Rupert Neudeck: Radikal leben

radikal leben

„Radikal leben“ heißt Rupert Neudecks Buch und radikal hat er uns vorgelebt was er unter gerechterer Welt versteht. Die jetzt minenfreien Landstücke in Afrika und die vielen Vietnamesen die heute in Deutschland wohnen und ihm ihr Leben verdanken sind herrliche Beweise seines radikalen Schaffens.

Dieses Buch ist eine Anleitung für uns radikal zu leben. Rupert Neudeck erzählt von den Bürokraten die seinen Vorhaben Steine in den Weg gelegt haben, aber auch vom Menschen die ihm oft unbürokratisch und schnell geholfen haben.

„Werdet wie die Kinder“ zitiert er die Bibel und seine Enkeltochter. Beide sind noch so herrlich frei von allen Zwängen und Gesetzlichkeiten, die oft Menschlichkeit verhindern. Der Autor weiß ein Lied davon zu singen und manchmal schüttel ich beim Lesen nur den Kopf darüber, was unsere Bürokraten alles beanstanden.

Wer prägte diesen radikalen Neudeck? Er schreibt über seine wichtigsten Mentoren. Sein Blick auf die Jugend von heute fällt kritisch aus. Er sieht sie verstöpselt durch die Welt laufen und erinnert daran, dass man nicht immer und überall erreichbar sein muss. Bewusst einmal „nein“ zu sagen findet er wichtig und hält dabei sein uralt-Handy in der Hand.

Besonders zum Ende hin klingt dieses Buch als nähme Rupert Neudeck Abschied. Er gibt Hinweise auf den Umgang mit den zu uns kommenden Ausländern und er bedankt sich bei der deutschen Gesellschaft, die es ihm gestattet hat so radikal zu leben!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-07070-4, Preis 14,99 Euro

Rupert Neudeck hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Rupert Neudeck, soeben erschienen ist Ihr Buch „Radikal leben“. Was bedeutet für Sie im Alltag dieses Wort „Radikal“?

Radikal sein, heißt eine Sache an der Wurzel anpacken und von der Wurzel her lösen oder heilen. Ich habe mich immer für einen Radikalen gehalten und finde schade, dass das Wort in Deutschland immer gleich mit irgendetwas Schlimmem verbunden wird: Rechtsradikalismus, Terrorismus usw.

Sie schreiben in Ihrem Buch, heute wird viel zu wenig gebetet. Wann beten Sie und was geht von so einem Gebet Ihrer Erfahrung nach aus?

Ich wurde von einem befreundeten Imam gefragt in Afghanistan, wann wir Christen beten? Und dann ist mir aufgefallen, dass wir Christen das Gebet verlieren. Wir waren in einer verzweifelten Lage, als wird nach 2 Monaten immer noch nichts erfahren hatten von unseren drei Entführten. Da haben wir in Köln ein Gebet an zwei Orten hintereinander mit allen gemacht, die an Gott-Allah-Jahwe glauben: erst in der bosnischen Moschee, dann in der Franziskanerkirche. Das war eine so schöne Erfahrung, dass die eigentlich schon ausgereicht hätte. Am nächsten Morgen erfuhren wir, dass genau zu der Zeit des Gebetes zwei der drei sich zu Fuß selbst aus der Geiselhaft befreit haben und am nächsten Morgen an der Türkischen Grenze waren.

Schwierigkeiten mit Bürokraten beschreiben Sie, auch die lebenslängliche Suche nach dem jeweils Zuständigen spielt in Ihrem Buch eine Rolle. Glauben Sie wirklich an eine Vereinfachung unserer Bürokratie?

Nein, ich glaube aber an die freie Gesellschaft, die abseits und neben der Bürokratie ganz viel machen kann und dann, wenn sie es aus eigener Kraft geschafft hat, auch die Bürokratie als Mittäter gewinnen kann. Wir haben erst die 11340 Vietnamesen gerettet, und dann den Staat gewonnen, die bei uns aufzunehmen. Das hat funktioniert. Ich würde mich nie allein auf die Bürokratie verlassen, finde aber in jedem Amt und jeder Behörde immer einige, die nicht vom Büro-Geist versaut sind und mitmachen. Manchmal augenzwinkernd.

Menschen laufen heute mit verstöpselten Ohren durch die Gegend. Immer und überall wollen/müssen sie erreichbar sein. Sie mit Ihrem uralt-Handy sind da ein Veteran. Glauben Sie, dass sich dieser Kommunikationswahn wirklich zurückschrauben lässt? Wo wird er uns hinbringen?

Das ist eine Frage, die ich nicht beantworten kann. Vielleicht entwickelt sich auch wieder alles anders. Bestimmt gibt es wieder unter den jungen Leuten eine 68er Bewegung. Vielleicht beginnt die nächste oder übernächste Generation, die ganzen Instrumente und smart phones wegzuwerfen, um wieder eine Wandervogelbewegung zu werden. Vielleicht machen die Kinder Schluss mit dem Spuk am Flughafen, den unwürdigen Kontrollen unserer Zahnpasta und Gepäckstücke, die Abtastereien und dann der Lautsprecher: „Sicherheitshinweis bitte…“ Das wird auch mal wieder abgeschafft werden.

Ihr Buch klingt so schrecklich nach Rückschau uns Abschied. Geht so eine Legende wie Rupert Neudeck wirklich in Rente?

Ich hatte immer zwei Berufe, bei dem alten Brotberuf als Journalist beim Deutschlandfunk bin ich schon seit 2000 in Rente, genauer im Vorruhestand. Ich hatte immer einen zweiten Beruf, den des Organisierens von humanitärer Arbeit. Das wird sich jetzt noch mal auf die Bundesrepublik Deutschland verlagern. Wir müssen Kirchenasyle und die Deutschkurse für Asylbewerber in allen deutschen Bundesländern organisieren, mit denen, die schon in Rente sind wie ich.

Vielen Dank für dieses Interview!

Das Gütersloher Verlagshaus hält ein Verlosungsexemplar für uns bereit. Wer seinen Kommentar unter diesem Beitrag bis zum 30. März postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch!
Esther hat das Buch gewonnen.

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2 Kommentare

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2 Antworten zu “Rupert Neudeck: Radikal leben

  1. Björn

    Klingt herausfordernd.

  2. Esther

    Ich muss gestehen, dass ich noch nie von Rupert Neudeck gehört hatte – aber die Biografie klingt spannend. Ich hüpfe gern in den Lostopf! 🙂

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