Maria W. Peter: Die Küste der Freiheit

Die Küste der Freiheit

Eigentlich kommen auf bücherändernleben fast immer christliche Verlage zum Zuge, aber hin und wieder lohnt sich ein Leserblick über den Tellerrand hinaus. In diesem Fall machte mich die Autorin selbst auf ihr Buch aufmerksam und schrieb mir: „Seit fast zehn Jahren schreibe ich christlich inspirierte historische Romane für Bastei-Lübbe. Es ist für mich eine große Herausforderung und ein ernsthaftes Anliegen, in einem weltlichen Verlag über Themen des Glaubens und des Christentums publizieren und damit auch solche Leser erreichen zu können, die von sich aus womöglich nie zu einem Buch aus den großen christlichen Verlagshäusern greifen würden.“ Ich bin Maria W. Peter sehr dankbar für ihren Hinweis.

Diese deutsch-amerikanische Story führt ihren Leser zurück in das Jahr 1776. Im hessischen Land lebt Anna Hochstetter allein mit ihrem Vater in einer ärmlichen Hütte im vermeintlichen Schutz einer Amisch-Gemeinschaft.

Was mich an diesem beinah 900-Seiten Wälzer beeindruckt hat, dass ist zum einen die gefühlvoll erzählte Liebesgeschichte zwischen der Mennonitin Anna und dem Sekondeleutnant von Tannan, der wiederum Papist ist. Besonders beeindruckt bin ich auch von der sehr gewissenhaft geführten Recherche der Autorin, was die historischen Fakten ihrer Geschichte anbelangt.

Anna erlebt, dass Menschen, die streng nach den Regeln und Geboten ihrer Kirche leben, nicht immer menschenfreundlich leben. Aber Anna lässt sich nicht verbiegen, nimmt schwere Niederlagen in Kauf, um ihren Glauben zu leben. Sie rettet einem lebensgefährlich verletzten Mann das Leben und damit beginnt erst recht für sie ein schwerer Weg, der sie in die Einsamkeit führt und schließlich auch als Schuldmagd auf einem Schiff enden lässt, welches Kurs auf Amerika nimmt. Dort lernt sie Sklavenhaltung kennen und erfährt etwas vom amerikanischen Unabhängigkeitskrieg. Spannend und eigentlich zum ersten Mal bekomme ich in diesem Roman die vielen unterschiedlichen deutschen Strömungen und Ideen präsentiert, die per Schiff mit nach Amerika gelangten. Alle diese Strömungen stehen unter dem großen Begriff Freiheit, egal ob diese nun im politischen Bereich oder im religiösen anzusiedeln sind, oftmals haben sie gleich mehr als nur einen Berührungspunkt, dies ist so ganz nebenbei auch heute noch so.

So schnell bin ich bisher selten durch 900 Seiten geeilt. Maria W. Peter lässt mich in ihrer gr0ßartigen Auswanderergeschichte aber auch ziemlich lange zappeln …

Hat diese Liebesgeschichte zwischen Anna und Lorenz, die einst in Hessen begann, in Amerika eine Chance? Kann diese Liebe zu jener Zeit Standesgrenzen sprengen und passen der Katholik und die Mennonitin tatsächlich zusammen?

Ein bewegendes Leseerlebnis, bei dem von Anfang an mein Kopfkino mitlief!

Bastei Lübbe, ISBN 978-3-404-16735-7, Preis 9,99 Euro

Maria W. Peter hat bücherändernleben nun diese Fragen beantwortet:

Liebe Maria W. Peter, „Die Küste der Freiheit“ beschäftigt sich mit dem ewigen Drang des Menschen nach Freiheit. Wie kam es ausgerechnet zu dieser Story mit diesem Thema?

So etwas ist schwer festzumachen. Bisweilen plant man Figuren und Handlungsverlauf eines neuen Buches, dabei entstehen plötzlich Ideen und Bilder einfach so im Kopf und fügen sich dann wie von selbst passend zusammen. Der Drang nach Freiheit kristallisierte sich dabei als das große verbindende Element aller Hauptfiguren des Romans heraus, widergespiegelt vom historisch-politischen Hintergrund der Amerikanischen Revolution (die ja alle großen Revolutionen auf dem Amerikanischen Kontinent beflügelte).

Ihre Heldin Anna ist Mennonitin. Mit ihren freiheitlichen Gedanken eckt sie überall an. Nächstenliebe ist ihr wichtiger als das Befolgen starrer Gebote. Solche Helden werden immer gebraucht. Was meinen Sie, warum sind sie so selten?

Wahrscheinlich liegt es in der Natur des Menschen, sich gerne an Regeln, Geboten, Gesetzen festzuhalten, da dies das Leben im Alltag bedeutend vereinfacht. Man muss nicht jede Handlung für sich selbst moral-ethisch neu durchdenken, sondern hält sich an das, was buchstäblich geboten ist. Grundsätzlich ist dagegen auch nichts einzuwenden. Jede Gesellschaft braucht ein gewisses Maß an Regeln und Grundfesten, damit das menschliche Miteinander funktioniert. Doch müssen diese Regeln im Dienste des Menschen stehen, nicht ihn nicht knechten und in Unmündigkeit halten. Oder um es mit einem ganz zentralen christlichen Grundgedanken zu formulieren: Das Gebot ist für den Menschen da, nicht der Mensch für das Gebot. Bei allen noch so notwendigen Gesetzen und Regeln muss es immer zuerst um das Wohl des Menschen gehen, um die Liebe zu Gott und zum Menschen, um es wieder mit einem biblischen Begriff zu benennen. Doch sich um des Menschen Willen über starre Regeln und Gesetze hinwegzusetzen, bedarf es einer geistig-moralischen Reife und Größe, die nicht jeder Mensch immer aufzubringen vermag. Manche sind zu bequem dazu. Doch viele haben einfach Angst, eine unsichtbare Grenze zu überschreiten, aber auch vor den Folgen ihres Handelns. Doch es gab und gibt sie immer wieder, Menschen, die den Mut und die Freiheit besitzen, zu sehen, was in einer Situation notwendig und richtig ist und – wenn nötig – dafür auch politische oder kirchliche Gebote zu überschreiten.

Ohne mit der Wimper zu zucken, ordne ich Ihren Wälzer in die Schublade der christlichen Romane ein. Ist es nicht schwierig mit solchen Geschichten bei so bekannten weltlichen Verlagen wie Bastei Lübbe zu landen?

Das war in meinem Fall nicht so. Bereits seit 2006 schreibe ich für Bastei-Lübbe und stets hatte ich die Freiheit Themen zu wählen, die mich selbst faszinieren und bewegen – unterstützt von wirklich großartigen Lektorinnen und Lektoren. Als ich das Manuskript meines Debütromans verschickte, boten mir sogar gleich vier Verlage Buchverträge dafür an – und nur einer davon war ein christlicher Verlag, die anderen drei waren „weltliche“, kommerzielle Verlage. Die Tatsache, dass ich mich letztendlich für Bastei-Lübbe entschieden habe, hilft mir dabei, sehr viele Menschen, auch Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zu erreichen.

MariaWPeter_Portrait

Foto: Maria W. Peter

In Ihrer Story wird deutlich wie viele deutsche Ideen Amerika mit beeinflusst haben, heute ist dies ja eher anders herum. Warum ist es heute wichtig daran zu erinnern was vor fast 240 Jahren geschah?

Geschichte wiederholt sich immer – auf die eine oder andere Art. Daher ist es wichtig die Vergangenheit zu kennen, um daraus zu lernen. Auch Ungerechtigkeiten, Kriege, Ausbeutung und Unterdrückung sind leider keine Phänomene grauer Vorzeit. Tausende von Menschen sind auch heute noch auf der Flucht, auf der Suche nach einer neuen, einer sicheren Heimat. Bisweilen können Romane, gerade auch historische Romane, daran erinnern, dass auch wir in Europa nicht immer so privilegiert waren, wie heute…

Ihr Roman ist bereits seit einigen Wochen auf dem Markt. Wie fallen die ersten Reaktionen aus?

Bisher ausschließlich positiv. Immer wieder erreichen mich E-Mails von begeisterten Lesern, denen der Roman gefallen hat und die mir das auch persönlich mitteilen wollen. Selbst die meisten Buchhändler, mit denen ich gesprochen habe, waren von Idee und Geschichte des Romans angetan oder gar fasziniert. Bei Lesereisen und Veranstaltungen erhalte ich auch durchweg positives Feedback, was mich als Autor natürlich unglaublich freut.

Zuletzt wurde „Die Küste der Freiheit“ sogar für den Homer-Literaturpreis nominiert, was bedeutet, dass er bereits jetzt zu den zwanzig besten deutschsprachigen historischen Romanen des Jahres 2014 zählt. Eine schönere Bestätigung meiner Arbeit hätte ich mir kaum vorstellen können. Und nun bin ich natürlich noch motivierter, an weiteren Romanprojekten zu arbeiten… Mal schauen, was als nächstes fertig wird.

Herzlichen Glückwunsch dazu und viele begeisterte Leser!

Drei signierte Verlosungsexemplare stellt die Autorin zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 19. Februar unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

je ein signiertes Verlosungsexemplar geht an:
Björn,
Elisabeth Büchle
und
Frankaway
herzlichen Glückwunsch!!!

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11 Kommentare

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11 Antworten zu “Maria W. Peter: Die Küste der Freiheit

  1. Björn

    Es muss nicht immer christlich sein.

  2. theresa

    Alles Themen, die mich interessieren! Und je dicker ein Buch ist, desto besser 🙂

  3. Susanne Smilla507

    Wow, so einen Wälzer habe ich schon lange nicht mehr gelesen (mir steht noch Skarabäus und Schmetterling bevor *g*)! Finde ich sehr spannend und interessant, dass ausgerechnet bei Lübbe ein christlicher Roman erschienen ist. Ich wünsche Autorin und Buch viel Erfolg!

  4. Ich würde mich hier gern einreihen. Und als Mitglied von HOMER bin ich natürlich superneugierig auf das interessantklngende Werk der Kollegin!

  5. Zwei aus verschiedenen Konfessionen, und dann noch Mennoniten/Amish – das klingt mehr als interessant.

  6. …..nicht nur der inhalt hört sich spannend an, sondern auch was die autorin erzählt bzw. ihre intention….
    vg
    annette

  7. Edelgard

    Es würde mich freuen, eine neue Autorin kennen zu lernen. Die Geschichte der Amish interessiert mich schon länger.

  8. Maria

    Ich liebe historische Romane. Das Buch würde mich sehr interessieren.

  9. margrit

    … darauf bin auch ich gespannt …

  10. Frankaway

    Die Verbindung von Bellestristik in historischem Ambiente und christlich-theologischer Auseinandersetzung klingt äußerst interessant. Als sehr Geschichtsinteressierter und als jemand, der sowohl schon Mennoniten in Süd- und Nordamerika als auch Gebiete starker deutscher Einwanderergruppen im Osten der USA besucht hat, kommt das Buch bei mir auf die Merkliste. Oder ich habe bei der Verlosung Glück 😉

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