Rainer Buck: Tims Arche

tims arche

Mutig packt Rainer Buck das schwierige Thema Homosexualität und Christ sein an. Frei von theologischer Engstirnigkeit hat er eine Story erfunden, in der die üblichen Charaktere mit diesem Reizthema konfrontiert werden.

Aus Sicht der jungen Studentin Susann erzählt Buck die Story die nichts vom Ausgang vorweg nimmt oder erahnen lässt. Pastor Tim Friese hat in seiner Kirchengemeinde eine Arche geschaffen, in der Gestrandete Gemeinschaft suchen. Es kommen nicht die Massen, aber langsam kommen die, die in die Kerngemeinde nicht kommen würden. Susann und Tim kommen sich näher und werden aus gleich mehreren Gründen doch kein Paar.

Wie gehen Gemeinden unterschiedlichster Prägung mit dem Thema Homosexualität um? Ist Ausgrenzung heute noch ein Thema? Wie gehen ganz normale Christen mit diesem Thema um? All diesen Fragen geht Rainer Buck unverkrampft nach und kommt dabei nicht ins theoretische Gelaber. Er orientiert sich am Alltag. Wie alltagstauglich ist unser Glaube in der Gegenwart? Haben Homosexuelle wirklich in unseren frommen Reihen etwas zu suchen oder sollten wir ihnen nicht doch besser zu verstehen geben, dass sie lieber draußen bleiben sollten?

Sehr genau hat sich Rainer Buck das Team seiner Protagonisten zusammengestellt. Bis zum Schluss bleibt es spannend mit zu verfolgen wie sich die Geschichte entwickelt. Von Anfang an fühlte ich mich in die Arche hineingezogen und war vom Ende der Story überrascht.

Bei Rainer Buck wird deutlich: Da wo Menschen ausgegrenzt werden, kann nicht von Gottes Liebe gesprochen werden!

Turmhut Verlag, ISBN 978-3-945175-07-1, Preis 11,99 Euro

Rainer Buck hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Rainer, Dein neues Buch „Tims Arche“ ist seit wenigen Wochen auf dem Markt. Welcher Teufel hat Dich eigentlich geritten Homosexualität und Kirche zusammenzubringen, bist Du grad auf Krawall gebürstet?

Eher das Gegenteil ist der Fall. Ich war schon mitten in der Arbeit an diesem Buch, als bei uns in Baden-Württemberg im Zusammenhang mit einer Bildungsplandebatte und einer Petition das Thema Homosexualität hochkochte. Dabei wurde auch wieder die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften thematisiert. Christen wie z.B. der Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz sehen den verfassungsgemäßen Schutz von Ehe und Familie gefährdet. Ich finde es bedauerlich, dass durch öffentliche Äußerungen von Mitchristen, die ich für ihr Engagement schätze, der Eindruck entsteht, für Schwule und Lesben gebe es bei den „Frommen“ keinerlei Akzeptanz. Dadurch werden manche homosexuelle Christen ihrer geistlichen Heimat beraubt oder leben jahrelang im Zwiespalt, jüngstes Beispiel ist die Sängerin Vicky Beeching. Außerdem finde ich es nicht in Ordnung, wenn Kirchenleitungen schlechtgemacht und des Glaubensabfalls bezichtigt werden, die tolerante Regelungen für homosexuelle Mitarbeitende beschließen.

Im Buch erzählt die junge Studentin Susann von ihrem Leben. Wie ist das, wenn man als Mann in eine Frauenrolle schlüpft, braucht es da eine besondere Vorbereitung?

Nein. Als Romanautor musst du dich in jede Figur einfühlen. Susann ist zwar die Ich-Erzählerin, aber mit Tim Friese und Carolus Sternau gibt es auch markante männliche Protagonisten. Ich denke, wichtiger als das Geschlecht ist für mich, dass mir der Menschentyp liegt. Ich habe es ja schon mal gewagt, eine Frau zur Erzählerin zu machen und freute mich da besonders, wenn sich Leserinnen mit der Figur identifizieren konnten.

Pastor Tim Friese baut in seiner Kirchengemeinde sein Projekt „Arche“. Unterschiedlichste Typen bauen da am gemeinsamen Projekt, welches sich Gemeinde nennt. Auch ihn trifft unverhofft sehr persönlich das Thema Homosexualität, was glaubst Du, warum ist ausgerechnet dieses Thema so sprengstoffbeladen?

Außerhalb der Kirche ist das Thema kaum noch ein Aufreger, weil Homosexuelle heute ganz normal und bürgerlich leben können. Die Christen tun sich schwerer, weil es in der Bibel Aussagen gegen praktizierte Homosexualität gibt. Natürlich ist die Bibel für mich relevant, auch die Aussagen zur Sexualität. Was die Bibel nach meinem Verständnis anprangert, berührt allerdings nach meinem Verständnis eher nicht die Wünsche homosexueller Menschen nach einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft. In der Bibel geht es um Unzucht und widernatürliches Verhalten. Für die Vorstellung, dass Homosexualität zur Schöpfungsabsicht Gottes gehören könnte, muss die Schöpfungsgeschichte nicht umgeschrieben werden. Die Minderheit homosexuell geprägter Menschen bringt das Familienmodell nicht ins Wanken.

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Foto: Rainer Buck

Was willst Du mit Deinem Buch erreichen?

Mir ist klar, dass ich theologische Meinungen kaum beeinflussen werde; die Diskussionen fahren ja gewöhnlich immer an der Frage der Bibelauslegung an eine Wand. Als Romanautor habe ich den Vorteil, die Diskussion nicht zu Ende führen zu müssen. Ich hoffe, dass meine Erzählung Anregungen dafür gibt, wie das Zusammenleben auch bei unterschiedlichen Standpunkten funktionieren könnte. Zudem könnte sie vielleicht in einigen Punkten die Sensibilität dafür schärfen, wie auch gutgemeinte Aussagen diskriminieren und verletzen können. „Gott hasst die Sünde, liebt aber den Sünder“ ist ein schlimmes Zitat, wenn ein wesentlicher Teil der Persönlichkeit eines Menschen pauschal zu Sünde erklärt wird. Umgekehrt sollte man allerdings auch Christen wegen einer Gewissenshaltung nicht diskreditieren.

In Deinem Roman herrscht am Ende Frieden. In der Realität sind allerdings Streit und Sprachlosigkeit der Schlusspunkt, warum hast Du Dich für ein versöhnliches Ende entschieden?

In meinem Buch sind nicht alle Probleme aus der Welt geschaffen. Nur einer kleinen Gruppe von Menschen, im Übrigen alles Christen, kommt vielleicht an einen Punkt, an dem sie erkennen, dass sie sich das Leben nicht gegenseitig unnötig schwer machen müssen. Die stärksten Momente christlicher Einheit sind für mich nicht die, wenn alle einer Meinung sind. Ich kann mir ehrlich vorstellen, dass uns die Bibel neben allen wichtigen Antworten durchaus ein paar offene Fragen hinterlassen hat, damit wir uns daran üben können, unseren Drang nach Rechthaberei zu bezwingen und uns in der Liebe zu üben.

Der Turmhut Verlag stellt uns drei Verlosungsexemplare zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis spätestens 14.Oktober unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Gewinner des Verlosungsexemplares ermittelt:
Juergen, Ricky und Michl – herzlichen Glückwunsch!
(15.10.)

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9 Kommentare

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9 Antworten zu “Rainer Buck: Tims Arche

  1. Björn

    Klingt sehr spannend.

  2. Theresa

    Ein sehr aktuelles Thema!

  3. manu

    rainer macht das ja immer gut, bisher jedenfalls. 🙂 gut und relevant! insofern bin ich sehr gespannt, auch das neuste werk zu lesen. und gewinnen ist immer schön 🙂

  4. Michl

    Ich bin mal gespannt wie differenziert der Autor mit dem Thema umgeht. Freu mich aufs lesen

  5. Esther

    Spannendes Thema – ein weiterer Roman, der es aufgreift ist übrigens „Das Wiedersehen“ von Adrian Plass, auch wenn es da wahrscheinlich nicht so eine zentrale Rolle spielt wie hier. Bin sehr interessiert, was Herr Buck dazu seinen Romanfiguren in den Mund legt …

  6. Diese Buch zu lesen ist mein Ziel. Das Thema ist unglaublich brisant in christlichen Kreisen…..

  7. Ricky

    Hört sich klasse an! Ich bin sehr gespannt, das Buch zu lesen!

  8. Nadine Lauer

    Hallöle

    Das ist doch mal ein Thema.
    Das würde mich auch mal brennend interessieren, wie die Kirche damit umgeht.
    Bin sehr gespannt auf das Buch. Es ist ein heikles Thema und es wäre nicht schlecht, wenn noch mehr Autoren sich damit auseinandersetzen würden. Ich denke da muss man noch viel Aufklärung leisten.

  9. Hi!
    Schön, dass es auch Christen gibt, die diesem Thema nicht aus dem Weg gehen. Freue mich schon auf das Buch 🙂
    LG
    Juergen

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