bücherändernleben gratuliert Lotte Bormuth

Vor acht Jahrzehnten wurde Lotte Bormuth in Bessarabien geboren. Das Land der deutschen Glaubensflüchtlinge lag in der heutigen Ukraine und existiert längst nicht mehr. Lotte Bormuth teilt mit vielen anderen ihrer Generation die Erfahrung einen nicht gewollten Krieg miterleben zu müssen, Hab und Gut zu verlieren und immer wieder neu zu beginnen.

Erst sehr spät entdeckt Lotte Bormuth die Lust am Schreiben. 1981 veröffentlichte die inzwischen bekannteste christliche Autorin im deutschsprachigen Raum ihr erstes Buch. Längst habe ich aufgehört ihre Bücher zu zählen. Ihr Stammverlag, der Verlag der Franckebuchhandlung in Marburg, geht von fast 100 Büchern aus.

Neben Lebensbildern sind es vor allem selbst erlebte oder von Mitmenschen erzählte Geschichten die bei Lotte Bormuth im Mittelpunkt stehen. Glaubensalltag ist bei ihr keine Worthülse. Ihre Geschichten spiegeln alle Facetten des Glaubensalltags wieder. Zeitlose Literatur würde ich ihre Bücher nennen.

Lotte Bormuth

Foto: Lotte Bormuth

bücherändernleben gratuliert der Autorin Lotte Bormuth ganz herzlich zum 80. Geburtstag!

Vor einiger Zeit habe ich Lotte Bormuth in Marburg in ihrem Haus besucht und habe folgendes Gespräch mit ihr geführt:

Liebe Frau Bormuth, wie haben Sie ihre Liebe zu Büchern entdeckt?

Geboren wurde ich 1934 in Bessarabien direkt am Schwarzen Meer. Mein Vater, von Beruf Professor für Agrarwissenschaften, war ein großer Erzähler. So wuchs ich mit wunderbaren, spannenden Geschichten auf, die er meist selbst erlebt hatte. Wir krabbelten als kleine Kinder oft morgens in sein Bett und lauschten seinen Worten. So erlebte ich eine glückliche Kindheit. 1940 wurde meine Familie wie die meisten der deutschen Bewohner aus diesem herrlichen, fruchtbaren Land nach Deutschland umgesiedelt. Im Warthegau fanden wir später eine neue Bleibe. Im Januar 1945 bedrohte uns die russische Front, und wir mussten mit zwei offenen Pferdewagen westwärts fliehen. Als Flüchtlinge landeten wir in Bebra/Hessen.

Dort waren wir zunächst widrigen, ärmlichen Verhältnissen ausgesetzt. Aber der Lebensmut war uns nicht genommen. Es waren Bücher, die uns Kinder aus dem häßlichen, grauen Alltagstrott herausrissen. Jede Woche lieh sich mein Vater vom Pfarrer einige Bücher aus.

An den Abenden saßen wir als Familie beisammen und lasen in verteilten Rollen von Dramen von Schiller und Goethe. »Kabale und Liebe« und »Johanna von Orleans« haben mich tief damals tief beeindruckt. Da mein Vater eine große Vorliebe für die russische Literatur empfand, hat er uns auch in die Welt der großen Dichter Tolstoi und Dostojewski eingeführt. Die Romane »Schuld und Sühne« und »Die Brüder Karamasow« haben mich als jungen Menschen sehr angesprochen. Später habe ich mich intensiv mit dem Leben von Dostojewski beschäftigt und ein Buch über den berühmten und einzigartigen russischen Dichter verfasst. So wurde Lesen meine Welt und hat mich unsere elende Flüchtlingszeit vergessen lassen.

Wann haben Sie Ihr erstes Buch geschrieben?

An Schreiben von Büchern habe ich nie gedacht. Als Mutter von fünf lebhaften Kindern, die wie Orgelpfeifen geboren wurden, fand ich keine Zeit zum Schreiben. Ich war abends froh, wenn ich den Tag heil überlebt habe.

Aber dann ereilte unsere Familie ein schwerer Schicksalsschlag. Bei einem Zugunglück in der Nähe von Kassel wurde meine Schwester schwer verletzt. Als Einzige hat sie im letzten Wagen diese Katastrophe überlebt. Vor allen Dingen waren die Beine total abgequetscht. Über drei Jahre lag sie in der Klinik und wurde 36-mal operiert. Fast nichts war an ihr heil geblieben. Meine Schwester sitzt nun schon seit fast 40 Jahren im Rollstuhl. Wochenlang wachte ich an ihrem Bett und habe ihr Schreien beim Verbandswechsel ertragen müssen. Damals geriet ich selbst in eine Krise und war verzweifelt. Ich habe geweint, ja zu Gott geschrien und gebetet und schließlich zum Stift gegriffen, um mir meine Not von der Seele zu schreiben.

1981 erschien dann mein erstes Buch mit dem Titel »Ich staune über Gottes Führung«. Es wurde mit 15 Auflagen ein Bestseller.Darin habe ich mein anfechtungsreiches Leben mit Umsiedlung, Flucht, Hunger und Not dargestellt. Auf unserem Weg nach Hessen fuhr auch der Tod mit. Meine Mutter war hochschwanger auf die Flucht gegangen, hat einem Töchterchen zum Leben verholfen, musste es aber wieder hergeben, denn es fehlte uns die nötige Versorgung für dieses Baby. Wir betteten unser verhungertes Geschwisterchen in die fremde Erde.

Es gab aber auch Lichtblicke in dieser Zeit. Meine verunglückte Schwester hat nach ihrem langen Klinikaufenthalt an einer Fernuniversität Wirtschaftswissenschaft studiert und dann in einer Bank gearbeitet. Aber durch das Zugunglück hat sich auch mein Leben verändert. Die Freude am Schreiben nahm mich gefangen. Bei Spaziergängen, während der Gartenarbeit oder in schlaflosen Nächten bewegten mich Lebensgeschichten. Die Nähe zu Menschen war mir in die Wiege gelegt worden. Das Zuhören habe ich vor allen Dingen über 25 Jahre um depressive und selbstmordgefährdete Menschen gekümmert habe. Hören, Helfen und Beten sind wunderbare Gaben, die Gott mir anvertraut hat. So möchte ich Traurigen, Verzweifelten und Kranken Mut machen und sie trösten.

Ich möchte gerne Alt und Jung, Männer und Frauen ins Boot Christi hinein holen, denn nur bei ihm finden sie wahre Sinnerfüllung. Mir selbst hat Gott dieses Wunder geschenkt, dass ich bei ihm in der schrecklichsten Zeit meines Lebens Heimat und Geborgenheit gefunden habe. So ist die Freude an Gott und zu seinem heiligen Wort zur Triebkraft meines Daseins geworden. Wenn ich anderen auch diese Gabe des Glücks in meinen Büchern vermitteln kann, dann geht es mir, wie Martin Luther gesagt hat: »Wer einen einzigen Menschen glücklich gemacht hat, der hat mehr als ein Königreich gewonnen.«

Unter die letzte Geschichte in Ihren Büchern schreiben Sie häufig Ihre vollständige Adresse und Telefonnummer. Warum tun Sie das?

Ich freue mich, wenn Notleidende mich anrufen und ich mit ihren Konflikten zu Gott gehen kann. Das Gebet ist meine stärkste Macht. Oft frage ich meine Anrufenden, ob ich noch ein kurzes Gebet mit ihnen sprechen kann. Das ist mir noch nie verwehrt worden. Ich lebe von der wunderbaren Führung, die Gott Menschen vermittelt. Das Leid mit ihnen zu tragen, verbindet mich mit ihnen, und manchmal brauche ich mich auch nicht meiner Tränen zu schämen. Davon leben meine Bücher, dass Anrufer mir sogar ihre Lebensgeschichten erzählen. Natürlich werden sie anonym weiter gegeben.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

das große lotte

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27433-2, Preis 10,00 Euro

Dieser Sammelband mit den schönsten Geschichten von Lotte Bormuth hat ihr Verlag nun veröffentlicht. Die 35 Geschichten sind von ihren Themen her so facettenreich wie unser Leben. Nach einem Interview, welches die Autorin dem ERF gegeben hat, steht ihr Telefon nicht mehr still. Selbst nach Mitternacht rufen die Menschen noch bei ihr an und erzählen ihr ihre Lebensgeschichten oder bitten um ein gemeinsames Gebet am Telefon. Lotte Bormuth hat alles schon erlebt und teilt es in ihren Büchern gern mit. So wird sie zu einer Verkünderin der Liebe Gottes zu uns Menschen!

Der Verlag der Franckebuchhandlung stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Sammelbandes zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 20. März unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “bücherändernleben gratuliert Lotte Bormuth

  1. Rahel

    Nach dem Interview würde ich sehr gerne auch das Buch lesen!

  2. Margrit

    Da ich schon einiges von ihr gelesen habe, würde mich natürlich dieser Band besonders freuen …

  3. Irene

    Ein Buch von einer Autorin, die so viele Gottes Führungen erlebt hat, würde ich gerne lesen.

  4. Edelgard

    Ich habe ihre Biographie gelesen und war sehr beeindruckt von ihrem Leben. Dieses Buch würde mich auch interessieren.

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