Marco Michalzik: Hörbuch – Der obdachlose Gott

der obdachlose gott

Beim Zuhören merkt man sofort, da kann jemand mit Sprache umgehen! Dies nutzt Marco Michalzik schamlos aus, um uns vor Augen zu führen, wie weit biblische Botschaft und unsere Lebensführung auseinander laufen. Theorie und Praxis scheinen oft keine Chance auf Berührung zu haben.

Und doch steckt der junge Mann nicht den Kopf in den Sand. Er steht auf der Bühne, sagt, dass er an Gott glaubt und stellt seinen Hörern unbequeme Fragen. Darunter auch die: Warum lassen wir unseren Gott, der doch selbst auch einen Migrationshintergrund hat, erst lange anklopfen und um Einlass bitten? Warum machen wir ihm nicht einfach ungefragt die Tür weit auf? Fragen, die ganz unmittelbar direkt ins Leben zielen. So ganz nebenbei wird einmal mehr klar, wie aktuell die Bibel ist.

„Der obdachlose Gott“ ist allerdings nicht für jeden Hörer geeignet. Wer vor Selbstgerechtigkeit nur so strotzt und wer sich vor Sattheit nur noch auf seinem Sofa räkelt, dem sind diese Texte nicht zuzumuten, könnten sie doch eine Revolution auslösen.

Wer allerdings Fragen an sich und seinen Alltag hat, wer auf der Suche nach einem gerechten Lebensweg ist, den werden die Texte von Marco Michalzik garantiert nicht kalt lassen. Man muss diesen Typen mit seiner neugierig-frechen Stimme einfach mögen. Er jongliert mit Wörtern, hält keine Moralpredigten und vor allem bezieht er sich selbst in seine Texte mit ein.

Marco Michalzik hat die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, aber er hat den Mut die richtigen Fragen zu stellen!

Gerth Medien, ISBN 978-3-957-34046-7, Preis 11,94 Euro

Marco Michalzik hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Hallo Marco, auf dem Cover Deiner CD steht „Poetry Slam-Texte über Gott und die Welt“. Das klingt in meinen Ohren noch nicht so gefährlich, aber dann höre ich Deine Texte und denke mir, der Typ rückt mir ganz schön auf den Pelz mit seinen Fragen, ja der stellt ja sogar unseren Lebensstil in Frage, geht’s Dir nicht gut oder warum tust Du das?

Haha, ja, mir geht’s super. Danke der Nachfrage 🙂 In erster Linie stelle ich diese Fragen ja auch mir selbst, weil ich merke, dass oft das, was ich sage und das was ich lebe nicht so zueinander passt. Und ja das stellt natürlich den Lebensstil in Frage. Ich finde hinterfragen unbedingt wichtig. Sowohl sich selbst, als auch Strukturen oder Organisationen in denen man steckt, seien es nun Kirchen, Gemeinden, oder sogar auch zwischenmenschliche Beziehungen. Und warum tue ich das, gute Frage?! Ich bin vor ner Weile mal beim Lesen der Bibel über ein kleines Buch im Alten Testament gestolpert – das Buch Amos. Ich finde dieses kleine Buch passt einfach so krass genau in unsere Gesellschaft heute. Es geht nämlich im Grunde um eine Wohlstandsgesellschaft, die Frieden hatte, der es wirtschaftlich gut ging und die ihre Frömmigkeit in aufwendigen Opferzeremonien und pompösen Gottesdiensten zelebrierte. Und interessant wird es dann, wenn dieses Bild kippt und Gott quasi dieser Gesellschaft den Spiegel vorhält und zeigt, dass ihn dieses Getue überhaupt nicht interessiert und dass eine solche Frömmigkeit ihm nichts bedeutet, so lange dieses Gesellschaft eben auf Systemen basiert, die die Armen und die Fremden benachteiligen und ausbeuten. Und ich finde dieses Zitat von Gott da wirklich bahnbrechend, weil es auf den Punkt bringt, worum es Gott offenbar zu gehen scheint und wie weit wir da mit unserem Christsein von entfernt sind: „Ich hasse eure Feiern, geradezu widerwärtig sind sie mir, eure Opferfeste verabscheue ich. Eure Brand- und Speiseopfer nehme ich nicht an, und wenn ihr Tiere mästet, um sie mir darzubringen, ist mir das völlig gleichgültig. Eure lauten Lieder kann ich nicht mehr hören, verschont mich mit eurem Harfengeklimper. Setzt euch lieber für die Gerechtigkeit ein! Das Recht soll das Land durchströmen wie ein nie versiegender Fluss“ (Amos 5,21-24).

Du drückst es natürlich viel poetischer aus, aber im Grunde genommen sagst Du: biblische Theorie und unser Lebensalltag liegen weit auseinander. Aber glaubst Du wirklich die haben sich jemals getroffen? Aus welchem Grund sollten wir grad heute aktiv werden?

In der breiten Masse haben die sich in der Kirchengeschichte vermutlich wirklich nicht allzu oft getroffen. Wer da historisch bewanderter ist als ich darf mich gerne korrigieren. Aber ich finde es eben schwierig zu sagen, dass ich an Gott glaube und die Bibel ernst nehme und dann aber so schizophren damit umgehe. Alles was irgendwie Moral und Ethik angeht wird mega hochgehalten (manchmal sogar höher als es die Bibel überhaupt tut) und wenn es um ganz praktische Themen und gerade auch um das Thema Gerechtigkeit, Nächstenliebe, Friedensstifter sein geht, dann tun wir irgendwie alle so, als stünde das da nicht. Und um noch einmal auf die Geschichte zurück zu kommen, es hat ja immer wieder Menschen gegeben, die genau diese Diskrepanz angeprangert haben und durch ihr Leben ein Beispiel gesetzt haben, wie es aussieht, wenn sich das eben doch trifft. Ich denke da z.B. an Franz von Assisi, Mutter Theresa, Martin Luther King, Dietrich Bonhoeffer, William Wilberforce oder David Livingstone um nur ein paar zu nennen. Solche Biografien zeigen, dass es Menschen gab, die das geglaubt und gelebt haben und das inspiriert uns heute Herausforderungen wie z.B. die modernen Formen der Sklaverei anzugehen, uns für und nicht gegen Flüchtlinge einzusetzen und einfach Hoffnungsträger zu sein. So heißt ja dann auch ein Stück aus dem Hörbuch.

Wie bist Du eigentlich zum Poetry Slam gekommen?

Ich habe schon seit der Grundschule mehr oder weniger regelmäßig irgendwelche Texte geschrieben, bin darüber zum Rappen gekommen und eigentlich darüber dann zum Poetry Slam. Das wäre so die Kurzfassung. Im Grunde bin ich schon ganz lange Fan von Spoken Word Sachen, die ich aus Amerika kannte, hab dann gemerkt, dass es das auch in Deutschland gibt und hab’s mir einfach mal angeschaut, um mich inspirieren zu lassen für ne CD Produktion, an der ich zu der Zeit gearbeitet habe und was soll ich sagen – bin dabei hängen geblieben. Hat also offensichtlich also auch einen gewissen Suchtfaktor.

Wo trittst Du auf, wer kann Dich einladen und wie reagieren Deine Hörer auf so viel Kritik an unserer Lebensführung?

Ich trete gerne und viel bei Poetry Slams und Lesebühnen auf, aber mittlerweile auch echt oft bei Kleinkunst Events mit Künstlern aus verschiedenen Genres und auch ab und zu in Gottesdiensten und bei größeren Jugendevents. Mach ich auch alles echt gerne. Ich glaube, die Zuhörer fühlen sich da auch nicht so stark kritisiert. Das will ich auch gar nicht. Die bekommen schon mit, dass ich in erster Linie meine Sicht der Dinge von mir gebe und das zuerst auch zu mir selbst sage – wenn dann was dabei ist, was darüber hinaus auch noch jemand anderes zum Nachdenken angeregt wird, find ich das natürlich geil. Ich bilde mir ja auch gar nicht ein mit den Texten irgendwen zum Umdenken zu bringen. Das ist gar nicht mein Anspruch. Ich erzähl dir einfach davon, was ich erlebe, was mich bewegt und wie ich die Sache sehe und find’s super, wenn du daraus was für dich ziehen kannst, oder auch wenn wir darüber einfach ins Gespräch kommen können und ein Dialog entsteht. Außerdem sind ja auch längst nicht alle Texte so kritisch und hinterfragend. Manche sind auch durchaus humorvoll, oder feiern einfach das Leben an sich.

Was mir an Deinen Texten besonders gut gefällt: Du nimmst Dich selbst in Deine Texte mit hinein und deshalb nehme ich all meinen Mut zusammen und frage Dich: Was tust Du konkret in Deinem Leben, dass Theorie und Praxis sich zumindest mal etwas annähern können?

Marco Michalzik

Foto: Marco Michalzik

Puuhh, das ist eine gute Frage. Aber du hast natürlich schon Recht. Immer nur den Status Quo zu kritisieren ohne konstruktive Vorschläge, wie man es besser machen kann, ist natürlich Mist. Ich bin da auf jeden Fall noch mitten im Lernprozess und kann da mit Sicherheit keine Methode vorstellen, die man anwenden kann, um die Theorie erfolgreich in die Praxis umzusetzen. Mir ist in den letzten Jahren dieser Vers in Matthäus 22 extrem wichtig geworden. Da steht ja im Grunde, dass es unterm Strich beim Christsein darum geht Gott zu lieben mit allem was mich ausmacht und meinen Nächsten wie mich selbst. Ich habe gemerkt, dass ich wenig Interesse an Institutionen und Religion habe, die sich nur selbst erhält und sich selbst genug ist. Wenn Kirche nicht für die Menschen ist, kann ich da nichts mit anfangen. Aber du hast ja noch nach konkreten Ansätzen gefragt und bei mir persönlich ist es so, dass ich mich z.B. bei einem Projekt gegen Menschenhandel und Zwangsprostitution engagiere (Justice Project Deutschland // http://www.thejusticeproject.de) und eben auch die Plattformen, die ich habe durch die Künstlersachen, gerne nutze, um solche Projekte zu unterstützen und auf Themen aufmerksam mache, die in so einem Rahmen vielleicht sonst nicht so oft zu Hören sind. Es gibt meiner Ansicht nach auch ganz viele kleine und einfach Dinge, die man tun kann und die trotzdem eine enorm große Wirkung haben. Ich finde z.B. auch die Arbeit von Compassion und World Vision großartig. So ein Kind monatlich zu supporten und so Zugang zu Bildung und Zukunft für seine Familie zu ermöglichen ist etwas wundervolles, was wir tun können und dabei oft nicht mal merken, dass wir monatlich was abgegeben haben von unserem Überfluss. Und auch was so den Konsum von Klamotten und Lebensmitteln angeht, versuche ich bewusst mit dem Thema Gerechtigkeit umzugehen und da eben Alternativen zu finden, die nicht auf Ausbeutung und Ungerechtigkeit basieren.

Du stellst so viele Fragen und weißt selbst, Du wirst niemals gleich viele Antworten bekommen. Was macht es denn für einen Sinn dennoch täglich neu Fragen zu stellen?

Ich glaube, es ist wichtig Fragen zu stellen. Und auch zu hinterfragen. Sich selbst, aber auch seinen Glauben und die Systeme in denen man so steckt. Ich halte das für unheimlich gesund. Es ist zwar bequemer mit im Strom zu schwimmen, aber ohne Fragen bekommt man keine eigenen Überzeugungen denke ich. Und außerdem bin ich auch von Natur aus ein neugieriger Mensch. Ich stelle gerne Fragen und lerne gerne dazu. Und auch das Fragen stellen als Stilmittel finde ich spannend. Ich finde gerade wir Christen sind oft so schnell dabei alle Antworten geben zu wollen und uns einzubilden, dass wir die auch hätten. Fragen ist da irgendwie komplexer, weil es zum Dialog einlädt, zum selbst denken, zum Austauschen, zum nicht immer einer Meinung sein müssen und ermöglicht es eben auch selbst einen Schritt zurück zu gehen und sich selbst auf die Frage einzulassen, anstatt zu suggerieren, dass man derjenige mit den cleveren Antworten ist.

Marco Michalzik in Aktion:

Drei signierte Verlosungsexemplare hält Marco Michalzik bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 12. Februar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch,
Esther, Theresa und Angela haben gewonnen!

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12 Kommentare

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12 Antworten zu “Marco Michalzik: Hörbuch – Der obdachlose Gott

  1. Björn

    Er hat es einfach drauf!

  2. Julia

    Richtig guter slammer!

  3. Verena

    Ich bin einfach immer wieder berührt von seinen Texten!

  4. Margrit

    Kürzlich hat mir jemand dieses Hörbuch vorgestellt …

  5. Voll cool. Danke. Habe es gleich meinen Kids weitergeleitet.

  6. Angela

    Ich wundere mich ein bisschen dass das bei Gerth Medien erscheint, aber ich finde es gut! Klingt sehr spannend, davon würde ich mich gerne hinterfragen lassen!

  7. theresa

    Das wäre was für meinen Mann.

  8. Adeline

    Dieses Buch interessiert mich unglaublich stark. Würde es sehr gerne lesen!

    • Nick

      Liebe Adeline, da muss ich doch wirklich mal fragen: ließt du überhaupt , welche Rezension hier geschrieben wird, oder kommentierst du einfach drauf los, um es einfach zu haben?
      Ich will nicht frech wirken, aber bitte versuche nicht nur zu gewinnen, sondern interessiere sich auch für das, was du da vielleicht bekommst.
      Warum schreibe ich? Nun ja, es handelt sich hier nicht um ein Buch!
      Beste Grüße

  9. Esther

    christlicher Poetry-Slam = genial! „Meine“ Jugendlichen wären sicher auch Nutznießer des Gewinns. 😉 Ich bin dabei!

  10. Da steige ich doch mal mit ein! Klasse Typ, den kannte ich schon!

  11. Mein Bruder hat mich eben drauf aufmerksam gemacht. Wir mögen den beide. Aus dem Grund versuche ich auch mal mein Glück 🙂

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