut, diesen Gedanken einfach mal weiterzuspinnen. Was wäre eigentlich, wenn diese Utopie Wahrheit würde, was wäre, wenn aus: „Gleiches Recht für alle“, „alle haben Recht“ würde? Was wäre, wenn eine solche Toleranz zum Maßstab aller Dinge würde? Wäre ein solcher Staat, nennen wir ihn Toleranzia, wirklich ein Ort, an dem wir leben wollten?

Wer Lust hat, diesem Gedanken ein wenig nachzufolgen, den lade ich ein, etwas in meinem Buch: „Das Haus der Geschichten“ zu schmökern, vorzugsweise im Kapitel „Das Verbrechen“, ab S. 55.

Thomas Franke hält für einen glücklichen Gewinner ein signiertes Exemplar seines Buches „Das Haus der Geschichten“ bereit. Wie Ihr zum Gewinner werden könnt? Beantwortet uns ganz kurz die Frage: Was müsste Eurer Meinung nach dringend reformiert werden? Wer seine Antwort bis Dienstag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet, hat gute Chancen „Das Haus der Geschichten“ zu gewinnen. Viel Glück!

Wer mehr über den Berliner Autor erfahren möchte:

http://www.thomasfranke.net/?q=node/22

Dort verrät Thomas Franke auch bereits etwas über seinen mit Spannung erwarteten neuen Roman „Der Spiegel des Schöpfers“. Am 8. Januar 2014 wird das Buch bei Gerth Medien erscheinen.

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Tobias Hürter: Der Tod ist ein Philosoph

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Foto: Tobias Hürter

Hoch hinauf auf den Berg ist Tobias Hürter mit zwei Freunden geklettert. In wenigen Sekunden ist er abgestürzt und während des Falls hat er mit seinem Tod Bekanntschaft geschlossen.

Was der glücklich wieder genesende Mathematiker hier in seinem Sachbuch nun unternimmt, ist der Versuch den Tod zu erklären. Dabei holt er sich Rat bei Philosophen und lässt eigene Erfahrungen und Begegnungen mit einfließen. So wird sein Buch zur spannenden Fährtensuche nach Körper, Seele, Geist und vor allem immer mehr auch nach dem was nach dem Tod kommt.

Christ ist Hürter wohl nicht, aber bei diesem endlichen Thema kommt er am Christentum nicht vorbei. Er zeigt wie das Christentum sich für seine Sichtweise einst Anleihen bei Philosophen geholt hat. Spannend bleibt aber die Frage: Was kommt nach dem Tod?

Als Christ habe ich meinen Glauben der mir auch in dieser schweren Frage weiterhilft, egal mit wessen Hilfe er sich zu dem entwickelt hat, was er heute ist. Es freut mich, dass der Autor zum Ende seines Buches hin, immer wieder bei den Religionen landet und richtig feststellt: „Im Christentum bleibt die Identität des Menschen nach dem Tod erhalten.“

Von meinem christlichen Standpunkt aus kann ich Hürters Schluss nur als spärlich einstufen und allein deshalb entziehe ich ihm einen Amazonstern. Das Sachbuch an sich ist eine gut lesbare Hilfe um sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen, an ihm wird sich niemand vorbeischleichen können.

Tobias Hürter hat noch einmal Glück gehabt. Seine Familie hat ihn wieder und seine Mutter hat noch im Krankenhaus beschlossen: „Ab jetzt feiern wir zweimal im Jahr deinen Geburtstag.“

Piper, ISBN 978-3-492-05580-2, Preis 17,99 Euro

Nachtrag zur Rezension: Erst nach dem Schreiben meiner Rezension erfuhr ich vom Autor, dass er ein gläubiger Christ ist und warum dies in seinem Buch so wenig rüber kommt. Ich bin der Meinung, mein Christsein sollte nirgends vor der Tür bleiben, aber dies ist sicher ein neues Thema.

Um so dankbarer bin ich Tobias Hürter für folgendes Interview:

Lieber Tobias Hürter, soeben ist Ihr Buch „Der Tod ist ein Philosoph“ erschienen. Für wenige Sekunden haben Sie vor zwei Jahren Ihren Tod gesehen, sind ihm aber noch einmal von der Schippe gesprungen. War dieses Buch für Sie eine Verarbeitung Ihres Erlebnisses?

Ja, das Buch ist sozusagen Verarbeitung live. Es zu schreiben, hat mich dazu gebracht, diese für mich völlig beispiellose Erfahrung richtig auszuloten. Klar, ich hätte auch einfach so darüber nachdenken können, aber ich hätte es schwerlich so gründlich getan. Und tatsächlich habe ich nun eine deutlich klarere und gelassenere Sicht auf den Absturz und seine Folgen.

Beim Lesen Ihres Sachbuches dachte ich manchmal, alles liest sich erstaunlich flott weg, aber ein wenig mehr könnte sich der Autor schon ins Thema einbringen. Schließt die wissenschaftliche Erschließung eines solchen Themas dies aus?

Es war ein Balance-Akt: Einerseits ist es ein persönliches Buch, andererseits ein philosophisches. Das schließt sich natürlich nicht aus, im Gegenteil, ich glaube, gerade diese Kombination macht es zu einem besonderen Buch. Aber ich musste entscheiden, welcher Seite ich wie viel Gewicht gebe. Meine persönliche Geschichte ist zwar wesentlich für das Buch, ich wollte sie aber nur so weit in den Vordergrund rücken, wie es für die Botschaft des Buchs nötig ist: für meine Vorstellung eines guten Umgangs mit der eigenen Endlichkeit. Darum geht es ja letztlich, nicht um meine Person.

Nach dem Leser Ihres Buches und nach dem Schreiben meiner Rezension habe ich nun erfahren, dass sie sehr wohl ein gläubiger Christ sind. Das erstaunt mich, denn in Ihrem Buch habe ich eindeutige Hinweise zu Ihrem persönlichen Christsein nicht gefunden. Ich finde dies sehr schade. Warum ist es Ihrer Meinung nach ratsam gewesen, beides nicht ineinander fließen zu lassen?

Das war der nächste Balance-Akt. Ja, ich bin gläubiger Christ. Einer, der seinen Glauben immer wieder befragt und neu zu deuten sucht, manchmal auch zweifelt. So hat auch der Absturz meinen Glauben neu geprägt. Aber das ist eine Geschichte für sich. Was in dem Buch steht, betrachte ich als unabhängig vom Glauben, und so wollte ich es auch schreiben. Allerdings kann ein Christ einige Dinge, die ich da geschrieben habe, auf besondere Weise verstehen. Vor allem die Abschnitte über den Fortbestand des Menschen nach dem Tod.

Sie haben den Tod für wenige Sekunden gesehen. Haben Sie mir etwas voraus?

Jein! Der Tod hat mir keine neue Erkenntnis eingeflüstert. Aber schon Karl Jaspers hat gesagt, dass Grenzsituationen den Menschen auf eine Weise zum Nachdenken bringen, auf die er sonst nicht ohne weiteres kommt.

Sich dem Tod bereits im Leben zu stellen bringt Vorteile sagen Sie welche?

Warum wir uns dem Tod stellen sollten? Weil wir es können! Die Frage nach der richtigen Haltung zur eigenen Endlichkeit gehört nun mal zum menschlichen Dasein. Man kann ihr ausweichen, das ist nicht verboten. Aber auf diese Weise verpasst man eine große Chance. Der Gedanke an den Tod hat etwas ungemein Klärendes. Er weist den Weg zu den wirklich wichtigen Dingen und entlarvt die unwichtigen, von denen wir uns so leicht ablenken lassen.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Tobias Hürter hält für ein Gewinner ein signiertes Exemplar seines Buches bereit. Wer seinen Kommentar bis Montag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück! Wer den Autor weiter befragen möchte kann dies gern hier tun, sicher schaut der Autor hin und wieder hier vorbei um zu antworten.

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Martin Schramm: Unterwegs mit Bonhoeffer

unterwegs mit bonhoeffermartin schramm

Foto: Martin Schramm

Es gibt Berge von Büchern über Bonhoeffer. Manches ist gut, anderes nicht so gelungen. Was der Autor des vorliegenden Buches hier präsentiert, ist für mich neu. Er reist heute an die einst so wichtigen Orte Bonhoeffers, Zingst, New York, Berlin und Friedrichsbrunn und er lässt auch Buchenwald und Flossenbürg nicht aus.

Auf dem Weg zu diesen Orten liest Martin Schramm Bonhoeffer. Er lässt die einzelnen Orte auf sich wirken, geht auf Entdeckungsreise und beginnt einen völlig neuen Dialog mit dem Theologen aus dem letzten Jahrhundert. Beide fragen nach und bleiben nicht in der Geschichte stecken, es geht um Nachfolge im Hier und Heute.

Wie der Autor über Gottessehnsucht schreibt, ist berührend, weil er die Sehnsucht nach Gott aus Bonhoeffers Perspektive beschreibt und dann Jahrzehnte später buchstäblich am gleichen Ort selbst nach dieser Sehnsucht fragt. Er zitiert Bonhoeffer, kommt ihm sehr nah und schafft damit eine Intimität, die im Stande ist heute Leben zu verändern, Nachfolge sehr direkt zu ermöglichen. Dabei lässt der Autor mich hinter seine persönliche Lebenskulisse schauen und somit teilhaben, an dem, was er von den Orten Bonhoeffers heute mitnimmt.

In der Reihenfolge der Orte wird deutlich, was es heißt, Stationen zu absolvieren, seinem Gott näher kommen und Gemeinschaft der Suchenden und Gläubigen zu erleben. Dieses Buch tut gut. Es ermöglicht einen völlig neuen und unbeschwerten Blick auf Bonhoeffer und wird mithilfe der Reisefreudigkeit von Martin Schramm zum Gewinn für mich als Leser!

SCM R.Brockhaus, ISBN 978-3-417-26549-1, Preis 15,95 Euro

Martin Schramm hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Martin Schramm, soeben ist ihr Buch „Unterwegs mit Bonhoeffer“ erschienen. Es gibt massenhaft Bücher zu Bonhoeffer, warum mussten Sie denn nun noch eins schreiben?

Sie haben recht. Es gibt viele Bücher über Bonhoeffer. Biografien, die sein Leben beschreiben, und Fachbücher, die sich mit seinen Schriften beschäftigen. Mein Buch hat einen anderen Ansatz: es fragt danach, was Bonhoeffers Leben und Werk mit meinem Leben – heute im 21. Jahrhundert – ganz persönlich zu tun haben kann. Dabei ist dieser Ansatz nicht das Ergebnis einer strategisch geschickten Positionierung für ein Buchprojekt, sondern hat sich aus der persönlichen Erfahrung und Betroffenheit ganz natürlich entwickelt.

Mir gefällt sehr, dass Sie die einzelnen Ort Bonhoeffers aufgesucht haben und sozusagen vor Ort mit ihm ins Gespräch gekommen sind. Woher kam diese Idee?

Die Reise fing während eines Sommerurlaubs auf der dänischen Nordseeinsel Fanö (unbedingt zu empfehlen) an. Ein Freund erwähnte, dass Bonhoeffer auf dieser Insel an einer Konferenz teilgenommen hat. Dieser eher beiläufige Satz weckte mein Interesse. Ich nahm eine Biografie und Bonhoeffers Buch „Nachfolge“ mit auf die Insel. Beim Lesen in den Dünen von Fanö spürte ich die besondere Synergie zwischen dem Gelesenen und dem Ort, an dem das Gelesene geschehen oder gedacht wurde. Und wie es so ist: wenn man einmal etwas Besonderes erlebt hat, dann strebt man nach Fortsetzung. Wer einmal einen Marathon gelaufen ist, meldet sich recht häufig für einen Zweiten, Dritten u.s.w. an. Bei mir hat sich ein richtiges „Roadmovie“ entwickelt: ein Ort nach dem anderen. Mit dieser Leidenschaft habe ich auch meine Familie angesteckt, so dass es ein wirklich gemeinschaftliches „Unterwegssein“ wurde. Im Rückblick fällt mir auf, dass ich mich schon immer für „Unterwegs“ Bücher und Filme interessiert habe. In der Jugend habe ich mit Begeisterung „On the road“ des amerikanischen Autors Jack Kerouac gelesen. Er beschreibt den nicht immer geglückten Versuch einer neuen Generation „Unterwegs“ Freiheit und Glück zu finden. Sein „Unterwegssein“ endet oft in Rauschzuständen. Mir geht es bei meinem „Unterwegssein“ um die Sehnsucht nach Tiefe und die Beschreibung einer geistlichen Wanderschaft – vielleicht sogar Pilgerschaft. Das ist oft auch wirklich „berauschend“, aber eben auch erfüllend und ganz ohne Kopfschmerzen.

Bonhoeffer ist bei Ihnen nicht der Geschichtsheld und auch nicht der unerreichbare Theologe. Sie begegnen ihm auf Augenhöhe und treffen mit seiner Hilfe wichtige Aussagen um den Weg der Nachfolge in der Gegenwart für sich selbst zu entdecken. Sie sind nicht Mal studierter Theologe, woher nehmen Sie ihr Wissen?

Bei der „Begegnung und dem Gespräch“ mit Bonhoeffer geht es nach meinem Verständnis nicht um Wissen sondern um Leidenschaft. Wenn man sich wirklich auf die Gedanken Bonhoeffers einlässt und sich selber die Ruhe zum Nachdenken gönnt, dann ist der „gesprächsorientierte Schreibstil“ Bonhoeffers auch für Laien zu verstehen. Bonhoeffer schreibt kein „Fast Food“. Manches muss man wirklich länger kauen. Aber seine Schriften sind auch für leidenschaftliche Laien gut verdaulich und absolut nahrhaft. Ein gutes Beispiel sind für mich seine Predigten geworden, die in der Dietrich Bonhoeffer Werkausgabe veröffentlicht wurden. Diese Predigten, die er zum Beispiel vor seiner Londoner Gemeinde gehalten hat, sind verständlich und mit klaren und präzisen Worten so aktuell, dass es eine Freude ist, sie zu lesen.

Ihre Reisen zu Orten Bonhoeffers sind beendet. Was ist für Sie ganz persönlich geblieben?

Sorry, dass ich widerspreche. Meine Reise mit Bonhoeffer ist nicht beendet. Es gibt einige Orte, an denen ich noch nicht war. Außerdem eignen sich Bonhoeffers Schriften dafür, sie immer wieder zu lesen. So wie ich die Bergpredigt auch nicht einmal lese und dann verstanden habe, so werde ich Bonhoeffers Buch „Nachfolge“, das die Bergpredigt in den Mittelpunkt stellt, auch immer wieder lesen. Die persönliche Erfahrung dieses ersten Abschnitts meiner Reise hat mir meine Leidenschaft für das „Unterwegssein mit Gott“ neu deutlich gemacht. Bonhoeffer war und ist dabei in sehr guter Reisebegleiter. In einer Auslegung zu Psalm 119 hat Bonhoeffer einmal geschrieben: „Mit Gott tritt man nicht auf der Stelle, sondern man beschreitet einen Weg … wer seinen Fuß auf den Weg gesetzt hat, dessen Leben ist eine Wanderschaft geworden.“ In diesem Sinne werde ich auch weiterhin unterwegs sein. Das „Unterwegssein mit Gott“, das sich im Hören auf ihn und im Wahrnehmen seiner Anstöße zeigt, ist ein wesentlich erfüllenderer Lebensstil, als das Sitzen auf dem „Sofa der frommen Gemütlichkeit“. Auf geht´s.

Vielen Dank für das Gespräch!

Martin Schramm hält ein signiertes Exemplar seines Buches für einen Gewinner unserer Verlosung bereit. Wer seinen Kommentar bis Freitag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!
Außerdem schaut der Autor hin und wieder hier vorbei und wird gern auf eventuelle Fragen von Euch gern antworten:

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Theodor Michael: Deutsch sein und schwarz dazu

deutsch sein und schwarz dazu

Menschen dunkler Hautfarbe lebten im Dritten Reich? Von wenigen Einzelfällen habe ich bislang gehört, aber der Autor des vorliegenden Buches meint, es gäbe einige hundert Beispiele.

Selbst hat Theodor Michael einen Vater der aus Kamerun stammt und eine deutsche Mutter. Die stirbt als er gerade mal ein Jahr alt war. Auch die zweite Ehe des Vaters geht schief und für Theodor beginnt eine Zeit mit häufig wechselnden Adressen, Erziehungsberechtigten, Onkeln und Tanten.

Dem Überlebenden eines KZ gelingt in seinem Buch der Spagat zwischen der Schilderung seines Lebens und zugleich auch die Erklärung der politischen Umstände jener Zeit sehr gut. Mir war nicht bewusst, dass Kamerun deutsches Schutzgebiet war.

Wie Theodor Michael den Naziterror überlebt hat, wie weit er um des Überlebens willen für die Nazis gearbeitet hat und wie er sich Gott zuwandte, all dies beschreibt er in 67 teils sehr kurzen Geschichten. Sie berühren mich sehr, weil ich in ihnen die Einfachheit der Sprache und den Willen des Autors über ein äußerst wenig bekanntes Kapitel deutscher Geschichte aufklären zu wollen, spüre.

Theodor Michael schreibt über eine längst vergangene Zeit und ist damit doch leider sehr aktuell!

dtv, ISBN 978-3-423-6005-3, Preis 14,90 Euro

Mehr über Buch und Autor gibt es hier zu erfahren:

http://www.dtv.de/buecher/deutsch_sein_und_schwarz_dazu_26005.html

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Hans Steinacker(Hrsg.): Funkenflug

funkenflug

Seit vielen Jahren bereits gehört Hans Steinacker zum Urgestein der christlichen Literaturszene. Egal ob Verlagsleiter oder selbst Autor geht er aber auch immer seinem Hobby nach. Er sammelt Texte in knapper aber zündender Form.

Für einen Verlagsleiter sind Druckfehler sicher die größten Feinde. Nicht verwunderlich also, dass Steinacker auch Folgendes aus einer Tageszeitung aufhob: „Wenn Sie einen Druckfehler finden, bedenken Sie, dass er beabsichtigt sein könnte. Unser Blatt bringt für jeden etwas, denn es gibt immer Leute, die nach Fählern suchen.“

Immer um ein Augenzwinkern bemüht, schärft der Herausgeber aber auch des Lesers Auge in Bezug auf den christlichen Glauben im Alltag. Dabei ist er dem Fisch, dem Erkennungszeichen der Christen untereinander, genau so auf der Spur wie Menschen, die nichts mit der Bibel zu tun haben wollen. Wie sagte ein Berliner Taxifahrer in Bezug auf die Bibel und wie gibt es Hans Steinacker weiter: „Det Buch pack ick nich an. Wenn ick det lese, muss ick mir ändern – und det will ick nich.“

Besonders gefällt mir an diesem Buch, dass es nicht den Versuch unternimmt, den Leser missionieren zu wollen. Ganz allein kann der entscheiden von welchen Texten er sich besonders ansprechen lassen möchte. Von unbekannter Quelle ist so einiges in diesem Buch. Auch dieses: „Der Deckel eines Buches unterscheidet sich vom Deckel eines Sarges manchmal nur dadurch, dass man ihn nur einmal aufschlägt.“ Dies kann diesem Buch nicht passieren. Für’s Bücherregal ist es ungeeignet, weil ich mir inzwischen ohnehin angewöhnt habe, mir täglich eine kleine Kostprobe zu gönnen!

Brendow, ISBN 978-3-865-06539-1, Preis 12,95 Euro

Der Brendow Verlag stellt uns von diesem Titel ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer also seinen Kommentar bis Mittwoch 20 Uhr unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Anneli Klipphahn: Paolo

Paolo

Der Sechstklässler Paolo macht in diesem Roman eine spannende Entwicklung durch. Gemeinsam mit seinen beiden kleineren Brüdern, seinen Eltern und seiner Großmutter lebt er in aller Zufriedenheit in Omas Häuschen. Doch mit dem Tod der Großmutter ist Schluss mit aller Zufriedenheit. Mittags nach Schulschluss steht kein lecker gekochtes Mittag mehr für Paolo auf dem Tisch und zu allem Unglück verlässt der Vater die Familie.

Bis zu diesem Buch hatte ich von Anneli Klipphan noch nichts gelesen. Sie schreibt sehr flüssig, aber ich denke für 10-jährige Leser ist dieses Buch noch eine zu große Herausforderung. Dabei kommt es natürlich darauf an welche Kinder die Autorin gedanklich als Leser beim Schreiben vor Augen hatte. Genau dieser Frage hätte sich die Autorin vielleicht noch intensiver stellen sollen. Zum einen erklärt sie sehr schön was in einer Kirche zu sehen ist, zum anderen konfrontiert sie ihre jungen Leser mit Sätzen wie: „Ja. Er hat mit seinem Tod für unsere Schuld bezahlt.“ oder: „Unsere Seele hat Sehnsucht danach, sauber zu sein. Und Jesus will uns wieder sauber machen.“ Ein Spagat zwischen christlichen jungen Lesern und Lesern denen man erst noch den Altar erklären muss ist nicht zu schaffen.

Paolo steht mit all seinem Frust völlig allein da. Seine Mutter muss arbeiten gehen, manchmal ist sie Abends bei einem Freund und Paolo hat außer seinen beiden kleinen nervigen Geschwistern niemanden mehr. Seine vielen Freunde von einst meiden ihn seitdem er sich zum Rüpel und Schläger verändert hat. Aber plötzlich gibt es Veränderungen in Paolos Leben. Und obwohl mich die Autorin manchmal nervt, weil sie schon wieder bezweifelt, dass es keine Zufälle im Leben gibt, lese ich gespannt weiter.

Inhaltlich bin ich über einige kleine Ungereimtheiten gestolpert. Paolo stopft beispielsweise einen leeren Kartoffelsack mit Stroh aus und hängt ihn in den Keller um mit Füßen und Fäusten all seine Wut an ihm herauszulassen. Meiner Meinung nach ist dieser Sack viel zu leicht für einen Schläger aus der sechsten Klasse. Ein anderes Beispiel: „Am Karfreitag begannen endlich die Ferien.“ schreibt die Autorin. Dies betrifft allerdings nur die Städte Hamburg und Bremen und das Heimatland der Autorin. Für ein Buch das vor hat im ganzen deutschsprachigen Raum vertrieben zu werden, halte ich diesen Satz für unglücklich gewählt.

Bei aller Kritik jedoch hat dieses Buch eine spannende Story. Ganz sicher einige zu viele schwere theologisch verständliche Worte für Kinder, aber Spannung steckt auf jeden Fall in dieser interessanten Entwicklungsgeschichte über Paolo. Er erfährt von Gott, setzt sich mit Themen wie Lüge und Wahrheit, Lebensinhalte und Ziele auseinander und bemerkt, dass, wenn Jesus zum Freund im Alltag wird, er nicht mehr allein da steht.

BOAS Verlag, ISBN 978-3-942258-16-6, Preis 9,95 Euro

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Mirjam Schweizer: Blinde Erinnerung

blinde erinnerungMirjam Schweizer

Foto: Mirjam Schweizer

Von Mirjam Schweizer hatte ich noch nie etwas gehört oder gelesen. Mit ihrem Debütroman, den ich in keine der gängigen Schubladen einordnen kann, hat sie mich mächtig fasziniert. Selten bekommt man in einem Buch christliche Botschaft und Thrillerszenen so gut präsentiert!

Carol ist nur eine der wichtigen Protagonisten. Pastorenfrau Andrea finde ich mindestens ebenso interessant in ihrer Entwicklung. Beide gehen zu ihrem Klassentreffen. Seit Jahren haben sich die ehemaligen Schüler nicht mehr gesehen.

Was nun beginnt ist eine spannende Spurensuche. Carol hat jegliche Erinnerung an ihren Klassenkamerad Peter aus der sechsten Klasse verloren. Warum ist das so? Was ist damals geschehen? Warum ist Peter nicht zum Klassentreffen gekommen? Gespenstisch wird es als Carol Zettel zu lesen bekommt, die ihre Erinnerung auf Trab bringen.

Die Autorin entfaltet nun ihr beachtliches Erzähltalent und beweist ihre Stärke im Aufbau einer spannungsgeladenen Story, deren Ende nicht vorweg zu erahnen ist. Je weiter ich lese, desto mehr kommt Gott mit ins Spiel. Sehr gut macht die in der Schweiz lebende Autorin klar, dass Gott Menschen in ihrem Alltag verändert. Selbst dann, wenn Situationen ausweglos erscheinen, muss mit Gott gerechnet werden.

Dieses Buch hat es in sich. Den Namen Mirjam Schweizer muss man sich merken und sie sollte unbedingt weiter schreiben!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27396-0, Preis 15,95 Euro

Mirjam Schweizer hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Mirjam Schweizer, soeben ist „Blinde Erinnerung“ erschienen. Ist das Ihr erster Roman und wie kam es dazu, dass eine Finanzfachfrau mit dem Schreiben begann?

Es ist mein erster Roman im Bereich der Erwachsenenbelletristik. Vor ungefähr zehn Jahren habe ich eine Jugendbuchserie geschrieben (unter einem Pseudonym), die aber bereits wieder aus den Regalen der Buchhandlungen verschwunden ist.
Schon als Kind war ich eine extreme Leseratte und hatte einen unheimlichen Bücherverschleiss. Ich fand es immer schade, wenn ein Buch zu Ende war, weil das bedeutete, dass ich auch nicht länger mit den mir lieb gewordenen Figuren dieses Buches zusammen sein konnte. Und dann kam mir die Idee, selbst ein Buch zu schreiben…

Mit einem Klassentreffen und mit Gedächtnislücken beginnt Ihr Buch. Sie haben genau drei Sätze um jetzt den Leser auf Ihr Werk neugierig zu machen!

Auf einem Klassentreffen erfährt Carol, dass sie ihren ehemals besten Schulfreund Peter vollständig aus ihrem Gedächtnis gestrichen hat. Carol macht sich auf die Suche nach Peter und ihrer Vergangenheit. Dabei merkt sie, dass ihre ehemaligen Schulkameraden mehr wissen als sie zugeben und mindestens eine Person aus diesem Kreis ein falsches Spiel mit ihr spielt.

Ist es eigentlich ein Roman, ein Krimi oder ein Thriller? Ich hab bei der Einsortierung in eine Schublade Schwierigkeiten.

Ja, das kann ich gut verstehen. Ich kann das Buch auch nicht nur in eine Schublade einsortieren. Am ehesten würde ich es einen Entwicklungsroman mit Krimielementen nennen. Oder einen Krimi mit Entwicklungsromanelementen. Als Thriller würde ich das Buch eher nicht bezeichnen.

Wieso kennt sich eine Finanzfachfrau mit Abhörwanzen und Hightech-Mikrofonverstärkern aus? Ebenso müssen Sie ja auch eine Menge an Recherchearbeit in der Medizin geleistet haben. Wie lange haben Sie überhaupt an diesem Buch gearbeitet und wieso ging es gerade um so ein Thema?

Ich bin ein Technikfreak und habe während meiner Berufszeit als Pflegefachfrau viel mit Hightechgeräten gearbeitet. Und die Medizin fasziniert mich sowieso. Ich kann stundenlang im Internet über medizinische Themen recherchieren, Krankheitsbilder und Differentialdiagnosen analysieren und Symptome, Ursachen und Krankheitsverläufe miteinander abgleichen.
Das Thema Amnesie spielt in meinem Leben eine große Rolle, da ich selbst unter partieller Amnesie in Bezug auf gewisse Personen und Ereignisse leide. Ich weiß nicht, weshalb das so ist und habe es auch nie abklären lassen. Aber ich mache mir natürlich meine Gedanken, und es beflügelt auf jeden Fall meine Fantasie.

Ihr Buch zeigt sehr schön und zugleich äußerst spannend wie sich Menschen verändern. Mir hat dies sehr gut gefallen. Wann bekomme ich ein neues Buch von Ihnen zu lesen?

Danke vielmal für das positive Feedback! An „Blinde Erinnerung“ habe ich ungefähr drei Jahre lang gearbeitet. Dann benötigte der Verlag noch ein knappes Jahr für das Lektorieren, die Layoutgestaltung und alle übrigen Arbeiten, die mit der Publikation eines Buchs verbunden sind.
Die Idee für ein neues Buch habe ich bereits. Wenn alles gut läuft, wird es in ungefähr vier Jahren druckreif sein. Ich freue mich natürlich sehr, wenn ich Sie dann wieder zu meinen Lesern und Kritikern zählen darf!

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Der Verlag der Franckebuchhandlung stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Titels zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis Montag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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