Eleonore Dehnerdt: Das Gelübde der Kaiserin

das gelübde der kaiserin

Der Name der Autorin Eleonore Dehnerdt hat bei mir einen sehr guten Klang, seit ich ihr Buch Die Reformatorin: Elisabeth von Calenberg gelesen habe. Also habe ich mich gern auch an „Das Gelübde der Kaiserin“ gewagt. Ich muss sagen, ich war anfangs ein klein wenig enttäuscht. Die Autorin bezeichnet ihr Buch im Anhang selbst als Roman und schreibt dann doch in elf Kapiteln mit Überschriften die eher an eine Reportage, als denn an einen Roman erinnern. Die Kapitel richten sich nach wichtigen Lebensetappen der Kaiserin Kunigunde. Meines Erachtens wäre ein zusammenhängend geschriebener Roman noch eindrucksvoller geworden.

Wie Eleonore Dehnerdt dann allerdings von Kunigunde erzählt, ist meisterlich. Ihr Werk beginnt im Kloster Kaufungen. Kunigunde wird Nonne und beginnt ihr Leben aufzuschreiben. Und so schreibt die Autorin eindrucksvoll und lässt Kunigunde mit Leichtigkeit lebendig werden.

In der Ich-Form geschrieben, versteht Eleonore Dehnerdt es sehr schön, aus Kunigunde eine Adlige ihrer Zeit werden zu lassen, die eigentlich ihrer Zeit wohl ein ganzes Stück voraus war. Klug und keinesfalls eingeschüchtert, geht Kunigunde ihren Weg. Dehnerdt lässt ihre Leser mitfühlen und an so manch einer Stelle auch mitfiebern.

Die Autorin wählt eine adlige Sprache, dies adelt ihren Roman und macht zugleich die Figur der Kunigunde authentischer. Sie sitzt im Kloster, kehrt während ihres Schreibens eher selten in die Gegenwart zurück. Der Schluss des Buches ist ein wenig melancholisch. Kunigunde beendet ihre Aufzeichnungen, wickelt sie in ein Tuch und versteckt sie. Was wird wohl von ihr bleiben, fragt sie sich.

Eleonore Dehnerdt hat Kaiserin Kunigunde sehr persönlich dargestellt!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5479-6,Preis 14,95 Euro

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Foto: Eleonore Dehnerdt (Quelle: HNA Sangerhausen)

Die Autorin hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Eleonore Dehnerdt, „Das Gelübde der Kaiserin“ ist seit ein paar Wochen auf dem Büchermarkt. Wie sehen die ersten Leserreaktionen aus?

Sehr, sehr beglückend für mich als Autorin, weil ich merke, da kommt nun wirklich Menschen etwas ganz nah, worum ich mich zwei Jahre intensiv bemüht habe. Das Buch wurde ja bereits von all denen, die darum wussten, erwartet. Und dann treffe ich in meiner Stadt Unbekannte auf der Straße, die mir sagen, dass sie inzwischen alle Bücher von mir haben und dass ihnen das neue Buch von mir so gut gefällt. Zugleich wird gefragt, wann denn eine Lesung sei… Ich freue mich über die guten Rezensionen in der Presse und im Internet. Vor drei Wochen bekam ich sogar Fanpost ins Haus mit Foto und Schokolade für mich.
Bei Lesungen ist die persönliche Resonanz gewiss am Schönsten, weil ich mit den Menschen direkt über das Buch ins Gespräch komme. Ein großes Kompliment war es, als ein Geschichtslehrer sagte: „Das Buch müsste im Geschichtsunterricht gelesen werden, weil es so gut recherchiert ist und in große Zusammenhänge hineinführt.“ Eine andere Frau sagte: „Ich lese Ihre Bücher gerne, aber am liebsten wollte ich nun alles von Ihnen vorgelesen bekommen.“ Kaiserin Kunigunde lese ich ja in Nonnenkutte und Kaiserinnengewand. Bei der Lesung in der Marienburg in Kassel waren auch „richtige Nonnen“ bei der Lesung. Ich dachte: „Hoffentlich sind sie nicht brüskiert…“ Aber sie waren mir von Anfang an zugetan, wollten anschließend sogar auf ein gemeinsames Foto mit den Veranstaltern und mir am Büchertisch. Wir waren alle sehr glücklich. Schönere „Reaktionen“ kann ich mir gar nicht ausdenken.
Dafür bin ich unendlich dankbar. Das gibt mir neue Kraft und Mut.

Im Mittelpunkt Ihres Romans steht Kaiserin Kunigunde. Wieso ausgerechnet sie?

Im Vorgängerbuch „Die Reformatorin“ ging es um eine Herzogin, die hier regierte und weite Landstriche reformierte. Sie wurde aber vergessen und erst zu ihrem 500. Todestag erinnerten sich viele wieder an sie. Das war der richtige Zeitpunkt, einen Roman über sie herauszubringen. Die Region, mein jetziger Wohnort, der vor 500 Jahren der Regierungssitz der Herzogin war, hat das Buch dankbar angenommen. Auf dieser regionalen Spur konnte ich bleiben, denn Kaiserin Kunigunde gründete hier in der Region das Kloster, in dem sie dann auch starb. Es gab noch keinen Roman über sie und das 1000-jährige Jubiläum der Kaiserkrönung (14. Febr. 2014) steht an. Zu dem Termin sollte der Roman vorliegen. Ich las mich also in ihre Geschichte ein, nahm Kontakt zu Menschen auf, die sich mit ihr beschäftigten und merkte: Ja, diese Frau bringt genug Stoff für einen Roman mit und sie war ja Kaiserin weit über unsere Ländergrenzen hinaus. Dazu kam, dass es mich literarisch reizte, das Thema von Macht und Ohnmacht aufzunehmen, von Heilsgewissheit aufgrund des Reichtums und Gottvertrauen angesichts leerer Hände. In religiöser Hinsicht war es eine unglaublich spannende Zeit. Die Erde war noch eine Scheibe, Kirche und Staat nicht getrennt… Kunigunde war eine kluge Frau, eine kinderlose Kaiserin… Das hat mich echt gepackt!

eleonore in kostüm

Manchmal schlüpft Eleonore Dehnerdt bei Lesungen auch gleich in ein historisches Gewand.

Wie muss ich mir als Leser die Recherche zu Ihrem Buch vorstellen. Gehen Sie in Archive oder sitzen Sie stundenlang am PC und wie ist überhaupt die Quellenlage zur Person der Kunigunde?

In die Unibibliothek geht zum Glück mein Mann für mich. Er hat dann meist einen Zettel, auf dem ca. 20 Fachbücher stehen, wobei es darum geht, daraus die nötigen Kapitel zu kopieren, damit ich sie zur Verfügung habe. Dazu ist es wichtig, sich mit alten Schriften sowie mit der neusten Forschung auseinanderzusetzen. Die Buchtipps kommen von Wissenschaftlern, Archivaren, Geschichtsvereinen, Städteführerinnen… alle waren enorm wichtig, um ein rundes Bild zu bekommen. Zu Kaiserin Kunigunde kaufte ich mir zusätzlich ca. 15 Bücher. Es gibt hervorragende Bildbände und viel Literatur zu Kaiser Heinrich II. Darin sind zum Beispiel die Reisewege eingezeichnet und politische Sachverhalte dargestellt. Zudem habe ich Sachbücher über Königshöfe, Reliquien, zum Klosterlebe, die Regeln des Heiligen Benedikt (geschrieben um 529), das Lorscher Arzneibuch (um 795 geschrieben), Bücher über mittelalterliche Kleidung, Kampfausrüstungen, historische Landkarten, geistliche Musikgeschichte, Bräuche, Krankheiten etc. Diese Bücher sind meine größten Schätze.
Natürlich sitze ich zur Recherche auch lange am PC. Doch viele Artikel aus dem Netz haben unterschiedliche Faktenlagen, widersprechen sich teilweise, oft sind sie schlichtweg falsch. Wer nur über das Netz recherchiert, verfällt den Fehlern, die andere gemacht haben. Unabdingbar ist deshalb die ganz persönliche Recherche. Das bedeutete bei Kunigunde:
– Ich war einige Tage in Trier, besuchte die Basilika, die schon Konstantin erbauen ließ, sah mir die Kirchen und Klöster an, die auch Kunigunde erlebte, traf mich mit einem Kirchenhistoriker, der mir eine historische Karte von Trier aus dem Jahr 1000 gab, da hinein zeichnete ich die Kunigundenstationen.
– Ich war in Bamberg im Dom, im Museum, lief treppauf, treppab in der Stadt herum. Dort findet man auch viele Gegenstände, die Kunigunde sah oder in Händen hielt. Ich besuchte dort die bekannte Historikerin, Frau Dr. Karin Dengler-Schreiber, die ein Bildband über Heinrich und Kunigunde verfasst hatte. Sie half mir in vielen Fragen weiter und las sich das gesamte Manuskript durch.
– Ich beschäftigte mich mit der neuesten Forschung zu Kunigundes Familie. Die Forschungen von Prof. Dr. Wolf bestätigen, dass Graf Siegfried von Northeim der älteste Bruder Kunigundes war. Das erklärt auch den Mord an Ekkehard von Meißen und die Wahl Kunigundes, Kaufungen als Ausgleich für Bamberg zu wählen.
– Quedlinburg und Bad Gandersheim, wo die Schwestern Ottos des III. Äbtissinnen waren habe ich mehrmals bereist. Von Gandersheim bekam ich Einsicht in alle Reliquien der damaligen Zeit, dort starb auch Heinrichs Vater und seine Tante war dort Äbtissin zurzeit der bekannten Roswitha von Gandersheim.
– In Kaufungen steht ja immer noch die Georgskapelle, die in der Geschichte wohl auf Karl den Großen zurückgeht, oder sogar auf die frühen Wandermönche. Ich konnte im ehemaligen Dormitorium sein, in dem Kunigunde schlief und lebte, ebenso etlichen Veranstaltungen in der von ihr erbauten Stiftskirche beiwohnen und unzählige Fragen stellen. Vor allem beeindruckte mich der Blick von der Höhe des Klosters über das Land… auch das sah Kunigunde. In Kaufungen lebt eine Gewandschneiderin, die mir nach alten Mustern das Kaiserinnengewand schneiderte, das ich zu Lesungen trage. Das unauffällige Muster der Damasttunika ließ sie extra in einer Weberei nach altem Muster weben. Ein wahrer Schatz war auch ein Studiendirektor, der erstmalig die Klosterordnung Kaufungens für mich ins Deutsche übersetze.
Wer meint, es gäbe wenig Quellen aus der Zeit, der hat einfach zu wenig recherchiert. Mir ging es ganz gegensätzlich. Ich hatte so viel Wissen um die Zeit angehäuft, dass mir mein Herz blutete bei dem, was ich alles weglassen musste. Denn als Autorin muss ich mich immer auch fragen: Wieviel Geschichte und Leben verträgt ein Leser aus dem Leben von vor Tausend Jahren? Spätestens der Verlag sagt: „Das verträgt er nicht und das versteht er auch nicht und das will er erst gar nicht wissen.“

Beim Lesen hatte ich hin und wieder den Verdacht, dass Kunigunde selbst das Buch geschrieben hat. Was hat Sie an dieser Frau so sehr beeindruckt, dass Sie förmlich in ihre Haut geschlüpft sind?

Gut, dass die Frage jetzt erst kommt, denn jetzt wissen Sie ja, wie anders das Leben zu der Zeit war. Da ich die Leser im Blick habe, wollte ich, wenn die Zeit schon fremd und fern liegt, ihnen wenigstens menschlich nahe sein. Wie das bekannte Indianersprichwort sagt, muss man in den Mokassins des anderen gehen, um nachzufühlen, wie es ihm geht. Also tat ich dies. Und siehe da, die wichtigsten Gefühle sind damals wie heute existent: Ängste, Schmerz, Liebe, Ehrgeiz, Sehnsucht – sie drücken sich nur in einem anderen Umfeld aus. Was damals die Armreliquie des Heiligen Petrus war, ist heute eine große Firma samt Nobelpreis. Die Angst vor dem Fegefeuer verschiebt sich heute auf die Tatsache, dass wir krank werden, vergessen werden, sterben müssen.
Wenn ich mich in eine Person einfühlen will, kommt es schon vor, dass ich bitte, in einer alten Kirche mein Nachtlager nehmen zu dürfen – Nur mit einer kratzigen Wolldecke versehen, versteht sich. Danach verstand ich den Unterschied zwischen Arm und Reich: Keine Decke, eine kratzige Decke oder aber einen Reisemantel, der tellerförmig aus Wolltuch gearbeitet ist – darin liegt man richtig warm, ein Teil reicht sogar als Kopfkissen.
Nebenbei verstand ich, was der Heilige Martin abgegeben hat, als er seinen Mantel teilte. Wer keine Decke hat, holt sich schlichtweg den Tod. – Auch das lässt sich auf heute übertragen. Und immer noch ist es das Wasser, das Brot und die Decke, die nötig sind.

Ich bin mir sicher, Sie arbeiten bereits an einem nächsten Buch. Verraten Sie bereits etwas?

Das – von Ihrer Sicht aus – nächste Buch, ist vor kurzem im Verlag „Welt der Frau“ in Österreich erschienen. Es heißt: „Gutes Leben – Hildegard Heilwissen für Körper und Seele“ und greift gesundheitliche sowie emotionale Frauenthemen auf und bietet dazu ganzheitliche Ansätze, um wieder in Balance zu kommen. – Für das Buch habe ich vier Monate lang gekocht, Salben gerührt, Weine gesotten, Kekse gebacken… damit sich alles auch gut in den Alltag integrieren lässt. Das hat gut getan.

Mit dem nächsten Buch meinen Sie sicher die nächste Biografie?

Ja, meine nächste Heldin war wohl erst zwölf Jahre, als sie den König ehelichte… In Würzburg kann man darüber ein großes Gemälde sehen. Nicht nur sie, sondern auch zwei ihrer hochgebildeten Söhne trugen später ebenfalls die Kaiserkrone. Die Liebe zur Kunst, der Musik und des globalen Denkens hatten sie von ihrer Mutter mitbekommen. Sie hatte mit Hildegard von Bingen Kontakt, brachte den Minnegesang ins Land und war mit Bernhard von Clairvaux und Marie de France vertraut. Ihr Mann war der Held meiner Kindertage. – Er trug einen roten Bart.
Nun lese ich alle Dichter und Denker der Zeit und höre die Musik aus der damaligen Zeit.

Auch wenn jetzt das Interview zu Ende ist, möchte ich noch anfügen:

Danke, dass Sie mich gefragt haben, denn so konnte ich spontan davon erzählen, was mein täglich Brot ist und was sich zwischen den geschriebenen Zeilen noch verbirgt.
Und nun zitiere ich Marie de France (die ja im nächsten Buch eine Nebenrolle hat):
„Wem Gott Wissen gegeben hat und die Fähigkeit sich auszudrücken, darf es nicht verschweigen und verheimlichen, sondern soll es bereitwillig offenbar machen.“

Schön – damals wie heute.

Vielen Dank für diese sehr interessanten und ausführlichen Einblicke! Es ist etwas ausführlich geworden, aber die bevorstehenden Feiertage bringen sicher auch ein wenig Zeit um den Ausführungen von Eleonore Dehnerdt folgen zu können.

Die Autorin hält drei signierte Verlosungsexemplare bereit. Wer bis zum 2. Weihnachtsfeiertag 20 Uhr seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Gewonnen haben jeweils ein signiertes Verlosungsexemplar: Susanne D., Maria H. und Edelgard K. Herzlichen Glückwunsch! Die Autorin wird Euch in den nächsten Tagen Euer Buch schicken.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Eleonore Dehnerdt: Das Gelübde der Kaiserin

  1. Maria

    Das hört sich sooooo interessant an, da nehme ich gerne an der Verlosung teil.

  2. Esther

    Ich bin auch gern dabei! 🙂

  3. Edelgard

    Da ich hoffe, die Zeit mal wieder im Geschichtsunterricht zu behandeln, wäre es für mich auch spannend, das Buch zu lesen 🙂

  4. Susanne Degenhardt

    Klingt spannend! Vor allem auch die nächsten Projekte…

  5. Maria Lahnstein

    Das hört sich sehr gut an. Den ersten Band kenne ich noch nicht und wie es aussieht muss man ihn sich bald besorgen.

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