Nicolas Koch fordert: Dranbleiben

Der Programmleiter des Brendow Verlages, Nicolas Koch, fordert zum Dranbleiben auf. Im Folgenden seine Ostergedanken 2015!

Dranbleiben

Gestern haben wir Karfreitag erlebt. Uns an den grausamen Tod erinnert, den Jesus erlitten hat. Egal, wie lange ich Christ bin, die Vorstellung, so sterben zu müssen, hat für mich nichts von ihrem Schrecken verloren, bis heute nicht.

Aber natürlich wissen wir, warum Jesus das alles auf sich genommen hat (und er sich, da bin ich sicher, jederzeit wieder dafür entscheiden würde, wäre es noch einmal notwendig): damit unsere Unzulänglichkeiten nicht mehr zwischen uns und Gott stehen. Damit wir seine Kinder sein können.

Karfreitag war notwendig. Völlig ohne Frage.

Und was unseren Schrecken, neben dieser Erkenntnis der Sinnhaftigkeit vom Tod Jesu, noch lindert, ist der Gedanke an morgen: Ostersonntag. Auferstehung. Bei aller Betroffenheit wissen wir: Jesus ist nicht tot geblieben, sondern wieder auferstanden. Das nimmt dem Leid vom Freitag viel von seiner Wirkung.

Was ich mich manchmal frage: Wie würde ich diesen Ostersamstag erleben, wenn ich das beides nicht hätte? Wenn ich weder wüsste, dass das alles einen Sinn hat, noch wüsste, dass es nur ein vorübergehender Zustand ist (okay, etwas einfach formuliert, aber Sie wissen, was ich meine)?

Das ist ziemlich genau die Situation, in der die Jünger sich damals befanden. Sie hatten unsere Hoffnungs-und-ich kann´s-erklären-Perspektive nicht. Sicher, Jesus hatte versucht, es ihnen zu verklickern, aber sie hatten nichts begriffen.

Für sie muss Ostersamstag der schrecklichste Tag ihres Lebens gewesen sein.

Man muss sich das mal vorstellen: Da haben sie das unwahrscheinliche Glück, zur richtigen Zeit in der richtigen Gegend geboren worden zu sein, um den Messias zu treffen, lassen ihr bisheriges Leben komplett hinter sich, um sich diesem Wanderprediger an die Fersen zu heften, erhoffen große Dinge – und dann das! Innerhalb eines einzigen Tages ist alles hinüber.

Jesus ist tot.

Es konnte für sie nur eine Erklärung geben: Sie müssen sich geirrt haben. Alles war falsch. Dabei sind sie sich – nach all den Wundern und intensivem Erleben von Jesus – so sicher gewesen. Kein Wunder, dass die Gemeinschaft der Jünger bald die ersten Auflösungserscheinungen zeigte: Zwei von ihnen waren unterwegs nach Emmaus, bevor sie Jesus trafen und so schnell wie möglich wieder umgekehrt sind. Petrus und ein paar andere Jünger finden wir bald darauf beim Fischen wieder, wo sie versuchen, ihr altes Leben wieder aufzunehmen (okay, vielleicht hatten sie auch nur Hunger, aber so stelle ich mir das zumindest vor).

Und trotzdem sind sie irgendwie auch drangeblieben. Sie haben den Frauen zugehört, als diese vom leeren Grab erzählten (oder es sogar, wie Petrus, persönlich überprüft). Haben sich nicht zerstreut, sondern sind erstmal zusammengeblieben. Die meisten wenigstens. Haben vielleicht die Hoffnung doch nicht komplett aufgegeben, dass vielleicht … irgendwie … es könnte ja …

Ich finde, mehr konnte man in dieser Situation kaum von ihnen verlangen. Einfach dazubleiben, noch etwas abzuwarten, bevor sie die Sache mit Jesus beenden, war alles, wozu sie in diesem Moment in der Lage gewesen sind.

Ein gutes Beispiel für uns. Auch wir machen Situationen durch, in denen unser Glaube keinen Sinn mehr macht. In denen wir die Spur von Jesus endgültig verloren zu haben scheinen, zu großen Bockmist gebaut haben, zu sehr zweifeln, das Leid überhandnimmt. Und dann ist das das Einzige, was wir vielleicht tun können: Dranbleiben. Nicht mehr lange. Noch einen kurzen Augenblick wenigstens. Nicht sofort alles hinschmeißen. Und hoffen, dass Gott ja vielleicht doch noch … könnte ja sein.

nicolas Koch

Foto: Nicolas Koch

Gut zu wissen: Morgen ist Ostersonntag.

In diesem Sinne: einen gesegneten Karsamstag!

Ihr Nicolas Koch

P.S.: Ach ja, wenn Sie jemand kennenlernen wollen, der seinen Mitmenschen ein treuer Begleiter durch die Hoffnungslosigkeiten ihres Lebens ist, dann darf ich Ihnen dieses Buch empfehlen: „Ein kleines Stückchen Seligkeit“ von Pam Rhodes. Der junge Vikar Neil Fisher erlebt hierin so einiges. Drei Exemplare wollen wir verlosen …

ein kleines stückchen seligkeit

Grundverschieden sind die ältere Pastorin Margareth und der frischgebackene Vikar Neil. Der ordnungsliebende junge Mann kommt zum Vorstellungsgespräch ins Pfarrhaus und ist nicht nur über die unaufgeräumte Küche erschüttert. Diese ruppige Person, die scheinbar nur im Kommandoton reden kann, soll die Pfarrerin sein?
Doch Neil entscheidet sich für diese Stelle. Seine Mutter sieht dies gar nicht gern. Was hätte nicht alles aus ihrem Sohn werden können, musste er denn nun wirklich Pastor werden?
So arbeitet sich Neil Stückchen für Stückchen in die Gemeindewelt ein, verliebt sich sogar und übernimmt eigenständig Aufgaben. Pam Rhodes hat aber auch eine Gemeinde erfunden, die eigentlich die gesamte Bandbreite menschlichen Lebens abdeckt. In vielen Episoden wird sehr deutlich worauf es ankommt im Glauben an Gott und im Umgang mit Menschen.
Neil ist nicht vollkommen, aber er hat das Herz auf dem rechten Fleck und damit gewinnt er die Herzen seiner Gemeinde.
Dieser Roman hat das Potenzial zum Mehrteiler, ich hoffe die Autorin lässt mich nicht mit ihrem Romanende einfach so sitzen…
Humor, geistlicher Tiefgang und das pralle Leben waren das Rezept für ein paar herrliche Lesestunden!

Brendow Verlag, ISBN 978-3-865-06733-3, Preis 14,95 Euro

Wer seinen Kommentar bis zum 20. April 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

je ein Verlosungsexemplar haben gewonnen:

Edelgard,
Angela
und
Margit
herzlichen Glückwunsch!

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Nicolas Koch fordert: Dranbleiben

  1. Margrit

    Bin gespannt auf diesen Roman …

  2. Maria

    Das Buch hört sich gut an, da nehme ich sehr gerne an der Verlosung teil.

  3. Bogomil

    Das ist doch mal ein schönes Thema für ein Buch in einer Welt, in der Religion immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird.

  4. illi anna bangert

    hoffnungsvolles brauch ich ganz dringend 🙂

  5. Angela

    Könnte mir gefallen…

  6. Edelgard

    Scheint ein interessanter Plot zu sein. Bin gespannt …

  7. Salome

    Mag sehr die Bücher von Jan Karon, dieses hier scheint ähnlich gut zu sein =)

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