Daniel Rettig: Die guten alten Zeiten

die guten alten Zeitendaniel rettig

Foto: Daniel Rettig

Ist es nicht herrlich in Erinnerungen zu schwelgen?

Wer tut das nicht, zumindest hin und wieder? Also ich bekenne mich dazu!

Daniel Rettig hat seinen lieben Mitmenschen auf’s Maul geschaut und ihnen zugehört und hat sehr oft mitbekommen, dass sie von dem erzählen was Früher war. Dies allein macht das Buch für mich noch nicht umwerfend. Aber wie der Autor geschickt darauf aufmerksam macht, wie Nostalgie unser gesamtes Leben durchzieht, dies lässt mich schon an einigen Stellen zu einem Aha-Erlebnis kommen.

Selbst unser Kaufverhalten wird ein Stück weit von unserer Nostalgie, unseren gemachten Erfahrungen gesteuert. Der Autor hat eine Vielzahl von Nachrichten gesammelt und Studien gelesen, so wie er alles hier zusammenstellt, ist seine Momentaufnahme zu unserer manchmal verpönten Nostalgie eine Hommage an sie geworden.

Ich ahnte es schon immer, Nostalgie tut mir gut. Daniel Rettig versorgt mich mit dem Sachverstand darüber, vielen Dank!

DTV, ISBN 978-3-423-26013-8, Preis 14,90 Euro

Daniel Rettig hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Daniel, „Die guten alten Zeiten“ hast Du Dein neues Buch genannt. Schaust Du junger Hüpfer echt so gern in die Vergangenheit zurück?

„Junger Hüpfer“ ist natürlich relativ. Aber im Ernst: Ja, tue ich! Und das ist auch kein Widerspruch. Ich bin zwar grundsätzlich ein positiver, fröhlicher Mensch. Aber manchmal neige ich auch zu einer gewissen Sentimentalität. Abschiede fallen mir sehr schwer – nicht nur von Menschen, sondern auch von Lebensabschnitten. Und wenn ein Lebensabschnitt endet – egal ob durch Schulabschluss, Volljährigkeit oder 30. Geburtstag -, dann neigt man eben stärker dazu, zurückzublicken.

Eigentlich ist ja die Nostalgie nicht so sehr positiv besetzt. Was meinst Du woher kommt das?

Was viele Menschen nicht wissen: Nostalgie galt früher als tödliche Krankheit. Mediziner im 17. und 18. Jahrhundert dachten: Wer seine Heimat verlässt, der erkrankt an Nostalgie – und stirbt. Das weiß man inzwischen zwar besser – aber ich denke, daher kommt der negative Ruf.

In Deinem Buch wird klar, wie lebensnotwendig Nostalgie ist, ich war echt ein wenig überrascht darüber. Wie bist Du selbst auf das Thema gekommen?

Ich arbeite hauptberuflich als Redakteur bei der WirtschaftsWoche. Im Februar 2012 wollte ein Kollege über neue Autos schreiben, die den Modellen der Fünfziger- und Sechzigerjahre ähneln. Ein anderer Kollege fragte daraufhin: Wieso kaufen Menschen eigentlich so gerne Sachen, die sie an früher erinnern? In dem Moment wurde ich hellhörig. Zu Hause erzählte ich meiner Freundin davon und sie sagte: “Daraus kann man vielleicht ein Buch machen.” Dann habe ich begonnen zu recherchieren und bemerkte, wie facettenreich Nostalgie ist – dass sie wahnsinnig viele Themen umfasst: Geschichte, Psychologie, Neurobiologie und Ökonomie. Und all das findet sich nun im Buch.

Deinem Buch wünsche ich ganz viele Leser. Was wünscht Du den Lesern, was Sie von Deinem Buch in den Alltag mitnehmen?

Ich will dem Leser zeigen, wie allgegenwärtig Nostalgie in unserem Leben ist – und dass wir dafür dankbar sein sollten. Jeder neue Tag, jede Begegnung, jedes Erlebnis kann Teil unserer nostalgischen Erinnerungen werden. Niemand hat das jemals so schön formuliert wie der kolumbianische Literaturnobelpreisträger Gabriel García Márquez: „Weine nicht, weil es vorbei ist. Sondern lächle, weil du es erlebt hast.“

Herzlichen Dank für das aufschlussreiche Gespräch!

Wie nostalgisch bist Du eigentlich veranlagt lieber Leser ? Lass es uns wissen !

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