Lydia Schwarz: Die Kreuzträgerin

die kreuzträgerin

Europa im 22. Jahrhundert: Anna Tanner lebt in einer Welt in der es weder Krieg, Krankheit noch Hunger gibt. Durch ein lückenloses Vorsorgesystem muss kein Mensch hungern, Arbeitslosigkeit gibt es nicht, alle sind registriert und werden bei jedem Schritt überwacht. Doch das ist Alltag. Auch das tägliche lernen um bis zur siebten Selbstverwirklichungsstufe zu gelangen und dann selbst Humanitus Perfectus werden zu können – um die nächsten Schüler auszubilden. Die Tage gleiten ereignislos vor sich hin, bis Anna einem Mann ohne Beine begegnet, der ihr einen Zettel zusteckt mit einem Kreuz und der Botschaft „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien“. Anna ist erschreckt und fasziniert zugleich – was hat es mit der Botschaft auf sich und wie kann es sein, dass es doch behinderte Menschen in dieser Gesellschaft gibt? Bisher war sie keinem begegnet. Sie macht sich auf die Suche nach dieser Wahrheit und entdeckt Christen im Untergrund. Christen? Was sind das für Menschen? Noch nie hatte sie von ihnen gehört. Warum müssen sie sich verstecken? Als sie entdeckt, dass ihre Familie tiefer mit drin steckt als erwartet, ist die Regierung bereits auf sie aufmerksam geworden und Anna muss sich entscheiden. Lebt sie ihr Leben weiter wie bisher oder will sie sich dem System widersetzen?

Eine christliche Dystopie? Die sind sehr selten, daher war ich ganz besonders auf diese Geschichte gespannt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Lydia Schwarz entwirft ein Zukunftsszenario, das gar nicht so weit weg erscheint angesichts der Entwicklung in der Welt. Länder in denen Christ sein verboten ist, gibt es bereits. In China treffen sich Christen nur noch im Untergrund um nicht entdeckt zu werden. Trotzdem wachsen diese Gemeinden, obwohl sie wissen, dass sie jederzeit in Lebensgefahr stecken. Dieses Wissen macht den Roman noch realistischer und man bekommt an manchen Stellen beim Lesen eine richtige Gänsehaut. Dass die Handlung in Europa spielt, holt den Leser nochmal mehr auf den Boden der Tatsachen. Denn eigentlich leben die meisten Europäer bisher in Frieden. Auch die totale Überwachung im Roman ist doch sehr real. Immer mehr werden die Schritte im Internet aufgezeichnet und können so einiges privates verraten.

Von der ersten bis zur letzten Seite ist man gefesselt von dieser so krassen Welt. Bis zum Schluss weiß man nicht, wo die Autorin den Leser hinführt. Das Ende an sich ist zwar abgeschlossen, dennoch ist es auch offen genug für eine Fortsetzung, das fand ich sehr spannend. Anfangs muss man sich erst mal einlesen in dieses Lebenssystem. Da gibt es Begriffe, die dem Leser fremd sind. So führt Anna immer ihre Goggles mit, eine Brille mit der man telefoniert, Sprachaufzeichnungen machen kann und Zugriff auf ein weltweites Netzwerk hat. Die Türen werden mit dem Daumenabdruck geöffnet und jeder Schüler hat einen geistigen Führer, dem er jeden Tag Rechenschaft ablegen muss. Jenseits dieser scheinbar perfekten Welt gibt es die Christen, die sich verstecken müssen. Ihre klare Botschaft von Jesus Christus sind der Lichtblick in der Geschichte. Hier wird nichts verharmlost oder weichgespült, ganz klar wird die Botschaft der Bibel vermittelt und hebt diese Dystopie von den vielen anderen ab. Und man wird sich klar, wie kostbar es ist, eine eigene Bibel zu besitzen und nicht nur von auswendig gelernten Bibelversen zu zerren.

Schon das Cover macht Lust, diesen Roman zu verschlingen. Das besondere Schriftbild und die Seitenzählung am seitlichen Rand und nicht unten runden dieses besondere Buch ab.
Der Verlag hat das Buch als Jugendbuch deklariert, aber es ist viel mehr als eine Zukunftsvision. Ich mit meinen 33 Jahren war, auch jenseits des Jugendalters, sehr gefesselt und kann es auch Erwachsenen vorbehaltlos empfehlen. Ein Buch was herausragt, herausfordert aber dennoch Hoffnung macht! (Rezension von Simone Janoschke)

fontis Verlag, ISBN 978-3-03848-051-8, 13,99 Euro

Lydia Schwarz hat Simone Janoschke nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Lydia Schwarz, soeben ist Ihr Roman „Die Kreuzträgerin“ erschienen. Dystopien gibt es viele auf dem Markt, aber von christlichen Verlagen werden sie nur ganz selten verlegt. Was hat sie bewogen, diesen Roman zu schreiben? Was war ihre Inspiration dazu?

Bis vor wenigen Jahren wusste ich noch gar nicht, was Dystopien sind, für Zukunftsszenarien interessiere ich mich jedoch schon lange. Es ist diese Mischung zwischen Faszination und Furcht, die mich seit meiner Kindheit dazu bringt, zu fragen: Was kommt noch auf uns zu? Was geschieht mit uns Christen? Als eine Kollegin mir „The Hunger Games“ empfahl, (das war noch bevor die Filme den ganzen Hype auslösten), habe ich die Bücher regelrecht verschlungen. Ich war vollkommen in den Bann gezogen und liebe die Atmosphäre dieser Trilogie. Meine Gedanken, die in mir schon lange wie Schwarzpulver in einem Pulverfass schwärten, erhielten durch diese Lektüre schließlich den zündenden Funken. Ich wusste, ich möchte eine Gesellschaft in der Zukunft darstellen, mit Christen im Mittelpunkt.

Wie würden Sie damit umgehen, wenn Sie in so einer Welt leben müssten und sich als Christ vielleicht sogar verstecken müssten?

Ich weiß es – ehrlich gesagt – nicht. Oft gehe ich in meinem Kopf solche Szenarien durch und frage mich: Wäre ich mutig genug zu meinem Glauben zu stehen im Angesicht des Todes? Natürlich wünsche ich mir, dass ich im entscheidenden Augenblick tapfer genug wäre, aber ich hoffe trotzdem, dass ich es nie herausfinden muss.

Warum spielt die Geschichte ausgerechnet in Europa, das ja eigentlich als „christliches Abendland“ bezeichnet wird?

Lydia schwarz

Foto: Lydia Schwarz
(Quelle: fontis)

Immer wieder liest man in Berichten davon, wie Christen z.B. in Nordkorea und ganz aktuell auch im Irak und Syrien um ihres Glaubens willen verfolgt, gehetzt, zusammengetrieben, gefangen gehalten und getötet werden. Es ist Realität. Uns im Westen tangiert das jedoch eher nur peripher. Die Geschichte spielt in Europa, weil ich auch mir selbst vor Augen halten wollte: Hey, es kann auch in unserer heilen Welt geschehen! Vor allem auch, weil man auch heutzutage schon mit Widerstand rechnen muss, wenn man sich zu Jesus bekennt. Vermutlich habe ich auch in diesem Sinne meine Erlebnisse und Ängste verarbeitet. Wenn ich mir sage, es geschieht in Europa vor meiner Haustür, dann wühlt mich das eher auf und ich kann mich dann mit den Christen, die wirklich aufs Blut verfolgt werden, besser identifizieren.

Beim Lesen hatte ich sofort Kopfkino. Könnten Sie sich vorstellen, dass Ihr Buch auch verfilmt wird?

Ja, das wäre natürlich das Nonplusultra! Allerdings habe ich mir noch nicht überlegt, wen man für die Hauptrollen casten könnte!

Das Ende an sich ist zwar abgeschlossen, dennoch bietet es Raum für eine Fortsetzung. Kann der Leser eventuell mit einem zweiten Teil rechnen?

So viel darf schon verraten werden: Teil Zwei ist in Planung.

Vielen Dank für das Interview. Ich hoffe, dass Sie noch mehr solche inspirierenden Romane schreiben!

Der Fontis Verlag stellt uns drei Verlosungsexemplare zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 14. April 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch,
je ein Verlosungsbuch haben gewonnen:
Rolf,
kleedorfer
und epkd

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14 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

14 Antworten zu “Lydia Schwarz: Die Kreuzträgerin

  1. theresa

    Klingt echt spannend!

  2. Mal schauen, ob es Perelandra verdrängt.

  3. Björn

    lese gerade ein anderes Buch vom fontis Verlag.

  4. Maria

    Das hört sich richtig spannend an. Das wäre sicher auch etwas für meine Tochter.

  5. Aga

    Science fiction mit Tiefgang!

  6. Esel

    Möchte ich sehr gern lesen!

  7. Esther

    Ich liebe gute christliche Fantasy – leider ist sie bisher noch rar gesät. Hüpfe daher gern in den Lostopf!

  8. physhbourne

    das wäre nun wirklich ein lesenswertes buch – in dem genre tummeln sich zuwenig chirstenmenschen!!

  9. würde es gerne lesen. Fantasy ist cool, vorallem im christlichen Sektor.

  10. Normalerweise kommentiere ich erst wenn ich ein Buch gelesen habe, aber dieses klingt so spannend, dass ich es gerne gewinnen würde. Habe schon allerhand über die mögliche Zukunft gelesen, aber dieser Roman scheint einzigartig zu sein.
    LGL

  11. epkd

    Klingt interessant. Ein christlicher Science Fiktion Roman der nicht nach einem dispensationalistischen Szenario klingt.

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