Martin Schramm: Unterwegs mit Bonhoeffer

unterwegs mit bonhoeffermartin schramm

Foto: Martin Schramm

Es gibt Berge von Büchern über Bonhoeffer. Manches ist gut, anderes nicht so gelungen. Was der Autor des vorliegenden Buches hier präsentiert, ist für mich neu. Er reist heute an die einst so wichtigen Orte Bonhoeffers, Zingst, New York, Berlin und Friedrichsbrunn und er lässt auch Buchenwald und Flossenbürg nicht aus.

Auf dem Weg zu diesen Orten liest Martin Schramm Bonhoeffer. Er lässt die einzelnen Orte auf sich wirken, geht auf Entdeckungsreise und beginnt einen völlig neuen Dialog mit dem Theologen aus dem letzten Jahrhundert. Beide fragen nach und bleiben nicht in der Geschichte stecken, es geht um Nachfolge im Hier und Heute.

Wie der Autor über Gottessehnsucht schreibt, ist berührend, weil er die Sehnsucht nach Gott aus Bonhoeffers Perspektive beschreibt und dann Jahrzehnte später buchstäblich am gleichen Ort selbst nach dieser Sehnsucht fragt. Er zitiert Bonhoeffer, kommt ihm sehr nah und schafft damit eine Intimität, die im Stande ist heute Leben zu verändern, Nachfolge sehr direkt zu ermöglichen. Dabei lässt der Autor mich hinter seine persönliche Lebenskulisse schauen und somit teilhaben, an dem, was er von den Orten Bonhoeffers heute mitnimmt.

In der Reihenfolge der Orte wird deutlich, was es heißt, Stationen zu absolvieren, seinem Gott näher kommen und Gemeinschaft der Suchenden und Gläubigen zu erleben. Dieses Buch tut gut. Es ermöglicht einen völlig neuen und unbeschwerten Blick auf Bonhoeffer und wird mithilfe der Reisefreudigkeit von Martin Schramm zum Gewinn für mich als Leser!

SCM R.Brockhaus, ISBN 978-3-417-26549-1, Preis 15,95 Euro

Martin Schramm hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Martin Schramm, soeben ist ihr Buch „Unterwegs mit Bonhoeffer“ erschienen. Es gibt massenhaft Bücher zu Bonhoeffer, warum mussten Sie denn nun noch eins schreiben?

Sie haben recht. Es gibt viele Bücher über Bonhoeffer. Biografien, die sein Leben beschreiben, und Fachbücher, die sich mit seinen Schriften beschäftigen. Mein Buch hat einen anderen Ansatz: es fragt danach, was Bonhoeffers Leben und Werk mit meinem Leben – heute im 21. Jahrhundert – ganz persönlich zu tun haben kann. Dabei ist dieser Ansatz nicht das Ergebnis einer strategisch geschickten Positionierung für ein Buchprojekt, sondern hat sich aus der persönlichen Erfahrung und Betroffenheit ganz natürlich entwickelt.

Mir gefällt sehr, dass Sie die einzelnen Ort Bonhoeffers aufgesucht haben und sozusagen vor Ort mit ihm ins Gespräch gekommen sind. Woher kam diese Idee?

Die Reise fing während eines Sommerurlaubs auf der dänischen Nordseeinsel Fanö (unbedingt zu empfehlen) an. Ein Freund erwähnte, dass Bonhoeffer auf dieser Insel an einer Konferenz teilgenommen hat. Dieser eher beiläufige Satz weckte mein Interesse. Ich nahm eine Biografie und Bonhoeffers Buch „Nachfolge“ mit auf die Insel. Beim Lesen in den Dünen von Fanö spürte ich die besondere Synergie zwischen dem Gelesenen und dem Ort, an dem das Gelesene geschehen oder gedacht wurde. Und wie es so ist: wenn man einmal etwas Besonderes erlebt hat, dann strebt man nach Fortsetzung. Wer einmal einen Marathon gelaufen ist, meldet sich recht häufig für einen Zweiten, Dritten u.s.w. an. Bei mir hat sich ein richtiges „Roadmovie“ entwickelt: ein Ort nach dem anderen. Mit dieser Leidenschaft habe ich auch meine Familie angesteckt, so dass es ein wirklich gemeinschaftliches „Unterwegssein“ wurde. Im Rückblick fällt mir auf, dass ich mich schon immer für „Unterwegs“ Bücher und Filme interessiert habe. In der Jugend habe ich mit Begeisterung „On the road“ des amerikanischen Autors Jack Kerouac gelesen. Er beschreibt den nicht immer geglückten Versuch einer neuen Generation „Unterwegs“ Freiheit und Glück zu finden. Sein „Unterwegssein“ endet oft in Rauschzuständen. Mir geht es bei meinem „Unterwegssein“ um die Sehnsucht nach Tiefe und die Beschreibung einer geistlichen Wanderschaft – vielleicht sogar Pilgerschaft. Das ist oft auch wirklich „berauschend“, aber eben auch erfüllend und ganz ohne Kopfschmerzen.

Bonhoeffer ist bei Ihnen nicht der Geschichtsheld und auch nicht der unerreichbare Theologe. Sie begegnen ihm auf Augenhöhe und treffen mit seiner Hilfe wichtige Aussagen um den Weg der Nachfolge in der Gegenwart für sich selbst zu entdecken. Sie sind nicht Mal studierter Theologe, woher nehmen Sie ihr Wissen?

Bei der „Begegnung und dem Gespräch“ mit Bonhoeffer geht es nach meinem Verständnis nicht um Wissen sondern um Leidenschaft. Wenn man sich wirklich auf die Gedanken Bonhoeffers einlässt und sich selber die Ruhe zum Nachdenken gönnt, dann ist der „gesprächsorientierte Schreibstil“ Bonhoeffers auch für Laien zu verstehen. Bonhoeffer schreibt kein „Fast Food“. Manches muss man wirklich länger kauen. Aber seine Schriften sind auch für leidenschaftliche Laien gut verdaulich und absolut nahrhaft. Ein gutes Beispiel sind für mich seine Predigten geworden, die in der Dietrich Bonhoeffer Werkausgabe veröffentlicht wurden. Diese Predigten, die er zum Beispiel vor seiner Londoner Gemeinde gehalten hat, sind verständlich und mit klaren und präzisen Worten so aktuell, dass es eine Freude ist, sie zu lesen.

Ihre Reisen zu Orten Bonhoeffers sind beendet. Was ist für Sie ganz persönlich geblieben?

Sorry, dass ich widerspreche. Meine Reise mit Bonhoeffer ist nicht beendet. Es gibt einige Orte, an denen ich noch nicht war. Außerdem eignen sich Bonhoeffers Schriften dafür, sie immer wieder zu lesen. So wie ich die Bergpredigt auch nicht einmal lese und dann verstanden habe, so werde ich Bonhoeffers Buch „Nachfolge“, das die Bergpredigt in den Mittelpunkt stellt, auch immer wieder lesen. Die persönliche Erfahrung dieses ersten Abschnitts meiner Reise hat mir meine Leidenschaft für das „Unterwegssein mit Gott“ neu deutlich gemacht. Bonhoeffer war und ist dabei in sehr guter Reisebegleiter. In einer Auslegung zu Psalm 119 hat Bonhoeffer einmal geschrieben: „Mit Gott tritt man nicht auf der Stelle, sondern man beschreitet einen Weg … wer seinen Fuß auf den Weg gesetzt hat, dessen Leben ist eine Wanderschaft geworden.“ In diesem Sinne werde ich auch weiterhin unterwegs sein. Das „Unterwegssein mit Gott“, das sich im Hören auf ihn und im Wahrnehmen seiner Anstöße zeigt, ist ein wesentlich erfüllenderer Lebensstil, als das Sitzen auf dem „Sofa der frommen Gemütlichkeit“. Auf geht´s.

Vielen Dank für das Gespräch!

Martin Schramm hält ein signiertes Exemplar seines Buches für einen Gewinner unserer Verlosung bereit. Wer seinen Kommentar bis Freitag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!
Außerdem schaut der Autor hin und wieder hier vorbei und wird gern auf eventuelle Fragen von Euch gern antworten:

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Martin Schramm: Unterwegs mit Bonhoeffer

  1. Esther

    Ich bin ein großer Bonhoeffer-„Fan“ und dieses Buch klingt wirklich ungewöhnlich und lebensnah. Würde mich sehr darüber freuen … und vielleicht auch mal so eine „Lesereise“ erwägen, ;-).

  2. Ich fand Bonhoeffer schon immer sehr faszinierend, daher finde ich das Buch sehr interessant. Wie kommt man auf so eine Idee so eine Reise zu machen und dann finde ich es ja spannend, dass sich auch ein Verlag findet, der das verlegt – eben wo es schon so viele Biografien und Bücher von und über Bonhoeffer gibt.

    • Martin Schramm

      Hallo Simone, die Idee zur Reise hat sich vor dem Hintergrund von sehr intensiven Eindrücken auf der Insel Fanö entwickelt. Hier entstanden auch die ersten Texte. Diese Texte habe ich in einem Kreis von Autoren der Zeitschrift „Aufatmen“ vorgelesen und so entwickelte sich ein Schritt nach dem anderen bis schließlich ein Buch daraus wurde.
      Herzlichst

      Martin Schramm

  3. IWe

    Nach dieser Rezension frage ich mich, warum noch niemand vorher auf diese Idee gekommen ist. Das liest sich sehr spannend. Bonhoeffer scheint auch über Deutschland hinaus von Bedeutung zu sein. Ich habe im Sommer einen Pfarrer in Frankreich kennengelernt, der für Kollegen im Rahmen der Pfarrerfortbildung eine Reise an verschiedene Lebens- und Wirkungsorte von Bonhoeffer organisiert hat.
    Vor Jahren habe ich eine Lesung der Brautbriefe mit der Schwester von Bonhoeffers Verlober erlebt. Das war sehr eindrücklich und berührend.

    • Hallo IWe, du hast Recht, wenn man sich mit Bonhoeffer auf den Weg macht, dann wird es tatsächlich sehr spannend. Mich hat aber nicht nur das Leben beeindruckt, sondern auch das, was er geschrieben. Würde mich freuen, wenn du dich auch auf den Weg machen würdest.
      Herzlichst
      Martin Schramm

  4. Timm Schmidt

    Hallo Martin! Ich glaube ich muss jetzt doch auf das Standart-Leseverfahren ausweichen ! Die kurzen Einblicke die ich bis jetzt in das Buch bekommen konnte, lassen für mir jetzt ka keine andere Wahl 🙂 !

    • Hallo Timm, auch wenn es vielleicht etwas mehr Zeit und Mühe kostet, aber ein richtiges Buch in Händen zu halten und zu lesen, ist ein Vergnügen, das man sich in dieser hektischen Zeit ab und zu selber schenken sollte.
      Herzlichst
      Martin

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