Monatsarchiv: Februar 2014

Matthias Sutter: Die Entdeckung der Geduld-Ausdauer schlägt Talent

die entdeckung der geduldmatthias Sutter

Foto: Univ.-Prof. Dr. Matthias Sutter

Geduld steht im Mittelpunkt dieses spannenden Sachbuches. Und wenn ich manchmal auch ängstlich vor Büchern von Universitätsprofessoren zurückschrecke, weil die mitunter so staub trocken sind, in diesem Falle wurde ich eines besseren belehrt.

Von der ersten Seite an, versteht es der Autor anhand von Versuchen, Beispielen, Studien und Alltagszenen zu begeistern. Er muss mich nicht erst von seinen Thesen überzeugen, so wie er sein Thema verkauft, ist es sofort glaubhaft und nachvollziehbar.

„Geduld zahlt sich aus.“ meint Matthias Sutter und zeigt interessante Zusammenhänge auf. Mit hoher Wahrscheinlichkeit, kann geduldigen Kindern eine gesicherte Zukunft zu gesagt werden. Das Maß an Geduld und Selbstkontrolle eines Kindes hängt untrennbar mit seinem späteren Lebensweg zusammen.

„weniger heute“ – „mehr morgen“

scheint die Devise zu sein. In vielen Bereichen klingt dies völlig logisch. Ein längerer Durchhaltewille bei der Ausbildung beispielsweise, garantiert eine bessere Bildung und somit einen sichereren Arbeitsplatz mit besseren Verdienstmöglichkeiten. Eine überlegtere Lebensweise, verschafft bessere Aussichten auf gute Gesundheit im Alter, geduldige Kinder handeln überlegter und sind nicht so anfällig was das Suchtverhalten betrifft. Wer wünscht sich nicht dies alles für sich und seine Kinder?

Es drängt sich die Frage auf: Wie werde ich geduldiger? In der schnelllebigen Zeit eine schwierige Frage. Matthias Sutter beantwortet sie in seinem Buch.

Eines der spannendsten Sachbücher dieses Frühjahrs!

ecowin, ISBN 978-3-7110-0054-5, Preis 22,95 Euro

Matthias Sutter hat bücherändernleben jetzt folgende Fragen beantwortet:

Lieber Matthias Sutter, in diesen Tagen erscheint ihr Buch „Die Entdeckung der Geduld – Ausdauer schlägt Talent“. Geduld erscheint uns heute oft altmodisch, Nachteile mit sich bringend, wann haben wir unsere Geduld verloren?

Generell leben wir sicher in einer sehr schnelllebigen Zeit, in der der schnelle Erfolg oft attraktiver erscheint, als langfristige Ziele zu verfolgen. Das bedeutet aber nicht, dass wir alle unsere Geduld verloren hätten. Mein Buch handelt davon, dass sich Menschen in ihrem Ausmaß an Geduld, ihrer Ausdauer beim Verfolgen langfristiger Ziele sehr stark unterscheiden und dass diese Unterschiede sich dann auch im Leben dieser Menschen widerspiegeln. Geduldigere Menschen haben mit höherer Wahrscheinlichkeit höhere Ausbildungsniveaus, ein höheres Einkommen und einen besseren Gesundheitszustand.

Sie selbst besitzen einen hohen Bildungsgrad, haben Erfolg und krank erscheinen Sie auch nicht gerade. Ihrem Buch nach müssten sie ein geduldiger Zeitgenosse sein. Stimmt das und wo haben sie ihre Geduld her?

Nicht alle Menschen in meinem Umfeld würden „geduldig“ als meine hervorstechendste Eigenschaft nennen, wenn sie nur eine Nennung abgeben dürften. Ganz viele würden aber vermutlich „ausdauernd“ oder „mit langem Atem bei der Verfolgung seiner Ziele“ wählen. Diese Eigenschaft kommt sicher zu einem guten Teil von meiner Erziehung, in der Beharrlichkeit beim Verfolgen längerfristiger Ziele einen Wert darstellte. Heute habe ich das Glück, dass ich aufgrund von unbefristeten Verträgen in meiner Arbeit mehrjährige Projekte mit der Gewissheit verfolgen kann, dass mir meine Universität während dieser Zeit stabile und gute Rahmenbedingungen garantiert.

Wenn ich mir das Leben unserer schnelllebigen Gegenwart anschaue, dann frage ich mich ängstlich, wie hole ich die Geduld in meinen Lebensalltag, ist das praktisch überhaupt möglich?

Das ist ganz sicher ein schwieriges Vorhaben. Im Alltag treffen wir aber oft Entscheidungen, in denen wir wählen zwischen einer Option, die sofort verfügbar ist, und einer anderen, die erst in der Zukunft eintritt. Nehmen wir das Beispiel Sparen. Wenn jemand jetzt sein verfügbares Einkommen vollständig für Konsum aufbraucht, bleibt nichts mehr zum Ansparen für größere Investitionen oder auch für die Altersvorsorge übrig. Hier wird also zwischen Konsum heute und verfügbarem Geld in der Zukunft entschieden. Die Rahmenbedingungen können einem dabei helfen, längerfristig orientierte Entscheidungen zu treffen. Beispielsweise können Arbeitnehmer häufig im Rahmen eines Dienstverhältnisses freiwillige Beiträge für die Altersvorsorge aus ihrem laufenden Einkommen leisten. Wenn sie das tun, reduzieren sie ihre gegenwärtigen Konsummöglichkeiten. Nun könnte man als Arbeitgeber den Arbeitnehmern einfach die Möglichkeit zu dieser privaten Vorsorge kundtun – und dann warten, ob sich jemand meldet. Alternativ könnte man aber auch die Arbeitnehmer informieren, dass ein kleiner Prozentsatz des Bruttolohns für die Altersvorsorge einbehalten wird, es sei denn, ein Arbeitnehmer lässt den Arbeitgeber wissen, dass er das nicht möchte. Es gibt Studien aus den USA über genau diese beiden Optionen. In der ersten Option optieren ungefähr 20-30% der Arbeitnehmer in den ersten drei Monaten eines neuen Dienstverhältnisses für einen Beitrag zur Altersvorsorge. In der zweiten Option melden sich 20-30%, dass sie das nicht wollen. Letzteres bedeutet aber, dass bei der zweiten Option ungefähr 70-80% einen Beitrag leisten. Die Rahmenbedingungen können uns also sehr stark helfen, zukunftsorientierte Entscheidungen zu treffen.

Ihr Buch ist voller Studien und doch ist es eines der spannendsten Sachbücher die ich gelesen habe. Sie erklären Geduld und Intelligenz zu gleichberechtigten Schwestern. Kann die eine ohne die andere nicht?

Nein, obwohl Geduld und Intelligenz miteinander zusammenhängen, gehen sie nicht automatisch Hand in Hand. Es gibt also sehr intelligente, aber ungeduldige Menschen genauso wie weniger intelligente, aber sehr geduldige. Interessant ist deshalb, dass bis zu einem gewissen Grad Ausdauer und Geduld geringere Intelligenz wettmachen können – und umgekehrt.

Nehmen wir mal an, ihr Buch wird so ein einschlagender Bestseller, dass sich alle Menschen plötzlich bemühen geduldig zu werden. Ist das für alle Menschen möglich und wie sähe dann unsere Welt aus?

Unsere Welt wäre weniger auf den schnellen Erfolg, den schnellen Profit, sondern mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, wenn das gelänge. Es wäre allerdings naiv zu erwarten, dass ein Wandel für alle Menschen hin zu mehr Geduld durch ein einfaches Buch gelingen könnte. Wenn das Buch aber den ein oder anderen Denkanstoß und das ein oder andere „Aha“-Erlebnis vermitteln kann, dann würde mich das schon sehr freuen.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

Matthias Sutter stellt uns ein signiertes Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wenn du deinen Kommentar bis 9. März unter diesen Beitrag postest, nimmst du automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Wendland/Schuld: Erkläre mir die Osterzeit

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Foto: Ingmar Wendland

Denk ich an Ostern, denk ich an bunt gefärbte Ostereier auf einer grünen Wiese, die es zu suchen gilt. Diese Denkschublade erfüllt das Cover schon mal nicht. Statt dessen sehe ich eine junge Familie mit Stöckern, an denen frische grüne Zweige, erste Blüten und rote Bänder zu sehen sind. Was es damit auf sich hat, erzählt Ingmar Wendland in seinem Buch.

Beim Autor beginnt die Osterzeit Aschermittwoch und endet mit dem Pfingstfest. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies nicht nur für die Kleinen neu ist, sondern auch für manch einen großen Leser. Deshalb empfiehlt sich dieses Buch ganz besonders zum Lehrbuch für die ganze Familie.

Illustratorin Kerstin M. Schuld sind ihre Zeichnungen gut gelungen. Farblich donnert sie nicht einfach die Buchseiten zu, sondern lässt dem Betrachter Zeit und Raum für die eigene Fantasie. Gerade im Bereich der Kinderliteratur findet man dies nicht mehr so häufig.

Ingmar Wendland schreitet dann Seite für Seite die Höhepunkte des kirchlichen Osterkreises ab. Vom Frühlingserwachen, der Fastenzeit, dem Fasching und Aschermittwoch, kommt der Autor dann zu Palmsonntag. Warum dieser Sonntag gerade so heißt, und was die Palmen und die geschmückten Stöcker vom Cover miteinander zu tun haben, wird hier erzählt.

Es folgen dann Gründonnerstag, Karfreitag, Ostersonntag, Himmelfahrt und Pfingsten. Wendland, meistert m.E., die Erklärungen zu den einzelnen Feiertagen sehr gut. Für Kinder biblische Geschichten erzählen ist schwer, bei Ingmar Wendland kommen die Texte gut verständlich rüber!

Coppenrath, ISBN 978-3-649-61522-4, Preis 7,95 Euro

Der Texter des Buches Ingmar Wendland hat bücherändernleben folgende Fragen beantwortet:

Hallo Ingmar Wendland, soeben ist dein Kinderbuch „Erkläre mir die Osterzeit“ erschienen. Von Autorenkollegen höre ich oft, es sei so schwer Kinderbücher zu veröffentlichen. Wie habt ihr zueinander gefunden, der Verlag und du?

Coppenrath hatte speziell für das Konzept dieser Weihnachts- und Osterbücher nach einem Texter gesucht. Ins Spiel kam ich über meine Frau, die bereits für Coppenrath gearbeitet hat. Ich habe dann Probetexte erstellt und das entsprach ungefähr dem, was sie haben wollten; so kamen wir zusammen und haben die Texte noch gefühlte zwanzig Mal überarbeitet.
Wer von sich aus Bücher entwickelt, braucht einen langen Atem und darf sich nicht durch Absagen entmutigen lassen. Verlage haben ein konkretes Konzept für ihr Buchprogramm und entscheiden nach dem Kriterium, ob ein Text in dieses Konzept hineinpasst. Da dürfen Autoren auch nicht verliebt in den eigenen Stil oder die eigenen Ideen sein, sondern müssen Bereitschaft zeigen, mit Lektoren im Team zu arbeiten.

Du hast ja im letzten Jahr bereits ein ähnliches Buch zur Weihnachtszeit geschrieben. Was meinst du, warum sind Bücher dieser Art heute notwendiger denn je?

Ich erlebe viele junge Familien, die sich kirchlich abgekoppelt haben, ihren Kindern aber gerne religiöse Werte vermitteln wollen. Insgesamt ist das ja ein Bereich, in dem wir in Deutschland wenig sprachfähig sind; von Insiderkreisen einmal abgesehen.

Glaube wird heute in den Familien immer seltener gelebt, vor allem vorgelebt. Wen willst du mit deinen Büchern ganz besonders erreichen?

Familien, die an frühere Erfahrungen mit Glaube anknüpfen möchten und ihrer Ahnung nachgehen wollen, dass an der Sache mit Gott doch etwas dran ist.

Mit Weihnachten und Ostern ist das Kirchenjahr nicht beendet. Wird die Reihe weitergeschrieben?

Es gäbe ja noch den Zyklus Pfingsten-Totensonntag, aber der wird öffentlich nicht so wahrgenommen und wir haben Pfingsten mit in die Osterzeit hineingenommen. Von daher wird es wohl dabei bleiben.

Was macht Ingmar Wendland eigentlich, wenn er keine Bücher schreibt?

Was jeder gute Hausmann tut: Kochen, Putzen, Hausaufgaben betreuen, über den Spielplatz toben … ;). Nagut, ein wenig Zeit hab ich noch für ein Forschungsprojekt über Jugendarbeit und theologische Hintergrundarbeit für diverse Verlage.

Coppenrath stellt uns drei Verlosungsexemplare zur Verfügung. Wer also seinen Kommentar bis zum 7. März unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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David Platt: Folge.Mir.Nach.

folge mir nach

Der junge amerikanische Autor stößt mit seinen Aussagen vor den Kopf, stellt mein Christ sein in Frage und erschüttert es. Von „verwässertem Christentum“ schreibt er.

„Jeder kann behaupten, an etwas zu glauben, was ihn aber innerlich weder berührt noch beeinflusst. Viele Menschen, die sich Christen nennen, gehören zu ihnen.“

Sein Einstieg ins Buch gefällt mir überhaupt nicht. Er schreibt von einer jungen Muslimin die Christin wird und nun dafür lebt: „… die Gute Nachricht von Jesus in ihrem Volk bekannt zu machen …“ Der Autor weiß um die Tatsache, dass die junge Frau ab sofort in Lebensgefahr schwebt, schreibt aber weiter: „An Ayans Geschichte lässt sich gut erkennen, dass Jesus Aufforderung, ihm nachzufolgen, etwas mit Sterben zu tun hat.“

Für unpassend halte ich diesen Einstieg ins Thema vor allem deshalb, weil David Platt Ayan hier als Beispiel hinstellt. Was wäre aber, wenn ein junger Muslim in unsere christliche Gemeinde kommt um seinen Propheten bekannt zu machen und wenn er uns dann ermutigt Muslim zu werden? Das Geschrei höre ich schon jetzt!

Was der Autor will ist mir schon klar, ich soll mich täglich hinterfragen, überprüfen, ob das was ich tue wirklich Gottes Wille ist. Aber einige Sätze von Platt halte ich dennoch für falsch. Wenn der Autor schreibt: „Solange ein Mensch in der Sünde gefangen ist, kann er nicht zu Gott kommen.“ Auch wenn der Autor seine Ausführungen mit sehr vielen biblischen Verweisen unterlegt, halte ich den Satz des Autors für falsch. Ich muss nicht in Vorleistung gehen, damit Gott zu mir kommt. Mein Gott liebt mich bedingungslos, dies unterscheidet meinen Gott glücklicherweise von anderen Göttern.

Bei all meiner Kritik an diesem Arbeitsbuch zu meinem Glaubensleben, spiele ich keine Sekunde des Lesens mit dem Gedanken es wegzulegen. So erinnert mich der Autor mehrmals daran, dass Jesus mich nicht nur zur Nachfolge eingeladen hat, sondern auch von mir erwartet, Menschen für Gott zu gewinnen. Weder das eine noch das andere geschehen im Übermaß, der Autor spricht mich gerade an solchen Stellen sehr direkt an und das zeigt Wirkung.

Besonders zum Ende hin entfaltet dieses wegweisende Lehrbuch seine Stärken. David Platt gelingt es, eine Vision zu präsentieren, wie ich in der Gegenwart Nachfolger und Menschenfischer werden kann. Sehr viel wird mir hier abverlangt, aber der Himmelslohn, von dem ich schon auf Erden schmecken darf, ist nicht zu verachten!

Brunnen, ISBN 978-3-765-51828-7, Preis 16,99 Euro

Der Brunnen Verlag in Gießen stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Titels zur Verfügung. Wer bis zum 5. März seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an der Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch Simone, Du hast gewonnen!!!

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Randy Singer: Der Klon

der klon

So gut war Randy Singer noch nie!

Im zweiseitigen Prolog erfahre ich wie Maryna von Kambodscha illegal nach Amerika kommt. Gemeinsam mit ihrer Mutter beginnt die Flucht mithilfe dubioser Gestalten… Die Mutter wird umgebracht und Maryna steht in der neuen Welt völlig allein da.

Nach diesem Prolog beginnt Randy Singer dann ohne große Vorrede von dem jungen und begabten Jurastudenten Mitchell zu erzählen. Er sucht seine erste Stelle als Anwalt und landet in einer Kanzlei, deren Chef ein Alkoholiker ist. Wie schon in seinen Vorgänger-Thrillern, erzählt der Autor mehr als nur eine Geschichte und man muss beim Lesen gut aufpassen um den eigentlichen Faden nicht zu verlieren. In diesem Buch jedoch schafft Singer es mich von Anfang an zu fesseln.

Cameron hat einen sterbenskranken Mann. Durch einen Fehler, der in einem Krankenhaus geschah, bekam er Aids und hat nur noch kurze Zeit zu leben. Aber Cameron will unbedingt von diesem Mann ein Kind und kann es selbst doch nicht bekommen. Was nun?

Camerons Mann spendet seinen Samen, im Labor von Dr. Blaine Richards wird eine Eizelle befruchtet und in Maryna ist schnell eine Leihmutter gefunden. Alles wird vertraglich festgehalten. Selbst wenn etwas mit dem im Mutterleib heranwachsenden Baby nicht stimmt, kann Cameron auf die Abtreibung bestehen, denn acht Klone liegen noch im Labor des Doktors. Er fühlt sich gottgleich und schwimmt im Geld.

Mitchell ist der Anwalt von Cameron. Vor Gericht soll er für sie einen nächsten Versuch, ein gesundes Baby zu bekommen, erstreiten. Dann aber trifft Maryna auf Mitchell und die ist nicht zur Abtreibung bereit. Mitchell beginnt zu zweifeln auf welcher Seite er richtig steht…

Das Buch packt den Leser, weil es Themen aufgreift, die top-aktuell in unserer Gegenwart sind. Gemeinsam mit den Protagonisten denkt Randy Singer mit seinen Lesern darüber nach, ob wirklich alles was technisch machbar, auch ethisch vertretbar ist.

SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5540-3, Preis 18,95 Euro

Der Verlag stellt uns von dieser aktuellen Neuerscheinung ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 3. März unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Ulrich Kraetzer: Salafisten

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Foto: Ulrich Kraetzer

Wer erwartet, dass Ulrich Kraetzer die Salafisten als Gruppe super gefährlicher Spinner beschreibt, wird von diesem Buch enttäuscht sein und sollte es lieber gleich liegenlassen.

Viel mehr entfaltet der Autor ein buntes Bild von großen und kleinen Salafistengruppen, die über Deutschland verteilt ihrer Religion nachgehen. Spannend ist, dass in den neuen Bundesländern Salafisten nur in Leipzig bekannt sind.

Alle Salafisten lehnen jegliche Gesetze ab. Für sie gelten nur die Gesetze ihres Propheten. Im Weiteren jedoch splittern sich dann die Salafisten in viele unterschiedliche Gruppierungen auf. Kraetzer geht dieser Vielfalt nach.

Gefesselt hat mich der Autor mit seinem Buch besonders deshalb, weil er beschreibt, wie es ihm gelingt in einzelne Gruppen hineinzukommen und wie er mit einzelnen Salafisten ins Gespräch kommt. Schnell wird deutlich, es gibt sie nicht, die Salafisten. Manche Gewaltbereite trifft er. Viele davon sind Deutsche mit deutschen Vorfahren, einige gehen ins Ausland und lernen in Afghanistan und Syrien den Umgang mit Waffen und Sprengmitteln, kommen dann nach Deutschland zurück und sind gefährlich wie lebende Zeitbomben. Niemand weiß, wann wo ein Anschlag geschieht. Vor einigen konnten uns die deutschen Sicherheitsbehörden bewahren, mir scheint es ist nur eine Frage der Zeit, bis der erste Schlag so verläuft, wie gewalttätige Salafisten ihn geplant haben.

Der Zeitaufwand, die Recherche muss für den Autor gigantisch gewesen sein. Überall in Deutschland ist er unterwegs, um direkt vor Ort auf die Menschen zu treffen, die uns oft Angst einjagen.

Dieses spannende Sachbuch macht klar, dass es die Salafisten nicht gibt, dafür wirbt Ulrich Kraetzer für Toleranz gegenüber den Salafisten die Gewalt ablehnen!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-07064-3, Preis 19,99 Euro

Zu diesem Buch gibt es diesen spannenden Trailer

Ulrich Kraetzer hat bücherändernleben folgende Fragen beantwortet:

Lieber Ulrich Kraetzer, in diesen Tagen erscheint Ihr Buch “Salafisten”. Wie wurde dieses Thema zu Ihrem Thema?

Ich habe mich schon vor Jahren dafür interessiert, was junge Menschen an extremistischen Bewegungen fasziniert. Mir ist zudem aufgefallen, dass die Berichterstattung und die Diskussion über islamistische Szenen von Klischees und Ungenauigkeiten geprägt sind. Von daher haben mich diese Themen zunächst aus journalistischer Neugier interessiert. Über den Salafismus habe ich, zunächst für den Rundfunk Berlin-Brandenburg, später als Reporter im Rechercheressort der Nachrichtenagentur dapd, schon geschrieben, als die Bewegung noch weitgehend unbekannt war. Dabei hat mich vor allem fasziniert, wie es den salafistischen Predigern und Propagandisten gelungen ist, eine fundamentalistische Lesart des Islam mit Elementen der aktuellen Jungendkultur zu vermischen und sich so neue Anhänger zu erschließen.

Als Ossi ist mir in Erinnerung geblieben, dass außer in Leipzig, in den neuen Bundesländern keine Salafisten-Gruppen anzutreffen sind. Wie erklären Sie sich dies?

Das ist im Grunde recht simpel. Denn der salafistischen Bewegung gehören zwar mittlerweile etwa ein Drittel deutschstämmige Konvertiten an. Das Fundament bilden aber gebürtige Muslime. Und in den neuen Bundesländern gibt es ganz einfach deutlich weniger Muslime. In Leipzig ist die Szene einerseits relativ stark, weil es dort eine Uni gibt, die ein Anziehungspunkt auch für muslimische Studenten insbesondere aus arabischen Ländern ist. Mit dem bereits Ende der neunziger Jahren aus Syrien als Medizinstudenten eingewanderten Hassan Dabbagh ist in Leipzig zudem einer der aktivsten und charismatischsten salafistischen Prediger Deutschlands aktiv.

Folge ich Ihrem Buch, lerne ich eine Vielzahl gefährlicher und auch harmloser Gruppen in Deutschland kennen. Bei einigen schreiben Sie, dass Sie sich mit Mitgliedern zu Gesprächen getroffen haben. Aber wie haben Sie es geschafft, den Blick von innen heraus zu bekommen? Geht man da einfach so hin und sagt: “So jetzt bin ich hier, ich will etwas über euch erfahren oder wie funktioniert das?

Tatsächlich ist es mindestens bei vergleichsweise gemäßigten Salafisten recht einfach, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Das Bild der salafistischen Szene ist ja von der Klischeevorstellung geprägt, dass die alle abgeschottet in dunklen Hinterhof-Moscheen sitzen und auf arabisch unablässig Pläne für den Untergang des christlichen Abendlandes schmieden. In der Realität sind das aber ja zunächst mal ganz normale Menschen, mit denen man ganz normal reden kann – auch wenn man mit ihren Ansichten nicht übereinstimmt und sie sogar für verfassungsfeindlich oder gar für gefährlich hält. Die Skepsis gegenüber den Medien hat unter Anhängern des Salafismus allerdings angesichts zunehmenden Berichterstattung zugenommen. Teilweise ist das verständlich, weil viele Berichte – auch wenn sie von eher gemäßigten Salafisten-Gruppen handeln – zu stark vereinfachen und auch friedliche Salafisten in die Terrorecke stellen. Andererseits nähren Salafisten auch selbst gerne das Bild, dass sich die ganze Welt gegen „den Islam“ verschworen hat, was ein offenes Gespräch nicht gerade leichter macht.

Wie lange haben Sie für Ihr Buch recherchiert?

Die ersten Recherchen für Fernsehbeiträge habe ich bereits 2009 gemacht. Den Begriff Salafismus kannte man damals eigentlich noch gar nicht. Für die dapd-Nachrichtenagentur bin ich dann sehr tief in die Szene eingetaucht und habe regelmäßig berichtet. Für das Buch habe ich über ein halbes Jahr lang nochmals viele sehr ausführliche Gespräche mit Wortführern und Anhängern der salafistischen Bewegung geführt, aber auch mit Vertretern von Sicherheitsbehörden, Islamwissenschaftlern und Extremismusexperten. In dieser Zeit habe ich mich auch intensiv mit der wissenschaftlichen Forschung zum Thema befasst, die in vielen Punkten aber noch in den Kinderschuhen steckt.

Sie erwähnen in Ihrem Buch den Münsteraner Prof. für Islamische Theologie Mouhanad Khorchide. Mit zwei Büchern hat er Furore gemacht und tritt für einen reformiert-europäischen Islam ein. Wagen Sie eine Einschätzung, ob Khorchide in Salafistenkreisen gehört wird, ob über seine Ideen diskutiert wird?

Khorchide wird dort sehr wohl gehört – und gehasst! Salafistische Wortführer wie Pierre Vogel haben sich regelrecht auf ihn eingeschossen und haben ihn sogar zum Ungläubigen erklärt. Knallharte Salafisten kann Khorchide mit seiner Sichtweise also kaum beeinflussen. Er kann aber sehr wohl eine Diskussion in Gang bringen, die auf längere Sicht helfen kann, den Salafisten ihre ideologische Legitimationsgrundlage zu nehmen.

Was wünschen Sie sich von Ihrem Buch, was soll es beim Leser erreichen?

Ich hoffe, Informationen zu liefern, die einen differenzierteren Blick auf die salafistische Szene erlauben, um so Strategien für einen sinnvollen Umgang mit ihr entwickeln zu können. Diese Diskussion ist ja noch nicht sehr weit fortgeschritten und meiner Ansicht von Missverständnissen, Klischeevorstellungen und unzulässigen Verallgemeinerungen geprägt. Ich will die Gefahren, die vom Salafismus ausgehen können, nicht klein reden. Aber bevor man über Gegenmaßnahmen spricht, sollte man erst mal verstehen, wie diese Szene funktioniert, was ihre ideologischen Grundlangen sind, wie sie neue Anhänger gewinnt und warum die Ideologie und die Bewegung für immer mehr junge Menschen so attraktiv ist.

Herzlichen Dank für dieses interessante Gespräch!

Das Gütersloher Verlagshaus stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Buches zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 3. März unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Carsten Otte: Warum wir

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Foto: Carsten Otte

Die literarische Kost die Carsten Otte hier anbietet, ist alles andere als leicht zu bezeichnen. Als Leser lerne ich das Paar Nina und Jan kennen. Sie hat bereits aus einer anderen Beziehung zwei Kinder und nun ist sie erneut schwanger.

Das glückliche Paar geht zur Ultraschalluntersuchung und mit einem Mal ist Schluss mit lustig. Weitere Untersuchungen sind im Angebot. Nina und Jan müssen sich entscheiden. Bald schon steht fest, dass Mädchen im Mutterleib hat das Pätau Syndrom, besser bekannt unter Trisomie 13.

Was nun in der Beziehung zwischen dem unverheirateten Paar beginnt, ist ein atemberaubendes Drama, meisterlich vom Autor in all seinen Hochs und Tiefs festgehalten.

Es geht längst nicht nur um die Frage der Abtreibung des behinderten Kindes. Schuld, Verantwortung und nicht zuletzt die Liebe sind große Themen des Romans. Aber auch der Liebe Gott und das Thema Sünde tauschen auf. Carsten Otte geht in seinem vielschichtigen Roman immer wieder der Frage nach: Was – wenn nicht alles glatt läuft im Leben?

Aus der Sicht von Jan wird die vorliegende Story erzählt. Er will das Kind, vielleicht weil er der Träger der Krankheit ist?

Bei Carsten Otte geht es um Leben und Tod. Und so schwerwiegend seine Themen im Buch auch sind, so schwer ist auch seine literarische Kost. Als ich zu lesen begann, gab es kein entkommen mehr vor dieser Geschichte.

Carsten Otte verändert mit seinem Buch des Lesers Blick auf das Leben!

Klöpfer & Meyer, ISBN 978-3-863510-78-7, Preis 22,00 Euro

Carsten Otte hat bücherändernleben folgende Fragen beantwortet:

Lieber Carsten Otte, heute ist offizieller Erscheinungstag Ihres Romans „Warum wir“. Ich durfte ihn bereits lesen und das junge Paar Nina und Jan sind noch immer präsent bei mir. Das dürfen Sie gern als Kompliment verstehen. Wie kamen Sie auf die Idee, ausgerechnet die pränatale Diagnostik zum Thema zu machen?

Die Arbeit begann durchaus mit eigenen Erfahrungen. Als meine Frau schwanger war, haben wir uns auch für eine pränataldiagnostische
Untersuchung entschieden. Wir hatten Glück. Das Kind war und ist gesund. Das war vor sechs Jahren. Das Gefühl, davongekommen zu sein, verließ mich nicht. Irgendwann habe ich begonnen, Berichte von Eltern zu lesen, die dieses Glück nicht hatten. Schon bald habe ich mich gefragt: Gibt es eine Möglichkeit, jenseits der persönlichen Betroffenheit einen eigenen Text zum Thema zu schreiben? Könnte das ein Roman oder sollte es besser ein Sachbuch sein? Der Philosoph Wittgenstein schreibt: Worüber man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen. Recht hat er. Dieser Satz bezieht sich auf die Wissenschaftlichkeit von Moralphilosophie. Mein Text beginnt dort, wo die Erörterung ethischer Fragen aufhört. Die medizinischen Fakten und Argumente liegen auf dem Tisch. Aber was richten diese Zahlen, Daten und sprachlichen Imperative bei einem Paar an? Wie verändert sich eine Ehe, wenn es um Leben und Tod des gemeinsamen Kindes geht? Darüber lässt sich meiner Meinung nach sehr gut mit den Zwischentönen der Fiktion erzählen. Und das habe ich dann auch getan.

Ihre Story hat m.E. viele Ebenen. Beim Lesen wird mir bewusst wie unwissend ich bei diesem Thema bin. Ist Ihr Buch ein Angriff auf meine
Unwissenheit und wie und wo haben Sie für Ihr Buch recherchiert?

Ohne die Unterstützung von Ärzten, Therapeuten und Seelsorger, die in ihrer täglichen Arbeit mit den Herausforderungen der Pränataldiagnostik konfrontiert sind, hätte ich den Text nicht schreiben können. Denn wie gesagt, es ist ja kein autobiographischer Roman. Ich habe mit Paaren gesprochen, die mit ähnlichen Diagnosen konfrontiert waren. Ich habe, beispielsweise mit Annegret Braun vom Diakonischen Werk, Therapiesitzungen nachgestellt, um zu begreifen, was sich in den Köpfen der Betroffenen abspielt. Es war ein langer und intensiver Arbeitsprozess, wobei diese Recherchen nur die Hälfte der Arbeit ausgemacht haben. Denn die zentrale Frage war, was fange ich mit dem Stoff an, welche Form finde ich. Diese Fragen haben mich ebenfalls viele Jahre begleitet:

Aus welcher Perspektive schreibe ich? Welche Sprache wähle ich? Welche Kunstgriffe sind angemessen, um das Leid meiner Helden zu erzählen? Ich habe mich dann entschieden, aus der Männerperspektive zu erzählen. Die Leser tauchen ein in die Welt des Ich-Erzählers, die sich zunehmend eintrübt. Ja, diesem Erzähler ist von Kapitel zu Kapitel immer weniger zu trauen. Und gerade durch seinen psychischen Verfall erfahren wir sehr viel über seine Frau und die beiden Kinder.

Nina wird schwanger. Mit Jan geht sie zur Untersuchung und schnell wird klar, dass Mädchen im Mutterleib ist ein sogenanntes Pätau-Syndrom-Mädchen, also Trisomie 13. Nun wird der Leser Beobachter dieses Paares. Ich habe alle Hochs und Tiefs miterlebt, es ist ein wahrer Horrortrip: Was glauben Sie wie kann so einem Paar in so einer Situation geholfen werden? Oder müssen die da wirklich so gut wie allein durch?

Natürlich gibt es Hilfe. Unterschiedliche Beratungsangebote. Wir haben Freunde, Eltern und andere Personen, mit denen wir sprechen können.
Beratung und Gespräche sind wichtig. Aber letztendlich ist ein Paar mit den vielen Fragen, die eine solche Diagnose aufwerfen, dann doch allein. Denn das Paar muss die Entscheidungen treffen. Nicht die Therapeutin, nicht der Seelsorger, nicht der Onkel oder eine gut Freundin. Der Roman heißt ja „Warum wir“, ganz ohne Fragezeichen. Ohne meinen Text interpretieren zu wollen, möchte ich doch auf die Doppelbedeutung hinweisen: Jan und Nina fragen sich am Anfang: Warum wir? Diese Frage werden sich wohl die meisten Paare stellen, die erfahren, dass ihr Baby unter einem schweren Gendefekt leidet. Warum wir. Das kann auch eine Antwort sein. Denn um dieses „Wir“ geht es auf einem Leidensweg, den ich beschreibe. Wie belastbar ist dieses Wir? Gibt es überhaupt eine gemeinsame Perspektive? Muss die Trauer die
Partnerschaft zerstören? Warum wir. Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Jan und Nina finden ihre eigene Antwort. Ich möchte aber noch den Begriff „Horrortrip“ aufgreifen. Ja, der Roman ist ein Sozialdrama, das mit Stilmitteln der Schwarzen Romantik versucht, sich dem furchtbaren Grusel zu nähern, der von der modernen Schwangerschaftsmedizin ausgeht. Es gibt ein Bild von Alfred Kubin, das den Titel ?Seele eines Kindes? trägt. Man sieht ein verzerrtes Gesicht, das von einem grünlich-grauen Strudel eingefasst ist. Die Ängste der Eltern, die zwangsläufig in einem vorgeburtlichen Untersuchungszyklus entstehen, lassen alte Horrorvorstellungen aufleben, wie sie etwa Edgar Allan Poe beschrieben hat. Dennoch ist „Warum wir“ kein Horrorschinken, im Gegenteil, es ist ein Liebesroman, der, wie ich hoffe,
gerade in den traurigsten Momenten auch Raum für ein Lächeln lässt.

Immer wieder wird abgewogen ob das behinderte Mädchen nun abgetrieben wird oder nicht. Wir wollen hier nicht verraten wie sich das junge Paar entscheidet, aber wie kann einer Frau in der Realität bei der Antwortsuche geholfen werden?

Diese Frage zielt weit über meinen Romans hinaus. Meine Protagonistin Nina ist nicht mehr ganz so „jung“. Sie hat bereits zwei Kinder und hat im Beruf viel Erfolg. Der soziale, kulturelle und auch weltanschauliche Hintergrund eines Menschen wird auch seine Entscheidungen beeinflussen. Aber wir können nie voraussagen, wie wir uns in einer solchen Situation tatsächlich verhalten würden. Ich weiß es auch nicht. Jede Antwortsuche ist ein sehr individueller Prozess, und doch wäre es gut, das Thema aus der Tabuecke zu holen – damit ohne die üblichen Moralkeulen darüber gesprochen werden kann. Das würde betroffenen Eltern ganz bestimmt helfen.

Ihr Buch ist ein notwendiges, mit einem sehr schweren Thema. Begriffe wie Schuld, Sünde und auch der liebe Gott begegnen mir in Ihrem Buch. Auf welche Wirkung Ihres Buches beim Leser hoffen Sie?

Zunächst einmal möchte ich eine ästhetisch versierte, spannende, traurige und ja, auch „unterhaltsame“ Liebesgeschichte erzählen, die sich nicht in Klischees und Parolen verfängt, welche man etwa aus der sogenannten Abtreibungsdebatte kennt. Ich verbreite keine politischen Botschaften Tatsache ist: Eine breite Diskussion über die psychosozialen Folgen der Pränataldiagnostik findet nicht statt. Weder in der breiten Öffentlichkeit noch im privaten Kreis. Das Thema ist wie gesagt: ein Tabu. „Warum wir“ ist meines Wissens der erste Roman eines deutschen Autors, der sich diesem Thema stellt. Also würde ich mich freuen, wenn das Buch ein Gespräch in Gang setzen würde. Vielleicht ist das auch illusorisch. Aber selbst wenn das Gespräch nicht in breiter Öffentlichkeit stattfände, sondern im besagten privaten Kreis, wäre auch schon viel gewonnen. In unserer Gesellschaft geht es meistens um die Machbarkeit. Wir sollen funktionieren: als Arbeitnehmer, als Partner, als Eltern und als soziales Wesen. Gespräche über Schuld und Sühne, ja, auch über die Frage nach einem Gott, unterlaufen
diesen Machbarkeitsdiskurs, spielen daher im Alltag kaum eine Rolle. Meine Literatur verstehe ich daher auch als Angebot, über diese Grundfragen des Lebens noch einmal grundlegend nachzudenken.

Vielen Dank für das Gespräch!

Der Verlag Klöpfer & Meyer stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 23. Februar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Melvin J. Sandström: Der Eindringling

der Eindringling

Bei diesem Buch war es zunächst das äußere Erscheinungsbild, was mich mächtig anzog. Manchmal machen ja Bücher christlicher Verlage immer noch einen billigen Eindruck und erinnern mich an den Charme der 60er Jahre. Ganz anders dieses Buch mit den besonders geprägten Buchstaben auf dem Cover und dem soliden Leineneinband.

Vom Inhalt her erwarten mich dann sechs Geschichten, in denen Jesus höchst persönlich in unseren Alltag eindringt. Das kleine blinde Mädchen erkennt ihn sofort, auch der kranke alte Mann. Der Herr Theologieprofessor dagegen will Jesus zunächst nicht wahr haben, warum wird beim Lesen deutlich.

Der Autor, der unter einem Pseudonym veröffentlicht, verzaubert mit einer Sprache die wohlgefeilt ist. Mit ausgesuchten Worten, sehr schönen Sätzen, beschreibt er Situationen in die sich auch jeder Leser hineinversetzen kann. Und so verlagert sich der Zauber dieser Geschichten plötzlich auf mich, den Leser. Meine Lieblingsgeschichte ist die, in der der Theologieprofessor im Mittelpunkt steht. Die Wortgefechte, die er sich mit Jesus leistet, richten sich nicht nur an ihn. Ich kann die Worte Jesu auch auf mich wirken lassen, bin dann allerdings selbst dran mit meinen Antworten. Dies wird zur Herausforderung.

Die sechs Geschichten sollten nicht in einem Zug durchgelesen werden. In Tagesrationen zu sich genommen verbreiten sie ihre ganze Schönheit. Dieses Buch eignet sich sehr gut als Geschenk für Leute die so ihre Schwierigkeiten mit Gott und auch so manch einem seiner Vertreter auf Erden haben.

Der Autor brilliert mit wunderbaren Erzählungen und macht so meinen Glauben und meine Zweifel zum Thema!

Brunnen Basel, ISBN 978-3-7655-1820-1, Preis 12,99 Euro Euro

Hier nun mein erstes Interview mit einem Pseudonym. Herr Sandström hat mir folgende Fragen beantwortet:

Ich durfte schon sehr viele Autorengespräche führen. Hatten wir beide schon einmal das Vergnügen?

Nein, es ist das erste Mal, dass Sie mich interviewen. Wenn Sie an eine bestimmte Person gedacht haben, die ich sein könnte, dann bin ich diese Person nicht.

Soeben ist Ihr Buch „Der Eindringling“ erschienen. Mithilfe Ihrer Macht als Autor holen Sie Jesus mitten in unseren Alltag. Er trifft unter anderem auf einen katholischen Bischof. An einigen Stellen haben mich die Rechtfertigungen des Priesters, aber auch die heftigen Wortgefechte zwischen ihm und Jesus, bestens amüsiert. Klar wird aber auch, dass wir Menschen uns immer mehr von Jesus verabschieden, ihm nichts mehr zutrauen. Fehlt es uns an Glaube oder wo hapert es da?

Das Problem liegt nicht beim Glauben an sich. Wir leben in der westlichen Welt seit 200 Jahren mit den Folgen der Aufklärung. Sie hat uns gelehrt, allem mit Zweifel zu begegnen – auch der Religion. Weite Teile der universitären Theologie haben diesen Zweifel perfektioniert und Jesus als den Sohn Gottes zu einem Phantasieprodukt der Urkirche erklärt. Damit ist für viele die Grundlage des Glaubens weggebrochen. Es macht keinen Sinn, an einen Jesus zu glauben, der nicht über das Wasser gehen konnte oder nicht auferstanden ist. Nur wenn Jesus der war, den die Evangelien portraitieren, hat der Glaube einen Inhalt, auf den er sich gründen kann. Es handelt sich also nicht um ein Vertrauensproblem, sondern auf einer viel tieferen Ebene um ein Grundlagenproblem.

In sechs Geschichten lassen Sie Jesus in unseren Alltag eindringen. Was gibt Ihnen die Gewissheit, dass Sie nicht so einer wie der Herr Theologieprofessor sind, der Jesus nur für seine Karriere benutzt?

Offen gesagt: Diese Gewissheit besitze ich nicht. Im Buch gibt es eine Stelle, wo Hellner, der Theologieprofessor, sagt, dass man auf dem Weg des Glaubens bleiben kann, wenn man jeden Tag ehrlich zu sich selbst, zu den Mitmenschen und zu Gott ist. Das gilt auch für mich. Ich muss beständig mein eigenes Wollen vor Gott offenlegen. In meinem Theologiestudium ist mir bewusst geworden, dass für manche Theologen Jesus eine interessante Figur aus der Geschichte ist, mittels der man seine intellektuellen Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. Auf diese Weise wird Jesus zum Helfershelfer für meine Selbstverwirklichung. Im Buch gibt es ja auch die Figur Ted, der Wohlstandsevangelist, der Segen mit Erfolg verwechselt. Er führt dauernd den Namen Jesu im Mund, bastelt im Grunde genommen aber nur an seiner Karriere – und erlebt ein entsprechendes Ende. Man kann, wie diese beiden Figuren deutlich machen, unter verschiedensten theologischen Voraussetzungen Glaube mit Karrierestreben verwechseln. Meine theologische Kompetenz, die ich mir durch das Studium angeeignet habe, bringt mich Gott keinen Zentimeter näher, wenn ich Gott nicht zugleich schlicht vertrauen kann.

Täglich immer wieder neu Jesus entdecken und ihm folgen, heißt dies nicht unter sehr schwerem Druck zu stehen? Irgendwo im Buch schreiben Sie sinngemäß, „es heißt Befreiung“, warum aber empfinden wir Menschen es dann doch letztlich als so große Last und laufen oft in eine andere Richtung?

Weil wir Postmodernen trotz unserer tief sitzenden Zweifel an Gott im Grunde genommen religiös geblieben sind. Unsere Religiosität steht uns paradoxerweise im Weg. In uns steckt der Gedanke, dass wir Leistung erbringen müssen, um angenommen zu sein. Auch vor Gott. Das ist eine Last, die wir nicht tragen können. Gott sei Dank müssen wir das auch nicht! Das Evangelium ist seinem Wesen nach nicht Forderung. Es ist eine Einladung zum Vertrauen. Das ist echt befreiend. Aus diesem Vertrauen ergibt sich dann alles andere, auch der Wunsch, Gott gemäß zu leben. Aber das muss immer ein zweiter Akt sein, sonst bleiben wir in religiöser Leistungszwängerei gefangen, und das ist in der Tat eine Last.

Das Sie mir Ihren Namen nicht verraten wollen, hab ich ja nun kapiert, aber wie kam es ausgerechnet zu „Sandström“? Alleswisser Google hat mir Sandström als Komponist und als Sportler vorgestellt.

Nun, Autor Sandström klingt doch ganz gut, nicht wahr? Der Name war in der Schriftstellerei noch nicht besetzt, das war wichtig, damit es nicht zu Verwechslungen kommt. Es war auch ein Bauchentscheid. Ich mochte den Namen auf Anhieb, wohl auch, weil skandinavische Namen für mich einen sympathischen Klang haben.

Der Zweifel, so schreiben Sie in ihrem Buch, gehört zum Glaube. Ist es heute wirklich der Zweifel der uns von Jesus fernhält? In schlechten Tagen würde ich behaupten trennt uns die Institution Kirche selbst von Jesus. Vielleicht gehört gerade deshalb die Geschichte mit dem Bischof zu meiner Lieblingsgeschichte. Sollten wir die Institution abschaffen oder lieber eine neue Reformation starten?

Der Eindringling macht deutlich, dass aufrichtiger Zweifel keineswegs vom Glauben fernhält. Dafür stehen zwei Figuren: Hellner, der Professor, und Tatjana, die Prostituierte. Beide stellen sich unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen den harten Fragen über Gott und die Welt, und beiden öffnet sich so einen Weg zum Glauben. Wir können das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen, obschon das angesichts des Umstands, was Religion so alles angerichtet hat, ein verlockender Gedanke ist. Nicht mal die Reformation hat die Institution Kirche abschaffen können und auch nicht wollen. Das will ich auch nicht, obschon das Buch fundamentale Zeitkritik an verschiedenen Frömmigkeitsrichtungen übt und so den Blick dafür schärfen will, worum es Jesus eigentlich gegangen ist.

Lieber Unbekannter, es war mir eine Ehre, vielen Dank für Ihre Antworten!

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