Wolfgang Seehaber: Eva Bildt

Eva Bildtwolfgang seehaber

Foto: Wolfgang Seehaber

Der Name Eva Bildt hat mir zunächst nichts gesagt, der von Helmut Gollwitzer ein klein wenig. Aber ich kannte den Autor bereits von seiner hervorragenden Biografie über Maria von Wedemeyer, deshalb wollte ich auch dieses Buch lesen.

Wolfgang Seehaber lässt mir nicht viel Zeit. Schnell zieht er mich hinein in die Zeit der Verfolgung jüdischer Menschen in Deutschland und hier insbesondere in der Bekenntnisgemeinde in Berlin-Dahlem. Wie auch ihr Vater bereits will die junge Eva Schauspielerin werden. Aber sie ist Halbjüdin und somit wird es nichts mit einer großen Karriere der talentierten jungen Frau.

Der ehemalige „Spiegel“ Journalist Seehaber schreibt hier keine herkömmliche Biografie. Vielmehr wirft er in seinen 10 Kapiteln, einen immer wieder neuen Blick auf den Lebensalltag der Eva Bildt. Mal schaut er auf den bekannten Vater Paul Bildt, dann versucht er Evas geistliche Heimat zu erforschen und durch alle Kapitel zieht sich der Briefwechsel mit ihrem Verlobten Helmut Gollwitzer. Damit gelingt Seehaber ein faszinierendes wie auch trauriges Gesamtbild der Lebensumstände von Eva Bildt in den Jahren 1933-45.

Ein nicht besonders ausgeprägtes Selbstbewusstsein bescheinigt der Autor Eva Bildt. Aber dennoch besucht und hilft die selbst Gefährdete anderen Juden, die bereits im Untergrund leben. Wie sie aus ihrem Glauben Kraft schöpft ist bewundernswert und faszinierend mitzuerleben.

Dankbar bin ich dem Autor vor allem auch deshalb, weil er sich in seinem Buch nicht an Schwarz-Weiß-Denken orientiert. Er beschreibt die große Hilfe, die Juden und Halbjuden von Deutschen bekommen, selbst noch zu einer Zeit, in der es längst für alle gefährlich ist. Bei Seehaber gibt es nicht „die Deutschen“.

Und dennoch ist Wolfgang Seehabers Lebensbild über Eva Bildt ein trauriges Buch. Und Eva Bildt die den Nazis widerstand, konnte ihre gewonnene Freiheit doch nicht genießen. So konfrontiert mich der Autor mit einer tragischen Heldin, deren Bekanntschaft ich gerne gemacht habe!

Brunnen Basel, ISBN 978-3-765-51814-0, Preis 16,99 Euro

Wolfgang Seehaber hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Wolfgang Seehaber, soeben ist Ihr Buch über die Verlobte von Helmut Gollwitzer, Eva Bildt erschienen. Was hat Sie an dieser jungen Frau so fasziniert, dass Sie gleich eine Biografie über sie geschrieben haben?

Fasziniert an Eva Bildt hat mich vor allem ihr unbeirrbarer Glaube, der auch nicht in den dunkelsten Lebenszeiten wankte. Und dann war da noch ihre ungeheure Kraft, zu lieben, die mich zutiefst beeindruckt hat. Ein so immenses Liebesvermögen ist mir kaum jemals zuvor begegnet, vielleicht noch bei Maria von Wedemeyer.

Die vielleicht wichtigste Botschaft Ihres Buches ist für mich: ein Schwarz-Weiss-Denken passt keinesfalls in die Nazizeit. Sehr viel, wie vielleicht in keinem anderen Buch, welches in der Zeit des Dritten Reiches spielt, lese ich bei Ihnen von der Hilfe Deutscher ihrer jüdischen Mitbürger gegenüber. Warum kommt diese Seite oft so wenig beim Leser an?

Der Leser, der sich auf Literatur über das Dritte Reich und besonders die Judenverfolgung einlässt, ist von der Dimension dieses furchtbaren Verbrechens meiner Meinung nach so sehr abgestoßen, dass er kaum jemals dazu bereit sein kann, auf Nuancen zu achten. Er sieht das entsetzlich Große dieser Untaten und vergisst dabei die einzelnen Menschen, die es gewagt haben, wenn auch in viel zu kleiner Zahl, sich entschlossen auf die Seite der verfolgten Juden zu stellen. Zudem überstrahlen die „großen Helden“, wie die des 20.Juli 1944, oft die „kleinen Helden“, wie ich sie in meinem Buch etwa mit den mutigen Frauen der Bekenntnisgemeinde Dahlem vorgestellt habe.

Eva Bildt war laut Hitlers Definition Halbjüdin. Sie hat sich taufen lassen und wurde somit Christin. Sie schreiben selbst in Ihrem Buch, dass Eva nicht über ein großes ausgeprägtes Selbstbewusstsein verfügte, aber dennoch besuchte und half sie sehr oft Juden und Halbjuden. Woher nahm sie ihren Mut und ihre Kraft?

Ihren Mut und ihre Kraft schöpfte sie, wie in meiner ersten Antwort bereits angedeutet, immer wieder aus ihrem starken Glauben. Zudem fühlte sie sich von den engen Freundinnen, die sie in Dahlem besaß, beschützt und wurde von ihrem hilfsbereiten Vorbild dazu angeregt, ebenfalls Hilfe zu wagen. Und Mut schenkte ihr immer wieder auch die Liebe ihres Verlobten.

Sagen Sie bitte den neugierigen Lesern auf bücherändernleben, warum sie Ihr Buch unbedingt lesen sollten.

Wer erfahren möchte, was Glaube und Liebe in einer dunklen Zeit des Terrors vermögen, wer erfahren möchte, wie eine junge Frau sich im hasserfüllten Irrsinn einer Zeit zurechtfand, ohne nahezu bis zu ihrem Ende hin niemals zu stolpern und zu stürzen, wer erfahren möchte, wie das Leben in einer hasserfüllten und mörderischen Epoche zu triumphieren vermochte, wie Treue, Vertrauen, Zuversicht und auch Zärtlichkeit über Demütigungen, Bedrohungen und Verfolgungen die Oberhand behalten konnten, der sollte dieses Buch unbedingt lesen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Der Brunnen Verlag Basel hält drei Verlosungsexemplare dieses Buches für Interessierte bereit. Wer bis zum 28. März seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch!
Gewonnen haben Irene, Esther und Björn.

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Wolfgang Seehaber: Eva Bildt

  1. Björn

    Vielleicht bald meins.

  2. Irene

    Würde das Buch gerne lesen.
    Irene

  3. Esther

    … und noch eine spannende Biografie. Bin dabei! 🙂

  4. Margrit

    Bin gespannt auf das Buch …

  5. Da versuch ich doch auch mal mein Glück, denn spannende Biografien sind immer lesenswert.

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