Jochen Schulz: Das Leben mit den dunklen Gedanken

das leben mit den dunklen gedankenJochen Schulz

Foto: Jochen Schulz

Zum Thema Depressionen ist in den letzten Jahren viel geschrieben worden. Oft waren es Erklärungsversuche von Fachleuten, seltener haben sich Betroffene selbst dazu aufgerafft über ihre Krankheit zu schreiben.

Im vorliegenden Fall schreibt ein seit vielen Jahren Betroffener. Was er schreibt berührt und macht deutlich, sein Buch gilt nicht nur Menschen die selbst von dieser Krankheit betroffen sind, sondern auch Angehörigen und Menschen die vielleicht meinen, sie hätten mit all dem nichts zu tun. Liest man das Buch von Jochen Schulz aufmerksam, wird schnell klar wie vorverurteilt Kranke werden und in wie weit in unserer Gesellschaft erst noch ein Gefühl dafür geschaffen werden muss um Ängste und Vorurteile abzubauen.

Auch wenn ich anfangs beim Lesen dachte, hoffentlich textet mich der Autor nicht voll mit Fachjargon, so übertrieb er es dann doch nicht und was er an fachlichem Wissen preis gab, war wichtig zu erfahren. Neben dieser fachlichen Weitergabe von Informationen steht exemplarisch der Mensch Jochen Schulz im Mittelpunkt. Kein anderer als er selbst hätte je besser beschreiben können was ihn verletzte, wie er seine ihn umgebende Welt sah. Schließlich gibt der Autor Informationen für Betroffene weiter. Adressen und Links finden sich im Anhang.

Ein lesenswerter Situationsbericht, der gelesen werden sollte, weil er authentisch daherkommt und Hilfen für alle Seiten aufzeigt!

Edition Octopus, ISBN 978-3-86991-838-9, Preis 13,95 Euro

Jochen Schulz hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Jochen Schulz, viele Jahre Ihres jungen Lebens litten Sie unter Depressionen, jetzt sind Sie geheilt und haben sicher auch mithilfe dieses Buches zum Befreiungsschlag ausgeholt, würden Sie dies ähnlich sehen?

Zumindest teilweise kann ich Ihre Ansicht teilen. Zwar gelte ich aus ärztlicher Sicht als geheilt, jeodch werden mich meine Medikamente noch eine Zeit lang durch mein Leben begleiten um einen erneuten Rückfall zu vermeiden. Zusätzlich habe ich mit Hilfe meines Buches es geschafft aus meiner negativen Gedankenwelt auszubrechen und kann nun wieder aktiv mein Leben selber gestalten und mit Freude daran teilnehmen. Trotz allem hoffe ich natürlich sehr, dass ich meine Medikamentendosis nach und nach reduzieren kann und eines Tages ganz ohne Medikamente leben kann.

Viele Verlage haben Bücher über Depressionen veröffentlicht. Warum sollte der Leser ausgerechnet zu Ihrem Buch greifen?

Natürlich haben einige Verlage mittlerweile Bücher über Depressionen veröffentlicht und auf den Markt gebracht. Dieser Konkurrenz bin und war ich mir durchaus bewusst, also habe ich Angefangen den Markt zu analysieren und habe mir selber einige Bücher über Depressionen zugelegt und gelesen. Dabei musste ich feststellen das mich keines der Bücher zu 100 Prozent überzeugen konnte. Entweder waren es reine Erfahrungsberichte ohne jegliche Hintergrundinformationen zu der Krankheit oder es waren reine medizinische Bücher wo die persönlichen Erfahrungswerte mit der Krankheit außen vor gelassen wurden. Und genau hier an dieser Problematik setzt mein Buch an. Ich habe sowohl meine eigenen Erfahrungen mit einfließen lassen jedoch auch wichtige Hintergrundinformationen über die Krankheit und zum Schluss noch einen Ratgeber Teil eingearbeitet um anderen Betroffenen und deren angehörigen mit Tipps und Ratschlägen zur Seite zu stehen. Diese drei wichtigen Teile in einem Buch zusammen zu fassen war mein großes Ziel denn dadurch hebe ich mich eindeutig von der Konkurrenz anderer Bücher ab, denn so ein Buch (Biographie, Sachbuch, Ratgeber) in dem alles enthalten ist gibt es bis jetzt noch nicht am Markt.

Sie haben die Erfahrung gemacht, dass man in eine depressive Phase hineinrutschen kann ohne dies überhaupt zu bemerken, wann spätestens sollte ich auf meinen Körper hören, was schlägt Alarm bei mir wenn eine Depression droht?

Ich denke dies äußert sich bei jedem Betroffenen unterschiedlich. Bei mir waren es heftige Schwindelatacken wofür keine Körperliche Ursache gefunden werden konnte. Spätestens wenn man sich kraftlos müde und erschöpft fühlt sollte man seinem Körper gehör schencken. Weitere Alarmsignale können anhaltende Schlafstörungen eine tiefe Traurigkeit und ständiges Grübeln sein. Kommt dann noch das Gefühl hinzu innerlich nicht mehr zur Ruhe kommen zu können sollte man sich dringend an den Artzt oder an einen Psychologen wenden. Je früher eine Depression erkannt und behandelt wird um so besser stehen die Chancen auf eine Heilung und eine erfolgreiche Therapie.

Auf den ersten Seiten Ihres Buches dachte ich. „o Gott, nur nicht noch mehr an Fachwissen!“ Glücklicherweise lies dies dann ja auch schnell nach und Sie haben aus Ihrem Leben erzählt. Wie schwer fällt es in aller Öffentlichkeit von der Scheidung der Eltern oder auch dem besonderen Verhältnis zum Vater zu schreiben?

Am Anfang hatte ich schon ein etwas mulmiges Gefühl diese intimen Momente meines Lebens der Öffentlichkeit und damit fremden Menschen preis zu geben. Dieses Gefühl ist aber sehr schnell verflogen da ich so das Erlebte für mich persönlich am besten verarbeiten und mich und meine Gefühle anderen mitteilen konnte.

Mit Ihrem Buch wollen Sie für die Krankheit Depression ein öffentliches Forum schaffen. Wie sind die ersten Reaktionen von Lesern Ihres Buches?

Mit den bisherigen Reaktionen von Lesern meines Buches meinem Umfeld und der Öffentlichkeit bin ich absolut überwältigt worden. Mit soviel Zuspruch und Anerkennung hätte ich niemals gerechnet. Und auch das lokale Medieninteresse überraschte mich sehr. Aber es gab bereits einen sehr besonderen und emotionalen Moment den ich Ihren Lesern kurz schildern möchte. Bereits am 10.10. 2013 hatte ich meine erste Lesung in Tuttlingen. Nach der Veranstaltung ist etwas sehr berührendes passiert. Eine Teilnehmerin erzählte mir von ihrem 18 Järigen Sohn der selbst an Depressionen leidet und zurzeit eine sehr schwierige Phase in seinem Leben durchmacht. Die Frau war den Tränen nahe und ich hatte jeden Moment das Gefühl das sie vor mir zusammen sacken würde. Dieses Erlebniss hat mich sehr geprägt das sich ein absoluter fremder Mensch sich mir anvertraut und von dem Schicksal ihres kranken Kindes berichtet hat auch mich emotional sehr mitgenommen. Solche Momente zeigen mir aber das ich den absolut richtigen Weg gewählt habe und ich hoffentlich vielen Menschen damit helfen kann.

Kann eine Depression immer wieder kommen?

Natürlich kann es zu einem Rückfall oder einer erneuten Erkrankung kommen, was ich leider auch selbst erfahren musste. Aber die in der Therapie angewendeten und gelernten Techniken machen es möglich einem Rückfall oder einer erneuten Erkrankung vorzubeugen. Und auch durch eine Medikamentöse Behandlung kann man sehr gut einem erneuten Rückfall vorbeugen bis sich der Patient endgültig stabilisiert hat.

Wie würden Sie heute mit der Krankheit Depression umgehen?

Aus der heutigen Sicht und mit meinem erlangten Wissen und meinen Erfahrungen würde ich mir wahrscheinlich schneller Hilfe holen und mich sofort in Therapie begeben sobald die kleinsten Anzeichen einer erneuten Erkrankung festzustellen sind. Durch die Therapie und das schreiben meines Buches habe ich gelernt gut mit der Krankheit umzugehen und das es immer einen Ausweg gibt auch wenn die Situation noch so hoffnungslos erscheint. Durch den Umgang mit der Krankheit konnte ich auch sehr viel über mich selbst lernen und erfahren das jeder Mensch auf seine Art etwas ganz besonderes ist und es absolut keinen Grund gibt sich für diese Krankheit zu schämen. Und auch der Gang an die Öffentlichkeit würde ich wieder genauso wählen und bereue es absolut nicht diesen Weg gewählt zu haben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Edition Octopus stellt uns drei Verlosungsexemplare dieses Titels zur Verfügung. Wer seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet oder eine Frage an den Autor hat, kann diese gern hier hinterlassen und nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Diese Verlosungsaktion läuft bis Mittwoch 20 Uhr. Viel Glück!

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3 Kommentare

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3 Antworten zu “Jochen Schulz: Das Leben mit den dunklen Gedanken

  1. Maria Lahnstein

    Ein ganz wichtiges Thema ! Die Erkrankung ist häufiger als so mancher denkt. Und da ich unmittelbar im Familienkreis betroffen bin, werde ich das Buch auf jeden Fall in absehbarer Zeit lesen. Danke für diesen Tip !

  2. Miranda Poppa

    Ein sehr schöner und wichtiger Beitrag zum Thema Depressionen von einem sehr mutigen jungen Mann, welcher die Krankheit selbst erlebt hat.
    Sehr empfehlenswert !

  3. Esther

    Depression – kein leichtes Thema. Und Berichte aus der Sicht von Betroffenen sind wirklich eher selten. Ich hätte Interesse …

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