James Stuart Bell: Der Engel kam barfuß

der engel kam barfuß

Getäuscht fühlte ich mich schon vom Klappentext dieser Geschichtensammlung. “ . . . 40 gewöhnliche Christen“, so steht es dort geschrieben, erzählen von ihren „ungewöhnliche[n] Erfahrungen mit Wundern, Engeln, dunklen Mächten und göttlicher Bewahrung. Authentische Erlebnisse . . .“ Schaue ich mir allerdings die Liste der 44 amerikanischen Autoren etwas genauer an, finde ich dort 20 zum Teil preisgekrönte Autoren, fünf Theologen und zwei Verlagsmitarbeiter. Natürlich kann man sich darüber streiten, was ein „gewöhnlicher Christ“ ist, für mich zählen erfolgreiche Autoren und Theologen nicht dazu. Außerdem zur Erinnerung, mit dieser Klassifizierung hat der Verlag begonnen. Leider lässt der Verlag die Frage offen, wer wohl dann ein ungewöhnlicher Christ sei. Ich finde solches Kastendenken unmöglich.

Ein Freund von Vorworten bin ich nicht, aber in diesem Falle lese ich es und finde Punkte, die mich aufhorchen lassen. Da wird gleich zu Anfang eingeteilt in die, die von Engeln und Dämonen berichten und der Leser deshalb beim Lesen stutzig wird. „Zu Recht“, wie es heißt, sehe ich ebenso. Zwei Sätze weiter allerdings steht dann: „Aber es gibt auch Erlebnisse von glaubwürdigen Personen, deren Berichte nicht selten nachgeprüft werden können. Dazu gehören die Geschichten, die in diesem Buch gesammelt sind.“ Genau an dieser Stelle wird es mir als Leser äußerst ungemütlich.

Wer erhebt sich hier zum Mächtigen, der in glaubwürdige und unglaubwürdige Personen einteilt und damit spaltet? Nur weil etwas „nachgeprüft“ werden kann, muss es längst nicht wahr sein. Und ob jemand den Umkehrschluss dieses miserablen Vorwortes mitgehen will, dass alles, was nicht nachprüfbar ist von unglaubwürdigen Personen stammt, wage ich dann doch zu bezweifeln. Sicher hatte der Verfasser des Vorwortes selbst beim Schreiben kein gutes Gefühl, hat er doch lediglich „Der Verlag“ darunter geschrieben. Ob es nun Hänssler oder der amerikanische Originalverlag war, geht leider aus dem Vorwort nicht hervor.

Beim Lesen einzelner Geschichten frage ich mich sehr ernsthaft, was haben diese im Buch eines christlichen Verlages zu suchen? Da bekommt beispielsweise eine Frau von einer völlig unbekannten einen kleinen Anhänger geschenkt. Weil ein kleiner springender Delfin daran hängt, weiß sie sich plötzlich von Gott geliebt. Nachprüfbar ist an dieser Geschichte nichts. Das Visitenkärtchen, dass sich die Beschenkte erbat und auch bekam, war auf dem Weg nach Hause aus der Geldbörse heraus „einfach verschwunden.“

Jede Menge anderer Geschichten warten in diesem Buch auf Leser. Mir hat diese Lektüre nichts gebracht, lediglich meine Verwunderung darüber, mit was ein christlicher Verlag hier Geld macht.

Mit meinem Glauben und meiner Beziehung zu Gott hat dieses Buch nichts zu tun!

Hänssler, ISBN 978-3-775-15476-5, Preis 16,95 Euro

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “James Stuart Bell: Der Engel kam barfuß

  1. Esther

    Danke für diese kritische Rezension. Ich hätte auch etwas völlig anderes hinter dem Titel, Cover und Klappentext vermutet.

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