Monatsarchiv: November 2014

Kenzaburo Oe: Licht scheint auf mein Dach

Kenzaburo

Der Verlag bewirbt dieses Buch mit dem Satz: „Kenzaburo Oes erschütternder wie berührender Bericht über das Leben mit seinem behinderten Sohn“ – für mich ist es ein Bericht über eine sehr intensive Vater – Sohn – Beziehung, an der der Vater ungemein wächst und reift.
Selbst habe ich viele Jahre mit geistig Behinderten unter den sehr begrenzten Bedingungen der DDR – Diakonie gearbeitet. Wenn ich dies nun mit dem Bericht des japanischen Vaters vergleiche, kann ich nur feststellen: Dazwischen liegen Welten!
Nur wer es selbst erlebt hat, kann wohl ermessen, was es bedeutet ein eigenes Kind zu haben, welches eine Behinderung hat. Der Autor und seine Frau erleben dies täglich. Sehr genau und nachvollziehbar beschreibt Oe seine eigenen Gefühlswelten wie Scham, Hoffnungslosigkeit, Mitleid, Akzeptanz, aber auch Stolz.
Äußerst interessant wie der Atheist dabei beginnt nach Gott zu fragen und letztlich eine höhere Instanz – wie auch immer diese aussehen mag – nicht mehr ausschließt.
Es sind die vielen Alltagssituationen, die der Vater beschreibt. Die schreckliche Zahnprozedur beispielsweise, die bei geistig Behinderten leider all zu bekannt ist.
Da ist aber auch die große Begabung für eine ganz spezielle Sache. Bei Hikari ist es die klassische Musik. Er hört die großen alten Meister, komponiert aber auch selbst, der Vater lässt CD’s aufnehmen . . .
Über diese Schiene entsteht eine sehr intensive Vater – Sohn – Beziehung, die manchmal ganz ohne Worte auskommt, dem Autor gelingt es den Leser an diesem Wunder teilhaben zu lassen.
Dies alles aus japanischer Sicht geschildert zu bekommen, denn der Autor lässt auch gesellschaftliche Themen einfließen, war für mich ein wunderbares Leseerlebnis!

S. Fischer, ISBN 978-3-100-55217-4, Preis 19,99 Euro

Ein Kommentar

Eingeordnet unter Uncategorized

Christian Döring: Darf er die Wahrheit sagen?

heilige Unvernunft

Vor einigen Wochen habe ich „Heilige Un-vernunft“ aus dem Brendow Verlag gelesen und rezensiert. Schon damals war mir klar, dieses Buch wird Widerspruch bringen, besonders aus evangelikalen Ecken. Was kann einem Verlag besseres geschehen, als das man über seine Bücher spricht?
Ich finde dies völlig normal und auch gut so. Was ich allerdings nicht gut finde, wenn der Rezensent, der eine inhaltlich andere Lesermeinung hat, verunglimpft und verleumdet wird. Freunde haben mich auf eine Leserunde zu diesem Buch auf Lovelybooks hingewiesen. Dort sind die Leser sich einig über das Buch. Sie finden es grottenschlecht. Nichts gegen ihre Meinung. Aber wenn schon die Person Christian Döring in diesem Zusammenhang interessant wird, warum bitte fragt mich niemand selbst?
Unter anderem will man dort wissen:
– Muss er mit seinen Rezensionen sein Geld verdienen?
– Darf er nicht die Wahrheit sagen?
– Warum lässt er Suchende ins Messer laufen?
Natürlich frage ich mich, warum diese Gerüchteküche so hochkocht und niemand den direkten Draht zu mir sucht. Dann eben in aller Öffentlichkeit: Mich hat noch nie ein Verlag für eine Rezension bezahlt. Natürlich darf ich in meiner Rezension meine persönliche Sichtweise auf das Buch schildern. Im übrigen wird bei Lovelybooks verkündet, dass ich bei allen christlichen Titeln nur so um mich werfe mit begehrten fünf Sternen und Lobhudeleien. Tut mir leid, aber auch diese Gerüchte kann ich nicht bestätigen.
Siehe folgende Beispiele:
„Ich bin bei dir“
und
„Wenn ihr das alles kommen seht“
Im übrigen fand ich es noch nie besonders hilfreich, wenn man sich bei Rezensionen hinter Fantasienamen versteckt.
Also es gilt nach wie vor. Wer eine Frage hat kann diese hier in aller Öffentlichkeit stellen. Ich habe nichts zu verbergen.

Christian Döring, 27.11.2014

Nachtrag vom 28.11.

Wie ich gerade an der Diskussion auf Lovelybooks sehe, ging es letzte Nacht hitzig weiter. Hier hat niemand eine Frage zur Person gestellt, es geht also doch wieder mehr um das Buch und dies ist gut so, fördert es doch sicher den Verkauf.
Eins möchte ich aber zu bedenken geben. Die Diskussion verläuft in gewohnter Machart weiter. Da ist die eine Fraktion, die meint, ganz allein zu wissen wie und was man zu glauben hat. Und da ist die andere Fraktion die einiges anders sieht. Und doch stehen wir alle unter dem Schutz unseres einen Gottes.
Es ist noch gar nicht lange her, da hat sich eine Teilnehmerin der jetzigen Diskussion hilfesuchend an mich gewendet, weil sie empfand, jemand wolle ihr vorwerfen nicht richtig zu glauben. Genau an der Stelle beginnt ein gewohnter Mechanismus, der immer dann einsetzt, wenn sich Christen unterschiedlicher Schubladen treffen. Wie wäre es beispielsweise wenn wir uns angewöhnen würden, zu sagen oder zu schreiben: „Ich empfinde dieses Buch als ……“
Dann stehen die Zeilen nicht gleich als Machtanspruch für ein empfundenes, nur ich allein habe Recht und wer es anders sieht glaubt falsch. Oder ist tatsächlich jemand so mutig und behauptet er allein hätte den Glauben für sich gepachtet? Ich jedenfalls bin mir sicher, jeder geht seinen ganz individuellen Weg zu Gott.
Im übrigen, „Sonnenwind“ werdet ihr nicht „angegriffen“, weil ihr eine andere Meinung zu diesem Buch habt. Ich habe mich zu Wort gemeldet, weil es eine Zeit lang in Eurer Diskussion sehr intensiv um meine Person ging und ich Euch die Möglichkeit geben wollte, nicht über mich, sondern mit mir zu reden.

2 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

Döring/Heinritz: Bibel statt Parteibuch

Bibel statt Parteibuch

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27466-0, Preis 12,95 Euro

Weil es wohl ein wenig anrüchig wäre, eine Rezension über sein eigenes Buch zu schreiben, möchte ich an dieser Stelle doch über zwei Begebenheiten berichten, die ich auf meiner Lesetour mit „Bibel statt Parteibuch“ erlebt habe.

In Chemnitz zum Beispiel hat mich ein Kreis junger Erwachsener zur Buchvorstellung eingeladen. Im Vorfeld habe ich von meinen Gastgebern gehört, dass deren Eltern so wenig über eigene DDR – Erfahrungen erzählen. Überrascht war ich dann, als ich am Abend der Buchlesung sah, dass sogar einige Eltern mitgekommen waren. Plötzlich kam es zu einem Gespräch im großen Kreis. Die Eltern und ich, wir redeten über die Jahre in der DDR und über den so plötzlich und unerwartet über uns hereinfallenden Mauerfall am Abend des 9. November ’89. Die jungen Erwachsenen blieben aber nicht lange schweigsam. Schnell stellten sie Fragen und eine junge Frau sagte mir bei der Verabschiedung in der Chemnitzer Jugendkirche: „So habe ich meine Eltern noch nie über ihre eigene Jugendzeit reden hören.“ Ich freute mich, hatte ich mein Ziel doch erreicht.

Der 9. November ist für die Geschichte schon immer ein ganz besonderes Datum. Da war nicht nur die Novemberrevolution in Deutschland, an diesem Tag im Jahr 1938 fanden auch die ersten Pogrome gegen die in Deutschland lebenden jüdischen Nachbarn statt. Der 9. November 1989 allerdings ist für mich ein ganz besonderer Tag, weil ich ihn miterleben durfte und weil er das Ende der DDR endgültig besiegelt hat. Leider wissen heute viel zu wenige über den Alltag in der DDR bescheid. In Ost und West sind die Hörer in meinen Lesungen immer wieder erstaunt über den Inhalt meiner 25 Geschichten. Deshalb ist mir dieses Buch so wichtig und deshalb bin ich gern zu Lesungen in Gemeinden, Bibliotheken oder anderen Einrichtungen unterwegs. Auf dem Blog zum Buch gibt es mehr an Informationen.

Am letzten Wochenende war ich beim CVJM in Nürnberg zu Gast. Und ausgerechnet bei einer Buchvorstellung im Westen kam nach der Lesung eine ehemalige Mitarbeiterin der Stasi zu mir. Sie erzählte mir aus ihrem Leben in der DDR. In Leipzig war sie aufgewachsen und hatte einige Berichte über Arbeitskollegen geschrieben. Wie sie heute beteuert nichts schlimmes, aber sie wollte halt nicht zehn Jahre auf ihren Trabi warten …

Für mich war dies eine sehr eindrucksvolle Begegnung. Diese Frau hat mit der Wende, mit ihrer Enttarnung als IM ihre Heimat verlassen, weil ihre besten Freunde plötzlich nichts mehr von ihr wissen wollten und sie zum Teil auf der Straße angespuckt haben. Heute lebt diese Frau in Nürnberg und hat zu Gott gefunden. Für mich eine wundervolle und sehr berührende Geschichte.

Am Freitag, dem 7. November stelle ich zusammen mit Christian Heinritz „Bibel statt Parteibuch“ in der Buchhandlung direkt beim Verlag der Franckebuchhandlung in Marburg vor. Lassen Sie sich einladen, vielleicht wollen auch Sie etwas über den Alltag eines Christen in der DDR erfahren. Die Veranstaltung beginnt um 19,30 Uhr.

Für am Thema interessierte Leser hält der Verlag der Franckebuchhandlung drei Verlosungsexemplare bereit. Wenn Sie bereit sind nach dem Lesen eine kurze Rezension/Leseeindruck hier unter diesem Beitrag und auf Amazon zu posten, dann bewerben Sie sich bis zum 16. November um ein Verlosungsexemplar. Viel Glück!

Christian Döring

4 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized