Klaus Hamburger: Danke, Frere Roger

danke, frere roger

Über den Gründer der Gemeinschaft von Taize wurden bereits Bücher geschrieben, viel ist auch in Berichten von Taize-Besuchern zu lesen. Klaus Hamburger hat nun eine sehr persönliche Danksagung an Frere Roger vorgelegt.

Der Autor hat selbst über Jahre hinweg in Taize gelebt und somit einen sehr persönlichen Umgang mit Frere Roger gepflegt. In angemessener Offenheit gibt Hamburger jetzt bereitwillig Auskunft wie er den Sohn eines evangelischen Pfarrers erlebt hat. Er beschreibt, wie Taizegründer Roger die Stille liebte, wie er unkonventionell handelte und wie er immer wieder auch Grenzen überwand, wenn diese Gottes Liebe im Wege standen.

Manchmal denke ich beim Lesen: Welch ein schwärmerischer Ton, aber anderes ist wohl nicht bekannt über Roger. Er verließ Taize nicht oft, empfand es als seine Lebensaufgabe und strebte keine hohen Posten an. Was er glaubte lebte er, vielleicht ist es gerade dies was seine Faszination bis heute ausmacht.

Wer sich auf dieses Buch einlässt, der wird Frere Roger neu kennenlernen und erfahren auf was es wirklich im Glauben ankommt!

adeo, ISBN 978-3-863-34068-1, Preis 17,99 Euro

Klaus Hamburger hat Bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Klaus Hamburger, über Frere Roger wurde bereits viel geschrieben. Warum nun auch noch dieses Buch?

Es war mir möglich, aus der Nähe über ihn zu schreiben, in der ich Jahrzehnte hindurch mit ihm zusammenlebte. Zugleich konnte ich es auf dem Hintergrund von Erfahrungen tun, die ich vor und nach meiner Zeit in Taizé vor allem in Deutschland sammelte. Darauf bin ich nicht selbst gekommen; der Programmleiter des Verlages erkannte das. Er hatte recht. So entstand keine Biographie – es sind zwei über ihn im Handel –, sondern ein persönlich gefärbter Dank für das, was Frère Roger war und in seinem Leben umsetzte. Es scheint das einzige Buch zu sein, das zu seinem 100. Geburtstag über ihn auf Deutsch veröffentlicht wird. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich bin so froh, dass es dieses Buch gibt. Es ist wie ein Geschenk – auch an mich.

Sie selbst haben als Frere Wolfgang viele Jahre in Taize mit Frere Roger zusammen gelebt. Wie kam es dazu?

Als einer von hunderttausenden Jugendlichen kam ich, Anfang der siebziger Jahre nach Taizé. Bald erkannte ich die Tiefe und die Weite, in der an diesem Ort der Glaube Woche für Woche lebendig wurde, ohne Umständlichkeit und auch ohne Angst vor den mehr oder weniger ausgegorenen Vorstellungen, die meine Generation damals hatte. Diese Aufgeschlossenheit kam in einer Weise aus der Stille, aus einer innigen Christus-Verbundenheit, die ich vorher nie so erlebt hatte. Die Kirche, in der ich aufgewachsen war, durchaus mit Gleichaltrigen verschiedener Konfession, stand dort erst so richtig offen. Dieser Offenheit schloss ich mich an und kann bis heute nicht hinter sie zurück.

klaus hamburger

Foto: Klaus Hamburger
(Quelle: adeo-Verlag)

Sehr schön beschreiben Sie Seiten an Roger, die ich so noch nie beschrieben fand. Für was kann dieser Mann mit seinem Leben heute als Vorbild dienen?

Frère Roger hat dafür gesorgt, dass Taizé nicht lediglich ein Ort für Gleichgesinnte wurde. Er hat, aus meiner Sicht, sich bildende Kreise immer wieder aufgebrochen, was ihm nicht nur Zustimmung einbrachte. Er wusste, dass es im Leben keinen Stillstand geben kann, Treue war für ihn, auf dem Weg zu bleiben, immer auf den anderen zu, auf unfertige Menschen mit allen Spannungen, die mit ihnen auszuhalten waren. Er wollte dieser Mühe ganz bewusst nicht dadurch entkommen, dass er andere verurteilte oder auch nur durch Kategorien beurteilte.

Man spürt beim Lesen Ihres Buches sofort etwas von der Strahlkraft des Frere Roger und dennoch stellen Sie ihn nicht auf einen Heldensokel. Welche Schwächen hatte dieser Mann?

Auch bei der neuerlichen Betrachtung seines Lebens erkannte ich an ihm keine Schwächen, die nicht zugleich Stärken waren. Er stellte sich seiner Einsamkeit, wenn auch oft unter Schmerzen. So nahm man ihm ohne weiteres ab, dass er auf lautere Weise nach Gemeinschaft suchte. Er hing an der Kirche, die er nur als die eine sehen konnte, auch dort, wo sie weit unter ihren Möglichkeiten blieb, wo selbst er sich eingeschüchtert fühlen musste. So fand man sich gerade mit ihm in der Gemeinschaft der Glaubenden geborgen. Um seine persönlichen Schwächen wusste er, wie ich es erlebt habe, besser Bescheid als jeder andere. Er verstand es aber, sie in herzliche Zuneigung umzuwandeln, ja in Liebe, statt darüber zu verbittern. Das zog die Menschen an, ohne dass er ihnen nach dem Mund redete.

Was geschieht in Taize heute ohne Frere Roger?

Das kann ich nicht ohne weiteres sagen, nachdem ich es nicht mehr dort miterlebe. Es gibt gewiss bis heute keinen religiös geprägten Ort, an den man unbedenklicher mit jungen Leuten unterschiedlichster Prägung fahren kann. Man entdeckt dort – etwas anderes höre ich nicht – nach wie vor die Schönheit des Glaubens, nicht durch eine ängstliche Engführung, die nicht in die Tiefe führt, sondern durch eine Weite, in die man selbstständig hineinwachsen kann.

adeo hält ein Verlosungsexemplar für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 30. April 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

TOM Minnich, hat das Verlosungsexemplar gewonnen,
herzlichen Glückwunsch!

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7 Kommentare

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7 Antworten zu “Klaus Hamburger: Danke, Frere Roger

  1. Björn

    Roger, interessant.

  2. Angela

    Taize, irgendwie hab ich da meine Vorbehalte, aber auch wenig Ahnung…

  3. Eva-Maria Busch

    Das würde ich sehr gern lesen!

  4. Barbara

    Frère Roger war ein wunderbarer Mensch, der immer wieder seine eigenen Grenzen sprengte und anderen half, mit viel Vertrauen und Mut weiter zu gehen, als sie zuvor jemals geahnt hatten. Und das alles in der ihm eigenen Schlichtheit, die sich niemals jemandem aufdrängte. Man kann sich diesem „Danke, Frere Roger“ eigentlich nur anschließen.

  5. TOM Minnich

    Taizé: ein Ort der Hoffnung, der Mut macht, auf den 3-einigen Gott zu vertrauen. ( Eine Woche dort zu verbringen kann ich nur empfehlen!) Die Biografie von Frère Roger ist spannend zu lesen und nun bin ich gespannt auf das Buch von Bruder Wolfgang!

  6. Tom

    Frère Roger ein Wegbereiter der Versöhnung der Konfessionen.
    Wie schön, dass wir durch das neue Buch über ihn und die Bruderschaft etwas mehr erfahren!

  7. Aber die Brüder glauben noch,Gott wollte alle menschl. Schuld von Jesus bezahlt bekommen am Kreuz. Und warum sollte er körperlich auferstehen? Und in Taize erkennt man nicht,dass die unheilvolle Inquisitation der Preis für die unnötige Einheit ist. Diktatoren wollen Einheit. Größere Liebe und mehr Vielfalt sind notwendend, helfen tolerant zu werden….Gott ist so anders, nämlich liebender….

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