Thees Carstens: Biola

Biola

Mäusemädchen Biola wohnt mit ihrer Familie in der alten Mühle. Schon seit Mäusegenerationen ist dies ihr Zuhause. Ebenso lang ist auch die Feindschaft mit den unten wohnenden Ratten immer aktuell. Von den großen Mäusen wird diese Feindschaft gehegt und gepflegt, Pläne werden geschmiedet. Ein Anschlag auf die Ratten scheint bevor zu stehen.
Biola und ihr Freund allerdings beginnen die Kriegspropaganda zu hinterfragen. Mutig und nicht ungefährlich sind sie für Versöhnung und Frieden unterwegs. Ausgerechnet der altersschwache Kater Remus wird ihnen zum Gehilfen in Sachen Friedensarbeit.
Was der Hamburger Autor und Illustrator Thees Carstens hier als Kinderbuch präsentiert, kann sich sehen lassen. Selbst Kinder werden schnell den Kampf der Biola um Frieden und Versöhnung so verinnerlichen, dass es ihr eigener Kampf wird. Der Autor stattet seine Heldin mit Mut und Hoffnung aus und so gelingt es dem kleinen Mäusemädchen, Grenzen zu überwinden.
Thees Carstens hat uns Menschen gut studiert. Mit diesem Wissen ist ihm eine berührende Geschichte gelungen, die der Versöhnung zwischen Menschen und Völkern eine Chance einräumt. Dabei lässt er alle verstummen die meinen, auf sie würde ja doch niemand hören!

Brendow Verlag, ISBN 978-3-865-06749-4, Preis 12,95 Euro

Illubeispiel Biola

Eine der fantasievollen Zeichnungen von Thees Carstens aus dem Buch.

Der Autor hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Thees Carstens, woher kennen Sie die Mäuse so gut?

Unser Kater bringt manchmal welche mit nach hause. Einige konnte ich für mein Buch interviewen, bevor er sie gefressen hat. Nein, der zweite Satz stimmt natürlich nicht. Ich kenne keine Mäuse, aber obwohl im Buch viele vorkommen, geht es eigentlich um Menschen und ihr Verhalten. Und nicht um Mäuse.

Ich habe Sie im Verdacht Menschen studiert und dann den Mäusen unser schweres Erbe aufgedrückt zu haben? Kann das sein?

Ja, das stimmt. Die Mäuse sind nicht realistisch dargestellt, sondern spiegeln, wie es in Fabeln üblich ist, menschliche Eigenschaften und Haltungen wider. Im Buch leben sie in einer Mühle und glauben, dass das Korn nur für sie in die Mühle gebracht wird, und zwar weil der Müller so großen Respekt vor ihnen hat. So wurde es ihnen von ihren Vorfahren erzählt. Und genau so sind auch wir Menschen: Immer halten wir uns für den Mittelpunkt der Welt. Aber das sind wir nicht. Der Müller in meinem Buch weiß sogar nicht einmal, dass Mäuse in seiner Mühle leben. Zu Beginn der Geschichte wenigstens.

Biola ist ein kleines Mäusemädchen. Ihr wird von den großen Mäusen viel Blödsinn erzählt und doch wird sie Friedensstifter. Ist das nicht an der Realität vorbei?

Vielleicht. Allerdings muss man auch sagen, dass nicht sie, sondern ihr Großvater, der Mäuseanführer, derjenige ist, der die Versöhnung erst möglich macht. Biola regt ihn zwar dazu an, aber er muss letztlich entscheiden, was wichtiger ist: Sein Stolz, seine Identität und der Machterhalt als Anführer — oder die Beendigung des Konfliktes, unter dem alle leiden. Und das ist ein sehr realistisches Szenario, das es ja sowohl in Familien gibt, als auch an Arbeitsstellen oder auch in der internationalen Politik. Personen, die Macht für sich beanspruchen, tragen Verantwortung und können Friedensstifter sein. Oder auch nicht. Das ist Fakt.

Große Begriffe wie Feindschaft, Hoffnung und Versöhnung gehören zum Inhalt Ihres berührenden Kinderbuches. Was haben Kinder und was fehlt uns Erwachsenen oft zum Friedensstifter?

Naja… Kindern fehlt es auch oft an diplomatischem Geschick. Und in der Schule mobben sie andere, genau wie Erwachsene es im Büro machen. Die (Mäuse—) Kinder in meinem Buch, und besonders Biola, haben aber einen moralischen Kompass, der gut funktioniert. Biola muss sich noch nicht in den Zwängen aus verkrusteten Denk-Tradition und Vorurteilen bewegen, in denen die Erwachsenen gefangen sind. Darum fällt bei ihr manche Entscheidung schneller. Und sie hat dadurch auch mehr Entscheidungsmöglichkeiten und denkt etwas gründlicher nach, weil sie noch nicht so stark von Vorverurteilungen geprägt ist, wie ihr Großvater oder ihr Onkel, der sich für den radikalen Lösungsweg entschieden hat. Diese Offenheit für verschiedene Perspektiven und ihre natürliche Empathie ist ein Vorteil, den Kinder eventuell haben.

TheesCarstensAutor

Foto: Thees Carstens

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrem Mäusebuch?

Es soll spannend sein und unterhalten, das ist das Wichtigste. Darum habe ich auch ein Buch für Kinder geschrieben, denn in Kinderbüchern kann man ungewöhnlichere und damit unterhaltsamere Dinge passieren lassen und mal ganz andere, oft überraschend lustige Perspektiven ausprobieren. Zum Beispiel die von Mäusen. Das macht Spaß beim Schreiben.

Hinzu kommt aber auch noch etwas anderes: Ich habe mich beim abendlichen Vorlesen für meine Kinder immer darüber geärgert, wenn mein Denken von der Lektüre so gar nicht herausgefordert wurde. Und darum hat meine Abenteuergeschichte um das Mäuskind Biola vielleicht keine Botschaft, aber doch ein wichtiges Thema, das immer wieder mal durchscheint und den Leserinnen und Lesern Fragen stellt: Kann man sich aus negativen Denkmustern befreien, die man von als Kind gelernt hat? Wie nutzt man den Einfluss, den man auf andere hat, in verantwortlicher Weise? Als Familienvater ist das für mich zum Beispiel eine Frage, die manchmal gar nicht so leicht zu beantworten ist. Und sie ist ja nicht nur für Eltern wichtig, sondern für alle Menschen, die Entscheidungen für andere treffen. Bis hin zu Politikern, die über Krieg und Frieden entscheiden.
Insofern hat mein Buch zwei Ziele: Das Denken anregen und — vor allem anderen — spannend und mit Humor zu unterhalten.

Herzlichen Dank für das Interview!

Thees Carstens hält ein signiertes Verlosungsexemplar für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 23. April 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

herzlichen Glückwunsch –
Susanne hat das signierte Verlosungsexemplar gewonnen!

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Thees Carstens: Biola

  1. Smilla507 Susanne

    Da hüpf ich für meine beiden Mäuse in den Lostopf 🙂

  2. …..oh sicherlich nicht nur für meine kids schöööön….
    annette

  3. Margrit

    Mäuse sind zwar nicht meine Lieblingstiere, aber vielleicht ist es ganz nett, Biola kennenzulernen …

  4. Das hört sich nach einem wunderschönen Buch für mich und mein Patenkind an .
    Ich liebe Mäuse – Ratten aber auch 😉

  5. Nadine Lauer

    Das Buch scheint mir doch recht interessant zu sein. Da ich gerade versuche meiner Tochter das Lesen nahezubringen und schmackhaft zu machen, wäre das doch ein schöner und vorallem kein langweiliger Einstieg. Auch wenn es in dem Buch nicht direkt um Mäuse geht, sondern eher um das menschliche Verhalten, würde uns das Buch sehr interessieren. Auch die Illustrationen gefallen mir sehr.

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