Ahmad Milad Karimi: Osama bin Laden schläft bei den Fischen

osama bin ladenMilad Karimi

Foto: Milad Karimi

Was ist Heimat? fragt Milad Karimi zurückschauend. In seine Antwortversuche schließt der Autor mich Leser mit ein, er lässt mich an seinen Gedankengängen teilhaben. Karimi denkt zurück an den kleinen Jungen von einst. Konnte er Heimat empfinden in einem Land in dem Krieg herrscht? Die Antwort die Karimi gibt, lautet: „Der Junge hat keine Heimat. Der Krieg hat sie ihm gestohlen; und die Flucht lehrt ihn, dass Heimat eine Illusion ist.“

Schnell schon erzählt der Autor nicht mehr von dem kleinen Jungen, sondern lässt deutlich werden, dass es hier in diesem Buch ganz konkret um ihn geht. Die Worte die Karimi für seine Geschichte wählt, besitzen literarische Dichte und sind anfänglich sehr traurig, mutlos . . .

1993 kommt Milad mit seiner Familie über Indien und andere Stationen in das Auffanglager für Asylbewerber Schwalbach. Zum ersten Mal wird mir beim Lesen klar, wie oft so ein Asylant ankommt, wieder neu aufbricht und ständig zwischen Hoffnung, Enttäuschung und dem 14 Quadratmeter großen Container mit seinen Gedanken und Gefühlen herumirrt, ohne jemals wirkliche Sicherheit geschweige denn Heimat gespürt zu haben.

Das Buch war für mich voller neuer Einsichten. Der Autor hat es geschafft. Er ist angekommen. Beim Lesen bin ich reicher geworden, es wäre gut, wenn wir das Ankommen solcher Menschen wie Milad Karimi als Bereicherung und nicht Bedrohung verstehen könnten. Gegen Ende wird das Buch hoffnungsvoller. Der Autor ist guten Mutes eines Tages nicht mehr nur als der Muslim, sondern auch als Mensch gesehen zu werden.

Herder, ISBN 978-3-451-30470-5, Preis 17,99 Euro

Der Autor hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Ahmad Milad Karimi, vor wenigen Wochen ist Ihr Buch „Osama bin Laden schläft bei den Fischen“ erschienen. So direkt geht es in Ihrem Buch nicht um Osama bin Laden, warum dieser Titel?

So direkt geht es im Buch auch nicht um Osama bin Laden. Lassen Sie mich dies mit den Worten von Michel Foucault sagen, wie er einst von Hegel sprach: Aber um Osama bin Laden wirklich zu entrinnen, muss man ermessen, was es kostet, sich von ihm loszusagen; muss man wissen, wie weit uns Osama bin Laden insgeheim vielleicht nachgeschlichen ist; man muss ermessen, inwieweit auch noch unser Anrennen gegen ihn seine List ist, hinter der er uns auflauert: unbeweglich, eben tot und anderswo, also bei den Fischen.

In sprachlich sehr schönen Worten erzählen Sie wie Sie Krieg und Not, Flucht und Umherirren in der Welt erlebt haben. War diese Spannung von literarisch schönen Worten und grausamen Erfahrungen so geplant und gewollt?

Wäre es angemessener, die Flucht und Not, ja den Krieg in unschöne Worten zu kleiden? Mir ist allein die Sprache geblieben; der Krieg ist keineswegs poetisch und romantisch; eigentlich ist er überhaupt nicht einholbar. Der Krieg ist eben schrecklich schön.

Irgendwo in Ihrem Buch habe ich gelesen, dass Kabul durch den Krieg nicht mehr Ihre Heimat war. Sind Sie, rückblickend betrachtet, ausgezogen um Heimat zu finden?

Nein. Ich bin ausgezogen, um die Heimat zu verlassen. Ich sehe ein: entweder gibt es überhaupt keine Heimat oder sie ist nicht geographisch einzugrenzen.

Heute leben Sie in Deutschland. Was muss geschehen damit Deutschland für Sie Heimat werden kann?

Nichts.

Was glauben Sie, warum tun sich viele Deutsche so schwer damit Ausländer in Deutschland nicht als Gefahr, sondern als Bereicherung anzusehen?

Weil sie meinen, sie wären Deutsche.

Wie kam es zu diesem Buch, was bezwecken Sie damit?

Es soll auf keinen Fall als Autobiographie gelesen werden; denn dafür bin ich nicht nur zu jung, sondern auch viel zu unbedeutend. Ich wollte beschreiben, wie schön es sein kann, ein Muslim zu sein; warum ich mich nicht ohne Marlon Brando denken kann und letztlich, warum Osama bin Laden zum Fisch geworden ist.

Herzlichen Dank für dieses Gespräch!

Ahmad Milad Karimi hält für Sie ein signiertes Exemplar seines Buches als Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer sich um das Buch bewerben möchte, kann bis zum Silvestertag 20 Uhr seinen Kommentar unter diesen Beitrag posten. Viel Glück!

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Ein Kommentar

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Eine Antwort zu “Ahmad Milad Karimi: Osama bin Laden schläft bei den Fischen

  1. Rahel

    Wäre eine Erweiterung für die Hausbibliothek!

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