Ute Aland: Die Gottesversprecher

die gottesversprecher

Sara ist 27 Jahre alt, Single und auf der Suche nach dem richtigen Weg zu Gott. Da ist es für sie kein großes Ding, Dan zu folgen. Der verlässt gerade seine alteingesessene Gemeinde und erklärt sich selbst zum geistlichen Leiter einer kleinen Gruppe, die gerade entsteht. Der Typ scheint den Willen Gottes sehr genau zu kennen. Er schreibt jedem Einzelnen in der Gruppe genau vor, was er zu tun und zu lassen hat. Ich lese dies Seite für Seite und frage mich: „Wie können Menschen mitten in Deutschland heute so dumm sein und so einem Typen hinterherlaufen?“ Aber Sara beschreibt ihre Geschichte so perfekt, dass alles stimmig erscheint. Dan hat das Charisma und besitzt die nötige Redekunst, andere von sich abhängig zu machen. Nur sehr langsam wird einigen immer unwohler in dieser Gruppe. „Gottes Speerspitze“ sollen sie nach Dans Worten sein, dabei …

Ute Aland beschreibt einfühlsam und doch in aller Offenheit. Wer ohne Scheuklappen liest, wird auch Kritik an Kirchengemeinden lesen.

Die junge Heldin, lebt ab sofort deutlich über ihren Verhältnissen, bricht den Kontakt zu ihren Eltern ab und lässt sich den Willen Gottes allein von Dan erklären. Er allein sagt, wo es lang geht. Er allein weiß, was richtig und falsch ist. Aber eines Tages taucht Ben auf und zwischen Sara und ihm funkt es sofort. Aber Ben durchschaut sofort Dans Masche und will Sara aus dieser Sekte befreien, aber Dan verhängt ein Kontaktverbot.

Auch wenn das Wort „Zwitracht“ (Seite 213) noch immer mit ie geschrieben wird und sich auch einige Kommafehler ins Buch eingeschlichen haben, ist diese Story doch ein Lehrbuch für alle, die gern charismatischen Führern hinter her laufen. Immer sollte man überprüfen, wo es um tatsächliche geistliche Führung geht und wo es lediglich um die irdische Macht eines Einzelnen geht.

Wenn Liebe und Gottvertrauen Hand in Hand gehen, kann kein Feind mehr siegen, mit diesem Roman ist Ute Aland der Beweis eindeutig gelungen!

Brunnen, ISBN 978-3-765-50911-7, Preis 16,99 Euro

Ute Aland hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Was sie da über geistlichen Missbrauch schreiben, geht ziemlich unter die Haut. Wie viel von der Protagonistin Sara, haben sie selbst erlebt?

Ich selber habe missbräuchliche Strukturen ansatzweise kennen gelernt und ich glaube, deswegen konnte ich das Verführerische an diesen Systemen wohl ganz gut nachvollziehbar machen.
Missbrauch in solch massiver Form habe ich glücklicherweise selber nicht erlebt.
Aber weder Sara noch sonst jemand in „die Gottesversprecher“ sind real existierende Personen.
Ich habe Berichte von Menschen gesammelt, die aus solchen Strukturen ausgebrochen sind und mir ihre Erlebnisse erzählt haben. Diese Erlebnisse habe ich verschiedenen fiktiven Personen zugeordnet. Mein Ziel war es, den Leser möglichst mit zu verführen – wie bei einer Impfung wollte ich quasi eine Infektion mit einem abgeschwächten Erreger, damit man immunisiert ist, falls man in solche Zusammenhänge gerät.

Beim Lesen verfällt Ihre Protagonistin immer mehr ihrem charismatischen geistlichen Führer. Ich hab mich wiederholt gefragt: „Warum bekommt Sara scheinbar nichts mit?“ Können Sie vielleicht mal kurz beschreiben wie und vor allem warum Menschen in unserer Gegenwart solchen Typen auf den Leim gehen können?

Ich glaube, jeder Mensch ist zutiefst angetrieben von dem Wunsch, etwas Besonderes sein zu wollen, wichtig, relevant für diese Welt. Ich glaube, diese Sehnsucht ist sogar von Gott in uns hinein gelegt und Gott selber will sie erfüllen. Charismatische Christen ( Charisma hier im Sinne von „Ausstrahlung“) mogeln sich nach und nach in die Position des Heiligen Geistes, indem sie vorgeben, Gottes Reden und Wollen weitaus besser zu verstehen als die Menschen um ihn herum. Ich bin sicher, diese „Leiter“ glauben selber, ihnen stünde diese Position zu und verteidigen sie immer vehementer. Völlige Entmündigung ist die Folge.
Ich fürchte, das Problem, das Sie ansprechen ist ein Prinzipielles: Soweit ich das beurteilen kann, hat es mit der Art des Evangeliums zu tun, was in weiten Teilen gepredigt wird. Da geht es viel zu häufig im Grunde nur darum, als Christ ein erfülltes, glückliches, gelingendes, souveränes Leben zu führen. Das ist das Zuckerbrot. Die Peitsche kommt dann, wenn die Versprechungen nicht haltbar sind, wenn Zweifel aufkommen.

Gibt es einen wirksamen Schutz gegen geistlichen Missbrauch?

Wahrhaftigkeit sich selber gegenüber. Denn man fängt irgendwann an, das Reden seines Herzens zum Schweigen zu bringen, weil man dort allerlei Schlechtigkeit vermutet (wird ja dann auch so gepredigt.)
Im Grunde ist also das Evangelium selber das beste Gegenmittel. Das Evangelium, das uns als die Gerechtigkeit Gottes versteht, als neue Kreatur, in der Gott Wohnung genommen hat. Viele Leiter predigen das sogar, leiten aber völlig anders, eher nach alttestamentlichem Verständnis.
Ein anderer Aspekt ist: Leider handeln viele christliche Lieder davon, dass Gott irgendwie da oben, weit weg, verborgen ist. All diese Sehnsuchtsbekundungen gaukeln uns doch vor, wir müssten irgendwas tun, um Gott „nahe“ zu sein, dabei geht es ja gar nicht mehr näher: Er hat in uns Wohnung genommen, als Gemeinschaft der Gläubigen sind wir sogar sein irdischer Leib.
Ein wirksamer Schutz ist deshalb auf jeden Fall, die Bibel eigenverantwortlich zu lesen (nicht nur vorgefertigte Auslegungen) und damit zu rechnen, dass der Heilige Geist es zustande bringt, zu jedem selber zu reden, wenn Er es für richtig hält.

ute aland

Foto: Ute Aland

An einigen Ecken habe ich Sara dann doch ganz gut verstanden, warum sie sich von der einst heimischen Gemeinde abgewandt hat. Die Gründe warum sie sich dort nicht wohlfühlte kann ich nachvollziehen, aber weglaufen scheint dann doch nicht so die richtige Reaktion zu sein?

Doch.
Ich verstehe Sara sehr gut. Im Grunde gilt hier dasselbe: In ihrer alten Gemeinde hat sie auch ein Spiel mitgespielt und ihrem Herzen „Klappe halten, mitmachen“ verordnet.
Ich weiß, das ist verwirrend, aber ich glaube, in dieser Zeit wird – was den Leib Christi angeht – viel erschüttert.
Ich gebe Ihnen Recht, man sollte nicht auf der Suche nach einer Traumgemeinde ständig weiterziehen, aber Sara hat in ihrer alten Gemeinde nur die Erwartungen ihrer frommen Eltern erfüllt und viel geheuchelt. Heuchelei konnte schon Jesus nicht ausstehen, ich nehme an, weil Wahrhaftigkeit in Beziehungen (und dann natürlich auch in unserer Gottes- und Geschwisterbeziehung) unabdingbar ist.
Meine Beobachtung ist übrigens, dass diejenigen, die sich nach ihren Missbrauchserfahrungen wirklich mit dem Erlebten auseinandergesetzt haben, zu einer sehr innigen, reifen Gottesbeziehung gelangt sind.

Bislang habe ich noch nichts anderes von Ihnen gelesen. Habe ich da etwas verpasst und kommt da in Zukunft noch mehr?

Doch, da kommt noch was: Ich habe mich an ein Thema rangewagt, das meines Erachtens einer der sensibelsten Punkte unseres Glaubens und eines der schlagkräftigsten Argumente der Atheisten ist. Außerdem war es lange Jahre meines Lebens eine außerordentliche Herausforderung : Das Leiden des Gerechten – ich schreibe also gerade ein Buch über Hiob.
In und durch meine Hiobszeit habe ich Gott auf völlig neue Weise kennengelernt. Ich halte mittlerweile das biblische Buch Hiob für eine der zartesten Selbstoffenbarungen Gottes.
Ich habe mir die Aufgabe gestellt, diese Geschichte auf unterhaltsame und gleichzeitig tiefgreifende Weise zu erzählen und alles, was Gott mir offenbart hat, dabei miterlebbar zu machen. In Hiob steckt Herzblut.
Außerdem hatte ich mir vorgenommen: Ich will, dass der Leser trotz der Schwere ab und an lachen muss und ich war sehr zufrieden, wenn die Lektorin an den Rand geschrieben hat: Hier musste ich schallend lachen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ute Aland stellt bücherändernleben ein signiertes Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 18. Januar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch!
Rahel hat das signierte Verlosungsexemplar gewonnen.
Die Autorin wird das Buch in den nächsten Tagen abschicken.

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17 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

17 Antworten zu “Ute Aland: Die Gottesversprecher

  1. Björn

    Toll, habe es gerade erst im Prospekt entdeckt.

  2. Margrit

    Da bin ich doch mal interessiert an einem Lese-Expl. …

  3. Rahel

    Darüber würde ich mich sehr freuen!

  4. Fred

    Ja, Systeme können einen innerlich auffressen. Hab ich selbst so erlebt. Heute bin ich raus und trotzdem ein tiefgläubiger Mensch geblieben. Danke für dieses Buch.

  5. B.B.

    Ich würde mich sehr über dieses Buch freuen.

  6. birgit fehl

    Der bericht macht neugierig auf mehr…:-)

  7. Bernd Pfeifer

    Da bin ich mal sehr gespannt,..

  8. Ute Aland

    Liebe vielleicht- Leser, es scheint ja wirklich den Bedarf zu geben, sich mit diesem Thema in aller Ehrlichkeit auseinander zu setzen. Soweit ich als Autorin zu der Diskussion beitragen kann, stehe ich natürlich gerne zur Verfügung.
    Möge sie fruchtbar und konstruktiv sein, es geht ja hier immerhin um den Leib Christi.
    Ute Aland

  9. Es gibt ein tollen Lied von Janny Grein, was in diese Thematik passt:

    Stärker als vorher

    wenn die Jahreszeiten ihren Lauf nehmen
    gibt es eine Lektion zu lernen
    gebrochene Flügel brauchen Zeit zum Heilen
    bevor sie wieder fliegen lernen
    auf dem Atem Gottes werden sie sich aufschwingen
    und sie werden stärker sein als vorher

    1)
    obwohl der Regen auf uns niederprasselt
    kommt damit auch neues Leben in den Boden
    und ich weiß, dass die Sonne wieder scheinen wird
    und das gibt meinem Herzen wieder Hoffnung

    2)
    ich weiß Gott kann alle Dinge heilen
    zerbrochene Leben und gebrochene Flügel
    nur er allein kann mein Herz wieder heilen,
    das diese Welt zerbrochen hat

    3)
    schau nicht in die Vergangenheit zurück
    was früher Feuer war ist jetzt Asche
    lass es tot sein und vergangen sein
    jetzt ist die Zeit nach vorn zu gehen

  10. Armin E.

    Nichts für ungut, aber wenn ich in einer Rezension selbst mindestens 9 Kommafehler gemacht hätte, würde ich die Kommafehler des rezensierten Buches nicht erwähnen …

    • buecheraendernleben

      Hallo Armin,
      ja, Kommastellen sind meine Schwachstellen.
      Und nun sogar neuen Kommafehler?
      Kannst Du die bitte alle benennen?

      • Armin E.

        Ein paar sind ja jetzt anscheinend schon weg – ich bin z.B. ziemlich sicher, in dem Satz, in dem die Kommafehler des Buches erwähnt werden, vorher auch einen gesehen zu haben. Im Moment finde ich noch fünf:

        Rezensionsteil:
        3. Absatz: kein Komma nach „Heldin“

        Interviewteil:
        1. Frage: kein Komma nach „Protagonistin Sara“
        2. Frage: Komma nach „beschreiben“
        4. Frage: Komma nach „Gründe“ und nach „wohlfühlte“

  11. Ein schweres Thema und ein mutiges Buch, welches ich gerne lesen würde.

  12. Niklas

    Wow, welch ein spannendes und wichtiges Thema!

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