Tom Reichel: Der Diener

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Foto: Tom Reichel

Na toll, in diesem wunderschönen Märchen bekommt der Vater der Familie einen Diener an die Seite gestellt. Niemand weiß woher er kommt, ganz plötzlich ist er einfach da. Wobei, der Ärmste hat ihn nötig! Ausgerechnet am 12. Geburtstag seiner Tochter Dorothea erfährt Papa Arnim, dass sein Töchterlein ein Kuckuckskind ist. Wie soll er reagieren? Die Frau einfach rausschmeißen oder die Tochter? Oder am besten gleich alle beide?

Tom Reichel begibt sich in seinem zweiten Roman, der für mich zu einer faszinierenden Hommage einer Ehe geworden ist, in eben diese Niederungen. Da gedeihen Lügen, Halbwahrheiten und Misstrauen. Diener Heinrich hat viel zu tun um Ordnung im Hause des Herrn Doktor herzustellen.

Das in gold-geprägtem Einband erschienene Buch macht die Ehe zum Thema. Wie gehen wir mit eigenen Fehlern und Schwächen um und wie mit denen des Ehepartners? Der in Prenzlau gebürtige Autor, schaut mit den Augen des Familienvaters und lässt doch auch die Ängste der Ehefrau, sowie beide Kinder zu Wort kommen.

Durch den schwer kranken Jungen in Armins Krankenhaus und natürlich mithilfe von Diener Heinrich, wird bald klar, dass es der Liebe bedarf, um Neuanfänge zu wagen, egal wie die auch aussehen.

Egal ob die Ehe nun gerettet wird oder nicht, egal wer nun auch der Vater von Tochter Dorothea ist, sie bleibt ein einmaliges Gottesgeschenk, so nämlich die Bedeutung des Namen. Ein Zufall, dass der Autor die Tochter gerade Dorothea nennt?

Sehr deutlich wird bei Tom Reichel, dass es nie darum gehen sollte, wer wohl im Recht, und wer im Unrecht ist. Die hohe Kunst der Liebe steht über allen Niederungen des Alltags. Wenn wir sie bewahren, brauchen wir keine Angst vor dem Morgen zu haben.

adeo, ISBN 978-3-86334-005-6, Preis 16,99 Euro

Tom Reichel hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Tom Reichel, soeben ist Ihr zweiter Roman erschienen. Eine zerrüttete Ehe steht im Mittelpunkt. Warum gerade dieses Thema?

So zerrüttet ist die Familie ja gar nicht, nach außen funktioniert sie sogar prächtig: Zwei tolle Kinder, ein Haus am Stadtrand, man hat gemeinsame Freunde, auf die man sich verlassen kann. Eine gutbürgerliche Existenz und eigentlich ein Traum von vielen, oder? Nur leider steht das Glück auf wackeligen Füßen – einer alten Lüge. Und so ist das Thema – die Frage, ob die reine Wahrheit erträglich und „lebbar“ ist – dort verortet, wo sie uns am meisten betrifft – in der Familie. Da, wo das gegenseitige Vertrauen und der Glaube aneinander die Basis unseres Zusammenlebens bilden. Oder bilden sollten…

Der Familienvater ist Arzt, erhofft sich demnächst den Chefposten und nun erfährt er, dass die 12jährige Tochter nicht sein eigen Fleisch und Blut ist. Statt den Familienvater nun mit der Faust auf den Tisch hauen zu lassen, stellen Sie ihm einen sonderbaren Diener an die Seite, warum?

Armin will ja zuerst gar nicht wahrhaben, was ihm da offenbart wird. Schließlich stellt es seinen ganzen Lebensentwurf in Frage. Und sein Motto als Chirurg – „Ich analysiere das Problem, lege einen Weg fest und schneide das Problem heraus“ – übrigens das fast wörtliche Zitat eines befreundeten Kinderchirurgen – funktioniert an dieser Stelle nicht. Und der Mann, der alles im Griff zu haben scheint, braucht dringend Hilfe von außen. Die ihm auch prompt angeboten wird: „Die Liebe hält die Wahrheit aus“, behauptet zumindest der Diener, der wie ein englischer Butler daher kommt und wirkt – sonderbar, wenn Sie so wollen – als wäre er aus der Zeit gefallen. Genau wie Armin aus seinen Leben.

Wie wär doch die Welt so herrlich einfach mit einem Diener an meiner Seite, der immer weiß, was gerade zu tun ist. Haben Sie selbst auch so einen Diener?

Ja, natürlich. Und nicht nur einen! Es sind vielleicht vier oder fünf. Allerdings benehmen sie sich nicht so formvollendet, sind nicht so seriös gekleidet und hören eher auf die Anrede Freund als auf „Diener“. Aber genau wie Heinrich im Buch, wissen sie bei Problemen oft besser, was zu tun ist, als ich. Doch macht es das wirklich einfacher? Nur auf den ersten Blick, oder? Stellen Sie sich vor, Ihr Diener oder Freund beharrt darauf, dass in Ihrem Leben mal dringend „aufgeräumt“ werden muss und stößt dabei im Keller ihres Hauses auf die sprichwörtlichen Leichen.

Wahrheit, Vertrauen und Vergebung sind große Themen in Ihrer Story. Mithilfe Ihrer Protagonisten zeigen Sie sehr deutlich wie Hoffnung und Liebe gedeihen, wirklich neu ist das ja nicht, warum tun wir uns dennoch im Alltag so schwer mit diesen Themen?

Ich denke, zu einer schmerzhaften Wahrheit gehört eine Menge Mut und zu echter Vergebung auf der Gegenseite manchmal übermenschliche Größe. Wer beides im inneren Konto auf der Habenseite verbuchen kann, Respekt! Wir anderen dosieren unsere Aufrichtigkeit doch eher.
Und Lügen sollen mitunter ja auch nur schützen. So wie man Kindern oft nur einen Teil der Wirklichkeit oder der Wahrheit zumutet. Was jedoch als Schutz gedacht ist, kann vom Gegenüber leicht als Unaufrichtigkeit aufgefasst werden. Und verletzen. Unsere „Informationspolitik“ stellt ja nicht zuletzt auch seine Kompetenz im Umgang mit der Wahrheit in Frage. Daher, unter uns Erwachsenen, denke ich, scheuen wir nach unangenehmen Wahrheiten einfach schmerzhafte Konsequenzen: Armins Frau zum Beispiel hat sich ihre Lüge ja selbst niemals verziehen – so viele Erklärungen und Rechtfertigungen sie dafür auch hat – wie kann sie da erwarten, dass ihr vergeben wird? Woher sollte sie den Mut zur Wahrheit nehmen? Oft sind wir in uns selbst gefangen, das macht Entscheidungen zwischen Wahrheit oder Lüge schwer. Wir ahnen, was uns selbst zuzumuten ist. Im Guten wie im Schlechten. Und so denken wir über die anderen! Oder?

Taugt Ihr Roman als Eheratgeber?

Ich hoffe nicht! Erst recht, weil ich neulich gehört habe, dass Ratgeber-Bücher nur in den seltensten Fällen zu Ende gelesen werden. Und ich natürlich hoffe, dass man dem „Diener“ bis zum Schluss folgen will. Zumal sich Heinrichs wirklicher Auftrag erst am Ende des Buches offenbart.

Schon Ihr erster Roman hatte so eine schöne äußere Aufmachung, nun auch „Der Diener“, wie kommt man als Autor zu solchen Verlagsehren?

Oh ja! Weicher, roter Samt, goldgeprägt. Der Humorist in mir – ich schreibe neben Prosa ja auch für die Bühne: satirische Theaterstücke, Lieder und Kabaretttexte – sagt, dass man beide Bücher im Zweifelsfall auch gut als Reisekopfkissen verwenden kann. Aber im Ernst: ich denke, die Ehre gilt weniger mir als Autor, sondern eher den Themen und dem Inhalt der Texte. Und entspringt natürlich nicht zuletzt der Liebe des Verlages zu wirklich schönen Büchern.

Haben Sie bereits ein neues Buch in Planung? Wenn ja, was verraten Sie uns bereits heute?

Ich freue mich schon auf die WM in Brasilien und sage mal als Fußballfan: „Nach dem Buch ist vor dem Buch!“ Klar habe ich neue Projekte im Kopf. Am liebsten würde ich als nächstes den „Propheten“ angehen, die Jonas-Geschichte neu erzählt im Hier und Jetzt. Ein Mensch wie du und ich erhält einen Auftrag von „ganz oben.“ Wer soll das glauben? Unter dem Motto: „Jeder will etwas ganz Besonderes sein. Doch stell Dir vor, Du bist es wirklich.“

Vielen Dank für den herrlichen Roman und Ihre Antworten!

Tom Reichel hält für einen Gewinner ein signiertes Verlosungsexemplar. Wer seinen Kommentar bis Ostermontag unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Theresa, herzlichen Glückwunsch!
Du hast das sig. Verlosungsexemplar gewonnen.

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Tom Reichel: Der Diener

  1. Theresa

    So ein hübsches Buch! 🙂

  2. Maria Lahnstein

    Das hört sich nach einem tiefsinnigen Roman an, den ich sehr gerne lesen würde.

  3. Klingt sehr interessant, da versuch ich gern mein Glück! 🙂

  4. Björn

    Noch nie von diesem Autor gehört. Bin gespannt.

  5. Esther

    Ich bin auch dabei! 🙂

  6. Sigrid W.

    „Die Liebe hält die Wahrheit aus“ – so sollte es sein. Das Buch würde mich sehr interessieren!

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