Elisabeth Büchle: Unter dem Polarlicht

unter dem polarlicht

Rezension von Edelgard Kornelsen:
Lesegenuss (nicht nur) für lange Winterabende

Eigentlich ist ein Büchle-Buch für mich immer ein Garant für maximalen Lesegenuss, doch „Unter dem Polarlicht“ hat mir besonders gut gefallen!

Da ist die plötzlich, kurz vor der Adventszeit, arbeitslose Chiara, die bereit ist eine völlig neue Aufgabe zu übernehmen. Und da ist Florian, der durch einen Unfall seinen Roman nicht mehr selbst schreiben kann und dringend Hilfe braucht. So treffen die beiden unterschiedlichen Charaktere aufeinander und wer Elisabeth Büchle kennt, weiß, dass jetzt humorvolle Wortgefechte folgen werden. Da es Winterzeit ist und der Roman in Kanada spielt, kommen außerdem noch einige herausfordernde Situationen in der rauen Natur hinzu, die die beiden bewältigen müssen und die sie näher zueinander bringen.

An diesem Buch hat mir besonders gut gefallen mal keine perfekt aussehende Protagonistin zu haben. Wie die meisten Menschen kämpft Chiara damit, mit ihrem Äußeren nicht der Norm zu entsprechen und das macht sie dem Leser unheimlich sympathisch und nahbar. Es fällt einem leicht sich in sie hineinzuversetzen. Mit dem Autor Florian hat E. Büchle einen Protagonisten erschaffen, der einige sehr schmerzhafte Situationen in der Vergangenheit erlebt hat und nun eine hohe Schutzmauer um sich herum gebaut hat. Durch das enge Zusammenleben der Beiden und Chiaras direkte Art bröckelt Florians Mauer langsam und er öffnet sich wieder anderen Menschen. Er muss lernen sich und anderen zu vergeben. Diesen Prozess als Leser zu begleiten ist mutmachend und stimmt einen nachdenklich.

Desweiteren hat mir die Geschichte der Zuckerstangen, die sich wie ein roter Faden durch den Roman zieht, gut gefallen. Es verleiht dem Roman eine besondere Note und Tiefe. Ich werde sie in dieser Adventszeit sicher mit ganz anderen Augen betrachten.

Wer also einen richtig schönen Roman für lange Winterabende sucht, kann mit diesem Buch nichts falsch machen. Lesegenuss garantiert!

Gerth Medien, ISBN 978-3-957-34078-8, Preis 12,99 Euro

Autorin Elisabeth Büchle hat Bücherändernleben nun diese Fragen beantwortet:

Liebe Elisabeth, soeben habe ich deinen ersten Winterroman gelesen und bin ganz angetan! Ich habe ihn als erfrischend und inspirierend empfunden! Ist das Buch auf Wunsch des Verlags entstanden oder ist es eine Geschichte, die dir schon länger vorschwebte?

Es freut mich, dass Dir das „Polarlicht“ gefallen hat, zumal das Buch mit seiner schüchternen Seitenzahl und der geradlinig erzählten Geschichte für einen Büchle-Roman ja etwas aus dem Rahmen fällt. Die Idee zu diesem Roman ist spontan entstanden, mehr aus einer Laune heraus – und die Mitarbeiter von Gerth Medien haben die Geschichte ebenso spontan akzeptiert und ins Verlagsprogramm aufgenommen.

Mit Chiara hast Du eine Persönlichkeit geschaffen, die mir sehr sympathisch war. Es ist einfach wohltuend mal keine perfekt aussehende Protagonisten zu haben, sondern jemanden, wie du auch im Buch schreibst, der nicht der Norm entspricht und auch mit Selbstzweifeln kämpft. Was hat dich inspiriert Chiara als „Pummelchen“ zu beschreiben?

Zum einen variiere ich gern meine Romanfiguren. Zuletzt hatte ich mit Demy (Meindorff-Trilogie) eine sehr taffe, tatkräftige und starke Frau erschaffen, die „Schmetterlinge“ in „Skarabäus und Schmetterling“ waren, dem Titel entsprechend, eher zerbrechliche, sanfte Frauen. Also habe ich mich entschieden, die nächste weibliche Figur nochmals anders zu formen. Damit konnte ich ihr ein, zwei weit verbreitete Probleme mitgeben: Die Unzufriedenheit der Frauen mit ihrem eigenen Äußeren und der Trend, die Menschen hauptsächlich nach ihrem Äußeren zu beurteilen. Das passte perfekt zum Thema der Geschichte, die ich erzählen wollte. Ich wünsche mir, dass das Buch Mut macht, zu sich selbst zu stehen, sich so anzunehmen, wie man nun einmal ist und anderen – wie auch sich selbst – diverse Verletzungen zu vergeben.

Mit der Geschichte der Zuckerstangen hast Du eine historische Erzählung mit eingebunden, die ich sehr schön finde und die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Wie kam es dazu?

elisabeth büchle

Foto: Elisabeth Büchle

Bis zum Weihnachtsgottesdienst vor einem Jahr wusste ich nichts über die Bedeutung der Candy Canes. Dort hörte ich dann davon und prompt entstand in meinem Kopf der Wunsch, diese „Bilder“ einmal in einen Roman einzubauen. Soviel dann ergänzend zu deiner ersten Frage!

In Florian hast du einen Mann geschaffen, dem in der Vergangenheit übel mitgespielt wurde und der lernen muss zu vergeben und sich neu den Menschen um sich herum zu öffnen. Menschen ziehen sich leicht zurück, wenn sie durch andere Menschen, gerade auch von anderen Christen, verletzt werden. Was würdest Du ihnen als Rat mitgeben?

Jeder Mensch hat seine individuelle Schmerzgrenze, was Verletzungen anbelangt. Ich denke, es ist ähnlich, wie wenn ein Kind auf die heiße Herdplatte fasst. Die Schmerzen, die es danach empfindet, lehren es, ab sofort vorsichtig zu sein, den Herd zu meiden. So reagiert auch die verletzte menschliche Seele mit Vorsicht und Vermeidung. Und wie manche Finger lediglich leicht gerötet sind, andere dagegen sogar aufplatzen, so unterschiedlich tief vernarbt eine verletzte Seele. Deshalb gibt es auch keinen pauschalen Rat, wie damit am Besten umzugehen ist. Für die einen genügt es, sich Menschen zu suchen, die ihm/ihr zugeneigt sind, andere müssen womöglich seelsorgerlich-therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Meiner Meinung nach ist Vergebung ein enorm wichtiger Faktor im Heilungsprozess. Denn nur wenn ich den Groll aus meinem Herzen hinauswerfe, kann Befreiendes einziehen.

Ich liebe es, wenn in einem Buch die Rede von Essen ist. Du hast in deinem Buch z.B. immer wieder den Apfel-Zimt-Kuchen erwähnt. Von amerikanischen Büchern kenne ich es, dass oft hinten im Buch ein Rezept von dem im Buch genannten Gericht abgedruckt ist. Was hältst du von der Idee?

Grundsätzlich ist das eine tolle Dreingabe. Da ich allerdings nicht unbedingt gern koche und das Backen seit einigen Jahren meinen wesentlich begabteren Töchtern überlassen habe, bin ich auf den Gedanken gar nicht gekommen. Es ist jedoch ein zweiter (evtl. dritter) Roman dieser Art geplant. Vielleicht hole ich das Versäumte dann ja nach …

Herzlichen Dank für das Gespräch!

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4 Kommentare

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4 Antworten zu “Elisabeth Büchle: Unter dem Polarlicht

  1. möchte mal sagen.. ich habe das Buch fast zur hälfte durch.. es st toll zu lesen…UND ich habe 2 Dinge auf jedenfall mt chiara gemensam.. wir sind vollschlank und lieben Schneeflocken wenn sie frisch fallen..
    Wenn der Winter naht dann schau ich alle Naselang aus dem Fenster und warte auf die ersten Flocken.. 🙂
    Ja das Mädel gefällt mr 🙂

  2. Charlie

    Von wegen lange Winterabende… ich musste mich sehr zusammenreissen das „Büchlein“ nicht am Stück auszulesen 😉

    Freue mich sehr, über eine Fortsetzung oder ähnliche Bücher – aber bitte nicht so kurz! 😉

  3. Anita

    Wunderbares Buch, obwohl ich es nicht im Winter gelesen habe. Für meinen Geschmack nur ein bisschen zu dünn. Die Geschichte hätte meinetwegen noch weitergehen können;)

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