Elizabeth Musser: Das Hugenottenkreuz

das hugenootenkreuz

Rezension von Simone Janoschke:
Südfrankreich, 1961: Während Frankreich und Algerien im Krieg sind, wird Missionarstochter Gabriella vom Senegal nach Frankreich zum Studium geschickt. In der verschlafenen Kleinstadt Castelnau soll sie ein Jahr verbringen und lernt den Professor David kennen. Beide haben eine gemeinsame Leidenschaft – Gedichte. Doch eines kann David nicht mit Gabriella teilen – ihren Glauben. Dafür ist er zu verbittert, er kann sich mit seiner Vergangenheit nicht versöhnen. Außerdem scheint er in etwas verwickelt zu sein, was sehr mysteriös ist. Immer wieder muss er für Tage und Wochen verschwinden ohne dass jemand weiß wo er ist. Was hat es mit der Operation Hugo auf sich, die immer engere Kreise um Gabriella zieht? Ist David ein ganz anderer als er vorzugeben scheint?

Wenn man den Klappentext liest, vermutet man eine schnulzige Liebesgeschichte mit ein paar spannenden Elementen. Aber dem ist nicht so. Gleich in den ersten Kapiteln wird man mit hineingenommen in die Brutalität des französisch-algerischen Krieges. Je weiter man in die Geschichte eintaucht, desto mehr findet man sich in der Gegenwart wieder. Viele grausame Dinge, die in dem Buch beschrieben werden, könnten so auch in der heutigen Zeitung stehen. Der Roman ist also – trotz dass er 2002 erstmals erschien – aktueller denn je. Die Autorin verknüpft rund um die zarte Liebesgeschichte zwischen Gabriella und David viele kleine Geschichten, die alle in einen großen Zusammenhang stehen. Nicht alles wird in diesem ersten Band geklärt, das Ende ist ziemlich offen. Wer wissen will, wie es weitergeht, muss sich bis Mitte Juli gedulden, wenn mit“ Operation Hugo“ der zweite Band erscheint. Noch bildhafter wird der Roman, wenn man sich neben der Lektüre die Handlungsorte im Internet sucht.

Nachdem ich in letzter Zeit immer wieder christliche Romane gelesen habe, die fast ohne christlichen Bezug auskommen, spielte der Glaube in dieser Geschichte eine tragende Rolle. Gabriella ist mit Leib und Seele Christ und lässt sich auch von David nicht davon abbringen. Es gibt viele gute und inspirierende Gespräche zwischen den beiden, die zum nachdenken anregen. Aber auch Mutter Griolet ist eine Nonne, die ihre Berufung sehr ernst nimmt und betet wann immer sie Zeit findet. Das war sehr erfrischend.

Noch ein Wort zur Neubearbeitung und -Übersetzung: Ich kannte bereits die alte Übersetzung von 2002 und war beim ersten Lesen geschockt über die Brutalität des Romans. Umso erfreuter war ich jetzt, dass die Autorin wohl einige Szenen gekürzt und entschärft hat. Die wunderbare Übersetzung lässt den Leser nur so durch die Seiten fliegen und mitbangen (während die alte Fassung sehr holprig war). Ein wirklicher Lesegenuss, der auch beim zweiten Mal nicht langweilig wird!

Wer sich gern überraschen lassen will, gern Geschichten liest wo die Liebesgeschichte nicht das Hauptaugenmerkt hat und christliche Romane mit Botschaft schätzt, dem sei dieser Roman ans Herz gelegt!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27483-7, Preis 14,95 Euro

Simone Janoschke führte mit Elizabeth Musser folgendes Interview:

Ich las Ihren Roman „Das Hugenottenkreuz“ nun zum zweiten Mal und war sehr erfreut, dass Sie einige sehr gewalttätige Szenen gekürzt oder entfernt haben. Aus welchem Grund wurde die gesamte Trilogie nochmals überarbeitet?

Die „The Secret of the Cross“-Trilogie (Two Crosses, Two Testaments, Two Destinies, Anm. d. Übers.: Das Hugenottenkreuz, Operation Hugo, Der Preis der Treue) hat eine sehr lange und interessante Geschichte. Ich schrieb alle drei Romane in den späten 1990ern, aber nur zwei Teile wurden auf Englisch veröffentlicht. Zu dieser Zeit wurde mein amerikanischer Verlag von einem neuen Verleger aufgekauft. Dieser verlegte keine Belletristik mehr, so dass der dritte Teil der Trilogie von ihm nicht veröffentlicht wurde. Ich verbrachte mehr als zehn Jahre damit, einen amerikanischen Verlag zu finden, aber keiner wollte das dritte Buch einer Trilogie veröffentlichen.
Inzwischen sicherte sich mein deutscher Verlag (Johannis Verlag, der inzwischen nicht mehr existiert) die Rechte an allen drei Büchern der Trilogie und veröffentlichte zuerst „Der Preis der Treue“, dann „Das Hugenottenkreuz“ und „Die Kraft der Liebe“ (Anm. d. Übers.: neuer Titel bei Francke wird „Operation Hugo“ sein). Die Trilogie wurde außerdem zur gleichen Zeit auf Holländisch und Norwegisch veröffentlicht.
Im Jahr 2010 war David C. Cook (der meinen ersten Verlag in den späten 1990ern aufgekauft hatte) daran interessiert nicht nur den dritten Band „Two Destinies“ zum ersten Mal zu veröffentlichen, sondern auch eine Neuauflage der ersten beiden Romane der Trilogie herauszubringen. Ich war hocherfreut. So viele Jahre hatte ich dafür gebetet. Mit meinen wundervollen Lektor und Freund, L.B. Norton, hatte ich eine richtig gute Zeit als wir „Two Crosses“ und „Two Testaments“ neu bearbeiteten. Er war es auch mit dem ich in den 90ern die beiden Bücher erstmals bearbeitet hatte. Wir lachten über die vielen Fehler die wir bei den ersten Auflagen übersehen hatten und entschieden uns, die Geschichte etwas zu kürzen (wir hatten beide in den letzten 15 Jahren mehr in unserem Handwerk gelernt!) Ich war sehr dankbar für die Möglichkeit die Romane neu zu bearbeiten, besonders entzückt war ich „Two Destinies“ zum ersten Mal zu überarbeiten.
Die deutschen Leser werden merken, dass die Handlung und die Charaktere der Trilogie gleich geblieben sind, ich habe den Inhalt nur etwas umgearbeitet. Zuletzt möchte ich noch hinzufügen, dass der Francke Verlag, mein deutscher Verlag, sehr daran interessiert war meine Neubearbeitung der Trilogie zu drucken. Ich war sehr glücklich über diese Entscheidung!

Ich habe schon einige christliche Bücher gelesen, aber im Moment haben viele von ihnen nur kaum eine oder keine christliche Aussage. Warum war es so wichtig für Sie, dass die Bibel und Gott so eine große Rolle in Ihren Romanen spielen?

Ich schreibe, wie ich immer sage „Unterhaltung mit Seele“. Meine Geschichten sollen eine tolle Handlung haben, gefüllt mit Intrigen, Geschichte und Romantik. Ich möchte aber auch, dass der Leser in die Seele meiner Geschichten eindringt. Ich bin überzeugt, dass unser Glaube jeden Bereich unsere Lebens beeinflusst und meine Charaktere, sowohl Christen als auch Suchende, mit echten Problemen und Zweifeln fertig werden müssen. Die großen Autoren der vergangenen Jahrhunderte nutzten viele biblische Bilder und sprachen ganz natürlich vom Glauben, einfach weil es Teil ihres Lebens war. Ich glaube wir sollten damit fortfahren Romane zu schreiben, die mit den großen Fragen des Lebens ringen. Ich will damit sagen, dass ich meine christlichen Leser „provozieren“ möchte, über einige Probleme nachzudenken, mit denen die Protagonisten konfrontiert sind. Weiterhin bete ich dafür, dass sie das Buch jemandem geben, der niemals einen Fuß in eine Kirche setzen würde, aber gern einen guten Roman liest. Ich liebe es, wenn suchende Menschen durch meine Romane Teile der Bibel und Wahrheit entdecken, sowie Erlösung finden.

Sie wählten den kleinen Ort Castelnau in Frankreich als Hauptschauplatz in dem Roman. Ihre Beschreibungen der Orte sind so realistisch. Als ich das Buch las, suchte ich immer nach Fotos dieser Orte. Haben Sie selbst dort gelebt?

Musser-Elizabeth

Foto: Elizabeth Musser
(Quelle: Verlag der Franckebuchhandlung)

Ja, tatsächlich lebte ich mit meinem Mann Paul und unseren zwei Söhnen 13 Jahre in Montpellier. Castelnau ist ein kleiner Ort in unmittelbarer Nähe von Montpellier. Ich verbrachte viel Zeit damit über das Kopfsteinpflaster zu laufen, einen Blick in die Kirche zu werfen und in das Gefühl einzutauchen, so dass ich es gut in dem Buch beschreiben konnte. Ich besuchte auch alle französischen Orte die im Roman vorkommen. Es hat so viel Spaß gemacht diese unglaublichen Schauplätze zu sehen. Ich verbrachte viel Zeit damit über Algerien und den Algerienkrieg zu recherchieren, Dokumentationen dazu zu schauen, Bücher darüber zu lesen und mit Menschen zu sprechen die dort lebten. Ich mag es, wenn meine Romane an realen Orten spielen und weniger bekannte historische Hintergründe haben.

Ist der Roman frei erfunden oder hat er eine persönliche biografische Bedeutung für Sie und Ihre Familie?

Der Roman ist frei erfunden, aber der Hintergrund des Krieges und die Geschichte von dem was in dieser Zeit passierte ist korrekt. Auch viele der Gespräche im Roman sind ähnlich den Gesprächen die ich mit Freunden in und außerhalb der Kirche führte, die den Glauben infrage stellen. Als ich ein junges Mädchen war, betete ich, dass der Herr mir erlauben würde ein Buch zu schreiben welches ich meiner Großmutter widmen könnte während sie noch lebte. Deshalb ist „Two Crosses“ ihr gewidmet und Mutter Griolet hat einige wunderbare Eigenschaften meiner lieben Großmutter.

Der Algerienkrieg ist nicht die gängige Handlung für einen Roman. Warum wählten Sie gerade diesen Krieg als Hintergrund?

Als meine Familie 1989 das erste Mal nach Montpellier, Frankreich, zog, wusste ich ehrlich gesagt nicht mal, wo Algerien auf der Karte liegt. Aber als ich im Süden Frankreichs lebte, traf ich viele Menschen die in irgendeiner Weise vom Algerienkrieg betroffen waren. Da ich hauptsächlich für das amerikanische Publikum schreiben wollte, dachte ich, dass sie gern etwas lernen wollten über einen Krieg und Teile der Geschichte, an der Amerika nicht beteiligt war. Eines der wichtigsten Dinge beim Schreiben meiner historischen Romanen ist, dass ich beim Recherchieren so viel lerne.

Danke für das interessante Gespräch!

Der Verlag hält ein Verlosungsexemplar bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 17. Juni 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Das Verlosungsexemplar geht an:
beastybabe –
herzlichen Glückwunsch!

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16 Kommentare

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16 Antworten zu “Elizabeth Musser: Das Hugenottenkreuz

  1. theresa

    Klingt toll!

  2. beastybabe

    Die Gegend in Frankreich kenne ich … ist ein Traum! Würde ich gerne lesen! 🙂
    Liebe Grüße,
    Angi

  3. Maria

    Das hört sich ganz toll, genau mein Lesegeschmack!

  4. Esther

    Über den Algerienkrieg weiß ich auch noch viel zu wenig – wenn das dann auch noch in einen spannenden Roman eingebettet ist, umso toller! 😉

  5. Margrit

    Die alte Auflage hatte ich vor Jahren gelesen, aber ich würde durchaus die überarbeitete Neuauflage auch lesen …

  6. Meinhild

    Tolles Interview mit einer authentischen Frau, die ich zu meinen Freunden zählen darf. Sollte ich ein Exemplar gewinnen, würde ich es von der Autorin wittmen lassen und an einen Menschen weitergeben, der mit dem Glauben nicht so viel anfangen kann.

  7. Angela Brüchner

    Ist schon paar Jahre her dass ich das gelesen habe, aber es war super! Würde ich gerne verschenken…

  8. Rahel

    Das wär schön! 😊

  9. B.B.

    Hätte ich gerne 🙂

  10. Salome

    Würde sehr gerne die Neuauflage lesen!

  11. Olivarius

    ein bestimmt tolles Buch für meine tolle Frau 🙂

  12. Viktor Janke

    Ich liebe gute christliche Romane. Würde gerne prüfen, ob das einer ist 🙂

  13. Lucia H.

    Würd ich echt gern lesen!

  14. Michaela Krymski

    Ein Roman, wo die Autorin wert auf die Bibel legt klingt echt super

  15. Das Buch kam heute bei mir an! Ganz herzlichen Dank dafür! 🙂

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