Tobias Hürter: Der Tod ist ein Philosoph

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Foto: Tobias Hürter

Hoch hinauf auf den Berg ist Tobias Hürter mit zwei Freunden geklettert. In wenigen Sekunden ist er abgestürzt und während des Falls hat er mit seinem Tod Bekanntschaft geschlossen.

Was der glücklich wieder genesende Mathematiker hier in seinem Sachbuch nun unternimmt, ist der Versuch den Tod zu erklären. Dabei holt er sich Rat bei Philosophen und lässt eigene Erfahrungen und Begegnungen mit einfließen. So wird sein Buch zur spannenden Fährtensuche nach Körper, Seele, Geist und vor allem immer mehr auch nach dem was nach dem Tod kommt.

Christ ist Hürter wohl nicht, aber bei diesem endlichen Thema kommt er am Christentum nicht vorbei. Er zeigt wie das Christentum sich für seine Sichtweise einst Anleihen bei Philosophen geholt hat. Spannend bleibt aber die Frage: Was kommt nach dem Tod?

Als Christ habe ich meinen Glauben der mir auch in dieser schweren Frage weiterhilft, egal mit wessen Hilfe er sich zu dem entwickelt hat, was er heute ist. Es freut mich, dass der Autor zum Ende seines Buches hin, immer wieder bei den Religionen landet und richtig feststellt: „Im Christentum bleibt die Identität des Menschen nach dem Tod erhalten.“

Von meinem christlichen Standpunkt aus kann ich Hürters Schluss nur als spärlich einstufen und allein deshalb entziehe ich ihm einen Amazonstern. Das Sachbuch an sich ist eine gut lesbare Hilfe um sich mit dem Thema Tod zu beschäftigen, an ihm wird sich niemand vorbeischleichen können.

Tobias Hürter hat noch einmal Glück gehabt. Seine Familie hat ihn wieder und seine Mutter hat noch im Krankenhaus beschlossen: „Ab jetzt feiern wir zweimal im Jahr deinen Geburtstag.“

Piper, ISBN 978-3-492-05580-2, Preis 17,99 Euro

Nachtrag zur Rezension: Erst nach dem Schreiben meiner Rezension erfuhr ich vom Autor, dass er ein gläubiger Christ ist und warum dies in seinem Buch so wenig rüber kommt. Ich bin der Meinung, mein Christsein sollte nirgends vor der Tür bleiben, aber dies ist sicher ein neues Thema.

Um so dankbarer bin ich Tobias Hürter für folgendes Interview:

Lieber Tobias Hürter, soeben ist Ihr Buch „Der Tod ist ein Philosoph“ erschienen. Für wenige Sekunden haben Sie vor zwei Jahren Ihren Tod gesehen, sind ihm aber noch einmal von der Schippe gesprungen. War dieses Buch für Sie eine Verarbeitung Ihres Erlebnisses?

Ja, das Buch ist sozusagen Verarbeitung live. Es zu schreiben, hat mich dazu gebracht, diese für mich völlig beispiellose Erfahrung richtig auszuloten. Klar, ich hätte auch einfach so darüber nachdenken können, aber ich hätte es schwerlich so gründlich getan. Und tatsächlich habe ich nun eine deutlich klarere und gelassenere Sicht auf den Absturz und seine Folgen.

Beim Lesen Ihres Sachbuches dachte ich manchmal, alles liest sich erstaunlich flott weg, aber ein wenig mehr könnte sich der Autor schon ins Thema einbringen. Schließt die wissenschaftliche Erschließung eines solchen Themas dies aus?

Es war ein Balance-Akt: Einerseits ist es ein persönliches Buch, andererseits ein philosophisches. Das schließt sich natürlich nicht aus, im Gegenteil, ich glaube, gerade diese Kombination macht es zu einem besonderen Buch. Aber ich musste entscheiden, welcher Seite ich wie viel Gewicht gebe. Meine persönliche Geschichte ist zwar wesentlich für das Buch, ich wollte sie aber nur so weit in den Vordergrund rücken, wie es für die Botschaft des Buchs nötig ist: für meine Vorstellung eines guten Umgangs mit der eigenen Endlichkeit. Darum geht es ja letztlich, nicht um meine Person.

Nach dem Leser Ihres Buches und nach dem Schreiben meiner Rezension habe ich nun erfahren, dass sie sehr wohl ein gläubiger Christ sind. Das erstaunt mich, denn in Ihrem Buch habe ich eindeutige Hinweise zu Ihrem persönlichen Christsein nicht gefunden. Ich finde dies sehr schade. Warum ist es Ihrer Meinung nach ratsam gewesen, beides nicht ineinander fließen zu lassen?

Das war der nächste Balance-Akt. Ja, ich bin gläubiger Christ. Einer, der seinen Glauben immer wieder befragt und neu zu deuten sucht, manchmal auch zweifelt. So hat auch der Absturz meinen Glauben neu geprägt. Aber das ist eine Geschichte für sich. Was in dem Buch steht, betrachte ich als unabhängig vom Glauben, und so wollte ich es auch schreiben. Allerdings kann ein Christ einige Dinge, die ich da geschrieben habe, auf besondere Weise verstehen. Vor allem die Abschnitte über den Fortbestand des Menschen nach dem Tod.

Sie haben den Tod für wenige Sekunden gesehen. Haben Sie mir etwas voraus?

Jein! Der Tod hat mir keine neue Erkenntnis eingeflüstert. Aber schon Karl Jaspers hat gesagt, dass Grenzsituationen den Menschen auf eine Weise zum Nachdenken bringen, auf die er sonst nicht ohne weiteres kommt.

Sich dem Tod bereits im Leben zu stellen bringt Vorteile sagen Sie welche?

Warum wir uns dem Tod stellen sollten? Weil wir es können! Die Frage nach der richtigen Haltung zur eigenen Endlichkeit gehört nun mal zum menschlichen Dasein. Man kann ihr ausweichen, das ist nicht verboten. Aber auf diese Weise verpasst man eine große Chance. Der Gedanke an den Tod hat etwas ungemein Klärendes. Er weist den Weg zu den wirklich wichtigen Dingen und entlarvt die unwichtigen, von denen wir uns so leicht ablenken lassen.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Tobias Hürter hält für ein Gewinner ein signiertes Exemplar seines Buches bereit. Wer seinen Kommentar bis Montag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück! Wer den Autor weiter befragen möchte kann dies gern hier tun, sicher schaut der Autor hin und wieder hier vorbei um zu antworten.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Tobias Hürter: Der Tod ist ein Philosoph

  1. Rainer

    Interessantes Interview. Dostojewski war z.B. auch nur 1 Minute von seinem eigenen Tod durch Hinrichtung entfernt. Das hat sicher seine Sinne geschärft.

  2. Maria Lahnstein

    Hört sich sehr interessant an ! Ein Thema mit dem man sich auch ohne „Sturz“ mindestens einmal im Leben befassen sollte, aber viele Menschen schieben das Thema vor sich her und möchten sich nicht damit befassen, was danach kommt.

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