Dorothee Heck: Die Stillen Wasser von Amberley

die stillen wasser von am

Journalistin Julia will nach England reisen um dort eine Zeitungsstory über den Bruderhof zu schreiben. Wenige Stunden vor Abreise, eröffnet ihr Noch-Ehemann Paul, dass sie die beiden Kinder doch mitnehmen muss, er ermittelt Mal wieder in einem wichtigen Kriminalfall.

Die Autorin weiß eindrucksvoll vom Leben der frommen Bruderhöfer zu erzählen. Sie sind ein ganz eigenes Völkchen, der Gedanke an heiler Welt kommt mir in den Sinn, aber plötzlich holt mich Dorothee Heck in die harte Wirklichkeit zurück. Ein Toter wird gefunden und in seiner Hemdtasche steckt eine Visitenkarte der Bruderhöfer. Ein Hinweis auf den Mörder oder nur eine gut gelegte falsche Fährte?

Während Julia an sich selbst und auch an ihren Kindern Veränderungen im Alltagsverhalten feststellt und diese am Erleben in der frommen Gemeinschaft festmacht, taucht Paul in der Gemeinschaft auf um zu ermitteln. An dieser Stelle setzt mein einziger Kritikpunkt zu dieser Story an. Als ermittelnder Kommissar tritt immer wieder Paul auf. Gut er hat eine englische Assistentin, aber würden Englische Kommissare sich im eigenen Land nicht vor Ort an der Aufklärung des Falls beteiligen?

Julia hat Paul auch früher schon bei Ermittlungen geholfen, auch hier tut sie es wieder. Sie lernt aber auch Frauen kennen und unterhält sich mit ihnen über Themen wie Freundschaft und Liebe. Welten prallen aufeinander. Sehr interessant beschreibt die Autorin Veränderungen in Julias Sichtweisen. Und während weiter nach dem Mörder gesucht wird, schildert Dorothee Heck auch die Veränderung in der Beziehung zwischen Paul und Julia.

Ein spannendes Buch mit interessanten Bekanntschaften!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5510-6, Preis 14,95 Euro

Dorothee Heck hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Dorothee Heck, soeben ist Ihr neuer Roman „Die stillen Wasser von Amberley“, der ja fast ein Krimi geworden ist, erschienen. Handlungsort ist eine christliche Lebensgemeinschaft in England. Welchen Bezug haben Sie ganz persönlich zu den Hutterern?

Mitte der 80er Jahre habe ich als Kind mit meiner Familie einen Teil der Sommerferien bei Hutterern in Südengland verbracht. So durften wir hautnah das verbindliche Zusammenleben der ca. 250-köpfigen Gemeinschaft kennen lernen, in der keiner über persönlichen Besitz verfügt, sondern alles geteilt wird. Eine intensive Zeit, die mich zum Schreiben inspirierte, wobei der Handlungsort feststand, lange bevor die Geschichte in meinem Kopf konkret Gestalt annahm.

Heute haben sich die frommen Bruderhöfer von den Hutterern abgespalten. Wie kam es dazu?

Genau diese Frage beschäftigte mich ganz zu Anfang meiner Recherchen über die Hutterer. Was die Gründe waren, dazu findet man auf Anhieb so gut wie keine Informationen. Deshalb habe ich mit den Hutterern Kontakt aufgenommen und nachgefragt. Zurück bekam ich eine sehr nette, durchaus detaillierte Antwort per E-Mail, in der man äußerst behutsam zu formulieren versuchte, welche Missverständnisse und unterschiedlichen Erwartungen aneinander womöglich zur Trennung geführt haben. Ich habe mich daher entschlossen, in Aussagen dazu zurückhaltend zu sein. Für ein besseres Verständnis lohnt es sich aber, einen Blick in die Geschichte zu werfen: Die sogenannten Alt-Hutterer gehen auf die Täuferbewegung des 16. Jahrhunderts um Jakob Hutter zurück, wohingegen die Geschichte der Neu-Hutterer oder Bruderhöfer erst 1920 in Deutschland ihren Anfang nimmt. Von dem evangelischen Theologen Eberhard Arnold und seiner Frau Emmy gegründet, entschließt sich die kleine Gemeinschaft damals bald zu einer Vereinigung mit den Alt-Hutterern in den USA und Kanada. In den wesentlichen Fragen, was Taufverständnis, an der Bergpredigt orientierter Pazifismus und Gütergemeinschaft angeht, stimmt man überein, doch von beiden Seiten müssen auch Kompromisse gemacht werden. In den 50er Jahren kommt es bereits zu einer Trennung und Jahre später zu einem erneuten Zusammenschluss. Unterschiede bleiben. Vielleicht zu viele.

dorothee Heeck

Foto: Dorothee Heck

In Ihrem Buch beschreiben Sie das Leben dieser frommen Leute und um diese Beschreibung herum rankt sich ein Kriminalfall, der dadurch besticht, dass er einen Mörder findet, der für den Leser erst sehr spät erkennbar wird. An dieser Stelle kommt mein einziger Kritikpunkt zum Zuge: Warum ermittelt in England federführend die deutsche Kriminalpolizei in zwei Mordfällen?

Zunächst einmal ermitteln sie in nur einem Mordfall, und sowohl das Opfer, Teilnehmer der jährlich auf der Isle of Wight stattfindenden Segelregatta als auch dessen Seglerfreunde sind Deutsche. Einer der beiden deutschen Kommissare – die beiden arbeiten übrigens in einem größeren Team unter der Leitung eines englischen Kollegen – hat als Jugendlicher in England gelebt und später Erfahrung bei Scotland Yard gesammelt. Auf den zweiten, bereits zu den Akten gelegten Fall, stößt seine junge, englische Kollegin, mit der er fortan gemeinsam ermittelt.
Wenn mir eine überzeugende Darstellung dieser Konstellation beim Schreiben nicht gelungen ist, mag dies Anlass zur Kritik sein. Und zugegeben, wenn es sich bei dem deutschen Kommissar nicht ausgerechnet um Paul, den Noch-Ehemann meiner Romanheldin Julia handeln würde, hätte vermutlich auch die englische Polizei allein ermitteln können.

Wichtige Themen in Ihrem Buch sind Glaube, Vertrauen und Vergebung. Als Sie selbst in England diese Glaubensgemeinschaft besucht haben und auch ein paar Tage dort gelebt haben, wie haben Sie sich da gefühlt? War das heile Welt pur?

Im Großen und Ganzen war das tatsächlich im besten Sinne viel heile Welt. Ich habe mich sehr wohl gefühlt, denn mit Kindern geben sich die Bruderhöfer große Mühe. Wir durften das Sommerprogramm miterleben. Fast den ganzen Tag waren wir mit Gleichaltrigen und unserer Gruppenleiterin draußen, lernten Spiele, bei denen weniger das Gewinnen als der Spaß an der Bewegung und das gemeinsame Erleben im Mittelpunkt standen, verkauften im Dorf selbst angebautes Gemüse, reparierten Zäune, schauten uns den Sternenhimmel an oder gingen im See baden. Als mitarbeitende Erwachsene würde ich heute wahrscheinlich manches als zu wenig selbst bestimmt und als ein Zuviel an Gemeinschaft empfinden, doch von den Bruderhöfern selbst hatte ich diesen Eindruck nie. Im Gegenteil, sogar wenn ausdrücklich Zeit und Gelegenheit für individuelle Freizeitgestaltung war, suchten sie am Ende doch wieder, und das vermutlich aus gutem Grund, das Zusammensein mit den anderen.

Julia fährt als Journalistin in diese Glaubensgemeinschaft um darüber eine Zeitungsstory zu schreiben. Von ihrem Mann will sie sich scheiden lassen, aber plötzlich taucht der als ermittelnder Kommissar auf. Für mich als Leser ist es spannend die Veränderungen in Julia zu beobachten. Was verändert sich im Leben eines Menschen wenn er in so einer frommen Gemeinschaft lebt?

Zu Anfang ist man wahrscheinlich einfach neugierig und nimmt wahr, was anders ist. Mit einer aufgeschlossenen Haltung wird man Dinge entdecken, die positiv sind, mit denen man sich zu seiner eigenen Überraschung gar identifizieren kann. Man lernt die Menschen kennen und stellt fest, so verkehrt sind die gar nicht. Aber man nimmt auch Dinge wahr, die im Zusammenleben noch befremdlicher anmuten als von außen betrachtet. Plötzlich bin ich diejenige, die anders ist. Julia empfindet so, als sie sich mit Rachel anfreundet, widerspricht deren Verständnis von verbindlicher Partnerschaft doch so ganz und gar Julias eigenen bisherigen Überzeugungen. Eine fromme Gemeinschaft, die ihren Glauben überzeugend lebt, kann mein Vertrauen in Gott wecken. Vielleicht ist doch etwas dran, und ich versuche es selbst einmal.

Was haben Sie beim Schreiben Ihres Buches über das Leben gelernt?

Neu bewusst geworden ist mir Folgendes: Menschen wie den Bruderhöfern, mögen sie in ihrem Glauben andere Schwerpunkte setzen als ich, gelingt manches so gut, dass es sich lohnt, genauer hinzuschauen: Auf dem Bruderhof wird viel gearbeitet, doch Burn-Out ist dort sicherlich ein Fremdwort. Wird dem persönlichen Besitz kein Wert beigemessen, steht niemand in der Gefahr, sich darüber zu definieren. Inklusion ist kein Thema, weil das gemeinschaftliche Leben Menschen mit Handicaps und Behinderungen selbstverständlich einschließt.
Hier mache ich mir gern das Bibelwort zueigen: Prüft alles und behaltet das Gute.

Herzlichen Dank für dieses Interview!

Dorothee Heck hält für einen Gewinner ein signiertes Verlosungsexemplar ihres Romans bereit. Wer bis zum 10. April seinen Kommentar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch!
Dina hat das Verlosungsexemplar gewonnen 🙂

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12 Kommentare

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12 Antworten zu “Dorothee Heck: Die Stillen Wasser von Amberley

  1. Theresa

    Von den Bruderhöfern habe ich noch nie was gehört. Das würde ich gerne ändern 🙂

  2. Rahel

    Auch über dieses Buch im Briefkasten würde ich mich sehr freuen 🙂 Ich brauche wieder Lesestoff!

  3. Esther

    Klingt sehr spannend – ich bin dabei. 🙂

  4. Adeline

    Interessiert mich sehr!

  5. Edelgard

    Das ist mal eine ganz andere Thematik!! Würde mich sehr interessieren!

  6. Margrit

    Da gebe ich doch auch gleich mein Interesse an diesem Buche kund …

  7. Maria Lahnstein

    Ein Buch, in dem man auch etwas über die Gemeinschaft der Hutterer erfährt, finde ich sehr spannend. Es wird eine Leserunde zu dem Titel bei Lovelybooks geben.

  8. An diesem Buch hätte ich auch großes Interesse. *daumendrück*

  9. Maria

    Das Buch hört sich sehr spannend an. Würde ich gerne lesen.

  10. Dina

    Das würde ich gern lesen!

  11. Irene

    Interesiert mich – würde ich gerne lesen

  12. Björn

    Gefällt mir.

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