Ute Paul: Die Rückkehr der Zikade

die rückkehr der zikade

Ute Paul war mit ihrem Mann und ihren Kindern im argentinischen Chaco. Als Missionarin lebt sie zusammen mit den Menschen dort, lernt sie kennen, gewinnt Freunde und lässt mich den Leser an allem teilhaben. Nicht alles läuft glatt. Welten prallen aufeinander – Lebens- aber auch Glaubenswelten.

Im Rückblick auf diese Jahre beschreibt die Autorin in 37 kurzen Geschichten, was an Erinnerungen aus dieser Zeit geblieben ist und dies ist eine ganze Menge. Beide Seiten lernen voneinander, anfängliche Berührungsängste werden schnell abgelegt und obwohl es viele Unterschiede gibt, werden auch Gemeinsamkeiten deutlich. All dies verdeutlichen die zum Teil berührenden Geschichten vom anderen Kontinent sehr schön.

Die Missionarin Ute Paul, hat die Bezeichnung Missionarin mit ihrem Leben in Argentinien neu definiert. Miteinander leben ist die Devise! Es kommt darauf an, ohne Vorurteile auf den Fremden zuzugehen und dabei auch kleine, zum Teil humorvolle Alltagspannen, in Kauf zu nehmen. Warum nur führen mich meine Gedanken während des Lesens immer öfter zu den Flüchtlingen, die derzeit nach Deutschland kommen? Ungeplant steuert Ute Paul mit ihrem Buch mitten hinein in das Deutschland des Jahres 2015.

Ungewollt kann dieses Buch zur Anleitung beim Kennenlernen von Menschen fremder Kulturen und ferner Glaubenswelten dienen. Egal ob im argentinischen Chaco oder mitten in Deutschland, Ute Paul beweist, dass es sich lohnt!

Neufeld Verlag, ISBN 978-3-8625-6060-8, Preis 14,90 Euro

Ute Paul hat buecheraendernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Ute Paul, seit wenigen Wochen ist Ihr Buch „Die Rückkehr der Zikade“ auf dem Büchermarkt. Hat es Sie Überwindung gekostet so viel Privates vor aller Welt auszupacken?

Ich nenne Privates mal lieber Persönliches. Also ich sage ICH im Buch und habe es trotzdem mit spürbarem Herzpochen getan. Drei mir wichtige Leute haben es Korrektur gelesen und ich hatte sie gebeten, darauf zu achten: Wurde die Grenze zwischen ehrlich und persönlich (und dadurch nachvollziehbar und menschlich) und Exhibitionismus eingehalten? Alle drei meinten: Ja! Und alle drei meinten: Es hat etwas in mir bewegt, auch ein Glitzern im Augenwinkel. Da dachte ich: Es darf so persönlich sein.

Sie waren mit Mann und Kindern im argentinischen Chaco. Wie lange haben Sie dort gelebt und mit welcher Motivation sind Sie dort hin gegangen?

Wir haben von 1990 bis 2008 in Argentinien gelebt, davon 12 Jahre im Chaco. Wir wollten nützlich sein, dabei sein, am Anfang auch „helfen“. Heute würden wir eher sagen: Wir wollten als Gäste mit den Leuten vor Ort Leben und Glauben teilen und ihre Welt mitgestalten.

Ist es für Sie in Ordnung, wenn ich Sie als Missionarin bezeichne? Und was tut eine Missionarin in der Gegenwart?

Ja, ist ok, auch wenn dieser Begriff leider ambivalent und erklärungsbedürftig geworden ist und Assoziationen weckt, die ich lieber vermeiden möchte. So was wie „interkulturelle Mitarbeiterin“ passt für die Jahre in Argentinien vielleicht besser. Wir wurden von hier ausgesandt, um dort mit den einheimischen Kirchen zusammenzuarbeiten. Wir waren dort von unglaublich engagierten missionarischen Menschen umgeben, bei denen wir mitgemacht haben. Heute bin ich Teil einer ökumenischen Kommunität, einer christlichen Lebensgemeinschaft, und engagiere mich in einem unserer Arbeitsbereiche als Pädagogin (www.schloss-reichenberg.de). Genauso wie vorher: den größten Schatz, den ich mit anderen teilen möchte ist die unfassbare Güte Gottes.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Foto: Ute Paul

Ihre 37 kurzen Geschichten im Buch haben mich vor allem deshalb berührt, weil Sie scheinbar mehr von den Einheimischen gelernt haben, als anders herum. Täuscht mich mein Eindruck?

Nein, der täuscht kein bisschen. Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg, bei dem wir „unsere Schuhe ausgezogen“ und gelernt haben, in die Lebenswelt der Leute dort unsere Füße vorsichtig zu setzen. Das hat uns auch am tiefsten mit den Menschen verbunden und das ist es, was sie uns am meisten gedankt haben.

Heute ist die Zeit in Argentinien vorbei. Was kann abgerechnet werden? Was haben Ihnen ganz persönlich die Jahre in Argentinien gebracht?

Ich rieche, schmecke, sehe, kenne eine andere Wirklichkeit, die mir unter die Haut gegangen ist. Die Welt ist groß, reich, schillernd und lebendig für mich. Ich habe Gott am Werk gesehen. Ich habe Freunde am anderen Ende der Welt. Ich weiß, was Fremd-Sein und Aufgenommen-Werden bedeutet.

Vielen Dank für Ihre Antworten.

Der Neufeld Verlag stellt uns drei Verlosungsexemplare zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 20. April 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

beastybabe,
Esther
und
Angela,
haben je ein Verlosungsexemplar gewonnen –
herzlichen Glückwunsch!

Advertisements

8 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

8 Antworten zu “Ute Paul: Die Rückkehr der Zikade

  1. Björn

    Klingt spannend.

  2. Margrit

    Berichte aus der Mission – ja, das interessiert mich!

  3. beastybabe

    Das klingt interessant – und die Sache mit den Flüchtlingen ist auch wahr. Viele haben auch irgendwie nur Angst vor dem „Fremden“, dabei ist eine Annäherung manchmal gar nicht so schwer.

  4. Maria

    Man muß sich nur mal auf das Kennenlernen einlassen. Das Buch würde mich sehr interessieren.

  5. Esther

    Ich hätte auch große Lust, „Die Rückkehr der Zikade“ zu lesen, zumal ich zu meinen Freunden auch einen Argentinier zähle …

  6. Angela

    Au ja, das würde ich so gerne lesen! Und dann vielleicht an eine gute Freundin und Neu-Missionarin / interkulturelle Mitarbeiterin weitergeben.

  7. beastybabe

    Juhu! Freu mich sehr auf das Buch! Ganz lieben Dank! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s