Rainer Dabrowski: verknackt – vergittert – vergessen

verknackt vergittert

Rezension von Christian Döring:
Fast ein Vierteljahrhundert lang war Pfarrer Rainer Dabrowski Anstaltsseelsorger im größten geschlossenen Männervollzug. Jetzt ist er im Ruhestand und zieht in seinem Buch ein nicht gerade rosiges Resümee was die Zukunft betrifft.

Wie sieht es tatsächlich aus im Knast? Wie sehen die Häftlinge aus, was beschäftigt sie? Wir alle, die wir noch nie selbst im Knast waren, haben so unsere Vorstellungen, meine zumindest haben sich nach dieser Lektüre ein wenig verändert. Natürlich kommt auch der Autor auf die Kindheit der Inhaftierten zu sprechen, als Entschuldigung für spätere Taten lässt er sie jedoch nicht gelten. Vielmehr fragt er nach der Verantwortung eines jeden von uns.

Man spürt beim Lesen wie frei und unabhängig Rainer Dabrowski seine Meinung sagt. Er kritisiert seine Kirche, insbesondere auch die erlebten Vikare im Knast. Er übt Gesellschaftskritik und wendet sich somit an jeden der hier im Lande lebt und dies weiterhin in Sicherheit tun will. Er schreibt auch über inhaftierte Ausländer. Werden sie nach Verbüßung ihrer Haftstrafe nicht in ihr Heimatland abgeschoben, ist es für sie schier unmöglich eine geregelte Arbeit zu bekommen. Mittellos stehen sie dann da, schauen sich Deutschlands Wohlstand an und werden über kurz oder lang wieder straffällig.

Eine Vielzahl von erlebten Beispielen mit inhaftierten Männern hat Dabrowski aufgeschrieben und versucht damit bestimmte Dinge und Sachverhalte bildhaft darzustellen. Dies gelingt ihm sehr gut und er lässt dabei so gut wie kein Thema aus …

Auf den ersten Seiten seines Buches beschreibt Pfarrer Rainer Dabrowski wie er in der DDR aufgewachsen ist und nach Westberlin kam. Später lernte er selbst als Bedürftiger das Sozialamt kennen. Anfangs fragte ich mich: Gehört dies überhaupt in das Buch hinein? Auch zwischendurch unternimmt der Autor gelegentliche Ausflüge in seine eigene Biografie und immer mehr wird deutlich, das Gesamtbild stimmt, die Aussage ist klar!

Rainer Dabrowski beschreibt seine Knastjahre durchaus humorvoll, aber keinesfalls oberflächlich!

Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-3-579-07058-2, Preis 17,99 Euro

Das Gütersloher Verlagshaus stellt uns ein Verlosungsexemplar zur Verfügung. Wer seinen Kommentar bis zum 18. November 2015 unter diesem Beitrag postet, nimmt automatisch an unserer Verlosung teil. Viel Glück!

Herzlichen Glückwunsch!
Das Verlosungsexemplar geht an Reni.

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8 Kommentare

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8 Antworten zu “Rainer Dabrowski: verknackt – vergittert – vergessen

  1. silvertrue

    Vor Jahren las ich eine Biographie eines Priesters, der mit den anderen Gefangenen selber einsaß. Das muss so um die 1940er Jahre gewesen sein.
    Dieser Priester brachte des öfteren das Opfer, die Schuld anderer auf sich zu nehmen, damit diese nicht grün und blau geschlagen wurden.
    Er hat es überlebt, aber blieb auf viele Jahre hinaus traumatisiert.

    Auch wenn die Jahre sich vielleicht verändert haben und die Gefängnisse nicht mehr die gleichen sind – eines bleibt jedoch klar und offensichtlich:
    Gefängnisse bringen nur wenig, aber was wäre die Alternative?

  2. Salo

    Vorher habe ich eine Anzeige für dieses Buch gesehen und gedacht: Der Titel klingt nach einem guten Buch!

  3. Curin

    Dieses Buch klingt interessant. Ich fände es spannend zu lesen, was der Pfarrer so im Gefängnis erlebt!

  4. Der Jochen

    Das will ich _wirklich_ lesen.

  5. Reni

    Interessantes Buch

  6. Lena

    Ein spannendes Thema!

  7. Ody

    neue Einblicke gewinnen – wäre schön

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