Monatsarchiv: Januar 2015

Elizabeth Musser: Das Hugenottenkreuz

das hugenootenkreuz

Frankreich 1961-1962: Die Missionarstochter Gabriella kommt nach Frankreich zum Studium. Sie weiß, dass sie an einen Ort fährt, der für ihre Mutter einmal sehr wichtig war. Was sie dann allerdings hier erwartet, zieht sie mächtig hinein in eine Geschichte in der es gleich mehrmals um Leben und Tod geht. Zum Glück trägt sie an einer Kette um ihren Hals das Hugenottenkreuz.

„Im Hugenottenkreuz hängt die Taube mit ausgebreiteten Flügeln und dem Kopf nach unten vom unteren Teil des Kreuzes. Es ist wahrscheinlich, dass die Taube den Heiligen Geist symbolisieren sollte. Zwischen den Balken des Kreuzes waren vier Lilien angebracht. Sonnenstrahlen waren eingraviert als Zeichen dafür, dass der Heilige Geist seine Macht ausstrahlte.“ (Seite 162) Schade, dass dieses Kreuz weder vorn noch hinten auf dem Cover seinen Platz gefunden hat.

Gabriella lernt David Hoffmann kennen. Er ist nicht nur ihr Lehrer, nein sie verliebt sich auch in ihn, schreckt aber vor seiner geheimnisvollen Vergangenheit zurück. Sie er- und über-lebt mit ihm Mordanschläge und sehr langsam, Schritt für Schritt löst Elizabeth Musser die vielen Geheimnisse auf.

Frankreichs Präsident de Gaulle entlässt Algerien gerade in die Unabhängigkeit, aber was wird aus den Pied – Noir – und Harki – Kindern in Algerien? Was das für Kinder sind? Ich hatte bislang auch noch nie etwas von diesen Kindern gehört. Die Autorin führt ihre Leser tief in die Geschichte hinein und benennt Fakten die sicher für viele unbekannt sind. Lange ist für Gabriella nicht klar, wer in ihrem neuen Umkreis zu den Guten und wer zu den Bösen gehört. Bis zurück ins KZ Dachau führt diese vielschichtige Story und ich hoffe, dass sie viele Leser finden wird.

Anfangs irritierte mich der häufige Szenenwechsel ein wenig, aber von Seite zu Seite lernte ich die einzelnen Protagonisten besser kennen und eilte nur noch so durch das Buch. Die Autorin quält ihre Leser mit vielen Geheimnissen und löst sie nicht schnell wieder auf, sondern setzt zunächst immer noch ein weiteres drauf.

Auch wenn die Geschichte nicht in der Gegenwart spielt, fühlte ich mich beim Lesen doch immer wieder an die gegenwärtige Diskussion um Flüchtlinge und Minderheiten erinnert. Als Christ seinen Standpunkt deutlich machen und seine Meinung sagen ist nie verkehrt, auch Vergebung üben steht auf der Tagungsordnung und dies kann schwer sein. Professor David Hoffmann, der einstige kleine Junge aus dem Konzentrationslager, kann ein Lied davon singen…

Manche Sätze im Buch sind es wert länger bedacht zu werden: „Vergebung bedeutet Freiheit“ (Seite 129) oder „Solange du nicht vergibst, bleibst du immer ein Opfer, das in seinem Schmerz und in seiner Bitterkeit gefangen ist.“ (Seite 178). Um die Rettung von Waisenkindern aus Algerien geht es in diesem Buch, aber eigentlich ist es auch eine Liebesgeschichte und ein wichtiges Sachbuch für das schwierige Fach Vergebung!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27483-7, Preis 14,95 Euro

Vor einiger Zeit habe ich von Elizabeth Musser bereits „Der Garten meiner Großmutter“ gelesen und war genau so begeistert.

Der Verlag der Franckebuchhandlung hält ein Verlosungsexemplar von „Das Hugenottenkreuz“ bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 14. Februar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch,
Annette hat das Verlosungsexemplar gewonnen!

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Marco Michalzik: Hörbuch – Der obdachlose Gott

der obdachlose gott

Beim Zuhören merkt man sofort, da kann jemand mit Sprache umgehen! Dies nutzt Marco Michalzik schamlos aus, um uns vor Augen zu führen, wie weit biblische Botschaft und unsere Lebensführung auseinander laufen. Theorie und Praxis scheinen oft keine Chance auf Berührung zu haben.

Und doch steckt der junge Mann nicht den Kopf in den Sand. Er steht auf der Bühne, sagt, dass er an Gott glaubt und stellt seinen Hörern unbequeme Fragen. Darunter auch die: Warum lassen wir unseren Gott, der doch selbst auch einen Migrationshintergrund hat, erst lange anklopfen und um Einlass bitten? Warum machen wir ihm nicht einfach ungefragt die Tür weit auf? Fragen, die ganz unmittelbar direkt ins Leben zielen. So ganz nebenbei wird einmal mehr klar, wie aktuell die Bibel ist.

„Der obdachlose Gott“ ist allerdings nicht für jeden Hörer geeignet. Wer vor Selbstgerechtigkeit nur so strotzt und wer sich vor Sattheit nur noch auf seinem Sofa räkelt, dem sind diese Texte nicht zuzumuten, könnten sie doch eine Revolution auslösen.

Wer allerdings Fragen an sich und seinen Alltag hat, wer auf der Suche nach einem gerechten Lebensweg ist, den werden die Texte von Marco Michalzik garantiert nicht kalt lassen. Man muss diesen Typen mit seiner neugierig-frechen Stimme einfach mögen. Er jongliert mit Wörtern, hält keine Moralpredigten und vor allem bezieht er sich selbst in seine Texte mit ein.

Marco Michalzik hat die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, aber er hat den Mut die richtigen Fragen zu stellen!

Gerth Medien, ISBN 978-3-957-34046-7, Preis 11,94 Euro

Marco Michalzik hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Marco, auf dem Cover Deiner CD steht „Poetry Slam-Texte über Gott und die Welt“. Das klingt in meinen Ohren noch nicht so gefährlich, aber dann höre ich Deine Texte und denke mir, der Typ rückt mir ganz schön auf den Pelz mit seinen Fragen, ja der stellt ja sogar unseren Lebensstil in Frage, geht’s Dir nicht gut oder warum tust Du das?

Haha, ja, mir geht’s super. Danke der Nachfrage 🙂 In erster Linie stelle ich diese Fragen ja auch mir selbst, weil ich merke, dass oft das, was ich sage und das was ich lebe nicht so zueinander passt. Und ja das stellt natürlich den Lebensstil in Frage. Ich finde hinterfragen unbedingt wichtig. Sowohl sich selbst, als auch Strukturen oder Organisationen in denen man steckt, seien es nun Kirchen, Gemeinden, oder sogar auch zwischenmenschliche Beziehungen. Und warum tue ich das, gute Frage?! Ich bin vor ner Weile mal beim Lesen der Bibel über ein kleines Buch im Alten Testament gestolpert – das Buch Amos. Ich finde dieses kleine Buch passt einfach so krass genau in unsere Gesellschaft heute. Es geht nämlich im Grunde um eine Wohlstandsgesellschaft, die Frieden hatte, der es wirtschaftlich gut ging und die ihre Frömmigkeit in aufwendigen Opferzeremonien und pompösen Gottesdiensten zelebrierte. Und interessant wird es dann, wenn dieses Bild kippt und Gott quasi dieser Gesellschaft den Spiegel vorhält und zeigt, dass ihn dieses Getue überhaupt nicht interessiert und dass eine solche Frömmigkeit ihm nichts bedeutet, so lange dieses Gesellschaft eben auf Systemen basiert, die die Armen und die Fremden benachteiligen und ausbeuten. Und ich finde dieses Zitat von Gott da wirklich bahnbrechend, weil es auf den Punkt bringt, worum es Gott offenbar zu gehen scheint und wie weit wir da mit unserem Christsein von entfernt sind: „Ich hasse eure Feiern, geradezu widerwärtig sind sie mir, eure Opferfeste verabscheue ich. Eure Brand- und Speiseopfer nehme ich nicht an, und wenn ihr Tiere mästet, um sie mir darzubringen, ist mir das völlig gleichgültig. Eure lauten Lieder kann ich nicht mehr hören, verschont mich mit eurem Harfengeklimper. Setzt euch lieber für die Gerechtigkeit ein! Das Recht soll das Land durchströmen wie ein nie versiegender Fluss“ (Amos 5,21-24).

Du drückst es natürlich viel poetischer aus, aber im Grunde genommen sagst Du: biblische Theorie und unser Lebensalltag liegen weit auseinander. Aber glaubst Du wirklich die haben sich jemals getroffen? Aus welchem Grund sollten wir grad heute aktiv werden?

In der breiten Masse haben die sich in der Kirchengeschichte vermutlich wirklich nicht allzu oft getroffen. Wer da historisch bewanderter ist als ich darf mich gerne korrigieren. Aber ich finde es eben schwierig zu sagen, dass ich an Gott glaube und die Bibel ernst nehme und dann aber so schizophren damit umgehe. Alles was irgendwie Moral und Ethik angeht wird mega hochgehalten (manchmal sogar höher als es die Bibel überhaupt tut) und wenn es um ganz praktische Themen und gerade auch um das Thema Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Friedensstifter sein geht, dann tun wir irgendwie alle so, als stünde das da nicht. Und um noch einmal auf die Geschichte zurück zu kommen, es hat ja immer wieder Menschen gegeben, die genau diese Diskrepanz angeprangert haben und durch ihr Leben ein Beispiel gesetzt haben, wie es aussieht, wenn sich das eben doch trifft. Ich denke da z.B. an Franz von Assisi, Mutter Theresa, Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer, William Wilberforce oder David Livingstone um nur ein paar zu nennen. Solche Biografien zeigen, dass es Menschen gab, die das geglaubt und gelebt haben und das inspiriert uns heute Herausforderungen wie z.B. die modernen Formen der Sklaverei anzugehen, uns für und nicht gegen Flüchtlinge einzusetzen und einfach Hoffnungsträger zu sein. So heißt ja dann auch ein Stück aus dem Hörbuch.

Wie bist Du eigentlich zum Poetry Slam gekommen?

Ich habe schon seit der Grundschule mehr oder weniger regelmäßig irgendwelche Texte geschrieben, bin darüber zum Rappen gekommen und eigentlich darüber dann zum Poetry Slam. Das wäre so die Kurzfassung. Im Grunde bin ich schon ganz lange Fan von Spoken Word Sachen, die ich aus Amerika kannte, hab dann gemerkt, dass es das auch in Deutschland gibt und hab’s mir einfach mal angeschaut, um mich inspirieren zu lassen für ne CD Produktion, an der ich zu der Zeit gearbeitet habe und was soll ich sagen – bin dabei hängen geblieben. Hat also offensichtlich also auch einen gewissen Suchtfaktor.

Wo trittst Du auf, wer kann Dich einladen und wie reagieren Deine Hörer auf so viel Kritik an unserer Lebensführung?

Ich trete gerne und viel bei Poetry Slams und Lesebühnen auf, aber mittlerweile auch echt oft bei Kleinkunst Events mit Künstlern aus verschiedenen Genres und auch ab und zu in Gottesdiensten und bei größeren Jugendevents. Mach ich auch alles echt gerne. Ich glaube, die Zuhörer fühlen sich da auch nicht so stark kritisiert. Das will ich auch gar nicht. Die bekommen schon mit, dass ich in erster Linie meine Sicht der Dinge von mir gebe und das zuerst auch zu mir selbst sage – wenn dann was dabei ist, was darüber hinaus auch noch jemand anderes zum Nachdenken angeregt wird, find ich das natürlich geil. Ich bilde mir ja auch gar nicht ein mit den Texten irgendwen zum Umdenken zu bringen. Das ist gar nicht mein Anspruch. Ich erzähl dir einfach davon, was ich erlebe, was mich bewegt und wie ich die Sache sehe und find’s super, wenn du daraus was für dich ziehen kannst, oder auch wenn wir darüber einfach ins Gespräch kommen können und ein Dialog entsteht. Außerdem sind ja auch längst nicht alle Texte so kritisch und hinterfragend. Manche sind auch durchaus humorvoll, oder feiern einfach das Leben an sich.

Was mir an Deinen Texten besonders gut gefällt: Du nimmst Dich selbst in Deine Texte mit hinein und deshalb nehme ich all meinen Mut zusammen und frage Dich: Was tust Du konkret in Deinem Leben, dass Theorie und Praxis sich zumindest mal etwas annähern können?

Marco Michalzik

Foto: Marco Michalzik

Puuhh, das ist eine gute Frage. Aber du hast natürlich schon Recht. Immer nur den Status Quo zu kritisieren ohne konstruktive Vorschläge, wie man es besser machen kann, ist natürlich Mist. Ich bin da auf jeden Fall noch mitten im Lernprozess und kann da mit Sicherheit keine Methode vorstellen, die man anwenden kann, um die Theorie erfolgreich in die Praxis umzusetzen. Mir ist in den letzten Jahren dieser Vers in Matthäus 22 extrem wichtig geworden. Da steht ja im Grunde, dass es unterm Strich beim Christsein darum geht Gott zu lieben mit allem was mich ausmacht und meinen Nächsten wie mich selbst. Ich habe gemerkt, dass ich wenig Interesse an Institutionen und Religion habe, die sich nur selbst erhält und sich selbst genug ist. Wenn Kirche nicht für die Menschen ist, kann ich da nichts mit anfangen. Aber du hast ja noch nach konkreten Ansätzen gefragt und bei mir persönlich ist es so, dass ich mich z.B. bei einem Projekt gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution engagiere (Justice Project Deutschland // http://www.thejusticeproject.de) und eben auch die Plattformen, die ich habe durch die Künstlersachen, gerne nutze, um solche Projekte zu unterstützen und auf Themen aufmerksam mache, die in so einem Rahmen vielleicht sonst nicht so oft zu Hören sind. Es gibt meiner Ansicht nach auch ganz viele kleine und einfach Dinge, die man tun kann und die trotzdem eine enorm große Wirkung haben. Ich finde z.B. auch die Arbeit von Compassion und World Vision großartig. So ein Kind monatlich zu supporten und so Zugang zu Bildung und Zukunft für seine Familie zu ermöglichen ist etwas wundervolles, was wir tun können und dabei oft nicht mal merken, dass wir monatlich was abgegeben haben von unserem Überfluss. Und auch was so den Konsum von Klamotten und Lebensmitteln angeht, versuche ich bewusst mit dem Thema Gerechtigkeit umzugehen und da eben Alternativen zu finden, die nicht auf Ausbeutung und Ungerechtigkeit basieren.

Du stellst so viele Fragen und weißt selbst, Du wirst niemals gleich viele Antworten bekommen. Was macht es denn für einen Sinn dennoch täglich neu Fragen zu stellen?

Ich glaube, es ist wichtig Fragen zu stellen. Und auch zu hinterfragen. Sich selbst, aber auch seinen Glauben und die Systeme in denen man so steckt. Ich halte das für unheimlich gesund. Es ist zwar bequemer mit im Strom zu schwimmen, aber ohne Fragen bekommt man keine eigenen Überzeugungen denke ich. Und außerdem bin ich auch von Natur aus ein neugieriger Mensch. Ich stelle gerne Fragen und lerne gerne dazu. Und auch das Fragen stellen als Stilmittel finde ich spannend. Ich finde gerade wir Christen sind oft so schnell dabei alle Antworten geben zu wollen und uns einzubilden, dass wir die auch hätten. Fragen ist da irgendwie komplexer, weil es zum Dialog einlädt, zum selbst denken, zum Austauschen, zum nicht immer einer Meinung sein müssen und ermöglicht es eben auch selbst einen Schritt zurück zu gehen und sich selbst auf die Frage einzulassen, anstatt zu suggerieren, dass man derjenige mit den cleveren Antworten ist.

Marco Michalzik in Aktion:

Drei signierte Verlosungsexemplare hält Marco Michalzik bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 12. Februar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch,
Esther, Theresa und Angela haben gewonnen!

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Stephanie Rapp: Die Gehilfin des Buchdruckers

die gehilfin des

Deutschland um 1500: Lucas Strom kommt in ein kleines Dorf. Wer ist dieser Mann? Was will er hier? Er bleibt Jahre, heiratet eine Frau, wird Familienvater und erzählt nicht, wer er wirklich ist. Seine Frau muss es von fremden Männern erfahren …

Aus der Ehe zwischen Lucas und seiner Lisbeth gehen vier Kinder hervor. Zwei davon sterben bald nach ihrer Geburt. Ein Sohn und die Tochter Lena wachsen und gedeihen.

Stephanie Rapp beginnt zu erzählen und der Funke springt sofort über. Szenen laufen beim Lesen sofort bildhaft mit. Detailreich beschreibt die Autorin das Leben jener Zeit. Dabei landet sie immer wieder auch bei religiösen Fragen. Es ist bedrückend und beeindruckend zugleich, wie die Menschen vor Luther an Gott glaubten und was die Mächtigen jener Zeit sich selbst mithilfe eigens dafür erdachter Regeln und Gesetze in ihre eigenen Taschen steckten.

Für Lena wird dann die neue lutherische Sichtweise revolutionierend für ihr eigenes Leben. Wie jeder Mensch, bis zum heutigen Tag, begeht auch sie Sünden. Sie hält es nicht mehr aus, will auf Pilgerreise gehen um Buße zu tun. Wer will schon im Fegefeuer landen? Und wenn man dies aus heutiger Sicht belächelt, bei der Story von Stephanie Rapp wird sehr deutlich wie existent das Fegefeuer und die berechneten Jahre in der Hölle waren. Durch Geld und Ablass war es möglich diese Zeit zu verkürzen. Lenas Mutter nimmt die letzten Gulden aus der Kasse des ohnehin armen Bauernhauses und gibt sie dem Priester.

In ihrer größten Not geht Lena zu Bruder Heinrich. Ein Geistlicher, der regelmäßig vorbeikommt und dem sie nun ihre größte Sünde beichten wird. Heinrich hört aufmerksam zu und glaubt nicht was er da hört. Und während Lena auf die Strafe gespannt ist, vielleicht 100 Gebete oder doch eine Pilgerreise (?), reagiert Bruder Heinrich völlig anders, als sie es je erwartet hätte: „Allein aus Gnade bist du für die Ewigkeit gerettet.“ (S.299).

Da luthert es bereits mächtig und dies sogar in dem kleinen Dorf irgendwo zwischen Mainz und Worms. Selbst Luther begegnet der Leser in diesem Buch mit seinen herrlichen Beschreibungen vom Leben vor 500 Jahren. Sehr schön, in eine spannende Handlung eingebettet, zeigt die Autorin konkrete Auswirkungen der Freiheiten, die sich plötzlich dieser Luther heraus nimmt. Immer an der Seite von Lena bleibend, wird der Leser mit in die Zeit und an wichtige Orte der Reformation mitgenommen. Neben Martin Luther begegnet der Leser auch dem Buchdrucker Peter Schöffer den es nicht nur in diesem Roman wirklich gegeben hat.

Mit Lena, der „Gehilfin des Buchdruckers“, ist Stephanie Rapp ein sehr spannender Roman gelungen, der ein farbenprächtiges Bild der Lutherzeit ergibt, besonders quälend für den Leser ist, dass die Autorin die Spannung sehr lange aufrecht hält!

SCM Hänssler, ISBN 978-3-7751-5514-4, Preis 18,95 Euro

Stephanie Rapp hat bücheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Stephanie, in diesen Tagen kommt „Die Gehilfin des Buchdruckers“ auf den Büchermarkt. Wie lange hast du an deinem 530-Seiten-Wälzer gearbeitet?

Sechs Monate lang habe ich nur recherchiert und mir dabei auch verboten, schon loszuschreiben. Als ich dann alles Wissen und alle Ideen in meinem Kopf gesammelt hatte, begann ich zu schreiben. Für das Manuskript selbst habe ich zehn Monate gebraucht.

Beim Lesen ist mir aufgefallen, du musst sehr viel recherchiert haben. An einer Stelle beschreibst du sogar, wie ein ungeborenes Kind bereits getauft wird. Woher hast du deine Informationen geholt?

Ich habe Fachbücher von Theologen und Geschichtsprofessoren gewälzt. Das Schwierige an dem Projekt war unter anderem, dass die Reformation am Übergang vom Mittelalter zur Frühen Neuzeit stattfand, dass ich mich also in beide Epochen einarbeiten musste, um die Zeit genau zu verstehen. Zwischendurch fuhr ich mit einer Freundin nach Worms, wo ein Großteil der Geschichte spielt, nahm an einer historischen Kostümstadtführung in Heidelberg teil und besuchte das Bauernkriegsmuseum in Böblingen. Dort machte ich mir Skizzen von den Waffen und vom Werkzeug der Bauern. Ich wollte diese Welt richtig verstehen.

Was beim Lesen gut rüber kommt, ist die reale Angst der Menschen vor 500 Jahren vor Hölle und Fegefeuer. Gab es bei all deinen Recherchen einen ganz persönlichen Knackpunkt, an dem selbst du gesagt hast: „Das wusste ich bisher noch nicht!“

Für die Menschen damals spielte das Übernatürliche eine riesige Rolle im Alltag und Gefühlsleben. In den meisten Mittelalterfilmen und Mittelalterromanen, die ich kenne, kommt das nicht so klar rüber, deshalb war es mir bis dahin nicht so bewusst. Aber die mittelalterlichen Menschen lebten ja noch vor der Aufklärung. Jeder glaubte – sei es nun, dass er abergläubisch oder religiös war, letztendlich war ja alles auch vermischt. Die enorme Bedrückung der Religiosität ist mir bei meinen Recherchen zum ersten Mal richtig klar geworden und genau das wollte ich auch herausstellen in dem Buch. Was für ein krasser Befreiungsschlag für diese Menschen die Reformation bedeutete.

Stephanie Rapp-1 (klein)

Foto: Stephanie Rapp

An allen Ecken luthert es bereits seit Jahren, alles bewegt sich hin auf das Jubiläumsjahr 2017. Lass uns mal ein wenig spinnen! Wenn Martin Luther plötzlich wieder auftauchen würde, was würde er sofort reformieren?

Was, wenn er sich einfach nur freuen würde an den heutigen Früchten der Reformation?! Er hat ja damals selbst gesehen, dass die neue Lehre auch leider viel Leid, Krieg und Tod mit sich gebracht hat. Aber heute leben wir – aus kirchengeschichtlicher Perspektive – in einer Zeit, in der es uns unglaublich gut geht. Die Christen in Deutschland werden nicht verfolgt, Katholiken und Protestanten bringen sich nicht gegenseitig um, die Täufer werden nicht gefoltert und getötet; Laien dürfen in der Kirche Verantwortung tragen, weil wir alle „Könige und Priester“ sind, und wir haben Zugang zu der Information, dass es einzig und allein darauf ankommt, eine Liebesbeziehung mit dem Gott der Bibel zu haben, um in den Himmel zu kommen. Da würde er vielleicht einfach nur sagen: „Ich habe viel an mir gezweifelt, Angst gehabt, mich aufgeregt und leider auch Fehler gemacht – aber für das hier hat sich der ganze Stress gelohnt.“

An deiner Protagonistin Lena wird sehr deutlich, wie die neue Theologie des Martin Luther konkrete Auswirkungen am Glauben zu Gott hat und was dies alles auch für das Leben der Menschen schon hier auf Erden bedeutet. Warum sollte mich das heute noch interessieren, schließlich ist es doch schon 500 Jahre her?

Während ich schrieb, fragte ich mich immer wieder, warum die Menschen nicht alle glücklich über die neue Lehre waren. Welche Gründe mochten sie bewogen haben, diese Botschaft „Gerettet aus Gnade“ bewusst abzulehnen? Und spielen diese Gründe für uns heute noch eine Rolle?

Ich glaube, dass der Leistungsgedanke tief in uns Menschen drin steckt. Wir ticken so: Wir machen etwas und bekommen die Rechnung dafür präsentiert – entweder als Strafe oder als Belohnung. Das sind die täglichen Erfahrungen, die wir machen. Das prägt uns. Selbst meine Kinder, denen ich immer gesagt habe, dass es nur auf Glauben ankommt und auf nichts sonst, haben mich früher immer wieder gefragt, was sie tun müssen, um in den Himmel zu kommen. Und meine Oma, die Pfarrersfrau war, sagte einmal in einer traumatischen Situation zu mir – (ihr Mann war gerade gestorben): “Er ist doch jetzt bestimmt im Himmel, er hat doch nie was Böses getan.“ Ich will ihr keinen Vorwurf machen, die Situation war extrem belastend für uns alle und sie war dadurch verwirrt, aber das zeigt doch, wie tief der Gedanke der Werksgerechtigkeit in uns Menschen steckt. Auch heute noch. Und wie oft ertappe ich mich dabei, dass ich etwas tun will, um Gott zu gefallen, um mir irgendein Wohlgefallen bei ihm zu erarbeiten!

Vor exakt drei Jahren habe ich von dir „Ungeschminkt in London“ gelesen. Muss ich nun wieder drei Jahre auf ein neues Buch von Dir warten?

Du muss ich jetzt schmunzeln…

Ich lektoriere auch, da sind auch immer wieder Bücher dabei, bei denen ich als Lektorin nicht nur Kommas setze, sondern die ich stark umschreibe, in Absprache mit Autor und Verlag. Das ist ein sehr kreativer Prozess, für den man als Lektor aber keine Publicity bekommt. Aber darauf kommt es mir auch nicht an.

Wie ich die beiden Beschäftigungen – Lektorat und Schreiben – in den nächsten Jahren gewichte, muss ich mal sehen. Ich melde mich aber bei dir, wenn ich wieder ein eigenes Buch geschrieben habe…

Das will ich doch wohl hoffen. Vielen Dank für deine Antworten!

Zwei signierte Verlosungsexemplare stellt uns die Autorin zur Verfügung. Wer seinen Kommentar oder auch eine Frage an die Autorin unter diesem Beitrag bis zum 8. Februar postet, nimmt automatisch an der Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch,
Maria & Margit dürfen sich auf das signierte Verlosungsexemplar freuen!

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Habib, Thoene: Ich kam zurück

ich kam zurück

Dieses Buch beinhaltet die unglaubliche Lebensgeschichte der Samaa Habib. Als Teenagerin erlebt sie in ihrem muslimischen Heimatland einen mehrjährigen Bürgerkrieg zwischen Schiiten und Sunniten. Das Mädchen wird in die muslimische Welt hineingeboren und alle um sie herum, auch ihr Vater, beten fünf Mal am Tag zu Allah.

Dieser Lebensbericht wird in der Ich-Form erzählt und die spannende Erzählweise, ließ mich das Buch nicht wieder aus der Hand legen. Und dennoch habe ich einige Kritikpunkte: Dass der Vater des Mädchens Philosoph und die Mutter Englischlehrerin ist und das Gamila ihre langjährige Freundin ist, wird mir gleich mehrmals erzählt. Eigenartig finde ich, dass sich im ganzen Land die Menschen nicht auf die Straße trauen, die Familie gerade all ihre Möbel verbrennt ,um nicht zu erfrieren, aber dennoch kann Samaa nacheinander Kung-Fu-, Kickbox-, Karate- und Taekwondo-Kurse besuchen. Auch warum ich als Leser nicht den Namen des Landes erfahren darf, leuchtet mir nicht ein.

Mein Bauchgefühl ist bei dieser Lebensgeschichte hin- und hergerissen. Spannung pur bietet das Buch zweifellos, aber auch Wunderheilungen en masse.

Das Mädchen lernt Jesus kennen und gleich mehrmals lese ich im Buch, wie gefährlich es ist, sich offen zu Jesus zu bekennen. Samaa hat keine Angst und erobert Seite an Seite mit Jesus ihre Welt.

Die Lebensgeschichte der Samaa beeindruckt, zieht den Leser mit in die Handlung hinein und lässt zumindest bei mir Fragen offen!

Brunnen, ISBN 978-3-7655-0917-9, Preis 16,99 Euro

Der Brunnen Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 3. Februar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Theresa – Du hast das Verlosungsexemplar gewonnen, herzlichen Glückwunsch!

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Henk Stoorvogel & Eugene Poppe: Geboren um zu fliegen

geboren um zu fliegen

Majestätisch, kraftvoll und das Haupt himmelwärts voller Gottvertrauen nach vorn gewandt, will nicht jeder von uns so sein? Der Alltag jedoch holt uns oft schnell wieder ein und leider wirken wir da gar nicht so majestätisch, kraftvoll und himmelwärts gewandt.
Die Adlerexperten Henk Stoorvogel und Eugene Poppe stellen in ihrem Buch den Adler als Symbol für all diese tollen Eigenschaften vor. Sie erinnern daran, dass er bereits in der Bibel sehr häufig Erwähnung findet. In 12 Kapiteln schreiben sie nun über den Adler und meinen doch eigentlich in erster Linie mich und meine Beziehung zu Gott. Sie halten mir vor Augen wozu ich eigentlich hier auf Erden bin. Am Beispiel des Adlers zeigen sie mir wie wichtig es ist, mein Ziel fest im Blick zu behalten und dass ich es nur konstant im Blick behalten kann, wenn ich ständig an mir arbeite. Das ist kein leichtes Leben, aber die Vision ist äußerst verlockend.
Bleib wie du bist, kann längst nicht mehr die Devise sein. In diesem Entdeckerbuch wird schnell klar, wie lohnend ein Leben himmelwärts sein kann. Aber Vorsicht hier wird nicht in Euro und Aktien abgerechnet, hier geht es um Talente die geistlich reich machen. Irgendwo in diesem Buch steht der Satz: „Nicht zu wachsen, ist keine Option.“ Und genau darum geht es in diesem Buch um den Adler und mich.
Stoorvogel & Poppe benutzen den Adler um mir zu zeigen wo es lang geht und auf was es ankommt im Leben. Sie erinnern mich daran was Gott für Erwartungen an mich hat und sie zeigen mir warum ich oft kraftlos durch den Tag marschiere. Erst wenn ich alle Angebote Gottes nutze und mich ganz mit Leib und Seele auf ihn einlasse, werde ich erkennen können was es heißt „Geboren um zu fliegen“ !

Gerth Medien, ISBN 978-3-957-34024-5, Preis 14,99 Euro

Pfarrer Henk Stoorvogel hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Henk, du hast zusammen mit Eugene Poppe ein neues Buch geschrieben. „Geboren um zu fliegen“ beschäftigt sich mit dem majestätischen Adler. Gibt es in Holland so viele davon oder warum kommst du auf solche Ideen?

Ja, in Holland haben wir einige Adler, aber nicht sehr viele. Vielleicht ist der wahre Grund, dass Eugene und ich so ergriffen sind von diesem majestätischen Vogel. Ich habe den Adler im Gebirge gesehen und war voll begeistert von ihm. Der Adler sieht so groß, so ruhig und so königlich aus. Eugene hatte mal ein Predigt gegeben über den Adler gehalten und das hatte mich fasziniert. Wir haben dann darüber gesprochen und gemeinsam das Thema konzipiert. Daraus ist dann dieses Buch entstanden.

Du vergleichst den Adler mit dem Leben von uns Menschen. Du stellst interessante Vergleiche an. Was ist das Wichtigste, was wir uns vom Adler abschauen können?

Für mich ist das die Liebe zur Sonne – natürlich in Kombination mit Blick auf die Erde. Ich glaube, dass ist das Geheimnis für ein kraftvolles leben: die Liebe zu Gott – ohne dabei geistlich einsam zu werden – weil die Liebe zu Gott kombiniert worden ist mit einem konstanten Blick auf unsere Erde. Das ist genau das was ich fühle: alles ist zum Himmel ausgerichtet und genau daraus ergibt sich viel Arbeit für uns Menschen hier auf Erden.

Gibt es etwas was uns der Adler voraus hat, etwas was wir nie erreichen können, wenn wir das Fliegen einmal außen vor lassen?

Wenn ich den Adler aus der Nähe betrachte, dann denke ich manchmal: Man ist das ein Killer… diese Augen zeigen keine Liebe, keine Sanftheit. Der Adler ist ein Raubtier – und das ist etwas was wir Menschen nie werden sollen. Wir können viel vom majestätischen Adler lernen – und die Bibel belegt dies auch, aber wir sollen nie die kalte Härte, den eisernen Blick eines Adlers bekommen.

Du weist in deinem Buch selbst auch darauf hin, schon zu biblischen Zeiten haben Menschen sehr genau auf den Adler geachtet und ihn beobachtet. Warum ausgerechnet dieses Tier und nicht die starke Ameise oder das genügsame Kamel?

Die Adler ist für uns Menschen unantastbar – ein Kamel oder auch die Ameise sind viel zu nah an Menschen. Der Adler ist der König der Lüfte, auch der Wüste und genau dies ist es was uns Menschen so an diesem Vogel berührt. Außerdem ist er ein sehr starker Jäger, er hat unwahrscheinlich scharfe Augen, kann sehr weit fliegen, fast ohne seine Flügel zu bewegen – ich denke das Menschen schon vor Jahrhunderten gesehen haben: welch ein besonderes Tier der Adler ist!

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Foto: Henk Stoorvogel

Was hat dir ganz persönlich das Schreiben an deinem Buch gegeben?

Meine Freundschaft mit Eugene hat sich vertieft. Dabei ist das Bild vom Adler: Augen hoch – Focus auf die Erde + die Flügel: Charakter und Kompetenz sollen zusammen wachsen + der Start (bremsen!!!) – die 5 Merkmale des Adlers sind für mich zur Checkliste meines Lebens geworden > ich prüfe die Qualität meines Lebens immer wieder auf diese fünf Merkmale ab: ist mein Focus noch immer auf Gott gerichtet? Und dabei auch noch scharf genug auf die Erde? Wachsen meine beide Flügel genau so stark? Und bremse ich genug?

Wer soll „Geboren um zu fliegen“ lesen und was ist deine Hoffnung, was soll es bewirken?

In Holland haben wir gesehen das unser Buch im Besonderen viele Männer tief berührt. Viele Geschäftsführer und Unternehmer haben das Buch gebraucht um ihr leben und ihr Geschäft weiter zu bringen. Mein Gebet ist, dass das Bild des Adlers viele Männer faszinieren wird und das viele von ihnen weitere Schritte zu Gott machen werden. Bei 4te Musketier arbeiten wir viel mit Männer, und wissen, dass sie wenig Bücher lesen. Aber dieses Buch war für viele der Hammer. Auch wir Männer brauchen guten geistlichen Input um weiter zu kommen in unserer Beziehung zu Gott. So, lass uns lesen!

Vielen Dank und viel Erfolg mit euerm Buch!

Henk Stoorvogel hält ein signiertes Verlosungsexemplar bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 1. Februar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Thomas Harry: Von der Kunst, sich selbst zu führen

P-2011-12-19-1 Härry Thomas Echt und Stark NA

Von Thomas Harry habe ich in den letzten Jahren bereits einiges gelesen, deshalb habe ich mit Spannung „Von der Kunst, sich selbst zu führen“ erwartet.

Zunächst klingt, sich selbst zu führen, in meinen Ohren fremd und ungewohnt. Aber dann beim Lesen wird schnell klar, was der Schweizer Theologe meint. Er will, dass wir für uns selbst etwas tun und Verantwortung übernehmen. Mit konsequenter Ausrichtung auf Gott exerziert er Begriffe wie Selbstverantwortung, Selbstklärung, Selbstfürsorge und Selbststeuerung durch. Wer den Autor bereits kennt, der weiß, von grauer und ermüdender Theorie hält er nichts.

„Wenn wir uns als Christen selbst führen, schöpfen wir nicht aus Ressourcen, die aus uns selbst kommen oder die wir selbst produzieren können. Wir schöpfen aus Ressourcen, die in Gott sind und die er uns schenkt.“

Der Referent für Theologie, Gemeindearbeit und Leiterschaft am Theologisch-Diakonischen Seminar in Aarau schreibt gut verständlich, alltagstauglich und vor allem erbittert herausfordernd und unbequem für mich als Leser. Thomas Harry nimmt sich die Freiheit, sich in mein Leben einzumischen, danach zu fragen, ob es sinnvoll und zukunftsorientiert ist.

„Wer die primäre Zuständigkeit und Verantwortung für sein eigenes Fühlen, Ergehen und Verhalten von sich weist, sucht die Gründe für seinen Schmerz, seinen Stress, seine Probleme immer in den Umständen und bei anderen Menschen.“

Ungewollt, aber doch gewinnbringend, trete ich noch während des Lesens in einen lebhaften Dialog mit ihm ein. In roter Schrift sind einige markante Sätze des Autors auf den Seiten platziert. Hin und wieder möchte ich mit Harry gern diskutieren, widersprechen … Doch eines bleibt, er holt mich runter vom hohen Ross des tollen Christen. Er macht mir alle Unvollkommenheit deutlich und führt mich zur Quelle aller Kraft, Hoffnung und Freiheit. Das alles ist ein Ziel, welches plötzlich erreichbar scheint.

„Was also bleibt, wenn Nichtstun keine Option ist? Dann gilt es, in der Abhängigkeit Christi zu handeln, um seine Gnade zu bitten und die Folgen des eigenen Handelns zu verantworten.“

Womöglich wird dieses Buch als Sachbuch geführt und diese mag ich eigentlich nicht so sehr. Bei diesem ist es anders, weil es mich als Person direkt anspricht und ich sofort wahrnehme, dem Autor geht es speziell um meine Person und dabei kennt er mich überhaupt nicht.

„Zu akzeptieren, wer ich nicht bin und was ich nicht kann, ist genauso wertvoll, wie wenn ich meine Gaben kenne. Es ist befreiend, denn jede meiner „Ungaben“ zeigt mir einen Dienst, zu dem Gott andere ruft.“

Und so entwickelt sich das Buch zum schweren Arbeitsbuch. Hart wird es dann noch einmal auf den letzten Seiten. Thomas Harry stellt Fragen über Fragen. Und da ist dann endgültig Schluss mit lustig. Es geht um direkte Konsequenzen für meinen Lebensalltag. Man sollte sich Zeit nehmen für persönliche, ehrliche Antworten und für dieses Buch.

„Von der Kunst, sich selbst zu führen“ hat das Potenzial seinen Leser in Bewegung zu versetzen. Es bewahrheitet sich also doch: Gute Bücher ändern Leben!

SCM R. Brockhaus, ISBN 978-3-417-26591-0,Preis 19,95 Euro

Thomas Härry hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Thomas Harry, soeben ist Ihr Buch „Von der Kunst, sich selbst zu Führen“ erschienen. Was wollen Sie mit diesem Buch? Warum ist es wichtig?

Mein Anliegen ist, dass Christen damit aufhören zu sagen und zu denken: Ich bin nichts, ich kann nichts und die anderen sind schuld daran, dass es mir so schlecht geht, dass ich so viel Stress habe und so viel schief läuft auf dieser Welt. Und: Dass Menschen, die Verantwortung tragen und andere führen, endlich dort anfangen, wo sie anfangen müssen: Bei sich selbst. Andere führen kann nur, wer sich selbst führt.

Sie bringen mich dazu, mich sehr intensiv mit meiner Person zu beschäftigen, reden sogar davon Verzicht zu lernen, in meinen Alltag zu integrieren. Warum soll das alles wichtig für mich sein?

Weil wir erst dort aufblühen, wo Gottes Gnade uns trägt und wir auf diesem Boden endlich tun, was er uns niemals abnimmt: Unser Leben, unsere Gottesbeziehung, unsere Aufgaben, unsere Beziehungen zu „bebauen und zu bewahren“ (siehe 1.Mose 2,15) – also mutig und in Abhängigkeit von Gott zu bewirtschaften.

Sie nehmen ein Paulus-Wort auf. Sie brechen es herunter auf einen jeden von uns. Was kann Paulus 2015 mir noch wichtiges sagen?

Das Paulus-Wort, das Sie erwähnen, steht u.a. in Apostelgeschichte 20,28 und lautet: „Gebt acht auf euch selbst…“. Von Paulus können wir lernen, uns mit Haut und Haar an Gott zu verschenken und gleichzeitig mutig anzupacken, was er uns aufträgt – ohne dabei verkrampft oder stur zu werden. Paulus ist für mich ein schönes Beispiel für einen Menschen, der sich ganz Gott überlässt und deshalb in gelassener Entschiedenheit nach vorne lebt.

thomas härry

Foto: Thomas Härry

Wir leben in einer dramatischen Zeit, in der das Wort „Glaubenskrieg“ sehr nah in unseren Alltag rückt. Wie kann Ihr Buch mich für die aktuellen Themen unserer Zeit fit machen?

Ich kann keinen Terroristen daran hindern, sich selbst und andere in die Luft zu jagen – das gilt wohl für die meisten von uns. Aber ich kann (und das kann jeder) dafür sorgen, dass ich in dieser aufgeschreckten Welt meine Hoffnung und meine Handlungsfähigkeit nicht verliere. Ich möchte Menschen helfen, gut hinzuschauen, was Gott ihnen anvertraut hat und das auszuschöpfen. Gleichzeitig möchte ich mir selbst und meinen stressgeplagten Zeitgenossen zurufen, dass wir uns weniger über unser Schaffen und Haben definieren, sondern über unser Sein. Wir sind nicht glücklicher, wenn wir dieses und jenes auch noch haben und schaffen. Gut geht es dem, der bewusst loslassen und verzichten kann.

Welche Erwartungen haben Sie an den Leser Ihres Buches?

Dass sie den Mut haben, mein Buch langsam zu lesen – und bis zum Schluss durchzuhalten. Vor allem aber, dass sie darin konkrete, lebensverändernde Schritte für ihr Leben, ihren Glauben, ihr Leiten und Arbeiten finden. Ich wünsche mir, dass viele Gruppen das Buch gemeinsam durcharbeiten und kräftig darüber diskutieren. Wer das tut, lernt am meisten, auch wenn er manche Dinge anders sieht als ich.

Vielen Dank für Ihre Antworten!

Der Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar dieses Buches zur Verfügung. Wer seinen Kommentar oder auch eine Frage an den Autor bis zum 26. Januar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Hier Thomas Harry ganz persönlich zu seinem Buch:

Herzlichen Glückwunsch, Friederike!
Der Verlag schickt dir das Buch zu.

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Ingo Baldermann: Wer hungrig ist, komme herzu

wer hungrig ist

Verein für biblische und politische Bildung e.V., Preis 19,80 Euro

Der Neuruppiner gemeindediakonische Verein „Einsetzen statt Aussetzen“ ESTA fragte den Theologen Ingo Baldermann, ob eine Widergabe seiner selbst geschriebenen Erzählungen zur Person Jesu als CD möglich wäre. Er sagte unter der Bedingung zu, dass er selbst die Texte sprechen wolle. Und dies war eine geniale Idee!

Baldermann selbst sagt zu diesem Projekt: „Erzählen ist etwas anderes als Vorlesen – und ich begriff: Ich musste neu erzählen. Und im Erzählen wurde mir klar, dass ich von diesem einmaligen Menschen nicht in der Dritten Person erzählen konnte, aus dem Abstand des alles besser wissenden Beobachters. Beim Erzählen geriet ich unausweichlich ins Gespräch, und in einer solchen Begegnung reden wir anders, auf Du und Du – ich konnte dem nicht ausweichen.“

Hat man sich dann die drei CD’s angehört, kann man den Herrn Professor nur beglückwünschen, dass er sich mit seinen 85 Lebensjahren an dieses Projekt gewagt hat!

Mit dem Flugzeug nimmt mich Ingo Baldermann mit nach Israel. Im heiligen Land fahren wir mit dem Auto und Baldermann spricht mit weiser, in sich ruhender Stimme. Er macht das Land für mich sichtbar, führt mich in die Geschichte ein und hat dabei keine Angst, das Jahr 1933 zu erwähnen.

Er beschreibt, was er heute an historischen Stätten sieht und was damals vor 2000 Jahren wahrscheinlich zu sehen gewesen ist. Ihm gelingt diese Zeitreise zu Jesus aus Nazareth, vor allem auch deshalb, weil er biblische Tatsachen benennt, aber zugleich auch baldermannsche Bilder und Lebensweisheiten mit einbezieht, wie dies eben nur einem Erzähler vorbehalten bleibt. Vielleicht spüren heute immer weniger Menschen etwas von der Person Jesu, weil sie immer weniger von ihm erzählt bekommen?

Was uns Ingo Baldermann zu erzählen hat, sind keine altbekannten, wohlvertrauten Geschichten. Er hat seinen ganz eigenen politisch – theologischen Blick, der vergleicht und noch heute wirkende Wunden und Konflikte nicht verschweigt.

Der unbequeme Baldermann, der es seinen Hörern nicht gestattet sich unberührt zu entfernen, beschreibt zwar den historischen Jesus, aber er benutzt andere Scheinwerfer. Baldermann nähert sich Jesus neu und genau dies macht den Reiz dieses Hörerlebnisses aus!

ESTA stellt bücherändernleben zwei Verlosungsexemplare dieses Hörerlebnisses zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 22.1.2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Wer die CD’s kaufen möchte, wendet sich bitte an: buero@estaruppin.de

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