Monatsarchiv: Dezember 2013

Timo Roller: Noah und die Jahreslosung 2014

timo roller

Foto: Timo Roller

»Es fängt an!«

sagt Oscar-Preisträger Russell Crowe, als der Regen der Sintflut beginnt. Er spielt »Noah« in einem großen Hollywood-Epos, das 2014 in die Kinos kommt.

»Es fängt an!«

Das Jahr 2014 steht für mich ganz persönlich im Zeichen Noahs. Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich mit dem biblischen Bericht der Sintflut. Ganz besonders interessiert mich die Suche nach dem Landeplatz der Arche sowie die Frage, ob jemals Überreste des biblischen Schiffs gefunden worden sind. Im September 2013 habe ich an einer wissenschaftlichen Konferenz in der Südosttürkei teilgenommen und über den Berg Cudi gesprochen, den ich für einen der »Berge von Ararat« halte. Dort muss laut christlicher, jüdischer, muslimischer und babylonischer Tradition die Arche gelandet sein und noch lange Zeit existiert haben. Mein Buch »Das Rätsel der Arche Noah« erscheint voraussichtlich im März, rechtzeitig vor dem Noah-Film.

Ich bin sehr gespannt auf das Medienecho, das Russell Crowes Auftritt als Noah sicher begleiten wird. Auch Emma Watson, Logan Lerman und Anthony Hopkins spielen mit. Was werden die Menschen über diese Sintflut-Geschichte aus Hollywood denken? Eine weitere Action-Apokalypse zu Popcorn und Cola für die Kinofans? Ein Stein des Anstoßes für viele Gläubige?

»Gott nahe zu sein ist mein Glück.«

– so lautet die Jahreslosung für 2014. Das ist ein Fragment aus dem letzten Vers des 73. Psalms. Es ist ein sehr wichtiger Psalm, ich habe den zweiten Teil davon am Sterbebett meiner Großmutter gebetet und bei der Taufe meiner Tochter. Gott ist allezeit – in Freud und Leid – »meines Herzens Trost und mein Teil« (Psalm 73,26).

Es ist nicht nur ein glücklicher Umstand, dass Gott mir irgendwie nahe ist. Im Psalm geht es darum, dass der Beter sein Vertrauen auf Gott setzt und die Freude am Glauben anderen weitererzählt. In der Luther-Übersetzung kommt dies besser zum Ausdruck: »Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott, den HERRN, dass ich verkündige all dein Tun.« (Psalm 73,28)

Liest man den ganzen Psalm, erkennt man, dass der Psalmbeter Asaf das Glück von Gottes Nähe nicht einfach spürt, weil er sich in diesem Glauben so wohl fühlt. Nein, er vertraut auf Gott und freut sich an ihm, obwohl es den Ungläubigen offensichtlich viel besser geht!

Wie ist es mit der Geschichte von Noah? Für Ungläubige ist sie ein Fantasy-Spektakel, ein einfallsreicher Mythos, ja: ein Märchen aus grauer Vorzeit. Für mich ist sie der wahre Bericht von einem der eindrucksvollsten Wunder, die Gott je getan hat. Er hat Menschen vor dem Verderben errettet. Er hat Noah die Arche bauen lassen, weil er die Menschen trotz ihrer Verfehlungen gegenüber ihm als Schöpfer nicht völlig aufgeben wollte. Vor 2000 Jahren hat Gott ein sogar noch größeres Wunder vollbracht: Er hat seinen Sohn Jesus geschickt, um die Menschen erneut aus ihrer Schuld zu retten. Diese »Rettungs-Arche« ist heute noch für uns da.

»Es fängt an!«

Die Sintflut war kein Actionspektakel, sondern ein Ereignis der Gnade Gottes. Gott hält »mich bei meiner rechten Hand« (Psalm 73,23). Reden wir über dieses Glück und unsere Nähe zu Gott mit den Menschen, die noch nichts davon erfahren haben. Vielleicht lernen sie durch den Film im Kino und unser Glaubenszeugnis den echten Noah kennen. Und vor allem begegnen sie vielleicht Gott, der nicht ein Zerstörer und Spielverderber sein möchte, sondern uns Rettung geschickt hat.

Wer Anregungen zum Gespräch sucht, kann gerne meine Internetseite besuchen oder mit mir Kontakt aufnehmen.

Timo Roller
Buchautor und Medieningenieur

das rätsel der arche noah

bücherändernleben bedankt sich ganz herzlich bei Timo Roller für seine Gedanken zu Noah und seiner Arche am Jahresbeginn 2014. Sein Buch wird im März im Verlag SCM R.Brockhaus erscheinen.

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David Gregory: Das Wiedersehen

Das Wiedersehen

Der amerikanische Autor David Gregory legt im Brunnen Verlag einen Bestseller nach dem anderen vor. „Das Wiedersehen“ ist erneut eine sehr kurze Erzählung, die es in sich hat.

Nick ist Geschäftsmann und vor Jahren ist Jesus persönlich ihm in einem Restaurant begegnet. Für ihn und seine Frau war dies eine Wende im Glauben und im gemeinsamen Eheleben. Während seine Frau die besonders enge Beziehung zu Jesus bewahren konnte, lässt sich Nick seinen Glauben erneut von Regeln und Geboten, die Menschen erfunden haben, kaputt machen.

Nick versucht Einiges, um im Glauben an Jesus mit seiner Frau mitzuhalten und kapituliert dann doch in aller Stille. Aber dann in dunkler Nacht mitten auf einer Autobahn, bleibt sein Auto stehen. Nick ist völlig kraftlos, ausgebrannt, auch sein Auto besitzt keinen Tropfen Benzin mehr.

Das schöne an Gregorys Erzählweise ist, er erzählt sehr viel in wunderbaren Bildern und auch symbolhaft. Julian Müller hat diese Erzählung sehr schön ins Deutsche übersetzt.

In dem Moment in dem Nicks Auto zum stehen kommt, taucht Jesus neben dem benzinlosen Auto mit einem mit Benzin gefüllten Kanister auf. Nick und Jesus setzen sich ins Auto und die gemeinsame Fahrt beginnt. Natürlich weiß Jesus längst, wie es um Nick bestellt ist, er weiß auch, dass Nick gerade im Streit von seinem Vater in Richtung eigener Familie ist.

Immer wieder versucht Nick von Jesus zu erfahren, wie man ein zufriedener und guter Christ wird, der einen sehr direkten Draht zu Gott hat. Erstaunlich, wie oft Jesus der Fraktion Christen eine klare Abfuhr erteilt, die beharrlich auf Regeln beharren und die viel Zeit im Pflegen von Traditionen verbringen. Jesus stellt eindeutig fest: Um die Liebe Gottes muss man nicht kämpfen, man kann sie sich auch nicht verdienen. Jesus sagt bei David Gregory:

„Gott hat keine Liebe – er ist Liebe.“

Auch dafür benutzt der amerikanische Autor wieder ein sehr schönes sprachliches Bild.

David Gregory sagt mir geistliche Wahrheiten, die mir einen direkten Weg zu Gott ermöglichen! Er verpackt seine Wahrheiten in eine sehr berührende Geschichte, die polarisieren wird!

Brunnen, ISBN 978-3-7655-1192-9, Preis 9,99 Euro

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M.Kessler/M.Hübner: Von Kritik lernen ohne verletzt zu sein

Kritik

Dieses Buch über die Kritik ist schon etwas sehr Spezielles. Wer meint, dieses Thema ginge ihn nichts an, der sollte getrost die Finger davon lassen. Aber wer kritisiert nicht gern am Anderen herum? Wer ist nicht schnell beleidigt oder gar verletzt, wenn er kritisiert wird?

Leider leben wir in einer Zeit, in der das Wort „Kritik“ sehr negativ besetzt ist. Dies versuchen Martina Kessler und Michael Hübner zu ändern. Gleich zu Beginn ihrer Einleitung lassen sie Günter Beckstein zu Wort kommen. Der hat gesagt: „Die wichtigste Form der Loyalität ist Kritik“.

So gibt es also verschiedene Formen von Kritik. Die eine will vernichten, die andere weiterhelfen, verbessern . . . Da kommt es in diesem Zusammenspiel von Geben und Nehmen aber auch auf den Empfänger der Kritik an. Wie nimmt er sie auf? Was macht er daraus? All diese Fragen, in ihren verschiedenen Facetten beschreiben die Autoren und greifen auf eine Vielzahl von Erfahrungen zurück. Dieses inhaltliche Gemeinschaftswerk von der Stiftung Therapeutische Seelsorge und der Akademie für christliche Führungskräfte konnte nur durch die Vielzahl von gemachten Erfahrungen von Menschen im Hintergrund zu so einem qualitativ hochwertigen Wissensfundament kommen.

Spannend waren für mich die Beschreibungen, was Kritik alles beim Empfänger auslösen kann. Wut, Hass, Minderwertigkeitsgefühle sind da nur einige Stichpunkte. Noch mehr praktische Beispielszenen wären mir eine weitere Hilfe gewesen. Auch die Verweise zum Alten und Neuen Testament haben mich neugierig gemacht. Einige empfehle ich in der Bibel nachzuschlagen und sich den Kontext anzuschauen, in dem die oft kurzen biblischen Zitate stehen. Für mich war dies äußerst gewinnbringend.

Deutlich wird auf jeder Seite dieses Büchleins: Nur wenn Kritiker und Empfänger einander achten, kann es zu einem wirklichen Prozess des Geben und Nehmens kommen. Wenn dieser Prozess gelingt, haben beide etwas davon!

Brunnen, ISBN 978-3-7655-2019-8, Preis 9,99 Euro

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Horst Schoch: Das Geheimnis des Himmels

Das Geheimnis des himmelshorst schoch

Foto: Horst Schoch

Mit seinem ersten Roman zieht mich der Kölner Autor Horst Schoch hinein in die unruhige Zeit des 16. Jahrhunderts. Es ist eine der wenigen Storys, bei der während des Lesens ein innerer Film in mir mitläuft. Schoch ist ein Meister in der Ausschmückung seiner Szenen. Detailverliebt erzählt er und damit gelingt es ihm sehr schnell, aus seinen Protagonisten lebendige Helden werden zu lassen.

Held dieser Geschichte ist für mich der Magister der philosophischen Fakultät Leonhard Bernhardi. Er lebt und lehrt noch in der guten alten Zeit, in der die römisch-katholische Kirche immer recht hat. Und wird dieses Recht angezweifelt, tat die katholische Kirche wirklich alles, um wieder unangefochten dazustehen. Aber dieser Magister bemerkt in seiner Universität erste Studenten, die sich von den Ideen und Schriften Martin Luthers beeinflussen lassen.

Mehr durch Zufall als denn eigene Suche gerät Bernhardi ein Buch dieses Doktor Martin Luther in die Hände. Er findet ihn gar nicht so schlimm, wie die Obrigkeit ihn darstellt, aber er weiß von Anfang an, dass es gilt, vorsichtig zu sein.

Langsam und übersichtlich in die Zeit der Reformation einführend eröffnet Horst Schoch seine Geschichte. Dabei webt er seine erfundene Handlung und Personen um historische Personen und Ereignisse herum. Von Seite zu Seite drückt der Autor jetzt aufs Gaspedal und verleiht seiner Geschichte immer mehr an Tempo und Spannung.

Magister Bernhardi kommt in den Besitz eines alten verschlüsselten Textes. Mithilfe anderer gelingt es ihm, den Text zu verstehen und er lernt einen Mann kennen der etwa 100 Jahre zuvor gelebt und das erste Fernrohr erfunden hat. Damit konnte der Dinge am Sternenhimmel sehen, die die katholische Kirche so nicht vorsah. Es begann für diesen Mann gefährlich zu werden und auch für Magister Leonhard Bernhardi und seine Familie stehen lebensverändernde Ereignisse an.

Literarisch beeindruckend umgesetzt, zeigt der Autor wie gefährlich es sein konnte, wenn Naturwissenschaftler Entdeckungen machten, die im Widerspruch zur herrschenden Meinung standen. Noch ahnt Bernhardi nicht, wie gefährlich seine neuen Gedanken für ihn selbst werden.

Horst Schoch erzählt sehr lebendig und in farbig geschilderten Szenen von der Entdeckung des ersten Fernrohrs, von der Reformation und von der Enge einer Religion, die keine Entwicklung zulassen will!

Brunnen, ISBN 978-3-7655-1576-7, Preis 16,99 Euro

Horst Schoch hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Herr Schoch, Ihr erstes Buch ist erschienen. Welcher Gedanke, welche Botschaft Ihres Buches ist für Sie die wichtigste die es wert war, dafür ein 365 Seiten Buch zu schreiben?

Schon einige Jahre reifte in mir die Idee einen historischen Roman zu schreiben, der einige meiner Lieblingsthemen, die Reformation und die Astronomiegeschichte zum Inhalt haben sollte. Konkreter Auslöser war der vierhundertste Jahrestag der Entwicklung des Galileischen Fernrohres. Eigentlich hätte das Fernrohr sogar Jahrhunderte vorher erfunden werden können, die Voraussetzungen dafür waren ja im Prinzip schon bekannt. Neben dem Gedanken, den Leserinnen- und Lesern einen möglichst unterhaltsamen und spannenden Zugang zur Reformationszeit zu ermöglichen und dem Interesse, meine Freude an der Astronomie weiterzugeben, war es mir auch ein Herzensanliegen, eine Art Hommage an die „Vergessenen der Geschichte“ zu schreiben. Wir können ja nicht wirklich wissen, was alles an Großartigem sich zunächst nicht bis in die Gegenwart gerettet hat. Außerdem, wenn man begeistert ist, dann füllen sich die Seiten schnell.

Wenn ich eine Botschaft formulieren sollte, dann die: Seht her, Martin Luther hat die Wahrheit des christlichen Glaubens so tief erfasst, dass wir heute noch unendlich davon profitieren können! Und: Die moderne Technik und Wissenschaft darf nicht zu einem Gegenentwurf des Glaubens werden, was sie – auch wenn Vertreter von Wissenschaft und Glaube dies jeweils immer wieder einmal behaupten – dem Wesen nach gar nicht ist.

„Das Geheimnis des Himmels“ spielt in der Zeit der Reformation. Sehr genau und farbig haben Sie diese Zeit geschildert. Wie haben Sie sich in diese Zeit eingearbeitet um so perfekt von dieser Zeit zu schreiben?

Schon als Theologiestudent war die Reformationszeit ein Schwerpunktgebiet meines Studiums. Und je länger und tiefer ich mich damit beschäftigte, desto wichtiger wurde mir vor allem das Werk und damit auch die Wirkungsgeschichte Luthers als eine der bedeutendsten Epochen der Kirchen- wenn nicht sogar der Weltgeschichte. Das Studium von Luther und seiner Zeit hat mich – wie die Astronomie – nie wieder losgelassen. Dadurch verfüge ich über einen großen Fundus an Informationen, obwohl natürlich für die Details des Romans noch eine Menge Recherchearbeit notwendig war. Ich glaube aber auch, dass es eines gewissen Maßes an Einfühlungsvermögen in eine historische Epoche bedarf, um diese Zeit ein wenig lebendig werden zu lassen.

Der Widerspruch zwischen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und offizieller Lehrmeinung der alten Kirche sind Mittelpunkt der Story. Ist die katholische Kirche aus heutiger Sicht mit der des 16. Jahrhunderts vergleichbar, was das Zulassen moderner Wissenschaft betrifft?

Die katholische Kirche ist – und zwar auch Dank Luther – in vielen Punkten glücklicherweise nicht mehr das, was sie, vor allen unter den Renaissancepäpsten, einmal war, obwohl die Reformation bis heute ein fundamentaler „Gegenentwurf“ zu ihr ist. Die Geschichte des Index z.B. zeigt, dass Rom sich lange Zeit sehr schwer mit der modernen Wissenschaft getan hat, das gilt aber auch für die protestantische Seite. Glücklicherweise gibt es im evangelischen Raum ja kein eigentliches Lehramt, so dass hier im Prinzip freier zu diskutieren ist. Trotzdem besteht auf beiden Seiten immer noch deutlicher Nachholbedarf. Heute scheint es mir so zu sein, dass die Kirchen eher dazu neigen, das Thema (Natur)Wissenschaft auszublenden, die Fundamentalisten aber wollen uns dagegen mit ihrer oft massiven Feindschaft modernen Erkenntnissen gegenüber wieder zurück in die Zeit vor der Aufklärung katapultieren. Ersteres halte ich für sehr bedauernswert und letzterem ist entschieden entgegenzutreten.

Ihr Roman ist seit wenigen Wochen auf dem Markt. Wie fallen die ersten Lesermeinungen aus?

Ich bin sehr froh darüber, dass trotz des ja eigentlich recht eigenwilligen Themas so viele zum Teil sehr positive Reaktionen erfolgt sind, so dass sich die Mühe des Schreibens auf jeden Fall jetzt schon gelohnt hat. Einige meiner Astronomiefreunde hätten mehr Astronomie und weniger Geschichte erwartet. Aber das ist nun mal das Los, wenn man ein Buch schreibt, dass im Prinzip ein „cross-over“ darstellt. Es hat mich auch sehr gefreut, dass etliche Leserinnen- und Leser es vor allem spannend und unterhaltsam fanden.

Wird es ein zweites Buch von Horst Schoch geben?

Ein zweiter historischer Roman ist kurz vor der Fertigstellung. Er spielt natürlich auch wieder im 16. Jahrhundert.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Horst Schoch hält ein signiertes Verlosungsexemplar bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 2. Januar 2014 um 20 Uhr unter diesem Beitrag postet, bewirbt nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Björn Du hast gewonnen. Herzlichen Glückwunsch ! ! !

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Ahmad Milad Karimi: Osama bin Laden schläft bei den Fischen

osama bin ladenMilad Karimi

Foto: Milad Karimi

Was ist Heimat? fragt Milad Karimi zurückschauend. In seine Antwortversuche schließt der Autor mich Leser mit ein, er lässt mich an seinen Gedankengängen teilhaben. Karimi denkt zurück an den kleinen Jungen von einst. Konnte er Heimat empfinden in einem Land in dem Krieg herrscht? Die Antwort die Karimi gibt, lautet: „Der Junge hat keine Heimat. Der Krieg hat sie ihm gestohlen; und die Flucht lehrt ihn, dass Heimat eine Illusion ist.“

Schnell schon erzählt der Autor nicht mehr von dem kleinen Jungen, sondern lässt deutlich werden, dass es hier in diesem Buch ganz konkret um ihn geht. Die Worte die Karimi für seine Geschichte wählt, besitzen literarische Dichte und sind anfänglich sehr traurig, mutlos . . .

1993 kommt Milad mit seiner Familie über Indien und andere Stationen in das Auffanglager für Asylbewerber Schwalbach. Zum ersten Mal wird mir beim Lesen klar, wie oft so ein Asylant ankommt, wieder neu aufbricht und ständig zwischen Hoffnung, Enttäuschung und dem 14 Quadratmeter großen Container mit seinen Gedanken und Gefühlen herumirrt, ohne jemals wirkliche Sicherheit geschweige denn Heimat gespürt zu haben.

Das Buch war für mich voller neuer Einsichten. Der Autor hat es geschafft. Er ist angekommen. Beim Lesen bin ich reicher geworden, es wäre gut, wenn wir das Ankommen solcher Menschen wie Milad Karimi als Bereicherung und nicht Bedrohung verstehen könnten. Gegen Ende wird das Buch hoffnungsvoller. Der Autor ist guten Mutes eines Tages nicht mehr nur als der Muslim, sondern auch als Mensch gesehen zu werden.

Herder, ISBN 978-3-451-30470-5, Preis 17,99 Euro

Der Autor hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Ahmad Milad Karimi, vor wenigen Wochen ist Ihr Buch „Osama bin Laden schläft bei den Fischen“ erschienen. So direkt geht es in Ihrem Buch nicht um Osama bin Laden, warum dieser Titel?

So direkt geht es im Buch auch nicht um Osama bin Laden. Lassen Sie mich dies mit den Worten von Michel Foucault sagen, wie er einst von Hegel sprach: Aber um Osama bin Laden wirklich zu entrinnen, muss man ermessen, was es kostet, sich von ihm loszusagen; muss man wissen, wie weit uns Osama bin Laden insgeheim vielleicht nachgeschlichen ist; man muss ermessen, inwieweit auch noch unser Anrennen gegen ihn seine List ist, hinter der er uns auflauert: unbeweglich, eben tot und anderswo, also bei den Fischen.

In sprachlich sehr schönen Worten erzählen Sie wie Sie Krieg und Not, Flucht und Umherirren in der Welt erlebt haben. War diese Spannung von literarisch schönen Worten und grausamen Erfahrungen so geplant und gewollt?

Wäre es angemessener, die Flucht und Not, ja den Krieg in unschöne Worten zu kleiden? Mir ist allein die Sprache geblieben; der Krieg ist keineswegs poetisch und romantisch; eigentlich ist er überhaupt nicht einholbar. Der Krieg ist eben schrecklich schön.

Irgendwo in Ihrem Buch habe ich gelesen, dass Kabul durch den Krieg nicht mehr Ihre Heimat war. Sind Sie, rückblickend betrachtet, ausgezogen um Heimat zu finden?

Nein. Ich bin ausgezogen, um die Heimat zu verlassen. Ich sehe ein: entweder gibt es überhaupt keine Heimat oder sie ist nicht geographisch einzugrenzen.

Heute leben Sie in Deutschland. Was muss geschehen damit Deutschland für Sie Heimat werden kann?

Nichts.

Was glauben Sie, warum tun sich viele Deutsche so schwer damit Ausländer in Deutschland nicht als Gefahr, sondern als Bereicherung anzusehen?

Weil sie meinen, sie wären Deutsche.

Wie kam es zu diesem Buch, was bezwecken Sie damit?

Es soll auf keinen Fall als Autobiographie gelesen werden; denn dafür bin ich nicht nur zu jung, sondern auch viel zu unbedeutend. Ich wollte beschreiben, wie schön es sein kann, ein Muslim zu sein; warum ich mich nicht ohne Marlon Brando denken kann und letztlich, warum Osama bin Laden zum Fisch geworden ist.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Ahmad Milad Karimi hält für Sie ein signiertes Exemplar seines Buches als Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer sich um das Buch bewerben möchte, kann bis zum Silvestertag 20 Uhr seinen Kommentar unter diesen Beitrag posten. Viel Glück!

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4.Advent: Gute Aussichten mit dem Brunnen Verlag

Gott nahe zu seinjohannes jahn

Foto: Johannes Jahn

Aus dem Brunnen Verlag erreichten uns diese Gedanken zur Jahreslosung 2014. Aufgeschrieben hat sie für uns Johannes Jahn aus der Marketingabteilung des Verlages:

Gott nahe zu sein ist mein Glück.

Dieser Bibelvers aus Psalm 73 wurde ausgewählt, um uns als sogenannte Jahreslosung durch das neue Jahr zu begleiten. Besonders zu Weihnachten denken wir daran, dass Gott uns nahe gekommen ist. Empfinden wir dies aber tatsächlich immer so? Und wenn ja, empfinden wir es als Glück?

Erst gestern habe ich wieder gehört, wie jemand eine schwere Zeit durchgemacht hatte und fragte: Ja, wo war Gott denn in dieser Zeit? Auch Paulus predigt den Athenern, dass Gott einem jeden von uns nahe ist. Und dass wir IHN gleichzeitig doch suchen müssen. Ist das nicht ein Widerspruch?

Jesus sagte über seine Landsleute aus dem Volk Israel, dass sie „Ohren haben und doch nicht hören“ und „Augen haben und doch nicht sehen“. Sind wir nicht oft auch so „betriebsblind?“

Dass wir das ganz Offensichtliche übersehen oder schlichtweg ignorieren? Asaf, der Verfasser des Psalms 73 hatte auch so seine Schwierigkeiten mit Gott. Nein, eigentlich weniger mit Gott als mehr mit seinen Mitmenschen. Denen Gott egal ist und denen es trotzdem anscheinend so gut geht. Auch er stellt sich die Frage: Warum greift Gott bei all der Ungerechtigkeit nicht ein? Warum lässt er das zu? Lohnt es sich überhaupt, an Gott festzuhalten?

Ja, es lohnt sich, so seine Schlussfolgerung. Langfristig gesehen, so seine Gedanken, müssen wir alle sterben. Und am Ende entscheidet sich, ob unser Leben vom Erfolg gekrönt oder ob es nur ein „Haschen nach dem Wind“ war. So wie bei einem Formel-1-Rennen nicht unbedingt der gewinnt, der den besten Start hatte, sondern der, der als erster ins Ziel kommt.

So wie bei einem Marathonläufer oder Iron-Man-Wettkämpfer alle Anstrengungen vergeblich waren, wenn er es nicht wenigstens bis ins Ziel schafft. Zum Schluss diese „Lobliedes“, was das Wort Psalm übersetzt heißt, kommt Asaf zur Erkenntnis: Egal was die anderen tun: Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte (die Jahreslosung nach der Luther-Übersetzung).

Ich wünsche Ihnen und mir die Entschlossenheit des Asaf, an Gott festzuhalten und es als Glück zu erleben, IHM nahe sein zu dürfen.

Der Brunnen Verlag verlost ein Paket zur Jahreslosung 2014, bestehend aus:

Lesebuch mit persönlichen Erlebnissen und Gedanken zur Jahreslosung 2014 Beiträgen von Hanna Ahrens, Jochen Bohl, Reinhard Deichgräber, Michael Diener, Manfred Entrich, Hermann Gröhe, Eva Hobrack, Steffen Kern, Christine Lieberknecht, Andreas Malessa, Ruth Meili, Jürgen Mette, Annegret Puttkammer, Hans Peter Royer, Gerdi Stoll, Roland Werner, Bärbel Wilde, Birgit Winterhoff, Christoph Zehendner u.a.
• A2-Poster mit der Jahreslosung
• Bibellesebuch „Termine mit Gott“, wahlweise auch als eBook (EPUB) oder als App (für iPhone, iPad oder Android-Geräte)

bücherändernleben bedankt sich ganz herzlich bei Johannes Jahn und dem Brunnen Verlag. Wer das Paket zur Jahreslosung 2014 gewinnen möchte, bewirbt sich ganz einfach mit seinem Kommentar unter diesem Beitrag. Am Silvestertag werden an dieser Stelle alle Gewinner bekannt gegeben. Viel Glück!

Die glückliche Gewinnerin des Pakets zur Jahreslosung 2014 aus dem Brunnen Verlag steht fest: Herzlichen Glückwunsch Edelgard K.

Der Brunnen Verlag hat sich entschlossen alle anderen nicht leer ausgehen zu lassen. Die vier anderen Bewerber können mit einem kleinen Trostpreis rechnen.

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Siggelkow/Danz: Ausgeträumt

ausgeträumt
In seinem Epilog träumt Bernd Siggelkow von einer heilen, kinderfreundlichen und vor allem von einer Kinder fördernden Gesellschaft. Dass er von so einer Gesellschaft meilenweit entfernt ist, bekommt er täglich eindrücklich in seiner Arche bewiesen.

Genau dreizehn Kapitel braucht der Gründer des christlichen Kinder- und Jugendwerkes „Die Arche“, um von seiner Arbeit tief unten an der Basis zu berichten. Gemeinsam mit Co-Autor Martin P. Danz beschreibt er, wie er die Kinder erlebt, die zu ihm in die Einrichtung kommen. Zum Teil hungernde Kinder und auch so manch eines mit blauen Flecken.

Längst ist die Zeit vorbei, da der Blick der Siggelkow-Helfer „nur“ auf die Kinder gerichtet ist. Neben einer warmen Mahlzeit und einer Hausaufgabenhilfe sowie Achtung und Liebe den Kindern gegenüber, wird verstärkt heute auch mit Eltern gearbeitet. Siggelkow schildert Beispiele aus seiner täglichen Praxis, die zu Herzen gehen. Aber allein damit ist niemandem geholfen. Wenn ich da an das Beispiel einer Mutter denke, die mehrmals mit den öffentlichen Transportmitteln schwarz gefahren ist, um die knappen finanziellen Mittel nicht zu arg zu schröpfen und die dann erwischt wird und die Strafe nicht zahlen kann und allein deshalb für einen Monat in den Knast soll, da frage ich mich schon: „Wie hilfreich und mitdenkend handelt unser Sozialstaat? Die Mutter ist alleinerziehend, die Kinder hätten für einen Monat in staatliche Fürsorge gehen müssen. Dem Staat wäre dies um ein Vielfaches teurer gekommen als die Begleichung der Schadenssumme, die die Mutter zahlen muss. Dies ist nur ein Beispiel, mit denen sich Bernd Siggelkow und seine Mitarbeiter täglich aufs Neue auseinandersetzen müssen. Sicher hat die Mutter etwas strafbares getan, dies sieht auch Siggelkow so, aber gab es für den Staat keine andere Möglichkeit im Interesse der Kinder anders zu handeln? Siggelkow hat eine Möglichkeit gefunden.

Viel mehr als in den Vorjahren geht Siggelkow in diesem Buch mit einem wachen Blick auf den Sozialstaat zu und stellt anhand von Tatsachen sehr unbequeme Fragen. Er wird zunehmend politisch und prophezeit den instabilen Staat. Wenn Kinder heute als Berufswunsch „Hartz-IV-Empfänger“ angeben und noch jemand darüber lacht, dann hat er den Ernst der Lage noch nicht erkannt. Die Schicht der Bevölkerung, die nur mit den Almosen des Staates überleben kann, wird immer größer, es ist zu beobachten, dass eben diese Menschen sich immer weniger mit diesem Staat identifizieren. Kann sich unser Staat dies wirklich leisten?

Für mein Empfinden ist dieses Buch das politischste, was Siggelkow bislang vorgelegt hat. Seine einst gegründete Arche ist längst zum Vorbild für weitere Einrichtungen geworden. Man mag darüber streiten, ob diese Einrichtungen nicht Peinlichkeiten unseres sozialen Staates sind. Wenn er doch sozial ist, warum werden immer mehr dieser Einrichtungen gebraucht?

Beim Lesen dachte ich des Öfteren: „Da schreibt der Wichern der Moderne und diese Worte spreche ich in höchster Anerkennung aus, jedes Jahr ein Buch über die Misere der zunehmenden Armut und was hat’s bisher gebracht?“ Siggelkow sollte Initiator eines runden Tisches werden. Mit politisch Verantwortlichen sollte er nach Wegen aus der Kinderarmut suchen.

„Ausgeträumt“ – dieses Buch öffnet Augen!

Adeo, ISBN 978-3-942-208017, Preis 17,99 Euro

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