Monatsarchiv: März 2014

Rachel Hauck: Es war einmal ein Prinz

es war einmal ein prinz

Brendow traut sich was!

Bücher dieser Art war ich bisher von Francke gewohnt, von Rachel Hauck hatte ich bei Gerth Medien schon Mal etwas gelesen. Jetzt springt also Brendow auch auf diesen Zug amerikanischer Autoren auf.

Susanna ist Amerikanerin und hat seit der Schulzeit dem einen jungen Mann Treue geschworen. Dann hat er sich mehrmals als Freiwilliger für den Afghanistankrieg gemeldet. Dann kam Adam nach Hause und erklärte Susanna nach 12 Jahren, dass er sie doch nicht heiraten wird.

Mitten in dieser seelischen Trümmerlandschaft stehend begegnet ihr Nat, von dem sie anfangs nicht weiß, dass er Prinz ist und demnächst zum König gekrönt werden soll.

Der Roman, der mindestens zu gleichen Teilen auch als Märchen bezeichnet werden kann, hat zu Beginn ein paar Schwachstellen, kommt dann aber in Fahrt und obwohl bei einem Märchen ja immer alles gut ausgeht, lohnt es sich der in weiten Teilen vorhersehbaren Handlung bis zum Ende zu folgen.

Liebe und Verantwortung sind die großen Themen dieses Buches. Ein paar biblische Bezüge bringt Rachel Hauck dezent mit in die Handlung ein und schon ist ihr damit ein wunderschöner Liebesroman gelungen!

Brendow, ISBN 978-3-865-06623-7, Preis 14,95 Euro

Der Brendow Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Titels zur Verfügung. Wer bis zum 7. April seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch!
Melissa – das Verlosungsexemplar geht an Dich.

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Peter Ballnik: Vaterseelenallein

vaterseelenallein

Als selbst vaterloser Gesell war ich auf dieses Buch äußerst gespannt. Der Autor unterstellt unserer Gesellschaft, dass es dem Problem der immer häufiger fehlenden Väter nicht konsequent nachgeht.

Glücklicherweise ergötzt sich der Psychotherapeut Peter Ballnik nicht in psychischen Phrasen. Er stellt Patienten dar, die zu ihm in die Sprechstunde kommen. Und da sind krasse Typen dabei. Mit dem einen habe ich mehr Mitleid als mit dem anderen, allen fehlte bislang die Vaterfigur. Das Manko dieser jungen Männer äußert sich sehr unterschiedlich, aber immer ist ein gutes Zusammenleben in einer Gemeinschaft gefährdet oder nicht mehr möglich.

Der Autor geht auf den Hass dieser Leute ein, zeigt dem Leser deutlich die vorhandenen emotionalen Defizite. Mit Sachverstand und den richtigen Worten erklärt mir Ballnik, warum neben der Mutter eben auch der Vater so wichtig für die gesunde Entwicklung eines Kindes so wichtig ist. Es gibt eben doch Aufgaben in der Erziehung, die eine Mutter nicht leisten kann.

Was eint Napoleon, Hitler, Stalin, Mao, Franco, Pinochet und Mussolini? Sie alle hatten nie einen Vater. Spekulativ fragt Peter Ballnik: „Was wäre gewesen, wenn diese Männer in stabilen Familien aufgewachsen wären?“

Gut, ein Terrorist oder Amokläufer bin ich Vaterloser nicht geworden, habe mich jedoch an einigen Stellen des Buches wiedergefunden, Ballnik kam mir sehr nahe.

Der Autor ist an einigen Stellen provokant, fragt nach, ob mit der Emanzipation der Frau nicht die Rolle des Vaters begann unterzugehen. Er schafft es, mich als Leser von der Wichtigkeit seines Themas zu überzeugen.

Peter Ballnik ist unmittelbar bis zu den Ursachen der gegenwärtigen Schieflage unserer Gesellschaft und der Gefahr ihres Auseinanderbrechens angelangt. Niemand kann sich diesem Thema entziehen!

adeo, ISBN 978-3-86334-002-5, Preis 17,99 Euro

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Rupert Neudeck: Radikal leben

radikal leben

„Radikal leben“ heißt Rupert Neudecks Buch und radikal hat er uns vorgelebt was er unter gerechterer Welt versteht. Die jetzt minenfreien Landstücke in Afrika und die vielen Vietnamesen die heute in Deutschland wohnen und ihm ihr Leben verdanken sind herrliche Beweise seines radikalen Schaffens.

Dieses Buch ist eine Anleitung für uns radikal zu leben. Rupert Neudeck erzählt von den Bürokraten die seinen Vorhaben Steine in den Weg gelegt haben, aber auch vom Menschen die ihm oft unbürokratisch und schnell geholfen haben.

„Werdet wie die Kinder“ zitiert er die Bibel und seine Enkeltochter. Beide sind noch so herrlich frei von allen Zwängen und Gesetzlichkeiten, die oft Menschlichkeit verhindern. Der Autor weiß ein Lied davon zu singen und manchmal schüttel ich beim Lesen nur den Kopf darüber, was unsere Bürokraten alles beanstanden.

Wer prägte diesen radikalen Neudeck? Er schreibt über seine wichtigsten Mentoren. Sein Blick auf die Jugend von heute fällt kritisch aus. Er sieht sie verstöpselt durch die Welt laufen und erinnert daran, dass man nicht immer und überall erreichbar sein muss. Bewusst einmal „nein“ zu sagen findet er wichtig und hält dabei sein uralt-Handy in der Hand.

Besonders zum Ende hin klingt dieses Buch als nähme Rupert Neudeck Abschied. Er gibt Hinweise auf den Umgang mit den zu uns kommenden Ausländern und er bedankt sich bei der deutschen Gesellschaft, die es ihm gestattet hat so radikal zu leben!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-07070-4, Preis 14,99 Euro

Rupert Neudeck hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Rupert Neudeck, soeben erschienen ist Ihr Buch „Radikal leben“. Was bedeutet für Sie im Alltag dieses Wort „Radikal“?

Radikal sein, heißt eine Sache an der Wurzel anpacken und von der Wurzel her lösen oder heilen. Ich habe mich immer für einen Radikalen gehalten und finde schade, dass das Wort in Deutschland immer gleich mit irgendetwas Schlimmem verbunden wird: Rechtsradikalismus, Terrorismus usw.

Sie schreiben in Ihrem Buch, heute wird viel zu wenig gebetet. Wann beten Sie und was geht von so einem Gebet Ihrer Erfahrung nach aus?

Ich wurde von einem befreundeten Imam gefragt in Afghanistan, wann wir Christen beten? Und dann ist mir aufgefallen, dass wir Christen das Gebet verlieren. Wir waren in einer verzweifelten Lage, als wird nach 2 Monaten immer noch nichts erfahren hatten von unseren drei Entführten. Da haben wir in Köln ein Gebet an zwei Orten hintereinander mit allen gemacht, die an Gott-Allah-Jahwe glauben: erst in der bosnischen Moschee, dann in der Franziskanerkirche. Das war eine so schöne Erfahrung, dass die eigentlich schon ausgereicht hätte. Am nächsten Morgen erfuhren wir, dass genau zu der Zeit des Gebetes zwei der drei sich zu Fuß selbst aus der Geiselhaft befreit haben und am nächsten Morgen an der Türkischen Grenze waren.

Schwierigkeiten mit Bürokraten beschreiben Sie, auch die lebenslängliche Suche nach dem jeweils Zuständigen spielt in Ihrem Buch eine Rolle. Glauben Sie wirklich an eine Vereinfachung unserer Bürokratie?

Nein, ich glaube aber an die freie Gesellschaft, die abseits und neben der Bürokratie ganz viel machen kann und dann, wenn sie es aus eigener Kraft geschafft hat, auch die Bürokratie als Mittäter gewinnen kann. Wir haben erst die 11340 Vietnamesen gerettet, und dann den Staat gewonnen, die bei uns aufzunehmen. Das hat funktioniert. Ich würde mich nie allein auf die Bürokratie verlassen, finde aber in jedem Amt und jeder Behörde immer einige, die nicht vom Büro-Geist versaut sind und mitmachen. Manchmal augenzwinkernd.

Menschen laufen heute mit verstöpselten Ohren durch die Gegend. Immer und überall wollen/müssen sie erreichbar sein. Sie mit Ihrem uralt-Handy sind da ein Veteran. Glauben Sie, dass sich dieser Kommunikationswahn wirklich zurückschrauben lässt? Wo wird er uns hinbringen?

Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Vielleicht entwickelt sich auch wieder alles anders. Bestimmt gibt es wieder unter den jungen Leuten eine 68er Bewegung. Vielleicht beginnt die nächste oder übernächste Generation, die ganzen Instrumente und smart phones wegzuwerfen, um wieder eine Wandervogelbewegung zu werden. Vielleicht machen die Kinder Schluss mit dem Spuk am Flughafen, den unwürdigen Kontrollen unserer Zahnpasta und Gepäckstücke, die Abtastereien und dann der Lautsprecher: „Sicherheitshinweis bitte…“ Das wird auch mal wieder abgeschafft werden.

Ihr Buch klingt so schrecklich nach Rückschau uns Abschied. Geht so eine Legende wie Rupert Neudeck wirklich in Rente?

Ich hatte immer zwei Berufe, bei dem alten Brotberuf als Journalist beim Deutschlandfunk bin ich schon seit 2000 in Rente, genauer im Vorruhestand. Ich hatte immer einen zweiten Beruf, den des Organisierens von humanitärer Arbeit. Das wird sich jetzt noch mal auf die Bundesrepublik Deutschland verlagern. Wir müssen Kirchenasyle und die Deutschkurse für Asylbewerber in allen deutschen Bundesländern organisieren, mit denen, die schon in Rente sind wie ich.

Vielen Dank für dieses Interview!

Das Gütersloher Verlagshaus hält ein Verlosungsexemplar für uns bereit. Wer seinen Kommentar unter diesem Beitrag bis zum 30. März postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch!
Esther hat das Buch gewonnen.

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Wolfgang Seehaber: Eva Bildt

Eva Bildtwolfgang seehaber

Foto: Wolfgang Seehaber

Der Name Eva Bildt hat mir zunächst nichts gesagt, der von Helmut Gollwitzer ein klein wenig. Aber ich kannte den Autor bereits von seiner hervorragenden Biografie über Maria von Wedemeyer, deshalb wollte ich auch dieses Buch lesen.

Wolfgang Seehaber lässt mir nicht viel Zeit. Schnell zieht er mich hinein in die Zeit der Verfolgung jüdischer Menschen in Deutschland und hier insbesondere in der Bekenntnisgemeinde in Berlin-Dahlem. Wie auch ihr Vater bereits will die junge Eva Schauspielerin werden. Aber sie ist Halbjüdin und somit wird es nichts mit einer großen Karriere der talentierten jungen Frau.

Der ehemalige „Spiegel“ Journalist Seehaber schreibt hier keine herkömmliche Biografie. Vielmehr wirft er in seinen 10 Kapiteln, einen immer wieder neuen Blick auf den Lebensalltag der Eva Bildt. Mal schaut er auf den bekannten Vater Paul Bildt, dann versucht er Evas geistliche Heimat zu erforschen und durch alle Kapitel zieht sich der Briefwechsel mit ihrem Verlobten Helmut Gollwitzer. Damit gelingt Seehaber ein faszinierendes wie auch trauriges Gesamtbild der Lebensumstände von Eva Bildt in den Jahren 1933-45.

Ein nicht besonders ausgeprägtes Selbstbewusstsein bescheinigt der Autor Eva Bildt. Aber dennoch besucht und hilft die selbst Gefährdete anderen Juden, die bereits im Untergrund leben. Wie sie aus ihrem Glauben Kraft schöpft ist bewundernswert und faszinierend mitzuerleben.

Dankbar bin ich dem Autor vor allem auch deshalb, weil er sich in seinem Buch nicht an Schwarz-Weiß-Denken orientiert. Er beschreibt die große Hilfe, die Juden und Halbjuden von Deutschen bekommen, selbst noch zu einer Zeit, in der es längst für alle gefährlich ist. Bei Seehaber gibt es nicht „die Deutschen“.

Und dennoch ist Wolfgang Seehabers Lebensbild über Eva Bildt ein trauriges Buch. Und Eva Bildt die den Nazis widerstand, konnte ihre gewonnene Freiheit doch nicht genießen. So konfrontiert mich der Autor mit einer tragischen Heldin, deren Bekanntschaft ich gerne gemacht habe!

Brunnen Basel, ISBN 978-3-765-51814-0, Preis 16,99 Euro

Wolfgang Seehaber hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Wolfgang Seehaber, soeben ist Ihr Buch über die Verlobte von Helmut Gollwitzer, Eva Bildt erschienen. Was hat Sie an dieser jungen Frau so fasziniert, dass Sie gleich eine Biografie über sie geschrieben haben?

Fasziniert an Eva Bildt hat mich vor allem ihr unbeirrbarer Glaube, der auch nicht in den dunkelsten Lebenszeiten wankte. Und dann war da noch ihre ungeheure Kraft, zu lieben, die mich zutiefst beeindruckt hat. Ein so immenses Liebesvermögen ist mir kaum jemals zuvor begegnet, vielleicht noch bei Maria von Wedemeyer.

Die vielleicht wichtigste Botschaft Ihres Buches ist für mich: ein Schwarz-Weiss-Denken passt keinesfalls in die Nazizeit. Sehr viel, wie vielleicht in keinem anderen Buch, welches in der Zeit des Dritten Reiches spielt, lese ich bei Ihnen von der Hilfe Deutscher ihrer jüdischen Mitbürger gegenüber. Warum kommt diese Seite oft so wenig beim Leser an?

Der Leser, der sich auf Literatur über das Dritte Reich und besonders die Judenverfolgung einlässt, ist von der Dimension dieses furchtbaren Verbrechens meiner Meinung nach so sehr abgestoßen, dass er kaum jemals dazu bereit sein kann, auf Nuancen zu achten. Er sieht das entsetzlich Große dieser Untaten und vergisst dabei die einzelnen Menschen, die es gewagt haben, wenn auch in viel zu kleiner Zahl, sich entschlossen auf die Seite der verfolgten Juden zu stellen. Zudem überstrahlen die „großen Helden“, wie die des 20.Juli 1944, oft die „kleinen Helden“, wie ich sie in meinem Buch etwa mit den mutigen Frauen der Bekenntnisgemeinde Dahlem vorgestellt habe.

Eva Bildt war laut Hitlers Definition Halbjüdin. Sie hat sich taufen lassen und wurde somit Christin. Sie schreiben selbst in Ihrem Buch, dass Eva nicht über ein großes ausgeprägtes Selbstbewusstsein verfügte, aber dennoch besuchte und half sie sehr oft Juden und Halbjuden. Woher nahm sie ihren Mut und ihre Kraft?

Ihren Mut und ihre Kraft schöpfte sie, wie in meiner ersten Antwort bereits angedeutet, immer wieder aus ihrem starken Glauben. Zudem fühlte sie sich von den engen Freundinnen, die sie in Dahlem besaß, beschützt und wurde von ihrem hilfsbereiten Vorbild dazu angeregt, ebenfalls Hilfe zu wagen. Und Mut schenkte ihr immer wieder auch die Liebe ihres Verlobten.

Sagen Sie bitte den neugierigen Lesern auf bücherändernleben, warum sie Ihr Buch unbedingt lesen sollten.

Wer erfahren möchte, was Glaube und Liebe in einer dunklen Zeit des Terrors vermögen, wer erfahren möchte, wie eine junge Frau sich im hasserfüllten Irrsinn einer Zeit zurechtfand, ohne nahezu bis zu ihrem Ende hin niemals zu stolpern und zu stürzen, wer erfahren möchte, wie das Leben in einer hasserfüllten und mörderischen Epoche zu triumphieren vermochte, wie Treue, Vertrauen, Zuversicht und auch Zärtlichkeit über Demütigungen, Bedrohungen und Verfolgungen die Oberhand behalten konnten, der sollte dieses Buch unbedingt lesen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Der Brunnen Verlag Basel hält drei Verlosungsexemplare dieses Buches für Interessierte bereit. Wer bis zum 28. März seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch!
Gewonnen haben Irene, Esther und Björn.

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Ingrid Kretz: Die Rose von Florenz

die rose von florenz

Vor ein paar Jahren hat mich Ingrid Kretz mit ihrem Roman „Der Geschmack des Wassers“ fasziniert. Jetzt beeindruckt sie mich mit „Die Rose von Florenz“.

Im Mittelpunkt der Story steht die 15-jährige Bianca Cappello. 1563 lässt sie sich mit einem angeblichen jungen Adligen ein, wird schwanger und flüchtet mit ihm von Venedig nach Florenz. Das böse Erwachen kommt sehr schnell. Der junge Adlige ist keiner und der Weg zurück nach Venedig bleibt ihr verschlossen.

Mit ihrem Mann und ihrer kleinen Tochter lebt Bianca im Hause der Schwiegereltern mehr schlecht als recht. Streitigkeiten bestimmen den Alltag und Bianca traut sich nicht aus dem Haus, weil sie die Spione aus Venedig fürchtet. Wie gut, dass sie in Mafalda wenigstens eine verlässliche Freundin gefunden hat. Mafalda glaubt an Gott und seine Liebe, Bianca dagegen sieht zuerst sich und dann den Rest der Welt.

Die Autorin entwirft in ihrem historischen Roman ein farbenprächtiges Bild des 16. Jahrhunderts in Italien. Es begegnen sich arme und reiche Bevölkerungsschichten und es wird schnell klar, wie die Menschen dazu verdammt sind in ihrem Kastenwesen zu verbleiben und dennoch gab es selbst historisch belegbare Fälle in denen der Sprung in eine andere Klasse gelingen konnte…

Spätestens als sich Francesco de Medici, der Sohn des Herzogs unsterblich in Bianca verliebt, kommt knisternde Spannung auf. Bianca wird nicht nur die Geliebte von Francesco, sie verstrickt sich zugleich auch immer mehr mit ihrem Handeln in moralischen Abgründen. Mafalda, die inzwischen zur Hofdame von Bianca aufgestiegen ist, wird nicht müde ihrer Herrin ins Gewissen zu reden.

Selbst den neuen Einflüssen des deutschen Martin Luther räumt Ingrid Kretz eine Rolle in ihrem Roman ein, im Mittelpunkt dieser spannenden Lektüre steht allerdings die Entwicklung der Bianca Cappello.

SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5437-6, Preis 15,95 Euro

Ingrid Kretz hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Ingrid Kretz, in diesen Tagen erscheint Ihr neuer Roman „Die Rose von Florenz“. Im Mittelpunkt steht Bianca Cappello. Wie haben Sie und diese Dame zueinander gefunden?

Bei Recherchen zu meinem Buch „Der Geschmack des Wassers“ bin ich über einen kurzen Beitrag über ihr Leben gestolpert. Ich war erstaunt, dass solch ein Lebenslauf im 16. Jahrhundert passierte und nicht erst in der heutigen Zeit. Bianca Cappello ging mir nicht mehr aus dem Kopf, zumal sie alles mitbrachte, was man für einen historischen Roman braucht. Besonders jedoch hat mich die Frage beschäftigt, wie sie sich zu dieser Person entwickeln konnte: Eine bezaubernde junge Frau, die irgendwann alles, buchstäblich alles ihrem Ziel unterordnete.

Was ist aus Ihrer Sicht so besonderes an Bianca, dass wir sie heute kennenlernen sollten?

Manchmal habe ich mich gefragt, was mich tatsächlich an ihr faszinierte. War es das, dass ich, wie Sie ebenfalls meinten, ein gewisses Bedauern verspürte, dass sie nur ihre Ziele im Auge hatte und dabei den wahren Sinn des Lebens vergaß?
Von dem, was man über Bianca Cappello weiß, ist ihr Charme, mit dem sie Menschen für sich gewann und in den höchsten Adel aufstieg, sicher einer der Gründe. Bestimmt hat sie auch die Gabe besessen, Leute für ihre Zwecke zu manipulieren. Glaubt man den Überlieferungen, muss sie zumindest als junge Frau wunderschön ausgesehen haben, eben dem Schönheitsideal der damaligen Zeit entsprochen, nein, sich eher noch herausgehoben hat.
Mein Wunsch ist, die LeserInnen zum Nachdenken anzuregen, ob man wirklich alles um jeden Preis erreichen sollte. Manch einer von uns, mich eingeschlossen, hat schon mal die Erfahrung gemacht, dass sich Dinge besser entwickelt oder gelöst haben, obwohl nicht der eigene Wunsch in Erfüllung gegangen ist. Das kann man leider nur im Rückblick erkennen, erfordert aber Geduld und Vertrauen auf Gott. Die wirkliche Fülle im Leben liegt in der Beziehung zu Gott. Mafalda, ihre gläubige Kammerdienerin und Freundin, traute sich, ihrer Herrin den Spiegel vorzuhalten.

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Foto: Ingrid Kretz

Einige wenige Figuren Ihres historischen Romans sind Ihrer Fantasie entsprungen, die Bianca allerdings hat wirklich gelebt. Wie sah die Recherche zu dieser Person aus? Drei Klicks bei Google und alle Informationen lagen auf Ihrem Schreibtisch oder wie lief das ab?

Suchmaschinen und Wikipedia habe ich natürlich auch genutzt, zudem Bücher über sie gelesen. Hilfreich und beeindruckend war ein über 200 Jahre altes Buch von einem gewissen Herrn Siebenkees, das mir einen tieferen Einblick als andere Quellen in das Geschehen im damaligen Florenz gab. Siebenkees berief sich auf Urkunden in Florentiner Archiven. In seinem Buch finden sich davon Auszüge in italienischer Sprache. Diese konnte ich lesen, da ich etwas Italienisch spreche.
Mit meinem Mann bin ich natürlich auch nach Florenz gereist, habe den Palazzo Cappello bewundert, bin an ehemaligen Konventen und unzähligen Kirchen vorübergegangen und habe manche von innen gesehen.
Vielfach holten sich damals Adlige ihre Kammerdienerinnen aus Konventen. Le Murate war ein bevorzugter davon, weil dort viele Töchter der Oberschicht, wenn sie nicht heirateten, samt ihren Dienerinnen untergebracht wurden. Einige wenige Klöster haben sogar die Gaben ihrer Nonnen gefördert und dabei bedeutende Künstlerinnen hervorgebracht.
Meine Eindrücke etwa im Palazzo Vecchio, insbesondere der Sala dei Cinquecento, dessen Anblick mich sprachlos machte, konnte ich ins Manuskript einfließen lassen. Zudem habe ich versucht, mir das Leben von damals vor meinem inneren Auge vorzustellen und zu beschreiben.

Meine positive Heldin in Ihrer Story ist Mafalda. Mit Bianca hatte ich stellenweise Mitleid, aber eigentlich hatte sie es ja faustdick hinter den Ohren, was halten Sie ganz persönlich von dieser Dame, die dann ja doch im Hochadel landete?

Mafalda macht das Beste aus ihrer Lebenssituation und erlebt durch ihren Glauben innere Zufriedenheit, etwas, das Bianca mit anderen Mitteln zu erreichen versucht. Ich sehe Bianca als eine Suchende, als eine Gefangene ihrer Sehnsüchte und Wünsche. Doch meine Heldin ist ihre Kammerdienerin, deren Leben noch eine positive Wendung erfuhr, als sie Bianca begegnete. Was wäre im Leben von Bianca geblieben, wenn man ihr „das Gepränge“ weggenommen hätte?

Ich bin mir fast sicher, dass in Ihrer Schublade ein neues Manuskript im Werden ist. Gibt es da bereits etwas über das wir sprechen sollten?

Zwei Ideen sind konkret da, doch ich möchte noch etwas mehr recherchieren und mir sicher sein, was dran ist. Es sieht jedoch so aus, dass es noch einen weiteren historischen Roman geben könnte.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Ingrid Kretz stellt unserem Blog ein signiertes Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 25. März unter diesem Beitrag postet nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Damaris Kofmehl: Die Mörderin

die Mörderin

SCM Hänssler, ISBN 978-3-775-15533-5, Preis 15,95 Euro

Mit Büchern von Damaris Kofmehl ist das immer so eine Sache. Oft sind es „wahre“ Geschichten, die sie in Buchform bringt und schon oft gab es über ihre Bücher nach Erscheinen Streit über deren Wahrheitsgehalt…

Ich erinnere mich noch sehr gut an die Querelen zu ihrem Buch „Der Neonazi“, bitte dort auch die Kommentare unter meiner Rezension beachten. Erst nachdem Protagonisten aus dem Buch selber protestiert hatten, reagierte damals der Verlag.

Diesmal scheint der Verlag mit diesem Hinweis im Buch vorbauen zu wollen: „Dieses Buch basiert auf einer wahren Geschichte. Sie wird aus Naomis Perspektive weitergegeben und muss nicht unbedingt die Ansichten der Autorin oder die Empfindungen von Dritten widerspiegeln. Einige Namen und Details wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes und anderen Gründen geändert.“

Was will mir der Verlag mit diesen schwammigen Sätzen sagen? Will er vorbauen, um etwaigen Zweifeln am Wahrheitsgehalt gleich im Vorfeld zu begegnen? Wenn selbst Details in einer wahren Geschichte geändert werden, kann man sie dann noch als „wahre“ Geschichte verkaufen? Meiner Meinung nach setzt der Verlag hier auf eine ganz fiese Werbemasche. Deklariert man etwas als wahr, wird es schneller verkauft, so reagieren wir Menschen halt.

Die Geschichte der Naomi spielt in Amerika. Als junge Christin wird sie zusammen mit einer Freundin Wanderpredigerin, kehrt nach ein paar Jahren zurück in ihre Heimatstadt und gründet als Pastorin eine Gemeinde. Sie adoptiert am Gesetz vorbei Kinder aus Mexiko. Sie kümmert sich um drogenabhängige Leute.

Wieder sind es die vielen, kleinen, unglaublichen Episoden, die Damaris Kofmehl erzählt, die ich einfach nicht glauben will. So wird beispielsweise auf Seite 33 darüber berichtet, wie Naomis Mutter bei der Geburt ihrer Tochter plötzlich ohne jegliche Vorkenntnisse zu besitzen, beginnt akzentfrei Hebräisch zu sprechen. Die nähere Schilderung allein dieser Szene im Buch, lässt mir dies noch suspekter Erscheinen.

Auf Seite 211 erfahre ich endlich wie es zum Mord kommt. Die Luft beim Lesen ist raus für mich. Es ist eben Buch Nummer 33 von Damaris Kofmehl, natürlich wird es wieder als „wahre“ Geschichte beworben. Autorin & Verlag werden einmal mehr gut aneinander verdienen.

Bin gespannt auf weitere Wortmeldungen!

Ich meine dies ernst und ehrlich. Wer outet sich hier als Fan von Damaris Kofmehl? Wer findet ihre Bücher mit den wahren Geschichten gut? Über eine kurze Erklärung, warum euch diese Bücher gefallen würde ich mich sehr freuen!

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bücherändernleben gratuliert Lotte Bormuth

Vor acht Jahrzehnten wurde Lotte Bormuth in Bessarabien geboren. Das Land der deutschen Glaubensflüchtlinge lag in der heutigen Ukraine und existiert längst nicht mehr. Lotte Bormuth teilt mit vielen anderen ihrer Generation die Erfahrung einen nicht gewollten Krieg miterleben zu müssen, Hab und Gut zu verlieren und immer wieder neu zu beginnen.

Erst sehr spät entdeckt Lotte Bormuth die Lust am Schreiben. 1981 veröffentlichte die inzwischen bekannteste christliche Autorin im deutschsprachigen Raum ihr erstes Buch. Längst habe ich aufgehört ihre Bücher zu zählen. Ihr Stammverlag, der Verlag der Franckebuchhandlung in Marburg, geht von fast 100 Büchern aus.

Neben Lebensbildern sind es vor allem selbst erlebte oder von Mitmenschen erzählte Geschichten die bei Lotte Bormuth im Mittelpunkt stehen. Glaubensalltag ist bei ihr keine Worthülse. Ihre Geschichten spiegeln alle Facetten des Glaubensalltags wieder. Zeitlose Literatur würde ich ihre Bücher nennen.

Lotte Bormuth

Foto: Lotte Bormuth

bücherändernleben gratuliert der Autorin Lotte Bormuth ganz herzlich zum 80. Geburtstag!

Vor einiger Zeit habe ich Lotte Bormuth in Marburg in ihrem Haus besucht und habe folgendes Gespräch mit ihr geführt:

Liebe Frau Bormuth, wie haben Sie ihre Liebe zu Büchern entdeckt?

Geboren wurde ich 1934 in Bessarabien direkt am Schwarzen Meer. Mein Vater, von Beruf Professor für Agrarwissenschaften, war ein großer Erzähler. So wuchs ich mit wunderbaren, spannenden Geschichten auf, die er meist selbst erlebt hatte. Wir krabbelten als kleine Kinder oft morgens in sein Bett und lauschten seinen Worten. So erlebte ich eine glückliche Kindheit. 1940 wurde meine Familie wie die meisten der deutschen Bewohner aus diesem herrlichen, fruchtbaren Land nach Deutschland umgesiedelt. Im Warthegau fanden wir später eine neue Bleibe. Im Januar 1945 bedrohte uns die russische Front, und wir mussten mit zwei offenen Pferdewagen westwärts fliehen. Als Flüchtlinge landeten wir in Bebra/Hessen.

Dort waren wir zunächst widrigen, ärmlichen Verhältnissen ausgesetzt. Aber der Lebensmut war uns nicht genommen. Es waren Bücher, die uns Kinder aus dem häßlichen, grauen Alltagstrott herausrissen. Jede Woche lieh sich mein Vater vom Pfarrer einige Bücher aus.

An den Abenden saßen wir als Familie beisammen und lasen in verteilten Rollen von Dramen von Schiller und Goethe. »Kabale und Liebe« und »Johanna von Orleans« haben mich tief damals tief beeindruckt. Da mein Vater eine große Vorliebe für die russische Literatur empfand, hat er uns auch in die Welt der großen Dichter Tolstoi und Dostojewski eingeführt. Die Romane »Schuld und Sühne« und »Die Brüder Karamasow« haben mich als jungen Menschen sehr angesprochen. Später habe ich mich intensiv mit dem Leben von Dostojewski beschäftigt und ein Buch über den berühmten und einzigartigen russischen Dichter verfasst. So wurde Lesen meine Welt und hat mich unsere elende Flüchtlingszeit vergessen lassen.

Wann haben Sie Ihr erstes Buch geschrieben?

An Schreiben von Büchern habe ich nie gedacht. Als Mutter von fünf lebhaften Kindern, die wie Orgelpfeifen geboren wurden, fand ich keine Zeit zum Schreiben. Ich war abends froh, wenn ich den Tag heil überlebt habe.

Aber dann ereilte unsere Familie ein schwerer Schicksalsschlag. Bei einem Zugunglück in der Nähe von Kassel wurde meine Schwester schwer verletzt. Als Einzige hat sie im letzten Wagen diese Katastrophe überlebt. Vor allen Dingen waren die Beine total abgequetscht. Über drei Jahre lag sie in der Klinik und wurde 36-mal operiert. Fast nichts war an ihr heil geblieben. Meine Schwester sitzt nun schon seit fast 40 Jahren im Rollstuhl. Wochenlang wachte ich an ihrem Bett und habe ihr Schreien beim Verbandswechsel ertragen müssen. Damals geriet ich selbst in eine Krise und war verzweifelt. Ich habe geweint, ja zu Gott geschrien und gebetet und schließlich zum Stift gegriffen, um mir meine Not von der Seele zu schreiben.

1981 erschien dann mein erstes Buch mit dem Titel »Ich staune über Gottes Führung«. Es wurde mit 15 Auflagen ein Bestseller.Darin habe ich mein anfechtungsreiches Leben mit Umsiedlung, Flucht, Hunger und Not dargestellt. Auf unserem Weg nach Hessen fuhr auch der Tod mit. Meine Mutter war hochschwanger auf die Flucht gegangen, hat einem Töchterchen zum Leben verholfen, musste es aber wieder hergeben, denn es fehlte uns die nötige Versorgung für dieses Baby. Wir betteten unser verhungertes Geschwisterchen in die fremde Erde.

Es gab aber auch Lichtblicke in dieser Zeit. Meine verunglückte Schwester hat nach ihrem langen Klinikaufenthalt an einer Fernuniversität Wirtschaftswissenschaft studiert und dann in einer Bank gearbeitet. Aber durch das Zugunglück hat sich auch mein Leben verändert. Die Freude am Schreiben nahm mich gefangen. Bei Spaziergängen, während der Gartenarbeit oder in schlaflosen Nächten bewegten mich Lebensgeschichten. Die Nähe zu Menschen war mir in die Wiege gelegt worden. Das Zuhören habe ich vor allen Dingen über 25 Jahre um depressive und selbstmordgefährdete Menschen gekümmert habe. Hören, Helfen und Beten sind wunderbare Gaben, die Gott mir anvertraut hat. So möchte ich Traurigen, Verzweifelten und Kranken Mut machen und sie trösten.

Ich möchte gerne Alt und Jung, Männer und Frauen ins Boot Christi hinein holen, denn nur bei ihm finden sie wahre Sinnerfüllung. Mir selbst hat Gott dieses Wunder geschenkt, dass ich bei ihm in der schrecklichsten Zeit meines Lebens Heimat und Geborgenheit gefunden habe. So ist die Freude an Gott und zu seinem heiligen Wort zur Triebkraft meines Daseins geworden. Wenn ich anderen auch diese Gabe des Glücks in meinen Büchern vermitteln kann, dann geht es mir, wie Martin Luther gesagt hat: »Wer einen einzigen Menschen glücklich gemacht hat, der hat mehr als ein Königreich gewonnen.«

Unter die letzte Geschichte in Ihren Büchern schreiben Sie häufig Ihre vollständige Adresse und Telefonnummer. Warum tun Sie das?

Ich freue mich, wenn Notleidende mich anrufen und ich mit ihren Konflikten zu Gott gehen kann. Das Gebet ist meine stärkste Macht. Oft frage ich meine Anrufenden, ob ich noch ein kurzes Gebet mit ihnen sprechen kann. Das ist mir noch nie verwehrt worden. Ich lebe von der wunderbaren Führung, die Gott Menschen vermittelt. Das Leid mit ihnen zu tragen, verbindet mich mit ihnen, und manchmal brauche ich mich auch nicht meiner Tränen zu schämen. Davon leben meine Bücher, dass Anrufer mir sogar ihre Lebensgeschichten erzählen. Natürlich werden sie anonym weiter gegeben.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

das große lotte

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27433-2, Preis 10,00 Euro

Dieser Sammelband mit den schönsten Geschichten von Lotte Bormuth hat ihr Verlag nun veröffentlicht. Die 35 Geschichten sind von ihren Themen her so facettenreich wie unser Leben. Nach einem Interview, welches die Autorin dem ERF gegeben hat, steht ihr Telefon nicht mehr still. Selbst nach Mitternacht rufen die Menschen noch bei ihr an und erzählen ihr ihre Lebensgeschichten oder bitten um ein gemeinsames Gebet am Telefon. Lotte Bormuth hat alles schon erlebt und teilt es in ihren Büchern gern mit. So wird sie zu einer Verkünderin der Liebe Gottes zu uns Menschen!

Der Verlag der Franckebuchhandlung stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Sammelbandes zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 20. März unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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