Matthias Sutter: Die Entdeckung der Geduld-Ausdauer schlägt Talent

die entdeckung der geduldmatthias Sutter

Foto: Univ.-Prof. Dr. Matthias Sutter

Geduld steht im Mittelpunkt dieses spannenden Sachbuches. Und wenn ich manchmal auch ängstlich vor Büchern von Universitätsprofessoren zurückschrecke, weil die mitunter so staub trocken sind, in diesem Falle wurde ich eines besseren belehrt.

Von der ersten Seite an, versteht es der Autor anhand von Versuchen, Beispielen, Studien und Alltagszenen zu begeistern. Er muss mich nicht erst von seinen Thesen überzeugen, so wie er sein Thema verkauft, ist es sofort glaubhaft und nachvollziehbar.

„Geduld zahlt sich aus.“ meint Matthias Sutter und zeigt interessante Zusammenhänge auf. Mit hoher Wahrscheinlichkeit, kann geduldigen Kindern eine gesicherte Zukunft zu gesagt werden. Das Maß an Geduld und Selbstkontrolle eines Kindes hängt untrennbar mit seinem späteren Lebensweg zusammen.

„weniger heute“ – „mehr morgen“

scheint die Devise zu sein. In vielen Bereichen klingt dies völlig logisch. Ein längerer Durchhaltewille bei der Ausbildung beispielsweise, garantiert eine bessere Bildung und somit einen sichereren Arbeitsplatz mit besseren Verdienstmöglichkeiten. Eine überlegtere Lebensweise, verschafft bessere Aussichten auf gute Gesundheit im Alter, geduldige Kinder handeln überlegter und sind nicht so anfällig was das Suchtverhalten betrifft. Wer wünscht sich nicht dies alles für sich und seine Kinder?

Es drängt sich die Frage auf: Wie werde ich geduldiger? In der schnelllebigen Zeit eine schwierige Frage. Matthias Sutter beantwortet sie in seinem Buch.

Eines der spannendsten Sachbücher dieses Frühjahrs!

ecowin, ISBN 978-3-7110-0054-5, Preis 22,95 Euro

Matthias Sutter hat bücherändernleben jetzt folgende Fragen beantwortet:

Lieber Matthias Sutter, in diesen Tagen erscheint ihr Buch „Die Entdeckung der Geduld – Ausdauer schlägt Talent“. Geduld erscheint uns heute oft altmodisch, Nachteile mit sich bringend, wann haben wir unsere Geduld verloren?

Generell leben wir sicher in einer sehr schnelllebigen Zeit, in der der schnelle Erfolg oft attraktiver erscheint, als langfristige Ziele zu verfolgen. Das bedeutet aber nicht, dass wir alle unsere Geduld verloren hätten. Mein Buch handelt davon, dass sich Menschen in ihrem Ausmaß an Geduld, ihrer Ausdauer beim Verfolgen langfristiger Ziele sehr stark unterscheiden und dass diese Unterschiede sich dann auch im Leben dieser Menschen widerspiegeln. Geduldigere Menschen haben mit höherer Wahrscheinlichkeit höhere Ausbildungsniveaus, ein höheres Einkommen und einen besseren Gesundheitszustand.

Sie selbst besitzen einen hohen Bildungsgrad, haben Erfolg und krank erscheinen Sie auch nicht gerade. Ihrem Buch nach müssten sie ein geduldiger Zeitgenosse sein. Stimmt das und wo haben sie ihre Geduld her?

Nicht alle Menschen in meinem Umfeld würden „geduldig“ als meine hervorstechendste Eigenschaft nennen, wenn sie nur eine Nennung abgeben dürften. Ganz viele würden aber vermutlich „ausdauernd“ oder „mit langem Atem bei der Verfolgung seiner Ziele“ wählen. Diese Eigenschaft kommt sicher zu einem guten Teil von meiner Erziehung, in der Beharrlichkeit beim Verfolgen längerfristiger Ziele einen Wert darstellte. Heute habe ich das Glück, dass ich aufgrund von unbefristeten Verträgen in meiner Arbeit mehrjährige Projekte mit der Gewissheit verfolgen kann, dass mir meine Universität während dieser Zeit stabile und gute Rahmenbedingungen garantiert.

Wenn ich mir das Leben unserer schnelllebigen Gegenwart anschaue, dann frage ich mich ängstlich, wie hole ich die Geduld in meinen Lebensalltag, ist das praktisch überhaupt möglich?

Das ist ganz sicher ein schwieriges Vorhaben. Im Alltag treffen wir aber oft Entscheidungen, in denen wir wählen zwischen einer Option, die sofort verfügbar ist, und einer anderen, die erst in der Zukunft eintritt. Nehmen wir das Beispiel Sparen. Wenn jemand jetzt sein verfügbares Einkommen vollständig für Konsum aufbraucht, bleibt nichts mehr zum Ansparen für größere Investitionen oder auch für die Altersvorsorge übrig. Hier wird also zwischen Konsum heute und verfügbarem Geld in der Zukunft entschieden. Die Rahmenbedingungen können einem dabei helfen, längerfristig orientierte Entscheidungen zu treffen. Beispielsweise können Arbeitnehmer häufig im Rahmen eines Dienstverhältnisses freiwillige Beiträge für die Altersvorsorge aus ihrem laufenden Einkommen leisten. Wenn sie das tun, reduzieren sie ihre gegenwärtigen Konsummöglichkeiten. Nun könnte man als Arbeitgeber den Arbeitnehmern einfach die Möglichkeit zu dieser privaten Vorsorge kundtun – und dann warten, ob sich jemand meldet. Alternativ könnte man aber auch die Arbeitnehmer informieren, dass ein kleiner Prozentsatz des Bruttolohns für die Altersvorsorge einbehalten wird, es sei denn, ein Arbeitnehmer lässt den Arbeitgeber wissen, dass er das nicht möchte. Es gibt Studien aus den USA über genau diese beiden Optionen. In der ersten Option optieren ungefähr 20-30% der Arbeitnehmer in den ersten drei Monaten eines neuen Dienstverhältnisses für einen Beitrag zur Altersvorsorge. In der zweiten Option melden sich 20-30%, dass sie das nicht wollen. Letzteres bedeutet aber, dass bei der zweiten Option ungefähr 70-80% einen Beitrag leisten. Die Rahmenbedingungen können uns also sehr stark helfen, zukunftsorientierte Entscheidungen zu treffen.

Ihr Buch ist voller Studien und doch ist es eines der spannendsten Sachbücher die ich gelesen habe. Sie erklären Geduld und Intelligenz zu gleichberechtigten Schwestern. Kann die eine ohne die andere nicht?

Nein, obwohl Geduld und Intelligenz miteinander zusammenhängen, gehen sie nicht automatisch Hand in Hand. Es gibt also sehr intelligente, aber ungeduldige Menschen genauso wie weniger intelligente, aber sehr geduldige. Interessant ist deshalb, dass bis zu einem gewissen Grad Ausdauer und Geduld geringere Intelligenz wettmachen können – und umgekehrt.

Nehmen wir mal an, ihr Buch wird so ein einschlagender Bestseller, dass sich alle Menschen plötzlich bemühen geduldig zu werden. Ist das für alle Menschen möglich und wie sähe dann unsere Welt aus?

Unsere Welt wäre weniger auf den schnellen Erfolg, den schnellen Profit, sondern mehr auf Nachhaltigkeit ausgerichtet, wenn das gelänge. Es wäre allerdings naiv zu erwarten, dass ein Wandel für alle Menschen hin zu mehr Geduld durch ein einfaches Buch gelingen könnte. Wenn das Buch aber den ein oder anderen Denkanstoß und das ein oder andere „Aha“-Erlebnis vermitteln kann, dann würde mich das schon sehr freuen.

Herzlichen Dank für das interessante Gespräch!

Matthias Sutter stellt uns ein signiertes Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wenn du deinen Kommentar bis 9. März unter diesen Beitrag postest, nimmst du automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Matthias Sutter: Die Entdeckung der Geduld-Ausdauer schlägt Talent

  1. Dina

    Das interessiert mich!

  2. Wer sagte doch gleich: Geduld tut uns not?

  3. Angi S.

    Das mit der Geduld ist bei mir sehr wechselnd: manchmal bin ich sehr geduldig und manchmal überhaupt nicht. Würde mich interessieren, ob solche Fälle im Buch auch angesprochen werden…

  4. Esther

    Wow, Geduld ist in meinen Leben Dauerthema … und daher hätte ich großes Interesse an dem Buch. Bin dabei! 🙂

  5. Angela

    Die These von Matthias Sutter bestätigt meine eigenen Erfahrungen und Beobachtungen. Intelligenz allein hilft nicht automatisch weiter im Leben.
    Kann mir zwar nicht vorstellen, dass mich die Lektüre eine Buches geduldiger macht, aber einen Versuch wäre es wert. Auch im Sinne meiner Kinder, denn wie soll man denen etwas vermitteln, das man selbst nicht hat?
    Im Übrigen finde ich es auch sympathisch, dass der Name des Autors auf dem Buchtitel so klein geschrieben ist. Wobei, das war ja vielleicht gar nicht seine eigene Entscheidung… 😉

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