Monatsarchiv: Oktober 2015

Döring/Heinritz: Bibel statt Parteibuch

Bibel statt Parteibuch

Rezension von Gerhard Warkentin:
Der Autor Christian Döring beschreibt in seinem Buch „Bibel statt Parteibuch“ 25 ausgewählte Geschichten aus seinem Leben als Mensch und Christ in der DDR.
Gleich zu Anfang im Vorwort weist der Verlag darauf hin, dass diese Geschichten „zutiefst individuell und subjektiv“ seien (S. 9). Nun, diesen Eindruck hatte ich persönlich beim Lesen nicht, da ich im weiteren Bekanntenkreis schon sehr ähnliche Geschichten aus erster Hand gehört habe. Wie dem auch sein mag, es sind auf jeden Fall sehr aufklärende und bewegende Geschichten. Ein weiterer Untertitel dieses Buches hätte für mich auch lauten können: Wider das vergessen!
In der Schule kommt im Geschichtsunterricht die Thematik der DDR für die allermeisten Schülerinnen und Schüler zu kurz oder auch gar nicht zur Sprache, obwohl dies im Lehrplan sicherlich vorgesehen ist, aber die Unterrichtszeit nicht immer ausreicht. Darum ist ein Buch wie dieses umso wertvoller und kostbar, um einen nicht zu vernachlässigenden Teil unserer deutschen Geschichte aufzuarbeiten und in Erinnerung zu halten.
So lernt der Leser dieses Werkes nicht nur die Person Christian Döring näher kennen, sondern vor allem auch das (politische) System der ehemaligen DDR. Viele Abkürzungen und Begriffe (z.B. VEB, POS, Intershop, Deliladen,‘), die vom Autor immer sehr präzise erklärt werden, habe ich persönlich kennen gelernt. Besonders bezeichnend hierzu fand ich das elfte Kapitel (Wie ich mit meinem Pastor Farbe klaute, S. 90ff). Von einem konkreten Beispiel ausgehend wird der Leser hier an verschiedene Themen herangeführt: Beschränkung der Größe privater Handwerksbetriebe durch DDR-Gesetze, innerdeutscher Menschenhandel, Schattenwirtschaft, Schwarzarbeit, Genexkonten, Diebstahl, Gewissenskonflikte, Bestechungen und Solidarität der DDR-Bürger untereinander.
Besonders gut hat mir gefallen, dass es dem Autor gelungen ist den psychischen und manchmal auch körperlichen Terror gegenüber Christen als roten Faden aufzuzeigen. Denn die damit einhergehende Verunsicherung und Angst waren tägliche Begleiter im Alltag vieler Christen! Hier zwei Beispiele:
„Mein Lehrer kam nach vorn und erklärte: „Du kannst dich setzen. Ich gebe dir eine drei. Du hast zwar richtig geantwortet, aber dein politischer Standpunkt ist miserabel. Christen sind rückschrittlich, und solange du dieser Gruppe angehörst, kann ich dich nicht besser bewerten.“‚ (S. 54)
‚Das hinderte allerdings die Stasileute nicht daran, ihre entnervenden Frage-und-Antwort-Runden bis zum Exzess zu wiederholen ‚ drei Tage und Nächte lang. Immer wenn ich gerade eingeknickt war, holte man mich zu einem weiteren Gespräch. Als ich schließlich von einem Mann in einem weißen Kittel eine Spritze bekam, einnickte und irgendwann aus einer Art Dämmerzustand erwachte, begann für mich eine sehr unruhige Zeit.‘ (S. 146)
Und so fast der Autor diese nahezu unglaublich klingende Zeit deutscher Geschichte mit diesen Worten zusammen: ‚Es war eine Zeit des Misstrauens und der Missverständnisse.“ (S. 148)
Alles in allem ist dieses Buch nicht nur inhaltlich höchst interessant, sondern auch sprachlich liest es sich dank des bildreichen Schreibstils des Autors sehr flüssig!
Für mich persönlich das beste Buch zum Jahrestag des Mauerfalls! Jedes Jahr neu zu empfehlen!

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27466-0, Preis 12,95 Euro

Ein signiertes Verlosungsexemplar liegt bereit. Wer seinen Kommentar bis zum 14. 11. 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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LUQS Verlag steht vor dem Aus

LUQS Verlagsleiter Viktor Tietz hat soeben mitgeteilt, dass sein Verlag vor dem wirtschaftlichen Aus steht. Bücherändernleben hat ihm nun folgende Fragen gestellt:

Lieber Viktor, wann und warum hast Du Deinen Verlag gegründet?

Schon seit meiner Kindheit habe ich einen starken Unternehmergeist in mir gespürt, ich wollte unbedingt etwas „bewegen“ und selber bestimmen, wohin die Reise geht. Nach meiner Bekehrung und einer Bibelschule war es für mich klar, dass ich auch als Unternehmer Leute fürs Evangelium erreichen will.

Nach meinem Studium hatte ich eine für ein Jahr befristete Arbeitsstelle und konnte auch nicht so schnell eine neue Stelle finden. Dann habe ich im Idea Spektrum eine Anzeige gesehen, dass ein älteres Ehepaar ihr Geschäft abgeben will. Da bin ich eingestiegen. Es ging v. a. um Ernährungsratgeber (mit deutlichen Hinweisen auf die Schöpfung und den Schöpfer). So hat es, genau genommen, 2007 mit dem Verlag angefangen. Weil ich noch eine Menge ISBNs übrig hatte, haben noch im selben Jahr Übersetzungen v. a. amerikanischer Titel christlicher Autoren gefolgt. Aus „Gesunde Ecke“ wurde dann LUQS Verlag. Die ursprüngliche Idee war, Ehe- oder Erziehungsratgeber, in denen biblische Prinzipien zum Tragen kamen, auf dem säkularen Markt anzubieten.

Gab es Zeiten in denen es wirtschaftlich blendend lief?

40 tage

Die gab es auf jeden Fall, unsere Titel wie „40 Tage Liebe wagen“ oder „Mein Leben als Volltreffer“ (kürzlich umbenannt in „Eine vollkommen verrückte Liebe“) waren sehr erfolgreich und sind es zum Teil immer noch. Wobei es mir relativ früh klar wurde, dass man vom Verlag nicht leben kann. So wurde er quasi zu meinem nebenberuflichen Hobby.

eine vollkommen

Jetzt bist Du Pleite, stehst vor einem großen Schuldenhaufen und wie sieht Dein Resümee für die letzten Jahre aus?

Hier muss ich kurz korrigieren: So richtig technisch insolvent sind wir nicht und wollen die Schulden alle zurückzahlen, auch wenn es 10 Jahre dauert…

Unser Fehler war, der Erwartung des Buchhandels nachzukommen und jedes Jahr um jeden Preis mindestens zwei Neuerscheinungen herauszubringen. Und zu hoffen, dass es bald wieder so gut gehen wird wie in den Jahren zuvor. Wenn du in einen – aus deiner Sicht einfach genialen – Titel 10.000 Euro oder mehr investierst (uns war wichtig, dass die Bücher gut übersetzt und lektoriert sind) und der Markt von der Genialität unbeeindruckt bleibt, dann fangen die Schulden an viel schneller zu wachsen als es dir lieb ist. Und von solchen Titeln haben wir leider einige.

In den letzten Jahren habe ich für mich festgestellt, dass

– auch wenn ein Geschäftsmodell von Gott inspiriert wird, heißt es nicht zwingend, dass man die Sache buchstäblich ohne Rücksicht auf Verluste durchziehen muss. Man muss zu richtiger Zeit aufhören können, egal wie weh es tut.

– ich würde niemanden raten einen kleinen Verlag zu gründen. Auf keinen Fall. Es sei denn, man schreibt selber laute Bestseller, die man über seinen Verlag vertreibt.

– besonders wir Männer tendieren dazu, auf unsere Gesundheit wenig Rücksicht zu nehmen. Bei mir führte es dazu, dass ich kurz vor einem psychischen Kollaps stand. Wenn es so weit ist, dann fängt man an sich Gedanken zu machen, was im Leben wirklich wichtig ist.

– „Pleite“ sehe ich als eine riesen Chance. Wenn alles glatt läuft, wird man schnell versucht zu denken, sich selbst den Erfolg erarbeitet zu haben. Ich bin aber von Gott total abhängig. Meine jetzige Lage erinnert mich ganz fest daran. Es entsteht eine starke Sehnsucht nach Gott. Und das finde ich klasse.

Soeben erreicht mich die Nachricht, dass auch SCM eventuell bis zu 25 seiner Mitarbeiter entlassen muss. Auch in anderen christlichen Verlagshäusern knirscht es mächtig gewaltig. Woran liegt es? Laufen die Leser weg?

– Menschen haben, meine ich, immer weniger Zeit und Energie, Bücher (oder auch E-Books) zu lesen. Ganz viel Information und Unterhaltung bekommt man aus dem Internet,

– außer dem Internet gibt es für (v. a. kleine) Verlage ganz massiven Wettbewerb von Seiten der Freizeitindustrie, aber auch durch andere Verlage: es gibt über 1,7 Millionen (!) verschiedene Titel auf Deutsch zu kaufen,

– der christliche Markt ist im deutschsprachigen Raum leider viel zu klein,

– (und ganz am Rande) der Brunnen Verlag und SCM sollten wieder mal miteinander über Fusion reden.

Du sprichst ja davon, dass die Buchsparte in deinem Verlag aufgelöst wird. Was meinst du damit, habt ihr noch andere Geschäftsbereiche?

Ja, nachdem wir 2009 einige Bücher zum Film FIREPROOF herausgebracht haben, haben wir viele Anfragen von verschiedenen Gemeinden erhalten, die den Film (damals noch mit deutschen Untertiteln) zu evangelistischen oder anderen Zwecken vorführen wollten. Wir stellten fest, dass es in Deutschland gar nicht möglich war, diesen Film legal öffentlich vorzuführen. Dann haben wir die Rechteinhaber ausfindig gemacht und selber angefangen, die Lizenzen an Gemeinden zu vermitteln. So ist die Sparte Film-Vorführ-Lizenzen entstanden. Inzwischen bieten wir Lizenzen für über 100 christliche Filme an.
Diesen Bereich führen wir nach der Auflösung der Buchsparte weiter. Was die Kapitalbindung, Termindruck und Zeitaufwand angeht, unterscheiden sich die beiden Bereiche enorm voneinander zugunsten den Filmlizenzen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Der LUQS Verlag hat gerade eine besondere Aktion für alle seine Leser gestartet. Hier ein Überblick über beliebte Bücher aus dem Verlag, jetzt besonders günstig.

(Das Interview führte Christian Döring.)

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Michael Albus: Gesine Schwan

gesine schwan

Rezension von Christian Döring:
Als Brandenburger lernte ich Gesine Schwan 1999 durch die Landesmedien kennen. Damals wurde sie Präsidentin der Europa – Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Mit neuen Ideen füllte sie ihr Amt aus und mit ihrer Leidenschaft zog sie so manch einen anfänglichen Skeptiker mit.

In diesem Buch nun, erzählt Gesine Schwan von Höhen und Tiefen in ihrem Leben. Das Elternhaus war nicht ganz so intakt wie es vielleicht schien. Ihren ersten Ehemann begleitete sie Monate an dessen Sterbebett. Es werden mir bislang verborgene Seiten der beliebten Frau offenkundig. Aber bei allem was sie anpackt, tut sie es mit Herz und Seele, was den Verstand nicht ausschließt.

Obwohl die letzten redaktionellen Arbeiten zu diesem Buch wohl im Sommer erfolgten, steht bereits auch die Flüchtlingsfrage im Fokus. Gesine Schwan prescht auch hier voran. Sie gehörte wohl nie zu denen die nur Nachteile sehen oder immer nur „Wenn“ und „Aber“ schreien. Sie fragt nach Alternativen, sieht Chancen und kann begeistern. Mit ihrem klaren Gottesbild kann die Katholikin überzeugen. Gerade in ihrer Zeit an der Uni in Frankfurt (Oder) hat sie sich sehr um die Aussöhnung mit Polen bemüht. Heute vermisst sie die Solidarität aus Polen.

Auch wenn sie bereits seit Jahrzehnten Mitglied der SPD ist, heißt dies für sie noch lange nicht, irgendwelche Parteiprogramme nachquatschen, bevor sie etwas zu sagen hat, schaltet sie ihr Hirn ein. Der Hörer oder Leser merkt dies und genau das macht diese Frau so glaubhaft und authentisch. Wer weiß wie unser Land heute aussehen würde, wäre sie Bundespräsidentin geworden.

Diese Biografie ist das Plädoyer für einen denkenden Menschen und fordert den Leser heraus mutig für seine Ideale zu streiten!

Claudius, ISBN 978-3-532-62477-7, Preis 19,90 Euro

Der Verlag stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 28. Oktober 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Björn hat das Verlosungsexemplar gewonnen,
herzlichen Glückwunsch!

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Lisa T. Bergren: Weihnachten ist ein Geschenk des Himmels

weihnachten ist ein geschenk

Rezension von Susanne Degenhardt:
Dies ist nun schon das vierte ‚Geschenk des Himmels‘-Buch, das uns begeistert. Nachdem die beiden vorigen Ausgaben für meine Tochter noch etwas zu komplex waren, hat uns das Weihnachtsbuch wieder so gut gefallen, wie das allererste Bilderbuch.

Auf das erste Bilderbuch nimmt die Weihnachtsgeschichte auch ein wenig Bezug: Der kleine Eisbär erinnert sich, dass seine Mama ihm immer erzählt, wie er auf die Welt gekommen ist. Jetzt möchte er wissen, wie Jesus zur Welt gekommen ist. Seine Mama verspricht ihm einen Ausflug ‚ ohne Geschwister und Papa. Während sie einen steilen Schneehügel hinaufsteigen, berichtet Mama Eisbär von Maria und Josef, die eine beschwerliche Reise nach Bethlehem auf sich nehmen mussten. Übernachtet wird draußen. Nachts weckt die Mutter ihren Sohn und zeigt ihm die Polarlichter, die an die Engel erinnern, und einen Stern, der an den Stern von Bethlehem erinnert. Warum wir uns an Weihnachten beschenken, wird ebenfalls erwähnt.

Sogar an einer Kirche kommen die Beiden vorbei. Eine Krippe mit Josef, Maria und dem Jesusbaby sind davor aufgebaut. So wurde die Geburt Jesu noch einmal veranschaulicht und auch die anderen Beispiele fand ich diesmal besser nachvollziehbar. Wie gewohnt, kommt die Formulierung ‚Geschenk des Himmels‘ sehr häufig vor, was bei meiner Tochter für einen Wiedererkennungseffekt sorgt. Außerdem spricht sie die Worte dann mit.

Die Illustrationen sind wieder einmal schön winterlich und liebevoll – genau richtig für ein Weihnachtsbilderbuch. Auffällig ist, dass der kleine Eisbär inzwischen größer und älter geworden ist.

Nun sind wir erst recht voller Weihnachtsvorfreude und schließen uns dem kleinen Eisbären an: ‚Weihnachten ist ein Geschenk des Himmels. Auch in diesem Jahr!‘ Empfehlenswert für gut zuhörende Kinder ab 4 Jahren.

Verlag der Franckebuchhandlung, ISBN 978-3-868-27545-2, Preis 9,95 Euro

Der Verlag stellt ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 25. Oktober 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Jennie hat das Verlosungsexemplar gewonnen,
herzlichen Glückwunsch!

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D.A.Carson: Die intolerante Toleranz

die intolerante toleranz

Rezension von Gerhard Warkentin:
Dies ist mal ein Buch zur Förderung der aktiven Denkarbeit und vor allem zum Mit-Denken!
Wenn man noch nicht so viel Vorwissen zur Thematik hat, dann muss man manche Zeile oder auch manchen Absatz vielleicht zweimal lesen. Aber das habe ich hier und da gerne in Kauf genommen, weil mich das Thema brennend interessiert. Der Autor selber ist Professor und schreibt sprachlich gut verständlich und inhaltlich dennoch anspruchsvoll.
Carson geht der Umdeutung des Toleranzbegriffs nach. Er spricht von der „alten Toleranz“ und „neuen Toleranz“. Der Begriff Toleranz wurde seit Jahrtausenden der eigentlichen Wortbedeutung nach als „erdulden, aushalten“ definiert. Die „neue Toleranz“ möchte unter dem Toleranzbegriff aber vielmehr „Akzeptanz“ verstanden haben und damit einhergehend ein Redeverbot all denen auferlegen, die mit der vorgegebenen Meinung in der gegenwärtigen Kultur nicht übereinstimmen. Weil es für dieses Denkmodell keine absolute Wahrheit gibt, kann es auch keine Hierarchie der Wahrheit geben. Aber sind alle Lebensentwürfe wirklich gleich gut für das Zusammenleben in der Gesellschaft? Der Autor macht dies an Beispielen wie „Sex mit Kindern“ (S. 26), eugenischem Kindermord (S. 40) oder der Organentnahme bei geistig behinderten Menschen zur Transplantation (S. 40), deutlich. Die neue Toleranz weigert sich zwischen „konkurrierenden Wahrheitsansprüchen und moralischen Ansprüchen ein Urteil zu fällen“ (S. 138).
Weiter fragt der Autor nach dem eigentlichen Kernproblem der „neuen Toleranz“ für die Gesellschaft. Und so erfährt der Leser, dass es in der Praxis gewisse Ähnlichkeiten mit totalitären Systemen hat, nämlich den totalitären „Rückgriff auf Zwang“ (S. 70). Und Carson ergänzt weiter: „Bei all ihrer hoch gelobten Offenheit für „das Andere“ kann die Postmoderne genauso exklusiv und übertrieben kritisch sein wie die Orthodoxien, denen sie sich widersetzt.“ (S. 116) Die Mutter der Toleranz ist der Relativismus. Und dieser „treibt regelmäßig seine Spielchen mit der Sprache, ermutigt zu dogmatischen Abweichungen, fördert Doppelzüngigkeit und gibt vor, demütig zu sein, während er eine erstaunliche Arroganz autorisiert.“ (S. 187)
Professor Carson lässt seine Leser auch über den Tellerrand der westlichen Welt blicken und kommt in seinen Beobachtungen zu einem sehr bemerkenswerten Schluss. „Mittlerweile sehen Kulturen in anderen Teilen der Welt in der westlichen (neuen) Toleranz oft nicht eine reife und zivilisierte Kultur, die es wert ist, nachgeahmt zu werden, sondern eine kindische und manipulative Kultur, die sich weigert, sich mit ernsthaften moralischen Fragen zu befassen, und dies ist wegen der Macht und Reichweite digitaler Produktionen eine Gefahr für ihre jeweilige eigene Welt.“ (S. 194) Also ist der Import dieser Neudeutung des Begriffs Toleranz nicht allseits willkommen.
Der Säkularismus möchte gerne Gott aus der öffentlichen Debatte und sogar der gesamten Demokratie heraushalten. Aber eine gutfunktionierende Demokratie des friedlichen Miteinanders braucht Gott und seine Wertmaßstäbe an denen man sich gerne auch mal reiben darf. Ja, die Demokratie braucht Gott, aber er selber ist nicht so demokratisch wie es sich manche heute wünschen. „Wenn die Religionsfreiheit zunehmend beschnitten wird, dann ist es nur eine Frage der Zeit, ehe die Freiheit … auch zunehmend beschnitten wird. Nicht umsonst wird die Religionsfreiheit oft die erste Freiheit genannt.“ (S. 211)
Carson wirft schlussendlich die Frage auf, ob es für Christen möglich ist in einer pluralistischen Gesellschaft zu leben?! Die Antwort darauf ist sehr eindeutig: Ja! Denn Christen möchten keinen Gottesstaat errichten, sondern das Evangelium verkündigen und praktische Nächstenliebe helfend leben und erleben wie Gottes Reich in den Herzen von immer Menschen Realität wird.
Fazit: 100 Punkte für dieses ausgezeichnete Buch!
P.S.: Der Verlag hat sich bei der Veröffentlichung für einen nicht zu engen Zeilenabstand entschieden. Darum ist der Text gut zu lesen und gut zum Unterstreichen!

3L Verlag, ISBN 978-3-941-98856-9, Preis 13,50 Euro

Der Verlag stellt uns von diesem Titel drei Verlosungsexemplare zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 25. Oktober 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

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Harald Stollmeier: Märchen von Liebe und Mut

märchen von Liebe und Mut

Rezension von Rainer Buck:
Harald Stollmeier ist ein gesellschaftspolitisch engagierter Blogger, dessen Positionen von einem überzeugten katholischen Christsein zeugen.
Die „Märchen von Liebe und Mut“ sind die zweite Sammlung, die er veröffentlicht. Es sind Geschichten für Erwachsene, die man zum Teil aber auch Kindern vorlesen kann. Es sind Mutmach-Geschichten, die zugleich hinterfragen, was wirklich „mutig“ ist. Nicht von ungefähr steht die „Liebe“ im Titel.
Die Geschichten sind nicht vordergründig christlich, wenngleich manchmal durchaus religiöse Motive vorkommen.
So ist zum Beispiel das erste Märchen eine interessante Variante der biblischen Paradiesgeschichte um Adam und Eva. Ein weiteres Märchen stellt die Frage, inwieweit der Tod Menschen, die sich im Leben verbunden waren, trennt.
In beiden Fällen obsiegt der Märchenerzähler über den Dogmatiker, trotzdem oder gerade deshalb hat man den Eindruck, dass die Märchen einen christlich Charakter haben, einen stimulierenden, tröstenden und befreienden Geist versprühen.

Tredition, ISBN 978-3-732-35139-8, Preis 9,99 Euro

Autor Harald Stollmeier stellt uns ein signiertes Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 18. Oktober 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

So ganz nebenbei ist Harald Stollmeier auch Blogger!

Herzlichen Glückwunsch Annette,
du hast das Verlosungsexemplar gewonnen!

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