Thomas Franke: Der Spiegel des Schöpfers

Der Spiegel des Schöpfersthomas franke

Foto: Thomas Franke

Die junge Ärztin Leonie verlässt ein klein wenig angetrunken, die Verlobungsfeier ihrer Freundin, setzt sich in ihr Auto und will nach Hause fahren. Plötzlich beginnt auf einer wenig befahrenen Straße Starkregen, sie fährt langsamer und ein völlig unbekleideter Mann knallt auf ihr Auto. Er wird zehn Meter durch die Luft geschleudert und Leonie tritt auf die Bremse. Sie behandelt notdürftig seine Schnittwunden und nimmt ihn mit nach Hause.

Die Polizei ruft sie nicht. Sie hat Angst pusten zu müssen und eventuell damit ihrer Karriere als Ärztin eine Delle zu verpassen. Ari legt sie in ihr Bett kümmert sich um seine Wunden und ist am nächsten Morgen völlig sprachlos, dass all seine Wunden so gut wie verschwunden sind. Innerhalb weniger Stunden lernt er Deutsch, kann Häuserfassaden hoch und runter laufen . . .

Thomas Franke legt seinen dritten Roman vor und zieht mich mit seiner temporeichen Geschichte sofort in seinen Bann. Für mich als Leser wird schnell klar, ich bewege mich mit Leonie in einer Welt, in der ich mir vieles nicht erklären kann. Der Autor weiß um die Empfindlichkeiten seiner Leser und er weiß sehr genau um die Ängste seiner Leser. Schamlos nutzt er diese aus und macht so den Vorhang auf für ein wunderbares Leseerlebnis.

Leonie kann Ari nicht auf Dauer in ihrer Wohnung verstecken. Aber wo kommt er her? Warum scheint er nicht in unsere Welt zu passen? Plötzlich taucht die Polizei bei Leonie auf. Zufällig handelt es sich bei dem jungen Polizisten um Leonies alten Schulkameraden Ruben. Beide hatten sich viele Jahre aus den Augen verloren.

Ruben wird von seiner Zentrale an einen Tatort gerufen und findet dort einen toten Mann, der auf höchst seltene Weise getötet wurde. Mysteriös, beinah gespenstisch bekommt der Leser immer nur sehr kleine Brocken vorgeworfen. Da ist mal etwas von den „Dienern des Abtrünnigen“ zu lesen oder auch mal etwas von einer „Großmeisterin“. Sehr lange hält Thomas Franke seine Geschichte nach vielen Seiten offen. Dem Polizisten Ruben wird der Fall weggenommen. Der BND übernimmt den Fall. Was ist hier eigentlich los?

Sehr aktuell wird Franke als der Leser etwas von einem Wettlauf der Geheimdienste erfährt. Der Name „Snowden“ in diesem Zusammenhang, wirkt für mich in diesem Roman wie ein Fremdkörper.

Bei aller Dramatik, in diesem Roman geht es letztlich um das alltägliche Leben eines jeden von uns. Es geht um so wichtige Themen wie Glaube und Hoffnung. Vor allem aber zeigt Thomas Franke, wie wir Menschen uns im Alltag oft selbst auf den Füßen stehen und damit Hoffnung und Zuversicht nicht zum Zuge kommen lassen.

Was Thomas Franke uns hier zumutet ist preisverdächtig!

Gerth Medien, 978-3-865-91929-8, Preis 17,99 Euro

Thomas Franke hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Thomas, in diesen Tagen werden die ersten Leser Deinen dritten Roman kaufen. Wie fühlt man sich, wenn man noch nicht so genau weiß, wie das hungrige Leservolk das jüngste Baby aufnehmen wird?

Das ist eine sehr spannende Zeit. „Das Tagebuch“ war ganz anders als „Das Haus der Geschichten“, und „Der Spiegel des Schöpfers“ wird wieder ganz anders sein. Ich hoffe sehr, dass sich die Leserinnen und Leser auf die Idee einlassen, sich in die Figuren hinein fühlen und Lust haben, hier und da mit mir zusammen um die Ecke zu denken.

Ein wenig enttäuscht hast Du mich schon. Ich dachte Du wärst so ein friedliebender Berliner Typ und nun kennst Du Dich plötzlich mit einer gefährlichen „Heckler & Koch P 12“ sehr gut aus, auch in medizinischen und physikalischen Fragen kennst Du Dich blendend aus. Bist Du ein Genie auf allen Fachgebieten?

Ein Genie bin ich ganz bestimmt nicht, und von Waffen habe ich eigentlich gar keine Ahnung. Da aber eine meiner Figuren ein kampferprobter Agent ist, musste ich ein wenig recherchieren, um ihm Glaubwürdigkeit zu verschaffen.
Die physikalischen Fragen fand ich persönlich sehr spannend, ohne mir anmaßen zu können, auf diesem Gebiet ein besonderer Experte zu sein. Ich habe mich einfach bei echten Experten bedient und ein komplexes Model der theoretischen Physik mit einer uralten biblischen Geschichte verknüpft. Ein Gedankenexperiment, das nicht unbedingt den Anspruch erhebt, wahr zu sein. Vielmehr geht es darum, aus einem ungewohnten Blickwinkel heraus die Wahrheiten unseres Lebens zu betrachten.
Um allen die Angst zu nehmen, die in ihrer Schulzeit Physik so schnell wie möglich abgewählt haben – „Der Spiegel des Schöpfers“ ist keine wissenschaftliche Abhandlung. Man kann das Buch ganz entspannt und völlig formelfrei auch als Naturwissenschaftshasser lesen.

In „Der Spiegel des Schöpfers“ wird ja mehr als einmal darauf hingewiesen, dass wir Menschen viel zu oft in Gut und Böse einteilen und Sachen gern in bestimmte Schubladen stecken. Ich beispielsweise zwänge meine gelesenen Bücher gern in Genresregale. Dein neues Buch habe ich noch nicht wegsortiert. In welches Regal sollte ich es Deiner Meinung nach stellen?

Gute Frage. Ich persönlich denke eher von der Geschichte aus, die einfach einen bestimmten Stil erfordert. „Der Spiegel des Schöpfers“ erhält mehr Spannung und Tempo als meine ersten Romane, aber er ist nicht unbedingt ein klassischer Thriller. Auch wenn naturwissenschaftliche Elemente eine Rolle spielen, ist er kein Wissenschaftsroman. Die wesentliche Figur des Romans umgibt ein Mysterium. Aber in das Genre Mystery passt der Roman auch nicht.
Am Besten, jeder macht sich sein eignes Bild und sucht sich die Ecke im Regal, in die das Buch am besten passt.

Du strapazierst Deine Leser sehr. Wer erst einmal die ersten Sätze Deines Buches gelesen hat, wird drei Tage lang für seine Umwelt nicht ansprechbar sein. Selten habe ich es erlebt, dass ein Wälzer von fast 570 Seiten fast durchgängig auf so hohem Niveau spannend und temporeich zugleich durchgehalten werden kann. Wie lang hast Du an diesem Buch geschrieben und wie oft hast Du es überarbeitet?

Zunächst einmal: Vielen Dank für das tolle Kompliment!
An diesem Buch habe ich recht lang gearbeitet. In der ersten Fassung, an der ich etwas über ein Jahr geschrieben habe, war das Buch 732 Seiten dick.
Später habe ich die Geschichte nochmal intensiv überarbeitet und gekürzt. Das hat beinahe ein Dreivierteljahr gedauert. Also, insgesamt waren es fast zwei Jahre.

Normalerweise kristallisiert sich bei mir während des Lesens eines Romans auf den ersten Seiten mein Held heraus. Über lange Zeit war dies in diesem Falle der vom Himmel gefallene Ari, der so gar nicht in unsere Welt passt und uns doch so viel zu sagen hat. Später dann werden Leonie und Ruben meine beiden Helden. Hast Du als Erfinder Deiner Protagonisten Lieblingsfiguren? Und welche waren es im „Spiegel des Schöpfers“?

Das ist schwer zu beantworten. Die Figur, die mir im echten Leben am sympathischsten wäre, ist nicht zwangsläufig diejenige, die mich beim Schreiben am meisten fasziniert. Besonders spannend finde ich es, die Welt von einem ganz anderen, ungewöhnlichen Blickwinkel aus zu betrachten. Da können auch kleine Nebenfiguren interessant sein, wie beispielsweise die des Suchers.
Mir fällt gerade auf, dass ich mich ein wenig um deine Frage herum mogel. Also, um es klipp und klar zu sagen, die Antwort lautet: … eher nicht. Ich müsste zu viele Figuren aufzählen, um sie noch als besondere Lieblinge herausstellen zu können.

Was ist bei Dir beim Schreiben einer Story zuerst da? Das Grundthema über das Du uns etwas sagen möchtest, die Protagonisten oder die Handlung?

Meist ist die Grundidee zuerst da. Einmal hatte ich allerdings auch zuerst ein Bild für die erste Szene des Romans im Kopf. Dann bilden sich i.d.R. die Protagonisten heraus, und schrittweise entsteht die Handlung.
Selten habe ich dabei den kompletten Plot schon fertig im Kopf. Die Geschichte entwickelt sich beim Schreiben weiter und nimmt hier und da eine Wendung, die ich selber nicht vorausgesehen habe. Das macht die ganze Sache natürlich auch für mich etwas spannender.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

Thomas Franke stellt uns ein signiertes Exemplar seines neuen Buches zur Verlosung bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 12. 01. um 20 Uhr unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch Adeline! Das signierte Verlosungsexemplar geht an Dich.

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11 Kommentare

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11 Antworten zu “Thomas Franke: Der Spiegel des Schöpfers

  1. Das klingt nach einem lesenwerten Buch!

  2. Thomas hat mir auf der Buchmesse schon so viel über diesen Roman erzählt … ich MUSS ihn auf jeden Fall haben. Obwohl Fantasy eigentlich gar nicht in mein Beuteschema gehört! 😉

    • buecheraendernleben

      Hallo Elisabeth,
      soooo viel hat es gar nicht mit Fantasy zu tun. Letzten Endes bringt Thomas uns in die Gegenwart und hat mich zumindest über meinen Alltag nachdenken lassen. Irgendwie kann ich diesen Autor immer nur sehr schlecht in eine Schublade stecken, aber vielleicht ist das ja sein Erfolgsgeheimnis . ? …

  3. Maria Lahnstein

    Du hast das Buch schon gelesen ? Ich bin sprachlos ! Bei Lovelybooks gibt es übrigens eine Leserunde in Begleitung des Autors. Freiexemplare gibt es auch zu gewinnen, Bedingung allerdings Mitarbeit und Rezension.

  4. Margrit

    .. bis jetzt habe ich noch kein Buch von Thomas Franke gelesen … aber das könnte sich doch ändern … ?!

  5. Esther

    Ich bin auch dabei – „Das Haus der Geschichten“ von Thomas Franke hat mir sehr gut gefallen und ich erwarte entsprechend viel von dieser Neuerscheinung. Würde mich freuen über den Gewinn! 🙂

  6. Adeline

    Ich bin sehr gespannt auf das Buch!

  7. Birgit P.

    Ich habe grade „das Tagebuch“ gelesen und war total begeistert und gefangen von der Handlung. Nun bin ich wahnsinnig neugierig auf das neue Buch von Thomas Franke!

  8. Björn

    Vielleicht wird dies mein erstes Buch von Franke.

  9. Maria

    Na, das ist ja mal ein Andrang nach dem Buch. Ich würde es auch sehr gerne lesen und springe noch schnell in den Lostopf.
    LG von Maria

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