Christel & Hans-Jürgen Scholz: „Der Glaube steckt in der Leber.“

der glaube steckt in der leber

Rezension von Christian Döring:
Zurück in die 70er Jahre führt uns das Ehepaar Christel und Hans – Jürgen Scholz. Vom Siegerland aus beginnen sie ihre lange Reise in den Norden von Nigeria. Ausgerechnet mit einem Schiff des Klassenfeindes DDR begeben sie sich zum Volk der Ebira, um ihnen die Bibel zu übersetzen. Und da Hans-Jürgen Scholz manchmal seinen Mund nicht halten kann, beginnt er mit seinem Missionsauftrag bereits bei einem Matrosen aus der DDR.

Ungefähr 80 kurze Episoden hat das Ehepaar aufgeschrieben, sodass der Leser jetzt mit auf die beschwerliche Reise gehen kann. Keine Angst, zum Schmunzeln bleibt Gelegenheit und abwechslungsreich ist diese Reise auf jeden Fall.

Das Volk der Ebira im Norden von Nigeria ist eins der zehn größten. Bis in die 70er Jahre hinein hatte dieses Volk keine Schriftsprache und es ist spannend mitzuerleben, wie es dann 1972 die ersten gedruckten Bücher in Besitz nahm und zum ersten Mal selbst etwas von der Geburt Jesus Christus lesen konnte. Auf Ebira trägt diese Geschichte übrigens die Überschrift „Wie der größte Häuptling in die Welt kam“. Spannend auch, wo die beiden anderen Versuche einer Übersetzung, einige Jahrzehnte vorher, geblieben sind.

Das Ehepaar Scholz kam nicht einfach nach Nigeria um die Bibel zu übersetzen. Die Eheleute wohnten mitten im Dorf und waren in den Alltag mit einbezogen, jedenfalls so gut dies ging. Deshalb können sie heute so genau vom Leben dieses Volkes berichten, auch von den Schwierigkeiten, die es mit sich bringt, wenn ein Volk plötzlich lesen lernt.

So macht dieses Buch nicht nur mit der Übersetzungsarbeit der Bibel in eine afrikanische Sprache bekannt, es bringt mir ein bis dahin völlig unbekanntes Volk näher und so ganz nebenbei lerne ich ein deutsches Ehepaar kennen, dass mir die Bedeutung der Leber für den Glauben im Volk der Ebira näher bringt!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27528-5, Preis 9,95 Euro

Christel & Hans-Jürgen Scholz haben bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Liebe Christel & Hans-Jürgen Schulz, soeben ist ihr Buch „Der Glaube steckt in der Leber.“ erschienen. Sie beschreiben darin wie sie 1970 in Nigeria beim Volk der Ebira angekommen sind. Mit welchen Erwartungen waren Sie gekommen?

* der lebendige Gott wird uns versorgen, wenn wir allein in einer fremden Kultur und Sprache leben

* wir können in einer einheimischen Hütte mitten in einem Dorf wohnen, um die ungeschriebene Sprache dieser Leute zu erlernen, zu erforschen und zu verschriften und um zusammen mit einem Team von Einheimischen zumindest das Neue Testament in ihre Muttersprache zu übersetzen

* der lebendige Gott braucht die übersetzte Bibel, um unter diesem Volk sein Reich zu bauen

Und wie sah dann die Realität aus? Wie wurden Sie von ihren Nachbarn aufgenommen?

* wir erlebten Gottes wunderbare Führung und konnten vier Räume in einer Lehmhütte mitten in einem Dorf des Volkes der Ebira mieten

* unsere Nachbarn waren begeistert, dass zwei Weiße unter ihnen wohnten; so etwas hatte es dort noch nie gegeben. Als wir erste Sätze in Ebira sagen konnten, waren sie ganz aus dem Häuschen.

An einer Stelle im Buch schreiben Sie davon, dass es bereits viele Jahre vor Ihnen erste Übersetzungen biblischer Bücher auf Ebira gegeben hat, diese allerdings spurlos verschwunden sind, was wissen Sie über deren Verbleib?

* Bis auf ein Traktat haben wir nirgends auch nur eine dieser ersten Übersetzungen gesehen. Eins der früher übersetzten Bibelteile soll von Muslimen verbrannt worden sein.

Wie haben sich die biblische Schriften auf Ebira im Volk der Ebira ausgewirkt, welche Entwicklungen haben Sie beobachtet?

* der jahrelange Prozess des Übersetzens führte u.a. dazu, dass die verschiedenen christlichen Gemeinden echt zusammenarbeiteten und sich gegenseitig schätzen lernten. Beim Lesen der Bibel in anderen Sprachen (z.B. Englisch, Yoruba ) waren in der Vergangenheit viele Missverständnisse aufgetreten; diese wurden eine nach der anderen ausgemerzt. Allmählich wurde die Bibel zu einem „scharfen“ Schwert“, d.h. die Leute verstanden die biblischen Texte immer besser, und der Heilige Geist konnte in ihrem Leben Veränderungen bewirken.
Das wiederum bewirkte, dass die Christen mutiger und wirkungsvoller ihren animistischen Nachbarn das Evangelium weitersagen konnten. Gott sprach jetzt Ebira, er war also doch nicht nur der Gott der Weißen.

scholz zwei

Foto: Hans-Jürgen Scholz mit David Moomo beim Übersetzen in Nigeria
(Quelle: Autor)

All das ist jetzt schon wieder Jahrzehnte her. Was ist heute von ihrem Werk in Ebira geblieben?

* Vorher konnten nur die Ebira das Lesen und Schreiben erlernen, die das Englische beherrschten. Jetzt kann jeder der 1 Million Ebira – mit den von uns entwickelten Lesefibeln – das Lesen erlernen, auch die Erwachsenen. Vorher hatten die Ebira Christen nur eine ziemlich verschwommene Idee vom Evangelium. Inzwischen liegt die ganze Bibel in Ebira vor. Jetzt braucht Gott dieses übersetzte Wort unter den Ebira in einer Weise, wie das vorher nicht möglich war. Man könnte sagen: Er hat eine Reformation unter diesem Volk bewirkt.

Vielen Dank für das Interview!

Der Verlag der Franckebuchhandlung hält ein Verlosungsexemplar für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 3. August 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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6 Kommentare

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6 Antworten zu “Christel & Hans-Jürgen Scholz: „Der Glaube steckt in der Leber.“

  1. Björn

    Toller Titel

  2. Esther

    Wow, so einen intimen Einblick in die Übersetzungsarbeit würde ich wirklich gern lesen – bin dabei!

  3. Der Interviewer zitiert den Titel falsch: „Der Glaube steckt in der Bibel“ – ich denke, das heißt „in der Leber“?

  4. margrit

    Biographisches immer wieder bereichernd …

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