Martin Dreyer: God Around The Clock

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Foto: Martin Dreyer

Martin Dreyer hat wieder einmal zugeschlagen. Nein, keine Angst, lediglich mit Worten, aber dennoch kräftig, denn der Wahlberliner polarisiert.

Diesmal hat er für jede Stunde des Tages einen Text geschrieben. Dreyer mischt sich mit den jeweils etwa sechs Textseiten, einer passenden Bibelstelle und einem kurzen Gebet, in jede Stunde des Tages in meinen Alltag ein. Die Themen sind nicht unbedingt neu, aber wer den Autor kennt, der ahnt bereits, Martin Dreyer nimmt kein Blatt vor den Mund.

Tabuthemen kennt der Autor nicht. Wenn es beispielsweise bei ihm um Sünde geht, dann stellt der Autor klar: „Kadavergehorsam“ erwartet Gott nicht von uns Menschen, auch nicht ein blindes Parieren vor Regeln, aber Gott hat uns Menschen als verantwortliche Menschen geschaffen und so sollten wir uns auch täglich aufführen. Tun wir dies nicht, sollten wir uns Gedanken machen über unsere Gottesbeziehung.

Spätestens als ich das Kapitel über Sex lese, ist mir klar, warum dieses Buch nicht in einem traditionell-christlichen Verlag erschienen ist. Der Autor nimmt kein Blatt vor den Mund und tritt nicht explizit für „Kein Sex vor der Ehe“ ein. Stattdessen schreibt Martin Dreyer über die schönen Seiten von Sex und erinnert seine Leser daran, dass Jesus dieses Thema nie zu seinen Hauptthemen gemacht hat.

Das große Thema von Jesus war die Liebe. Da Gott uns als denkende Wesen erschaffen hat, setzt er in uns die Hoffnung, dass wir mit allen Themen verantwortungsvoll umgehen. Dies ist die Intention die Martin Dreyer propagiert.

Die 24-Stunden-Bibel ist ein neuer Versuch Gott im Alltag zum Thema zu machen. Martin Dreyer polarisiert, aber er setzt vehement auf die Kraft der Vernunft und die Liebe unseres Herrn zu uns. Damit ist er vielleicht dichter bei Gott als so manch ein gottesfürchtiger, gesetzestreuer Christ!

Pattloch, 978-3-629-13051-8, Preis 14,99 Euro

Martin Dreyer hat bücherändernleben jetzt folgende Fragen beantwortet:

Hallo Martin Dreyer, in diesen Tagen erscheint deine 24-Stunden-Bibel, warum braucht die Welt dieses Buch?

Immer weniger Menschen schaffen es im Alltag ein Buch ganz durch zu lesen. Es fehlt die Zeit und die Muße. Onlineangebote, Smartphones und das gute alte Fernsehen sind oft attraktiver, besonders nach einem stressigen Tag. Die 24 Stunden-Bibel ist so konzipiert, dass man immer zwischen durch ein Kapitel lesen kann. Die Lesedauer liegt durchschnittlich bei 7 bis 10 Minuten. Dabei hab ich mir überlegt, dass man für jede Stunde des Tags ein passendes Thema anbieten kann. So geht es morgens, beim Blick in den Spiegel, um das ständige Vergleichen, um Selbstliebe und Selbstannahmen. Zur Mittagszeit schreibe ich grob gesagt über den Wert des Essens, um Schmecken und Genießen. Zur Nachrichtenzeit geht es um die Frage „Woher kommen eigentlich die Problem in der Welt?“ Und um 23:00 behandle ich das Thema Einsamkeit und die verzweifelte Suche nach einem Partner fürs Leben. Das ist neu. Es gibt kein Buch auf dem Markt, was so ein Konzept fährt. Ich stelle mir vor, dass die 24-Stundenbibel bei den Leuten auf dem Küchentisch liegt. Oder im Rucksack für unterwegs. Oder auf dem Klo. Und dann kann man zur jeweiligen Uhrzeit das Kapitel aufschlagen und lesen. Der Gedanke gefällt mir!

Ich habe ins Buch hineingeschaut und wurde nicht enttäuscht, ich erkenne sofort die unkonventionelle Art des Martin Dreyer. Was glaubst du, warum haben viele altgediente Christen gerade damit ein Problem?

Kritiker behaupten ja, dass mir nichts „heilig“ wäre. Mit der Volxbibel hätte ich die „heilige“ Sprache der Bibel in den Dreck gezogen. Mit den Jesusfreaks die „heilige“ Form des Gottesdienstes beschmutzt. Aber wenn ich mir den Jesus von Nazareth anschaue, dann kann ich diese Form der „Heiligkeit“ nicht bei ihm finden. Er predigte in aramäisch und nicht in Hebräisch. Er saß mit Huren und Sündern zusammen, trank mit Ihnen Wein und verbrachte im Gegensatz dazu nur wenig Zeit im Tempel. Und selbst an diesem heiligen Ort, schrie er rum und zerstörte die Verkaufsstände der Händler. Ich weiß dass Gott heilig ist und ich bete diesen heiligen Gott an. Es ist mein Ziel heilig zu leben, so wie er es will. Aber dazwischen gibt es eine Menge Platz für unkonventionelles Leben mit ihm. Jesus hat sich ja auch nicht immer an die Konventionen der Juden gehalten. Er sah auf den Sinn dahinter, nicht auf die Konvention. Und wenn der Sinn verloren gegangen ist, dann braucht die Konvention kein Mensch mehr.

Tabuthemen gibt es bei Dir nicht. Es geht um Sex und Sünde, du lädst deine Leser ein gemeinsam über diese Themen nachzudenken. Um Regeln geht es nicht vordergründig, du sagst, schon bei Jesus ging es nicht um Regeln. Um was geht es heute vorrangig wenn es um den Glauben an Gott geht?

Eigentlich hatte ich vor so eine Art neuen Katechismus zu schreiben. Ein Buch, was Glauben und Werte zuerst neu begründet und dann praktisch auslegt. Mir war es wichtig Stellung zu Themen wie „Sex vor der Ehe“ und auch „Homosexualität“ zu beziehen. Es gibt soviel Müll-Theologie in der kirchlichen Szene, die auf unhaltbaren Theorien oder einer blinden Exegese beruht. Vielleicht mach ich das noch einmal später. Aber das erklärt vielleicht, dass einiges in der 24 Stundenbibel so Grundlegend erscheint.
Für mich geht Glaube dort los, wo jemand feststellt: „Da gibt es noch mehr als Wissenschaft! Es gibt diesen Gott. Ich will ihn kennen lernen, ich will mit ihm leben!“ Das Gott tatsächlich existiert hat in meinem Leben für eine gigantisch Explosion gesorgt. Plötzlich war da eine neue Dimension, die ich vorher nicht in der Form kannte. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich auf diesen Gott eingelassen, ein neuer Weg begann. Ich habe ihn in Jesus Christus gefunden. Und darum geht es im Glauben. Einen neuen Weg gehen, einen Weg mit diesem Jesus. Es hat ein neues Ziel: Heilung, Heiligung, Freude, Sinn, Paradies. Damit beginnt ein großes Abendteuer: Gott kennen lernen und mit ihm durchs Leben gehen. Es muss nicht alles gut laufen, es kann auch Krankheit, Schmerz und Einsamkeit geben. Aber man geht immer mit Jesus und damit ist ein neuer Grund geschaffen, auf dem man stehen kann. Also kurz gesagt: Heute geht es vorrangig im Glauben an Gott um eine Beziehung, die jeder mit diesem Jesus Leben kann. Aber unter uns: Das ist ja nichts neues. Da drum ging es doch schon immer.

Welche Erwartungen hast du an dieses Buch? Was kann es, was soll es mit dem Leser anstellen?

Das Buch soll Menschen ermutigen. In unterschiedlichsten Situationen. Es soll jeden dort abholen, wo er im Alltag gerade steht. Und dann mit dem Text die Hirnspalte ein Stück aufsprengen, zum Nachdenken anregen. Ich war nie ein guter Bußprediger. Auch tierschürfende, theologische Erkenntnisse kann man von mir nicht erwarten. Aber ermutigen, dass kann ich.

Herzlichen Dank für diese Einblicke!

Martin Dreyer schickt einem Gewinner eine signierte 24-Stunden-Bibel. Mit eurem Kommentar, bis 10.3., nehmt ihr automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Martin Dreyer: God Around The Clock

  1. Theresa

    Das ist mal was Neues, das ich gern ausprobieren würde!

  2. Simon

    schönes Interview mit Martin. Bin gespannt auf seine Texte und wünsche der Losfee ein glückliches Händchen… 🙂

  3. Ja, ermutigen das kann er wirklich gut 🙂

  4. Maria Lahnstein

    Ist Pattloch kein traditionell christlicher Verlag ? Katholisch, soweit ich weiß….
    Das Buch hört sich interessant an.

  5. Esther

    Klingt faszinierend – ich bin auch dabei! 🙂

  6. Angela

    Ich gestehe dass ich bei diesem Buch / Autor etwas skeptisch bin.
    „Prüfet alles, und das Gute behaltet“ würde ich diesmal ausnahmsweise nicht anwenden. Falls das Buch meiner Prüfung stand hält, würde ich es gern jemand Bestimmtem schenken, der so seine Probleme mit (allzu) „Christlichem“ hat. Vielleicht wäre es für ihn genau das Richtige?

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