Horst Schoch: Das Geheimnis des Himmels

Das Geheimnis des himmelshorst schoch

Foto: Horst Schoch

Mit seinem ersten Roman zieht mich der Kölner Autor Horst Schoch hinein in die unruhige Zeit des 16. Jahrhunderts. Es ist eine der wenigen Storys, bei der während des Lesens ein innerer Film in mir mitläuft. Schoch ist ein Meister in der Ausschmückung seiner Szenen. Detailverliebt erzählt er und damit gelingt es ihm sehr schnell, aus seinen Protagonisten lebendige Helden werden zu lassen.

Held dieser Geschichte ist für mich der Magister der philosophischen Fakultät Leonhard Bernhardi. Er lebt und lehrt noch in der guten alten Zeit, in der die römisch-katholische Kirche immer recht hat. Und wird dieses Recht angezweifelt, tat die katholische Kirche wirklich alles, um wieder unangefochten dazustehen. Aber dieser Magister bemerkt in seiner Universität erste Studenten, die sich von den Ideen und Schriften Martin Luthers beeinflussen lassen.

Mehr durch Zufall als denn eigene Suche gerät Bernhardi ein Buch dieses Doktor Martin Luther in die Hände. Er findet ihn gar nicht so schlimm, wie die Obrigkeit ihn darstellt, aber er weiß von Anfang an, dass es gilt, vorsichtig zu sein.

Langsam und übersichtlich in die Zeit der Reformation einführend eröffnet Horst Schoch seine Geschichte. Dabei webt er seine erfundene Handlung und Personen um historische Personen und Ereignisse herum. Von Seite zu Seite drückt der Autor jetzt aufs Gaspedal und verleiht seiner Geschichte immer mehr an Tempo und Spannung.

Magister Bernhardi kommt in den Besitz eines alten verschlüsselten Textes. Mithilfe anderer gelingt es ihm, den Text zu verstehen und er lernt einen Mann kennen der etwa 100 Jahre zuvor gelebt und das erste Fernrohr erfunden hat. Damit konnte der Dinge am Sternenhimmel sehen, die die katholische Kirche so nicht vorsah. Es begann für diesen Mann gefährlich zu werden und auch für Magister Leonhard Bernhardi und seine Familie stehen lebensverändernde Ereignisse an.

Literarisch beeindruckend umgesetzt, zeigt der Autor wie gefährlich es sein konnte, wenn Naturwissenschaftler Entdeckungen machten, die im Widerspruch zur herrschenden Meinung standen. Noch ahnt Bernhardi nicht, wie gefährlich seine neuen Gedanken für ihn selbst werden.

Horst Schoch erzählt sehr lebendig und in farbig geschilderten Szenen von der Entdeckung des ersten Fernrohrs, von der Reformation und von der Enge einer Religion, die keine Entwicklung zulassen will!

Brunnen, ISBN 978-3-7655-1576-7, Preis 16,99 Euro

Horst Schoch hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Herr Schoch, Ihr erstes Buch ist erschienen. Welcher Gedanke, welche Botschaft Ihres Buches ist für Sie die wichtigste die es wert war, dafür ein 365 Seiten Buch zu schreiben?

Schon einige Jahre reifte in mir die Idee einen historischen Roman zu schreiben, der einige meiner Lieblingsthemen, die Reformation und die Astronomiegeschichte zum Inhalt haben sollte. Konkreter Auslöser war der vierhundertste Jahrestag der Entwicklung des Galileischen Fernrohres. Eigentlich hätte das Fernrohr sogar Jahrhunderte vorher erfunden werden können, die Voraussetzungen dafür waren ja im Prinzip schon bekannt. Neben dem Gedanken, den Leserinnen- und Lesern einen möglichst unterhaltsamen und spannenden Zugang zur Reformationszeit zu ermöglichen und dem Interesse, meine Freude an der Astronomie weiterzugeben, war es mir auch ein Herzensanliegen, eine Art Hommage an die „Vergessenen der Geschichte“ zu schreiben. Wir können ja nicht wirklich wissen, was alles an Großartigem sich zunächst nicht bis in die Gegenwart gerettet hat. Außerdem, wenn man begeistert ist, dann füllen sich die Seiten schnell.

Wenn ich eine Botschaft formulieren sollte, dann die: Seht her, Martin Luther hat die Wahrheit des christlichen Glaubens so tief erfasst, dass wir heute noch unendlich davon profitieren können! Und: Die moderne Technik und Wissenschaft darf nicht zu einem Gegenentwurf des Glaubens werden, was sie – auch wenn Vertreter von Wissenschaft und Glaube dies jeweils immer wieder einmal behaupten – dem Wesen nach gar nicht ist.

„Das Geheimnis des Himmels“ spielt in der Zeit der Reformation. Sehr genau und farbig haben Sie diese Zeit geschildert. Wie haben Sie sich in diese Zeit eingearbeitet um so perfekt von dieser Zeit zu schreiben?

Schon als Theologiestudent war die Reformationszeit ein Schwerpunktgebiet meines Studiums. Und je länger und tiefer ich mich damit beschäftigte, desto wichtiger wurde mir vor allem das Werk und damit auch die Wirkungsgeschichte Luthers als eine der bedeutendsten Epochen der Kirchen- wenn nicht sogar der Weltgeschichte. Das Studium von Luther und seiner Zeit hat mich – wie die Astronomie – nie wieder losgelassen. Dadurch verfüge ich über einen großen Fundus an Informationen, obwohl natürlich für die Details des Romans noch eine Menge Recherchearbeit notwendig war. Ich glaube aber auch, dass es eines gewissen Maßes an Einfühlungsvermögen in eine historische Epoche bedarf, um diese Zeit ein wenig lebendig werden zu lassen.

Der Widerspruch zwischen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen und offizieller Lehrmeinung der alten Kirche sind Mittelpunkt der Story. Ist die katholische Kirche aus heutiger Sicht mit der des 16. Jahrhunderts vergleichbar, was das Zulassen moderner Wissenschaft betrifft?

Die katholische Kirche ist – und zwar auch Dank Luther – in vielen Punkten glücklicherweise nicht mehr das, was sie, vor allen unter den Renaissancepäpsten, einmal war, obwohl die Reformation bis heute ein fundamentaler „Gegenentwurf“ zu ihr ist. Die Geschichte des Index z.B. zeigt, dass Rom sich lange Zeit sehr schwer mit der modernen Wissenschaft getan hat, das gilt aber auch für die protestantische Seite. Glücklicherweise gibt es im evangelischen Raum ja kein eigentliches Lehramt, so dass hier im Prinzip freier zu diskutieren ist. Trotzdem besteht auf beiden Seiten immer noch deutlicher Nachholbedarf. Heute scheint es mir so zu sein, dass die Kirchen eher dazu neigen, das Thema (Natur)Wissenschaft auszublenden, die Fundamentalisten aber wollen uns dagegen mit ihrer oft massiven Feindschaft modernen Erkenntnissen gegenüber wieder zurück in die Zeit vor der Aufklärung katapultieren. Ersteres halte ich für sehr bedauernswert und letzterem ist entschieden entgegenzutreten.

Ihr Roman ist seit wenigen Wochen auf dem Markt. Wie fallen die ersten Lesermeinungen aus?

Ich bin sehr froh darüber, dass trotz des ja eigentlich recht eigenwilligen Themas so viele zum Teil sehr positive Reaktionen erfolgt sind, so dass sich die Mühe des Schreibens auf jeden Fall jetzt schon gelohnt hat. Einige meiner Astronomiefreunde hätten mehr Astronomie und weniger Geschichte erwartet. Aber das ist nun mal das Los, wenn man ein Buch schreibt, dass im Prinzip ein „cross-over“ darstellt. Es hat mich auch sehr gefreut, dass etliche Leserinnen- und Leser es vor allem spannend und unterhaltsam fanden.

Wird es ein zweites Buch von Horst Schoch geben?

Ein zweiter historischer Roman ist kurz vor der Fertigstellung. Er spielt natürlich auch wieder im 16. Jahrhundert.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Horst Schoch hält ein signiertes Verlosungsexemplar bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 2. Januar 2014 um 20 Uhr unter diesem Beitrag postet, bewirbt nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Björn Du hast gewonnen. Herzlichen Glückwunsch ! ! !

Advertisements

2 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

2 Antworten zu “Horst Schoch: Das Geheimnis des Himmels

  1. Björn

    Würde mich freuen.

  2. Esther

    Ich hüpfe auch in den Lostopf – das Buch ist mir schon seit einiger Zeit aufgefallen! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s