Reformationstag: Ist das denn alles so wichtig?

das haus der geschichtenthomas franke

Foto: Thomas Franke

Bestsellerautor Thomas Franke hat seine Gedanken zum Reformationstag für die Leser von buecheraendernleben aufgeschrieben:

Ist das denn alles so wichtig?

Am Donnerstag, dem 31. Oktober ist Reformationstag. Die Assoziationen dazu sind sehr unterschiedlich. Wir Berliner zum Beispiel schielen ein wenig neidisch auf die neuen Bundesländer, weil dieser Tag dort offizieller Feiertag ist. Das sollte man aber inhaltlich nicht überbewerten. Wir Berliner schielen auch neidisch aufs katholische Bayern, weil die so viele Feiertage haben.

Was fällt uns noch so ein zur Reformation?

Es hat irgendetwas mit Reformen zu tun. Reformiert werden soll momentan eine ganze Menge, z.B. der europäische Datenschutz oder die Nato. Reformen haben in jedem Fall mit einer Menge Papier zu tun, und oftmals riechen sie schon leicht angestaubt, bevor die ganze Sache abgeschlossen ist. Selbst im Reformhaus riecht es irgendwie staubig, finde ich – aber vielleicht geht es nur mir so.
In jedem Fall ist der Begriff Reformation kein großer Aufreger mehr. Es ist lange her, dass Martin Luther seine 95 Thesen an eine Kirchentür nagelte. Die Probleme von damals interessieren uns nicht mehr. Der Markt für Ablassbriefe hat jedenfalls in den letzten fünfhundert Jahren erheblich an Schwung verloren.

Ist das nicht auch gut so?

Ist nicht unendlich viel Leid geschehen durch die darauffolgenden jahrhundertelangen Auseinandersetzungen zwischen den Konfessionen? Können wir nicht sehr zufrieden damit sein, dass wir heutzutage viel toleranter geworden sind?

Ich bin mir nicht sicher. Martin Luther ging es darum zu verstehen, wie Gott uns Menschen begegnet, und dabei wurde deutlich, dass die Kirche im Laufe der Jahre immer mehr dazu beigetragen hatte, genau diese Begegnung zu verhindern. Nicht der Wunsch zu entdecken, wie Gott uns in der Bibel entgegen tritt, löste später den Dreißigjährigen Krieg aus, sondern die unselige Neigung des Menschen, sich über andere zu erheben und nach Macht zu streben. Ersteres ist in unseren Breitengraden aus vielen Köpfen verschwunden, aber letzteres?

Sind uns heute wirklich die wichtigeren Dinge wichtig?

Beschäftigen uns die Kernfragen Luthers nicht mehr, weil wir klüger geworden sind oder weil wir einfach aufgehört haben, uns diese Fragen zu stellen? Überzeugungen können gefährlich sein, aber ist es die richtige Alternative, gar keine Überzeugungen mehr zu haben?
Ist unsere religiöse Toleranz, möglicherweise nicht mehr als eine kultivierte Form von Gleichgültigkeit? Es ist nicht einfach, einen anderen Menschen wertzuschätzen und gleichberechtigt gegenüberzutreten, wenn wir glauben, dass er im Unrecht ist. Möglicherweise ist es leichter, einfach zu behaupten: „Im Grunde haben wir doch alle Recht“?

Auch hier darf man fragen, ist das denn so wichtig?

Kommt es nicht vor allem darauf an, dass die Menschen sich nicht mehr wegen irgendwelcher religiösen Fragen die Köpfe einschlagen?
Vielleicht wäre es gut, diesen Gedanken einfach mal weiterzuspinnen. Was wäre eigentlich, wenn diese Utopie Wahrheit würde, was wäre, wenn aus: „Gleiches Recht für alle“, „alle haben Recht“ würde? Was wäre, wenn eine solche Toleranz zum Maßstab aller Dinge würde? Wäre ein solcher Staat, nennen wir ihn Toleranzia, wirklich ein Ort, an dem wir leben wollten?

Wer Lust hat, diesem Gedanken ein wenig nachzufolgen, den lade ich ein, etwas in meinem Buch: „Das Haus der Geschichten“ zu schmökern, vorzugsweise im Kapitel „Das Verbrechen“, ab S. 55.

Thomas Franke hält für einen glücklichen Gewinner ein signiertes Exemplar seines Buches „Das Haus der Geschichten“ bereit. Wie Ihr zum Gewinner werden könnt? Beantwortet uns ganz kurz die Frage: Was müsste Eurer Meinung nach dringend reformiert werden? Wer seine Antwort bis Dienstag 20 Uhr unter diesem Beitrag postet, hat gute Chancen „Das Haus der Geschichten“ zu gewinnen. Viel Glück!

Wer mehr über den Berliner Autor erfahren möchte:

http://www.thomasfranke.net/?q=node/22

Dort verrät Thomas Franke auch bereits etwas über seinen mit Spannung erwarteten neuen Roman „Der Spiegel des Schöpfers“. Am 8. Januar 2014 wird das Buch bei Gerth Medien erscheinen.

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Reformationstag: Ist das denn alles so wichtig?

  1. Maria Lahnstein

    Ich bewerbe mich nicht für das Buch, habe es schon. Wollte eigentlich nur mal äußern, dass ich die obigen Gedanken des Autors wirklich toll finde !

  2. Vielen Dank für die guten Gedanken. Können wir denn jemals mit der Reformation aufhören? Ich denke nicht. Heute geht es eben nicht mehr um Ablassbriefe, sondern darum, ob die Bibel ernst zunehmendes Wort Gottes ist. Und das betrifft alle christlichen Kirchen und Gruppen….
    Das Buch habe ich auch schon :)) Ich verkaufe es immer wieder
    gerne in meiner Buchhandlung…

  3. Lea

    Bevor ich nach Thüringen gezogen bin, hatte der Reformationstag für mich keine so große Bedeutung. Aber da es dort extra ein Feiertag ist, macht man sich auch gleich mehr Gedanken darüber und ich habe nun schon einiges dazu gelesen. Das Interview ergänzt das noch mal gut. Das Buch habe ich übrigens noch nicht.

  4. Lea

    Was dringend reformiert werden müsste? Hm, so leicht lässt sich die Frage nicht beantworten (mit fällt als erstes die aktuelle Hochschulordnung meiner Fachhochschule ein).
    Manche strafrechtlichen Sachen sollten reformiert werden, z.B. Bußgelder für Leute, die Glasflaschen mit Absicht auf den Boden werfen (über die sich Tiere, Radfahrer, Rollstuhlfahrer dann ärgern) oder für Leute, die ihren Müll direkt neben bei Papierkorb werfen (vorzugsweise Zigarettenstumel). Nur zwei Kleinigkeiten, die mir auf die schnelle einfallen 🙂

  5. Susanne

    Ach, es gäbe so vieles, was reformiert werden müsste! Die evangelischen / katholischen Kindergärten z.B. bieten immer mehr esoterisches an. Wie soll man sein Kind davor schützen, wenn man es doch mit christlichen Werten erziehen möchte?

  6. Adeline

    Als erstes fällt mir sofort unser Schulsystem ein, das drigends reformiert werden sollte!
    Das Autorengespräch ist wirklich interessant und ich würde sehr gerne das Buch gewinnen 😀

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