Fritz Orter: Ich weiss nicht, warum ich noch lebe

ich weiss nicht warum ich noch lebe

In Zeiten wie diesen, da Kriege scheinbar Konjunktur haben, kommt das Buch von Fritz Orter gerade zur rechten Zeit. Der österreichische Fernsehjournalist hat auf allen großen Kriegsschauplätzen der letzten Jahrzehnte gedreht und über die Kriege berichtet. Sein Weg führte ihn unter anderem ins frühere Jugoslawien, aber auch nach Afghanistan und in den Irak. Scheußliches berichtet er über den Bürgerkrieg in Syrien.

Dabei macht er mir mein bisheriges Bild vom hartgesottenen Kriegsreporter völlig kaputt. Kriegsreporter scheinen doch nicht Typen zu sein, die Leichen mit und ohne Köpfe sehen können und denen Orte, die nur noch aus Trümmern bestehen, nichts ausmachen. Bei Orter beginne ich zu begreifen, dass diese hartgesottenen Typen ungeeignet für diese Arbeit wären.

Und während sich der Krieg Europa immer mehr nähert und unsere Politiker auf immer mehr Fragen immer weniger Antworten wissen, holt Fritz Orter den Krieg auf die persönliche Schiene herunter. Er erzählt eingangs, wie Kriege in seiner Familie Wunden geschlagen haben, und er erlaubt es sich, eigene Meinungen zu formulieren. Doch aufgepasst, diese sind nicht immer pakttreu. Der Journalist beschreibt ekelhafte Kriegsszenen, Opfer und Soldaten hören auf Menschen zu sein, Orter wird Kriegszeuge und kommt zu Überzeugungen, die unseren Politikern sicher oft nicht schmecken.

Obwohl der Autor in den letzten Jahrzehnten so viel an Grausamkeiten gesehen hat, ist ihm doch menschliches Empfinden nicht abhanden gekommen. Wie er schreibt, ist er alt geworden. Wie mir scheint, hat er die Hoffnung auf eine friedliche Welt längst aufgegeben.

Mit seinem Buch setzt Orter den Kriegsreportern ein Denkmal und schreibt jedem seiner Leser ins Stammbuch: Schau selbst genau hin und überlass es nicht allein den Politikern!

Ecowin, ISBN 978-3-711000-569, Preis 19,95 Euro

Fritz Orter hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Fritz Orter, in diesen Tagen kommt Ihr Buch „Ich weiss nicht, warum ich noch lebe“ in unsere Buchläden. Der Titel klingt pessimistisch. Sind Sie Pessimist?

nein,realist

Sie sind einer der bekanntesten Kriegsreporter der letzten Jahrzehnte. Warum haben Sie diesen Job gemacht? War das Ihr Traumberuf?

empathie, und die leider meist vergebliche hoffnung, das leid anderer mit meinen reportagen gelindert zu haben.so gesehen eher ein trauma-beruf.

Fritz_Orter_Portrait_300dpi

Fritz Orter
(Dem Verlag herzlichen Dank für das Foto.)

In Ihrem Buch berichten Sie von Ihrer Arbeit und erzählen doch auch von den Kriegswunden in der eigenen Familie. Warum vermischen Sie beides?

jedes individuum ist auch ein soziales wesen.

Fotos bekomme ich in Ihrem Buch keine zu sehen. Aber dennoch schaffen Sie es einzelne Szenen so zu beschreiben, dass dabei scheußliche und menschenunwürdige Bilder bei mir entstehen. Warum muten Sie mir das zu?

die wahrheit ist dem menschen zumutbar.

Zu Zeiten von Ulfkottes „Gekaufte Journalisten“ entpuppen Sie sich in Ihrem Buch als ein Journalist, der gegen den beinah erdrückenden oft gleichgeschalteten Medienstrom anschwimmt. Sie erlauben sich sogar die USA zu kritisieren. Welche Anforderungen stellen Sie an Ihre Leser und Zuschauer? Was erwarten Sie von uns?

mündige medienkonsumenten, die nachdenken, nicht nachplappern.

Am Ende Ihres Buches lassen Sie mich mit Ihren Worten „Frieden wird es nie geben …“ zurück. Woher kommt Ihre Hoffnungslosigkeit?

der mensch ist des menschen wolf, solange einzelne glauben im besitz der wahrheit für alle zu sein und dafür krieg führen.

Der Ecowin Verlag hält drei Verlosungsexemplare für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 27. Oktober 2014 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Nachtrag:
Gewonnen haben:
Angela, Björn und Rahel
Herzlichen Glückwunsch!

Advertisements

7 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

7 Antworten zu “Fritz Orter: Ich weiss nicht, warum ich noch lebe

  1. Björn

    Interessanter Titel.

  2. Rahel

    Hier, bitte! Das würde ich gerne haben.

  3. Hab erst kürzlich mit Begeisterung „Sie konnten mich nicht töten“ gelesen und dieses Buch hier klingt auch sehr interessant. Da versuch ich gern mein Glück!

  4. Auch ich bin dabei. Dieses Buch möchte gerne zu mir 🙂

  5. Angela

    Nicht gerade mein übliches Genre, aber vielleicht ist es an der Zeit, mal meinen Horizont zu erweitern… Schön, dass hier nicht nur die üblichen Verdächtigen aus den „christlichen“ Verlagen vorgestellt werden!

  6. Angela

    Ich bin eine der glücklichen Gewinnerinnen (Danke!) und habe soeben das Buch ausgelesen, in einem Zug, es ist ja nicht dick. Nur schwer! Puh, das muss ich jetzt erstmal verdauen. Schon sehr bedrückend, wie nicht anders zu erwarten. Aber hinter den Kriegstragödien ist immer auch die persönliche Tragödie Fritz Orters zu spüren, der – begreiflicherweise – nicht fertig wird mit dem, was er gesehen und dokumentiert hat. Das Buch liest sich wie ein ungeordneter, verzweifelter Tagebucheintrag aus einer schlaflosen Nacht.
    Es ist vielleicht etwas naiv, aber als Christ kann ich nicht anders, als Fritz Orter zu wünschen, dass er dem begegnet, der ihm seine Bürden abnimmt. Ironischerweise bewegt mich an dem Buch am meisten das Schicksal des Autors. Ich kann ihm natürlich nicht helfen, aber wenigstens habe ich ihm zugehört.

    • Gabriele

      Liebe Angela,
      auch ich habe das Buch gelesen es war sehr interessant einmal in einen Lebens- Alltages eines Journalisten einzutauchen. Sein Arbeitstag war von der Front eines Kriegsgebietes zu berichten damit wir zuhause vor den Bildschirmen in unseren Wohnzimmer informiert werden bzw. informiert sind was so in der Welt vor sich geht. Ich habe einen großen Respekt vor diesen Mann der sein Leben für diese Arbeit gab. Auf der Rückseite des Buches stand „Ich war in 14 Kriegen. Ich hasse den Krieg. Krieg ist die größte mentale Verirrung der Menschheit, die brutalste Konfliktlösung. Irrsinn gewordene Realität. Aber ich sage die größte Krieg findet nicht auf den Schlachtfeldern statt sondern in jedem Menschen selbst die Ablehnung Gottes, der Mensch hat sich von Gott abgewand gestaltet sein Leben selbst, so Gottlos wie es momentan auf dieser Erde zugeht ist die Antwort, auf unser egoistisches Leben, dass nenne ich Irrsinn! Ich bin dankbar, Jesus Christus als meinen Heiland 1998 gefunden zu haben somit hat mein Leben einen Sinn und ich habe ein Ziel ich weiß wo ich nach diesen Leben einmal wohnen werde mit meinem Herrn im Himmel und den übrigen Glaubensgeschwister. Ich kann so wie Hiob sagen „Ich weiß mein Erlöser lebt“, du schreibst auch du wünscht Fritz Orter den zu finden den ich und hoffe auch du gefunden hast, Gott erhört Gebete du könntest für ihn beten das ist wirkungsvoller Jesus hat es selbst gesagt in Johannes 14, Vers 13-14. Ich wünsche es auch vielen Menschen dass sie den Heiland finden den ich habe auch natürlich auch Herrn Orter und das aus ganzem Herzen. Den ich weiß warum ich lebe, zur Ehre Gottes, den Schöpfer Himmel und Erde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s