Fidelius Schmid: Gottes Schwarze Kasse

Gottes schwarze kasseFidelius Schmid

Foto: Fidelius Schmid (Copyright: Olivier Favre)

Fidelius Schmid nimmt in seinem Buch „Gottes Schwarze Kasse“ die Vatikanbank ins Visier. Dieser Blick auf sieben Jahrzehnte Vatikanbank fällt nicht gerade positiv aus. Was der Autor an bekannten, vor allem aber auch bislang unbekannten Geschäftspraktiken zu Tage fördert, steht in krassem Widerspruch zu dem was die katholische Kirche offiziell vertritt. Wie sonst darf es wohl verstanden werden, dass die katholische Kirche auf wundersame Weise zu Zeiten des II. Weltkrieges Geldvermehrung betrieb. Der Autor bringt Licht ins Dunkel.

Auch in späteren Zeiten, bis hinein in die Gegenwart, ist die Vatikanbank alles andere als ein transparent arbeitendes Kreditinstitut. Es ist schon beängstigend was man bei Schmid alles so zu lesen bekommt.

Besonders gespannt war ich auf die Einlassungen des Autors zum Wirken des neuen Papstes. An dieser Stelle ist das Buch aktuell und der Autor nicht gerade positiv in seiner Einschätzung.

Schließlich ist dieses Buch eine gründliche Einschätzung zum Wirken der Vatikanbank. Gründlich recherchiert und mutig aufgeschrieben, ist bei Fidelius Schmid zu lesen, dass sehr oft die Geschäfte der Vatikanbank undurchsichtig und keinesfalls ethisch einwandfrei sind.

Sehr zu empfehlen, zeitweilig liest sich diese Bestandsaufnahme wie ein Krimi!

Eichborn, ISBN 978-3-8479-0541-7, Preis 19,99 Euro

SPIEGEL Redakteur Fidelius Schmid hat buecheraendernleben folgende Fragen beantwortet:

Lieber Fidelius Schmid, „Gottes schwarze Kasse“ heißt Ihr Buch. Wie und wann kam es dazu, dass die Vatikanbank Ihr Thema wurde?

Erstmals mit dem Problem rund um die Bank in Berührung kam ich in meiner Zeit als Brüssel-Korrespondent, als der Vatikan und die Europäische Kommission 2008 darüber stritten, ob der Vatikan seine Euro-Münzen zum vielfachen ihres Nennwerts verkaufen dürfe. Danach kam mir das Thema bei einigen Recherchen aus dem Themenkreis Geldwäsche und Steuerhinterziehung wieder unter: der Vatikan war damals ein Geldwäscheparadies vielleicht vergleichbar mit den Cayman-Inseln. Irgendwann hatte mein Agent Thomas Montasser die Idee, sich dem Thema „Vatikanbank“ in einem Buch zu nähern. Ich wollte ablehnen – entschied mich dann aber doch anders. Das war im Jahr 2011.

Sehr genau zählen Sie die bösen Machenschaften der Vatikanbank der letzten 70 Jahre auf. Was hat die Bank des Papstes, aus Ihrer Sicht, positives geleistet?

Aus Sicht des Vatikans hat sie neben den Imageschäden natürlich einen Beitrag zu den Finanzen geliefert: Sie hat zwar einmal sehr viel Geld verloren, aber insgesamt mehr verdient. Sie hat auch tatsächlich Klöstern und Orden mit Krediten geholfen. Und sie hat, unter Papst Johannes Paul II, viele Millionen US-Dollar an die polnische Gewerkschaftsbewegung von Lech Walesa geleitet. Wenn man so will hat sie also zum Fall des eisernen Vorhangs beigetragen.

Wenn man so viel negatives über eine Institution schreibt wie Sie in diesem Fall über die Vatikanbank, bekommt man da eigentlich direkte Antworten aus den Reihen der Angegriffenen?

Falls diese Frage darauf abzielt, ob ich zur Zielscheibe von Einschüchterungsversuchen oder verbalen Angriffen wurde: Nein, überhaupt nicht. Natürlich gefällt manchen manche Passage besser und anderen weniger. Aber das gehört dazu.

Was glauben Sie, wird der neue Papst seine Bank reformieren oder doch irgendwann enttäuscht abwickeln?

Schwierig zu sagen: Im Buch schreibe ich ja, dass ich angesichts der Vergangenheit etwas skeptisch bin, ob der Reformprozess nachhaltig gelingen kann. Aktuell kann ich aber nur die Ernsthaftigkeit des Prozesses beurteilen, und die ist definitiv gegeben.

Was wäre der Vatikan ohne seine Bank?

Vielleicht ärmer – um einige Millionen Dollar und Euro. Oder reicher, wenn die Vatikanbank nicht 250 Millionen US-Dollar wegen ihrer Verwicklung in den Zusammenbruch des Banco Ambrosiano in Mailand hätte zahlen müssen. Oder sauberer, weil er nicht zumindest indirekt in zahlreiche Verbrechen und damit verbundene Geldgeschäfte verwickelt worden wäre. Wie man’s nimmt. Definitiv aber böte der Vatikan weniger Angriffsfläche. Der Imageschaden für die Kirche durch die Bank ist schon sehr beachtlich.

Vielen Dank für das Gespräch!

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