Harry Voß: 13 Wochen

13 Wochen

Rezension von Benjamin Pick:

Ein Buch für Teenager, die mehr vom Leben wollen

Als bekennender Schlunz-Fan hatte ich an dieses Buch natürlich hohe Erwartungen. Gleichzeitig konnte ich mir vom Klappentext allein keine rechte Vorstellung machen, was der Kern der Geschichte ist, und ob es sich um einen Kriminalroman oder mehr um ein Horror-Szenario geht. Nach dem Lesen verstehe ich jetzt warum: man kann nicht allzuviel erzählen, ohne die Wendepunkte vorwegzunehmen!

Simon ist ein Siegertyp: er spielt Streiche mit seinen Freunden, widersetzt sich den Lehrern, und auch beim Computerspielen geht er sehr strategisch vor. Eines Tages taucht aber ein Double auf, der seine Welt ins Wanken bringt. Wer ist dieser Doppelgänger? Wo kommt er her? Wieso weiß er so viel? Was will er von Simon? Im Laufe der Suche lernt Simon, dass ein anderes, freundlicheres Leben möglich ist. Ob er am Ende seine Angebetete doch noch überzeugen kann?

Die Hauptcharaktere sind durch und durch Teenager, inklusive Pubertät, Liebeswirrnisse und „schwierigen Eltern“ – daher auch die Altersempfehlung ab 13 Jahren. Das Buch illustriert eindrucksvoll den Kampf zwischen Gut und Böse, der in uns stattfindet. Auch die Basics des Glaubens kommen rüber: wer ist Jesus, was hat er mit mir zu tun, und wie kann ich beten. Diese sind stimmig in die Geschichte einbettet, so dass ich mir vorstellen kann, das auch nichtgläubige Kinder das Buch mögen werden. Besonders Teens, die sich mit dem Sinn des Lebens auseinander setzen, empfehle ich diese Geschichte.

Irgendwann konnte ich das Buch gar nicht mehr weglegen: spannend wie Schlunz, könnte man sagen! Lieber Autor, super und weiter so!

SCM Verlag / Bibellesebund, ISBN 978-3-417-28657-1, Preis: 12,95 Euro

Harry Voß hat Bücherändernleben nun folgende Fragen beantwortet:

Lieber Harry, zunächst eine persönliche Frage: Warum schreibst du Kinderbücher?

Weil ich gemerkt habe, dass es mir leicht fällt, Geschichten zu schreiben, und dass das, was ich schreibe, offensichtlich ankommt. Ich arbeite sehr gerne mit Kindern und ich weiß noch sehr gut, wie ich mich als Kind gefühlt habe: wie Erwachsene oft so groß und schlau getan habe, obwohl sie auch nicht alles wissen; wie es sich anfühlt, wenn man ungerecht behandelt wird, oder wenn man ausgeschlossen wird, wenn man Angst hat usw. Außerdem hab ich das Anliegen, Kindern zu veranschaulichen, dass Gott unser guter Vater ist, mit dem zu leben es sich lohnt. Alles zusammen veranlasst mich, Bücher mit christlichen Geschichten für Kinder zu schreiben.

„Der Schlunz“, „13 Wochen“, und bald „Gefangen in Abadonien“: ich habe das Gefühl, du schreibst inzwischen mehr für ältere Kinder. Vielleicht weil das Alter deiner Stamm-Leserschaft zunimmt?

Nein, das nicht in erster Linie. Nach dem unerwartet großen Erfolg der „Schlunz“-Reihe habe ich viele Anfragen bekommen, sofort mit einer neuen Reihe für Kinder durchzustarten. Aber das hab ich mich, ehrlich gesagt, nicht getraut. Ich hatte Angst, dass alles, was ich nachliefern würde, zu sehr mit Schlunz verglichen würde. Ist es dem Schlunz zu ähnlich, beschwert man sich, mir sei wohl nichts Neues eingefallen. Ist es zu weit weg vom Schlunz, beschwert man sich, da sei ja überhaupt nichts Schlunziges mehr dabei. Darum habe ich mich (auch nach Gesprächen mit den Verantwortlichen der Verlage) dazu entschieden, mal etwas zu schreiben, das so weit weg von der Schlunz-Reihe ist, dass man es überhaupt nicht damit vergleichen kann. Also ist es ein Jugendbuch geworden, das vom Thema, vom Setting und der ganzen Leser-Ansprache her ganz anders ist. Weil das nun wiederum so gut ankam, hat man mich gebeten, ob ich nicht noch ein zweites Jugendbuch hinterherschieben könnte. Das hab ich mit „Gefangen in Abadonien“ getan. Aber eigentlich möchte ich demnächst auch wieder mehr für Kinder schreiben.

harry voß

Autor Harry Voß

Das Buch ist aus der Perspektive eines Bandenchefs geschrieben, der Mitleid lernt. Es wird sicher auch viele Leser geben, die sich eher mit der Gegenrolle identifizieren können (der Gemobbte Leon). Was rätst du Ihnen, müssen auch sie sich verändern?

Jeder hat ein bestimmtes Bild von sich. Viele meinen doch (besonders, wenn man jung ist), man selbst macht es richtig und die anderen um einen herum machen es falsch. Und ich wollte hier einfach mal die Rollen umkehren: Wie würde es wohl aussehen, wenn du dich selbst mal von außen beobachten könntest? Würdest du dann auch noch alles cool und richtig finden? Diese Frage kann sich sicher jeder mal stellen. Auch die Leon-Typen.

In der Danksagung erwähnst du, wie anstrengend es ist, ein Buch zu schreiben. Hat dieser Prozess auch dich verändert?

Echt? Hab ich das so krass geschrieben? Ein Buchschreibe-Prozess durchläuft ja verschiedene Phasen. Zuerst hat man eine Idee, ist total verliebt in seine eigene Geschichte und schreibt voller Elan los. Und dann, wenn man so unterwegs ist und die Handlung ein paar Dürre-Zeiten erlebt, möchte man am liebsten aufgeben (und als jugendlicher Hobby-Schreiber hat man das an solchen Stellen ja auch meistens getan). Aber das geht dann nicht. Und dann quält man sich manchmal durch seine eigene Geschichte und versucht nachher, wenn man die eigene Geschichte noch mal liest und überarbeitet, genau diese langweiligen Stellen zu glätten und aufzupebbeln. Und das hat dann oft nichts mehr mit „Hurra, ich darf ein Buch schreiben“ zu tun. Das ist dann reine Fleiß-Arbeit, zu der man sich als kreativer Mensch einfach überwinden muss. Zusätzlich sitzt ja der Abgabetermin im Nacken. Und bei mir kommt hinzu, dass ich gegen Ende meiner Schreib-Phase meistens denke: „Diesmal hab ich ein total doofes Buch geschrieben, bestimmt gefällt das niemandem! Ach, warum hab ich so was überhaupt angefangen?“ und so weiter. Und mit dieser Depri-Stimmung nerve ich meine komplette Familie so lange, bis das Buch endgültig abgegeben und lektoriert ist. Und erst, wenn die ersten Leser-Rückmeldungen kommen, dass ihnen das Buch gefallen hat, beruhige ich mich wieder. Das ist das Anstrengende an einem Buch. Aber meistens überwiegt die Freude am Schreiben, die Liebe zu den Lesern und der Spaß an der eigenen Geschichte. Dass Bücherschreiben grundsätzlich anstrengend sei, kann ich so nicht unterschreiben.

Deine eigentliche Frage war aber, ob mich dieser Prozess verändert hat. Das ist mir persönlich jetzt erst mal nicht aufgefallen. Natürlich lebe ich während des Schreibens in meiner Geschichte und durchlebe auch die emotionalen Höhen und Tiefen meiner Hauptpersonen. Aber wenn ich dann wieder mitten im echten Leben stehe, bin ich wieder ganz Harry. Würde ich zumindest mal so über mich vermuten. Vielleicht würden meine Freunde und meine Familie was anderes sagen …

Vielen Dank für deine Antworten!

SCM Brockhaus hält ein Verlosungsexemplar für uns bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 23. August 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch Margit,
Du hast das Verlosungsexemplar gewonnen!

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Uncategorized

6 Antworten zu “Harry Voß: 13 Wochen

  1. Björn

    Für die Kinder.

  2. …das könnte was für unsere große sein….
    vg
    annette

  3. Nicht nur ist der Autor – von dem, was ich aus dem Interview gelesen habe – ein Mann nach meinem Herzen, sondern das Buch selber wäre für unsere beiden Teenager hier sicherlich eine große Bereicherung! :o)

  4. margrit

    Davon gehört, aber noch nicht gelesen …

  5. Pingback: Rezension von „13 Wochen“ plus Interview mit Harry : Harrys Blog

  6. Hallo, ich würde auch gern das Buch „13 Wochen“ gewinnen. Ich bin großer Schlunz-Fan, und die Rezension von „13 Wochen“ klingt extrem spanndend 🙂

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