Melvin J. Sandström: Der Eindringling

der Eindringling

Bei diesem Buch war es zunächst das äußere Erscheinungsbild, was mich mächtig anzog. Manchmal machen ja Bücher christlicher Verlage immer noch einen billigen Eindruck und erinnern mich an den Charme der 60er Jahre. Ganz anders dieses Buch mit den besonders geprägten Buchstaben auf dem Cover und dem soliden Leineneinband.

Vom Inhalt her erwarten mich dann sechs Geschichten, in denen Jesus höchst persönlich in unseren Alltag eindringt. Das kleine blinde Mädchen erkennt ihn sofort, auch der kranke alte Mann. Der Herr Theologieprofessor dagegen will Jesus zunächst nicht wahr haben, warum wird beim Lesen deutlich.

Der Autor, der unter einem Pseudonym veröffentlicht, verzaubert mit einer Sprache die wohlgefeilt ist. Mit ausgesuchten Worten, sehr schönen Sätzen, beschreibt er Situationen in die sich auch jeder Leser hineinversetzen kann. Und so verlagert sich der Zauber dieser Geschichten plötzlich auf mich, den Leser. Meine Lieblingsgeschichte ist die, in der der Theologieprofessor im Mittelpunkt steht. Die Wortgefechte, die er sich mit Jesus leistet, richten sich nicht nur an ihn. Ich kann die Worte Jesu auch auf mich wirken lassen, bin dann allerdings selbst dran mit meinen Antworten. Dies wird zur Herausforderung.

Die sechs Geschichten sollten nicht in einem Zug durchgelesen werden. In Tagesrationen zu sich genommen verbreiten sie ihre ganze Schönheit. Dieses Buch eignet sich sehr gut als Geschenk für Leute die so ihre Schwierigkeiten mit Gott und auch so manch einem seiner Vertreter auf Erden haben.

Der Autor brilliert mit wunderbaren Erzählungen und macht so meinen Glauben und meine Zweifel zum Thema!

Brunnen Basel, ISBN 978-3-7655-1820-1, Preis 12,99 Euro Euro

Hier nun mein erstes Interview mit einem Pseudonym. Herr Sandström hat mir folgende Fragen beantwortet:

Ich durfte schon sehr viele Autorengespräche führen. Hatten wir beide schon einmal das Vergnügen?

Nein, es ist das erste Mal, dass Sie mich interviewen. Wenn Sie an eine bestimmte Person gedacht haben, die ich sein könnte, dann bin ich diese Person nicht.

Soeben ist Ihr Buch „Der Eindringling“ erschienen. Mithilfe Ihrer Macht als Autor holen Sie Jesus mitten in unseren Alltag. Er trifft unter anderem auf einen katholischen Bischof. An einigen Stellen haben mich die Rechtfertigungen des Priesters, aber auch die heftigen Wortgefechte zwischen ihm und Jesus, bestens amüsiert. Klar wird aber auch, dass wir Menschen uns immer mehr von Jesus verabschieden, ihm nichts mehr zutrauen. Fehlt es uns an Glaube oder wo hapert es da?

Das Problem liegt nicht beim Glauben an sich. Wir leben in der westlichen Welt seit 200 Jahren mit den Folgen der Aufklärung. Sie hat uns gelehrt, allem mit Zweifel zu begegnen – auch der Religion. Weite Teile der universitären Theologie haben diesen Zweifel perfektioniert und Jesus als den Sohn Gottes zu einem Phantasieprodukt der Urkirche erklärt. Damit ist für viele die Grundlage des Glaubens weggebrochen. Es macht keinen Sinn, an einen Jesus zu glauben, der nicht über das Wasser gehen konnte oder nicht auferstanden ist. Nur wenn Jesus der war, den die Evangelien portraitieren, hat der Glaube einen Inhalt, auf den er sich gründen kann. Es handelt sich also nicht um ein Vertrauensproblem, sondern auf einer viel tieferen Ebene um ein Grundlagenproblem.

In sechs Geschichten lassen Sie Jesus in unseren Alltag eindringen. Was gibt Ihnen die Gewissheit, dass Sie nicht so einer wie der Herr Theologieprofessor sind, der Jesus nur für seine Karriere benutzt?

Offen gesagt: Diese Gewissheit besitze ich nicht. Im Buch gibt es eine Stelle, wo Hellner, der Theologieprofessor, sagt, dass man auf dem Weg des Glaubens bleiben kann, wenn man jeden Tag ehrlich zu sich selbst, zu den Mitmenschen und zu Gott ist. Das gilt auch für mich. Ich muss beständig mein eigenes Wollen vor Gott offenlegen. In meinem Theologiestudium ist mir bewusst geworden, dass für manche Theologen Jesus eine interessante Figur aus der Geschichte ist, mittels der man seine intellektuellen Fähigkeiten unter Beweis stellen kann. Auf diese Weise wird Jesus zum Helfershelfer für meine Selbstverwirklichung. Im Buch gibt es ja auch die Figur Ted, der Wohlstandsevangelist, der Segen mit Erfolg verwechselt. Er führt dauernd den Namen Jesu im Mund, bastelt im Grunde genommen aber nur an seiner Karriere – und erlebt ein entsprechendes Ende. Man kann, wie diese beiden Figuren deutlich machen, unter verschiedensten theologischen Voraussetzungen Glaube mit Karrierestreben verwechseln. Meine theologische Kompetenz, die ich mir durch das Studium angeeignet habe, bringt mich Gott keinen Zentimeter näher, wenn ich Gott nicht zugleich schlicht vertrauen kann.

Täglich immer wieder neu Jesus entdecken und ihm folgen, heißt dies nicht unter sehr schwerem Druck zu stehen? Irgendwo im Buch schreiben Sie sinngemäß, „es heißt Befreiung“, warum aber empfinden wir Menschen es dann doch letztlich als so große Last und laufen oft in eine andere Richtung?

Weil wir Postmodernen trotz unserer tief sitzenden Zweifel an Gott im Grunde genommen religiös geblieben sind. Unsere Religiosität steht uns paradoxerweise im Weg. In uns steckt der Gedanke, dass wir Leistung erbringen müssen, um angenommen zu sein. Auch vor Gott. Das ist eine Last, die wir nicht tragen können. Gott sei Dank müssen wir das auch nicht! Das Evangelium ist seinem Wesen nach nicht Forderung. Es ist eine Einladung zum Vertrauen. Das ist echt befreiend. Aus diesem Vertrauen ergibt sich dann alles andere, auch der Wunsch, Gott gemäß zu leben. Aber das muss immer ein zweiter Akt sein, sonst bleiben wir in religiöser Leistungszwängerei gefangen, und das ist in der Tat eine Last.

Das Sie mir Ihren Namen nicht verraten wollen, hab ich ja nun kapiert, aber wie kam es ausgerechnet zu „Sandström“? Alleswisser Google hat mir Sandström als Komponist und als Sportler vorgestellt.

Nun, Autor Sandström klingt doch ganz gut, nicht wahr? Der Name war in der Schriftstellerei noch nicht besetzt, das war wichtig, damit es nicht zu Verwechslungen kommt. Es war auch ein Bauchentscheid. Ich mochte den Namen auf Anhieb, wohl auch, weil skandinavische Namen für mich einen sympathischen Klang haben.

Der Zweifel, so schreiben Sie in ihrem Buch, gehört zum Glaube. Ist es heute wirklich der Zweifel der uns von Jesus fernhält? In schlechten Tagen würde ich behaupten trennt uns die Institution Kirche selbst von Jesus. Vielleicht gehört gerade deshalb die Geschichte mit dem Bischof zu meiner Lieblingsgeschichte. Sollten wir die Institution abschaffen oder lieber eine neue Reformation starten?

Der Eindringling macht deutlich, dass aufrichtiger Zweifel keineswegs vom Glauben fernhält. Dafür stehen zwei Figuren: Hellner, der Professor, und Tatjana, die Prostituierte. Beide stellen sich unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen den harten Fragen über Gott und die Welt, und beiden öffnet sich so einen Weg zum Glauben. Wir können das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen, obschon das angesichts des Umstands, was Religion so alles angerichtet hat, ein verlockender Gedanke ist. Nicht mal die Reformation hat die Institution Kirche abschaffen können und auch nicht wollen. Das will ich auch nicht, obschon das Buch fundamentale Zeitkritik an verschiedenen Frömmigkeitsrichtungen übt und so den Blick dafür schärfen will, worum es Jesus eigentlich gegangen ist.

Lieber Unbekannter, es war mir eine Ehre, vielen Dank für Ihre Antworten!

Brunnen Basel stellt uns drei Verlosungsexemplare zur Verfügung. Wer also seinen Kommentar unter diesem Beitrag bis zum 23. Februar postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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10 Kommentare

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10 Antworten zu “Melvin J. Sandström: Der Eindringling

  1. Esther

    Das Buch war mir schon in der Werbung aufgefallen – ich hüpfe auch in den Lostopf! 🙂

  2. Margrit

    Da möchte ich mich auch anschliessen: Bin interessiert!

  3. .waldy

    Wow klingt sehr gut! Das würde ich gerne lesen

  4. Hach ja, dann kommentiere ich mal. 🙂
    Frage: Ist und bleibt das ein geschlossenes Pseudonym?

  5. Dina

    klingt spannend!

  6. Maria

    In einem Zug würde ich die Geschichten nicht durchlesen, aber im Zug. Wenn wir mit der Bahn verreisen, finde ich Kurzgeschichten toll!

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