Heidrun Hurst: Der Beginn eines neuen Tages

der beginn eines neuen tages

Rezension von Susanne Degenhardt:
„Der Beginn eines neuen Tages“ ist der dritte Band um die Bergmannskinder Jakob und Bärbel. Ich war sehr gespannt, wie es mit ihnen an den unterschiedlichen Handlungsorten weitergehen würde. – Wer die ersten beiden Bände noch nicht kennt, sollte nun besser aufhören zu lesen, denn sonst geht einiges an Spannung verloren.

Das gesamte Reich ist von marodierenden und plündernden Soldaten ausgeblutet, jeder kämpft im Dreißigjährigen Krieg mehr oder weniger ums Überleben – sei es im Kampf oder daheim auf dem eigenen Bauernhof: Jakob befindet sich nach wie vor im Tross des Schwedischen Heeres. Er ist mit Magdalena liiert, kann sich aber nicht richtig auf ihre Liebe einlassen. Immer noch spukt ihm Elisabeth durch den Kopf und seine Träume.

Auch Elisabeth kann Jakob nicht vergessen. Ihre Ehe mit Andreas ist alles andere als rosig. Auf Nahrungssuche wird der Hof der Selzers mehrmals von plündernden Soldaten heimgesucht. Die Soldaten sind nicht zimperlich, nehmen sich, was sie in die Finger bekommen können – nicht nur Lebensmittel und Gegenstände. Sie vergreifen sich gerne auch an Frauen. Durch eine List können Elisabeth und Andreas ein wenig Geld, Samen und Vieh vor ihnen verstecken, doch sie müssen trotz allem mit dem Wenigen, das ihnen bleibt, ums Überleben kämpfen.

In Straßburg bricht das Waisenhaus aus allen Nähten. Sebastian und seine Frau Bärbel wissen kaum noch, wie sie all die Kinder unterbringen sollen. Sebastian hadert außerdem mit dem Tod einiger Schützlinge. Warum lässt Gott zu, dass manche Menschen geheilt werden und manche nicht? In dieser schweren Zeit steht auch noch plötzlich die Abendrotin vor der Tür und fordert, dass ihre Enkelin Marie zu ihr ziehen solle. Eines Tages erfährt Sebastian von seiner Nachbarin, dass diese das Nachbarhaus verkaufen möchte, am Liebsten an ihn. Das wäre die Antwort auf ihr Platzproblem. Allerdings können sie sich ein weiteres Haus einfach nicht leisten…

Ich fand es faszinierend zu lesen, welche Überlebensstrategien die Romanfiguren in ihren unterschiedlichen Lebenssituationen entwickelten. Jeder einzelne Erzählstrang hat seine eigene Spannung und es fiel mir zunehmend schwerer, das Buch aus der Hand zu legen. Als Leser erfährt man viel Hintergrundwissen über das damalige Leben und die Kriegshandlungen. Dabei wird das Lesen allerdings niemals langweilig, wie man das von manchen historischen Romanen kennt.

Besonders interessierte mich ja, wie es für Jakob und Elisabeth ausgehen würde. Ich möchte das natürlich nicht verraten, aber man sollte sich auf ein total spannendes Ende gefasst machen! Das Abschiednehmen von allen Romanfiguren fiel mir dann auch sehr schwer, da sie mir so ans Herz gewachsen waren.

Wenn mich jemand fragen würde, welcher der drei Bände der beste wäre, müsste ich sagen: Alle drei Bände sind Meisterwerke! Selten habe ich eine Trilogie gelesen, die durchweg fesselnd geschrieben ist! Heidrun Hurst hat einen sehr flüssigen und bildhaften Schreibstil; sie zeichnet die Szenen wie ein Maler ein Gemälde. Der Glaube an Gott wird unaufdringlich aber immer passend zur Lebenssituation eingewoben, was den Romanen noch mehr Tiefe verleiht.

Im Anhang befindet sich wieder ein Glossar, welches einige Begriffe erklärt. Diese sind im Text übrigens kursiv gedruckt, sodass man gleich weiß, dass man dieses Wort im Buch hinten nachschlagen kann.

Heidrun Hursts Romane sind ein Garant für spannende Lesestunden. Wer historische Romane mag und ihre Romane noch nicht gelesen hat, sollte dies schleunigst nachholen! Ich freue mich jedenfalls auf weitere Romane aus ihrer Feder, für mich sind sie mittlerweile zu einem „Must-Read“ geworden!

mediaKern, ISBN 978-3-842-92308-9, Preis 14,95 Euro

Heidrun Hurst hat bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Heidrun, mit diesem Band ist die Trilogie um die Bergmannskinder Jakob und Bärbel nun abgeschlossen. Wie ist es Dir ergangen, als Du von den beiden und allen anderen Romanfiguren „Abschied nehmen“ musstest?

Das ist so in etwa ein Gefühl, wie wenn man von alten Bekannten Abschied nehmen muss. Es waren doch einige Jahre, in denen ich mich mit ihnen beschäftigt, und mir immer neue Geschichten für sie ausgedacht habe. In gewisser Weise sind sie ein Teil von mir geworden. Ich denke oft an sie, wenn ich bei meinen Verwandten bin, die auf Elisabeths „Hof“ wohnen.

Sebastian hadert mit dem Tod einiger seiner Schützlinge und fragt sich, warum Gott manche Menschen heilt und manche nicht. Hast Du schon ähnliche Erfahrungen gemacht und diese im Roman verarbeitet?

Das habe ich tatsächlich. Im näheren Umfeld und auch immer wieder bei Freunden und Bekannten. Ich denke das ist eine der großen Fragen dieser Welt, auf die es keine befriedigende Antwort gibt. Letztendlich wollte ich damit zum Ausdruck bringen, dass auch Christen nicht auf alles eine Antwort wissen, und durchaus ihre Krisen haben. Dass es aber wichtig ist Gott zu vertrauen und den vorgegebenen Weg zu gehen. Oft sieht man erst hinterher, dass dies alles einen Sinn hatte. Und – ich hoffe, ich bin damit nicht allein – manches werden wir auch nie verstehen.

Ich fand es sehr spannend zu lesen, welche Überlebensstrategien sich Jakob und Elisabeth an ihren unterschiedlichen Schauplätzen ausgedacht haben. Jakob isst beispielsweise gemeinsam mit seinen Kumpanen einen Schwan – was wirklich eine luxuriöse Abwechslung im kargen Speiseplan war! Bist Du selbst schon in den Genuss eines Schwans gekommen?

heidrun hurst

Foto: Heidrun Hurst

Nein, ich habe noch nie Schwan gegessen. Im Mittelalter allerdings waren die großen Vögel eine beliebte Speise, aber wohl auch eine ziemlich tranige Angelegenheit. Den Schwan habe ich an dieser Stelle eingebaut, weil die Rheinauen ein Paradies für diese Tiere sind. So gesehen war es keine luxuriöse Kost, sondern einfach das, was dort zur Verfügung stand.

Du wohnst ja in der Nähe des Bauernhofs, in dem Elisabeth lebte. Habt Ihr beobachten können, ob einige Leser vorbei kommen, um sich einen der Romanschauplätze, den Hof, anzuschauen?

Beobachtet habe ich nichts, aber die Leute fragten nach, wo genau das Haus steht. Die Premierenlesung von „Im Feuer des Lebens“ fand dann auch in der Scheune des Bauernhofs statt. Die Atmosphäre des Hofes zu schnuppern und gleichzeitig in der Lesung zu hören, was sich dort abgespielt hat, fanden die Leute aus der Umgebung sehr ansprechend. Es kamen sogar so viele, dass ich zweimal lesen musste, weil wir gar nicht alle gleichzeitig in der Scheune unterbringen konnten. Anschließend war noch lange nicht Schluss. Es wurde ein richtiges kleines Dorffest, das sich spontan daraus entwickelt hatte. Das war eine sehr schöne Erfahrung, an die ich noch lange denken werde.

Kannst und darfst Du schon einen wenig von Deinem nächsten Projekt verraten?

Nur so viel sei verraten. Ich bin an einem neuen Projekt. Es wird wieder etwas Historisches sein, aber mehr kann ich noch nicht dazu sagen.

Ich freue mich schon sehr auf Dein nächstes Buch!
Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg beim Schreiben!

Heidrun Hurst stellt uns ein signiertes Exemplar dieses dritten Bandes zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 29. Juli 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Heidrun Hurst: Der Beginn eines neuen Tages

  1. theresa

    Ohh, das muss ich unbedingt lesen!!!

  2. Esther

    Ich habe mit Begeisterung die Teile 1 und 2 gelesen und würde mich über Band 3 natürlich sehr freuen … allerdings habe ich schon den 1. Band bei der Verlosung hier gewonnen und es wäre wohl etwas unfair, wenn ich schon wieder die Glückliche wäre, ;-).

  3. Maria

    Das Buch würde ich auch sehr, sehr gern lesen.

  4. Aga

    Würde ich sehr gern lesen!

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