Barbara Keifenheim: Im Entschwinden so nah

im entschwinden

Rezension von Christian Döring:
Die Tochter schildert hier ihre jahrelangen Beobachtungen an ihrer an Demenz erkrankten Mutter. Zusammen mit ihrer Schwester löst sie den Haushalt der Eltern auf, plant und organisiert den Umzug in eine eigene Wohnung in einer Seniorenresidenz. Der Vater ist bereits 90 Jahre alt, geistig aber noch in top Form.

Die Mutter hingegen beginnt vieles zu vergessen. Relativ schnell kommt die Diagnose Demenz. Was mich an diesem Buch von Barbara Keifenheim besonders beeindruckt, ist die Sachlichkeit in ihren Beobachtungen, obwohl es um ihre Mutter geht. Da ist Sachlichkeit und da kommen die komischen Szenen, wenn die Mutter zum Beispiel das bereits benutzte Klopapier an den nächsten weiterreichen will oder wenn sie in einer Gaststätte den Happen Fleisch unter den Tisch spuckt.

Die Töchter sind gefragt täglich oft viele Stunden über Jahre. Sie müssen sich fragen, ab wann ist unsere Mutter in der Öffentlichkeit nicht mehr vorzeigbar. Langsam entschwindet sie ihrer Familie, was bleibt sind die mit Kot verschmierten Fingernägel und ihre Aggressivität, die immer mehr zunimmt. Manchmal kommen noch lichte Momente, aber immer mehr erkennt die Mutter ihre Töchter und selbst ihren Ehemann nicht mehr.

Dieses Buch geht über einfache Beobachtungen hinaus. Die Autorin geht in die Tiefe. Sie fragt nach dem selbstbestimmten Alterstod. Irgendwann beginnen Alzheimerpatienten zu vergessen, dass Nahrung hinuntergeschluckt werden muss. Dann beginnt die Zwangsernährung, aber ist dies dann noch menschenwürdig?

Ein Buch das tiefe Einblicke in eine Familie ermöglicht und das sehr deutlich macht, nur einer erkrankt an Demenz, betroffen allerdings sind alle Familienmitglieder!

Herder, ISBN 978-3-451-34750-4, Preis 17,99 Euro

Der Herder Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 3. August 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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5 Kommentare

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5 Antworten zu “Barbara Keifenheim: Im Entschwinden so nah

  1. Björn

    Spannendes Thema.

  2. beastybabe

    Ein ernstes Thema, von dem man nur hoffen kann, dass es einen selbst nie betrifft – oder Angehörige. 😦

  3. ….das thema beschäftigt mich immer wieder….
    vg
    annette

  4. Michaela Krymski

    Etwas das vielleicht viele von uns treffen wird

  5. Maria

    Leider wurden wir in unserer Familie auch schon damit konfrontiert und es ist interessant zu erfahen, wie andere damit umgehen.

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